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Gesellschaft für deutsche Sprache
Die GfdS begleitet dabei den jeweils aktuellen Sprachwandel kritisch und gibt Empfehlungen für den Sprachgebrauch. Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS).
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Aufgabe und Bedeutung
Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. (GfdS) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Wiesbaden. Sie wurde 1947 gegründet und versteht sich als Fachgesellschaft für die deutsche Sprache. Nach eigenen Angaben hat sie rund 3000 Mitglieder im In- und Ausland. Finanziert wird sie hauptsächlich von der deutschen Kultusministerkonferenz und dem Kulturstaatsminister.
Ihre zentrale Aufgabe ist es, die deutsche Sprache zu pflegen und zu erforschen. Außerdem soll sie die Funktion der deutschen Sprache im globalen Zusammenhang sichtbar machen. Die GfdS beobachtet den aktuellen Sprachwandel kritisch und gibt Empfehlungen für den Sprachgebrauch. Sie richtet sich nicht nur an Fachleute, sondern ist offen für alle, die sich für die deutsche Sprache interessieren.
Entwicklung und Leitung
Die GfdS wurde 1947 von dem Landgerichtsdirektor Max Wachler gegründet. Sie gilt als Nachfolgeorganisation des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, der von 1885 bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. Seit 1965 hat die GfdS ihren Sitz in Wiesbaden; zuvor war sie in Lüneburg ansässig. Der Umzug erfolgte unter Geschäftsführer Otto Nüssler, der von 1965 bis 1985 auch Schriftleiter der Zeitschriften „Muttersprache“ und „Der Sprachdienst“ war.
Seit dem 1. Januar 2025 ist der Sprachwissenschaftler Jochen A. Bär Vorsitzender der Gesellschaft. Er folgte auf Peter Schlobinski, der das Amt zehn Jahre lang innehatte. Bär ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Vechta, gehört seit 2015 dem Hauptvorstand an und wurde 2019 stellvertretender Vorsitzender. Zum Hauptvorstand gehören außerdem Peter Schlobinski, Damaris Nübling, Thomas Menzel und Iris Buck. Ehrenvorsitzender ist Rudolf Hoberg.
Sprachberatung und Preise
Ein wichtiger Arbeitsbereich der GfdS ist ihr Sprachberatungsdienst. Dort erhalten Privatpersonen, Firmen, Behörden und Institutionen Hilfe bei sprachbezogenen Fragen, zum Beispiel zu Rechtschreibung, Grammatik oder Stil. Die GfdS erstellt auch Gutachten, etwa zu Vornamen. Für Nichtmitglieder ist dieser Dienst seit einiger Zeit kostenpflichtig.
Seit 1977 wählt die GfdS die „Wörter des Jahres“. Diese Auswahl dient als sprachlicher Jahresrückblick: Sie zeigt, welche Wörter ein Jahr besonders geprägt haben. Bereits für das Jahr 1971 erschien in der GfdS-Zeitschrift „Der Sprachdienst“ ein Aufsatz zu „Wörtern des Jahres“, der zunächst aber keine dauerhafte Reihe auslöste.
Die GfdS vergibt außerdem Preise. Seit 1987 verleiht sie alle zwei Jahre den Medienpreis für Sprachkultur. Seit 1994 wird zusammen mit der Alexander-Rhomberg-Stiftung der Alexander-Rhomberg-Preis für Nachwuchsjournalisten vergeben. 2014 wurde der Hans-Oelschläger-Preis geschaffen. Er richtet sich an Journalistinnen und Journalisten in Rundfunk und Fernsehen, die durch ihre Sendungen das Empfinden für klares Deutsch stärken und den Sprachgebrauch kritisch beobachten.
Arbeit für Staat und Rechtssprache
Seit 1966 gibt es einen Redaktionsstab der Gesellschaft für deutsche Sprache beim Deutschen Bundestag. Er berät den Bundestag, den Bundesrat sowie Ministerien und Behörden der Länder bei Sprachfragen. Diese Stellen können Texte auf sprachliche Richtigkeit und Verständlichkeit prüfen lassen. Auch Fragen zu geschlechtergerechtem Formulieren, Stil, Grammatik und Rechtschreibung gehören zu seinen Aufgaben.
Die Aufgabe des Redaktionsstabs im Gesetzgebungsverfahren ist in § 80a der Geschäftsordnung des Bundestags geregelt. Danach soll ein beim Bundestag eingerichteter oder angesiedelter Redaktionsstab auf Beschluss des federführenden Ausschusses einen Gesetzentwurf auf sprachliche Richtigkeit und Verständlichkeit prüfen und bei Bedarf Empfehlungen an den Ausschuss richten. Der Ausschuss kann den Redaktionsstab während des gesamten Beratungsverfahrens hinzuziehen, besonders bei Änderungsanträgen, deren Annahme zu erwarten ist. Außerdem bietet der Redaktionsstab weitere sprachliche Beratung an.
