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Alpenvorland
Mit der Bildung der Alpen begann auch zeitgleich deren Erosion durch Wind und Wasser (Gesteinskreislauf). Durch die Erosion wurden der Tertiärzeit (ca. 66–2 …
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Begriff und geologisches Grundprinzip
Das Alpenvorland ist das Hochland rund um die Alpen. In der Geomorphologie, also der Lehre von den Formen der Erdoberfläche, bezeichnet der Begriff Regionen, in denen Grundgebirge aus Granit und Gneis sowie Gesteine der Jura- und Triaszeit großflächig durch Sedimente aus Tertiär und Quartär ersetzt oder überdeckt sind. Im südlichen Teil wurden diese Ablagerungen später zusätzlich durch eiszeitliche Veränderungen geprägt.
Das nördliche Alpenvorland entstand im Zusammenhang mit der Alpenbildung: Vor etwa 150 Millionen Jahren, an der Grenze Jura–Kreide, bewegte sich die afrikanische Kontinentalplatte auf die europäische zu. Der Ozean zwischen beiden Platten, ein Ausläufer der Thetys, wurde weitgehend subduziert, also unter eine andere Platte gedrängt. Beim Zusammenprall schob sich die afrikanische Platte auf die europäische; der Druck faltete Gesteinsschichten auf. Der Großteil der alpidischen Gebirgsbildung fand vor etwa 50–2,6 Millionen Jahren statt.
Durch diese Aufschiebung entstand ein Trog, das Molassebecken. Er bildet heute das Gebiet des nördlichen Alpenvorlands. Wind und Wasser erodierten gleichzeitig die sich bildenden Alpen. Im Tertiär, etwa 66–2,5 Millionen Jahre vor heute, wurden bis zu 5000 Meter mächtige Sedimente aus Schluff und Ton, Sand und Geröll im Molassebecken abgelagert. Schluff und Ton werden dort auch als „Tegel“ oder „Schlier“ bezeichnet.
Eiszeiten formen Seen, Moore und Hügel
Die heutige Gestalt des südlicheren nördlichen Alpenvorlands ist besonders durch die Eiszeiten geprägt, die vor etwa 2,6 Millionen Jahren begannen und den Beginn des Quartärs markieren. Gletscher aus den Zentralalpen, beispielsweise aus dem Ötztal, drangen wiederholt weit ins Vorland vor. Sie vertieften durch Flüsse vorgeformte Täler zu breiten Trogtälern, etwa Inntal, Isartal, Loisachtal, Ammertal und Lechtal. Auch außerhalb solcher Täler schürften die Gletscher Becken aus.
In diese Becken gelangten nach dem Rückzug der Gletscher Wasser und von Flüssen aus den Alpen herangeführter Abtragungsschutt. Noch nicht verlandete Becken bilden Seen wie Ammersee, Starnberger See, Staffelsee, Chiemsee, Wörthsee, Tegernsee und Pilsensee. Mit Seeton aufgefüllte, weitgehend wasserstauende Flächen wurden zu Moorlandschaften, unter anderem zum Murnauer Moos und Weilheimer Moos. Der Starnberger See besitzt kaum Zuflüsse, verlandet daher langsam und ist mit 128 m deutlich tiefer als die anderen Seen des Alpenvorlands. Die Osterseen bei Iffeldorf sind Toteisseen: Sie entstanden aus großen Eisblöcken, die sich beim Abschmelzen von der Hauptzunge des Gletschers abtrennten; sie werden teilweise vom Grundwasser gespeist.
Gletscher bildeten außerdem Moränen. Eine Endmoräne entsteht aus Material, das ein Gletscher vor sich herschiebt, eine Seitenmoräne aus seitlich abgelagertem Material. Grundmoränen können unter dem Gletscher durch Bäche und Hohlräume entstehen. End-, Seiten- und Grundmoränen verursachen einen großen Teil der Hügel des Alpenvorlands. Im Eberfinger Drumlinfeld zeigen tropfenförmige, längliche Hügel, die Drumlins, die Hauptstoßrichtung der Gletscherzungen an.
Schotterebenen, Tertiärhügelland und Nutzung
Die Gletscher erreichten ihre größte Ausdehnung vor etwa 460.000–400.000 Jahren in der Mindel-Kaltzeit und vor 150.000 Jahren in der Riß-Kaltzeit; ihre Zungen reichten fast bis München. Besonders wichtig für die heutige Landschaft waren jedoch die Vorstöße der Würm-Kaltzeit von etwa 115.000–15.000 Jahren vor heute. Beim Abschmelzen setzten die mehrere hundert Meter mächtigen Gletscher große Mengen Schmelzwasser und Schotter frei. Nördlich der Gletscher entstand dadurch die Münchener Schotterebene. Flüsse schnitten sich später in Schotter und Molasseschichten ein und bildeten Terrassen, wie bei Apfeldorf.
Das Seen- und Moränenland besitzt Zungenbecken, kuppige Grundmoränen, bewaldete Endmoränen, verlandete oder vermoorte Seen und Drumlinschwärme. Typische Böden sind Parabraunerde, Schotter sowie Moor- und Riedflächen einschließlich Hochmooren. Es dient unter anderem der Erholung und dem Tourismus, der Holzindustrie und der Viehzucht.
Schotterebenen sind durch Kies und Sand sowie ebene, zu den Alpen hin abflachende Flächen und Schotterterrassen entlang der Flüsse gekennzeichnet. Sie werden für Ackerbau, Heideland, Kiesabbau und Trinkwasser genutzt. Das Tertiärhügelland entstand durch die Anhebung verfestigter Sedimente; es wurde nicht vereist. Dort lagerten sich Lössablagerungen ab, also angewehtes feines Gesteinsmaterial aus den Schotterebenen. Das Relief ist flachwellig oder hügelig; Landwirtschaft und Ackerbau prägen die Nutzung.
Ausdehnung und Gliederung des nördlichen Raums
Das nördliche Alpenvorland ist der ausgedehnteste Teil. Es zieht sich in einem weiten, nach Osten schmaler werdenden Bogen vom südlichen Schwarzwald über Württemberg und Bayern bis nach Österreich. Seine Südgrenze bilden alpine und voralpine Erhebungen. Einzelne größere Erhebungen ragen weit nach Norden vor, darunter Auerberg im Allgäu, Hoher Peißenberg und Taubenberg in Bayern sowie Haunsberg im Salzburger Flachgau. Der Haunsberg gehört geologisch bereits zur Flyschzone und damit zu den Voralpen.
Im Nordwesten begrenzt die Schwäbische Alb die Landschaft; weiter östlich bildet die Donau die Grenze zu Höhenzügen Frankens, Ostbayerns und Österreichs, darunter dem Granit-und-Gneis-Hochland. Im Osten endet das zu einem schmalen Streifen gewordene Gebiet vor dem Tullnerfeld. Anteile haben Baden-Württemberg mit Oberschwaben und Bodensee, Bayern mit Schwaben, Allgäu, Ober- und Niederbayern südlich der Donau sowie der Oberpfalz südlich der Donau, außerdem Salzburg mit dem Flachgau, Oberösterreich mit Zentralland sowie Inn-, Traun- und Hausruckviertel und Niederösterreich, vor allem das Mostviertel.
Zum nördlichen Zusammenhang können auch die Landschaften der Schweiz zwischen Alpen und Jura gerechnet werden. Dort heißen sie jedoch Schweizer Mittelland und nicht Alpenvorland. Höhere Gebiete zwischen Mittelland und Alpen beziehungsweise zwischen Alpen und Poebene werden in der Schweiz als Voralpen bezeichnet. Zu den deutschen Naturräumen zählen die Donau-Iller-Lech-Platte (D64), das Unterbayerische Hügelland und die Isar-Inn-Schotterplatten (D65) sowie das Bayerische Alpenvorland (D66).
Weitere Alpenvorländer
Das französische Alpenvorland liegt in Auvergne-Rhône-Alpes und Provence-Alpes-Côte d’Azur. Es beginnt an der Schweizer Grenze bei Genf als Fortsetzung des Schweizer Mittellands und erstreckt sich im Rhonetal zwischen Savoyer Alpen und französischem Jura bis zur Metropolregion Lyon. Dazu können streng genommen auch Bresse savoyarde und Gebiete am südlichen Lauf der Saône gezählt werden; im Osten grenzt die Region Beaujolais. Dieser nördliche französische Teil weist ähnliche Landschaftsformen wie das nördliche Alpenvorland auf. Südlich von Lyon gehören ungefähr die Gebiete zwischen Französischen Kalkalpen und Massif Central dazu, einschließlich nördlicher Dauphiné, Vercors, Chartreuse, Côtes du Rhône, Provenzalischen Voralpen und Massif des Maures. Das Massif des Maures gehört geologisch nicht mehr zu den Alpen.
Am Ostrand der Alpen beginnt das Alpenvorland ab dem Leithagebirge. Es umfasst den Rand der Kleinen Puszta, die Hügelländer des südlichen Burgenlandes und der unteren Steiermark sowie das oststeirische Hügelland beiderseits der Grenze und endet am Krainer Karst. Dort gibt es Reste vulkanischer Erscheinungen und viele touristisch genutzte Thermalbäder.
Das südliche oder italienische Alpenvorland liegt fast vollständig in Italien; sein Ostrand reicht nach Slowenien. Es umfasst Kuppenzüge am Rand der Südlichen Kalkalpen und der Poebene, ihre östliche Verlängerung an den Unterläufen von Etsch, Brenta, Piave, Tagliamento und Isonzo sowie Hügellandschaften der Lombardei und des Piemont. Das östliche und südöstliche, italienische und französische Alpenvorland sind stark überprägte Ränder des alpinen Deckensystems.
Historisch waren Austritte von Flüssen aus den Alpen günstige Orte für Stadtgründungen: Flusstäler dienten als Transportwege, ebene Böden erleichterten die Nutzung und Randgebirge waren leicht zu verteidigen. Als Beispiele nennt der Artikel Salzburg, Graz, Görz, Verona und Mailand.