Die wichtigste praktische Aufgabe besteht darin, Texte sprachlich zu überarbeiten. Ziel sind einfache und klare Formulierungen. Dabei müssen aber die Eigenheiten der Rechtssprache und anderer Fachsprachen berücksichtigt werden. Von 2009 bis Ende 2012 führte die GfdS außerdem den Redaktionsstab Rechtssprache beim Bundesministerium der Justiz. Er entstand aus dem zweijährigen Projekt „Verständliche Gesetze“, das auf eine parteiübergreifende parlamentarische Initiative zurückging.
Veröffentlichungen und Gendern
Die GfdS gibt zwei Sprachzeitschriften heraus: „Der Sprachdienst“ und „Muttersprache“. „Der Sprachdienst“ erscheint alle zwei Monate und hatte 2007 eine Auflage von 3.200 Exemplaren. Die Zeitschrift entstand 1957 aus der praktischen Arbeit der GfdS und ist bis heute zugleich ihr Mitteilungsblatt. Sie richtet sich an ein sprachinteressiertes Publikum und behandelt Fragen der deutschen Gegenwartssprache. Regelmäßig erscheinen dort Übersichten wie „Wörter des Jahres“ und „Die beliebtesten Vornamen“. Außerdem werden Sprachanfragen von allgemeinem Interesse veröffentlicht. Themen sind unter anderem Sprachentwicklung, Sprachkritik, Wortgeschichte, Grammatik, Stil, Phraseologie, Terminologie, Namenforschung und Rechtschreibung. „Muttersprache“ erscheint vierteljährlich. Zusätzlich veröffentlicht die GfdS Bücher zu besonderen Themen.
2019 veröffentlichte die GfdS Leitlinien zu Möglichkeiten des Genderings, also zu geschlechtergerechter Sprache. Eine aktualisierte Version erschien im August 2020. Die GfdS sieht Schreibweisen mit Genderstern wie „Lehrer*innen“, Gender-Doppelpunkt wie „Lehrer:innen“, Gender-Gap wie „Lehrer_innen“, Mediopunkt wie „Lehrer·innen“ oder Binnen-I wie „LehrerInnen“ als ungeeignete Mittel genderneutraler Schreibung an. Auch sogenannte „Gender-Pausen“ beim Vortragen dieser Formen lehnt sie ab, weil sie sich nach ihrer Auffassung nicht verschriftlichen ließen.
Die Leitlinien betonen, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes verankert ist und geschlechtergerechte Sprache ein wichtiger Aspekt der Gleichbehandlung sei. Zugleich erklärt die GfdS, dass weder das generische Femininum noch das generische Maskulinum eine solche Gleichbehandlung gewährleiste. Als geeignete Mittel erkennt sie Doppelnennungen wie „Lehrerinnen und Lehrer“, Schrägstrich-Schreibweisen wie „Lehrer/Lehrerinnen“ oder „Lehrer/-innen“, Ersatzformen wie „Lehrkraft“ oder „Lehrende“ sowie bedingt Klammern wie „Lehrer(innen)“ an. Zur Benennung diversgeschlechtlicher Personen stellt sie fest, dass realistische und orthografisch wie grammatisch korrekt umsetzbare Möglichkeiten weiter diskutiert werden müssten. Im Mai 2021 fasste sie ihre Haltung so zusammen: „Ja zum Gendern“ – wenn es verständlich, lesbar und regelkonform ist; kritisch stehe sie dem Gendersternchen gegenüber, nicht aber dem Gendern an sich.
Struktur und Kooperationen
Die GfdS unterhält derzeit 100 ehrenamtlich geleitete Zweigvereine in über 35 Ländern; diese Angabe stammt aus dem Stand Mai 2015. In Deutschland gibt es 49 Zweigvereine. In jedem Bundesland ist mindestens ein Zweigverein vertreten. Besonders viele befinden sich in Nordrhein-Westfalen und Hessen, weitere unter anderem in Sachsen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Im Ausland gibt es 52 Zweigvereine, davon 22 außerhalb Europas. Acht Zweigvereine liegen allein in Russland, darunter Kaliningrad, Moskau, Omsk, St. Petersburg und Woronesch. Weitere europäische Standorte sind zum Beispiel Brüssel, Sofia, Tallinn, London, Bozen, Wien, Warschau, Bukarest, Madrid, Prag, Kiew und Budapest. Außerhalb Europas befinden sich Zweigvereine in Afrika, Asien und Amerika, etwa in Kairo, Johannesburg, Windhoek, Boston, Chicago, New York, São Paulo, Peking, Shanghai, Tel Aviv, Seoul, Tokio und Pune.
Die GfdS ist durch ihren Vorsitzenden Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung. 2003 gründete sie zusammen mit dem Goethe-Institut und dem Institut für Deutsche Sprache den Deutschen Sprachrat, dem später auch der Deutsche Akademische Austauschdienst beitrat. Außerdem steht sie im Austausch mit verschiedenen universitären und außeruniversitären Einrichtungen der Sprachwissenschaft, besonders mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Institut für Deutsche Sprache. 2018 erhielt die GfdS den Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden.