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Geschichte von Wales
Ab 1267 war Llywelyn Lehnsherr aller walisischen Adligen, das Fürstentum wurde erblich. ... Der altirische Begriff leitet sich von „dies“ ab, was ursprünglich …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und frühe Besiedlung
Die Geschichte von Wales reicht archäologisch etwa 230.000 Jahre zurück, doch Kaltzeiten unterbrachen die Besiedlung mehrfach. Wales ist heute ein Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland.
Die frühesten Funde sind 19 Neandertalerzähne aus der Pontnewydd-Höhle im Elwy-Tal in Denbighshire. Sie stammen von sechs Kindern und Erwachsenen und sind rund 230.000 Jahre alt; zugleich sind es die nördlichsten bekannten Neandertalerreste. Wales war damals noch mit dem europäischen Festland verbunden. Spätere Neandertaler jagten in einer trockenen Graslandschaft Mammut, Wollnashorn, Pferd und Tüpfelhyäne. Funde aus Coygan, Pontnewydd, Ffynnon Beuno und Paviland gehören zum Moustérien.
Im Jungpaläolithikum lebten anatomisch moderne Menschen in Wales. Der bekannteste Fund ist die 1823 entdeckte „Red Lady of Paviland“, die heute als Skelett eines jungen Mannes gilt und auf 33.000 Jahre datiert wurde. Er war vermutlich rituell bestattet worden. Während des Höhepunkts der letzten Eiszeit vor rund 22.000 Jahren war Wales vermutlich unbesiedelt. Aus der Zeit um 12.000 bis 10.000 v. Chr. stammen eine Rentier-Ritzzeichnung auf Gower, wohl die älteste Felskunst Großbritanniens, und ein mit Zickzacklinien verzierter Pferdekiefer als ältester Nachweis ornamentaler Kunst in Wales.
Nach dem Rückzug der Gletscher war Wales um 8300 v. Chr. eisfrei. Im Mesolithikum, etwa 8500 bis 4500 v. Chr., verdrängte Wald die Graslandschaft. Jäger, Fischer und Sammler passten sich an: Reh, Hirsch und Wildschwein wurden wichtige Jagdtiere. Sie entwickelten neue Jagd- und Fangtechniken, setzten spätestens jetzt Hunde ein und nutzten teilweise Feuer, um Flächen für Herden zu schaffen. Fundorte wie The Nab Head zeigen spezialisierte „task sites“, also Plätze für bestimmte Tätigkeiten, etwa die Werkzeug- oder Perlenherstellung. In Burry Holms ist Birkenpech an einer Flintspitze nachgewiesen; dies gilt als Beleg für ein frühes Kompositwerkzeug mit verklebten Teilen.
Bauern, Metall und keltische Gesellschaften
Im 4. Jahrtausend v. Chr. begann die Neolithisierung: bäuerliche Zuwanderer, wahrscheinlich aus Frankreich, brachten Viehzucht und Ackerbau nach Wales. Siedlungsschwerpunkte lagen auf Anglesey und in Caernarvonshire sowie in Pembrokeshire. Um 3500 v. Chr. entstanden Cromlechi, religiös motivierte Megalithanlagen, an oder in denen Tote bestattet wurden; Beispiele sind Gwernvale Cromlech und das um 3200 v. Chr. errichtete Barclodiad y Gawres. Die Bevölkerung lebte wohl meist in kleinen, ihre Siedlungen innerhalb eines Gebiets verlegenden Gruppen. Viehzucht überwog gegenüber Ackerbau; Rind, Schaf, Schwein und Ziege wurden genutzt, Jagd war weniger wichtig.
Megalithanlagen, Alignements und Menhire prägten die Jungsteinzeit. Erhalten sind über 150 Megalithanlagen, besonders in Caernarvonshire, auf Anglesey und in Pembrokeshire. Henges waren runde, von Erdwall und oft innerem Graben begrenzte Versammlungs-, Handels- und Ritualorte mit 20 bis 480 m Durchmesser. Die Beilproduktion in Graig Lwyd auf Penmaenmawr um 3000 v. Chr. war über ganz Britannien verbreitet und weist auf Handelssysteme hin. Blausteine für Stonehenge kamen ab etwa 3000 v. Chr. aus Südwestwales.
Die Bronzezeit dauerte frühestens von etwa 2500 bis 750 v. Chr. Kupferobjekte erscheinen um 2500 v. Chr., Bronze wurde aber erst um 1400 v. Chr. allgemein genutzt. Mit der Glockenbecherkultur wurden ab etwa 2000 v. Chr. Einzelgräber und reichere Grabbeigaben üblich. Die Frage, ob diese Kultur durch Einwanderung oder kulturellen Wandel entstand, wird im Artikel nicht abschließend entschieden. Nach 1400 v. Chr. führte Abkühlung zur Aufgabe höherer Gebiete; zugleich nahmen Metallproduktion, Waffenfunde und befestigte Höhenburgen zu. Wales besaß rund 600 Höhenburgen; Dinorben entstand um 1000 v. Chr.
Für die Eisenzeit von 750 v. Chr. bis 48 n. Chr. ist eine Einwanderung der Kelten in mehreren Wellen heute stark umstritten. Keltisch wird vielfach als über kulturelle Grenzen hinweg verwendete Händlersprache erklärt, also durch Akkulturation statt Wanderung. Tre’r Ceyri entstand um 200 v. Chr., hatte etwa 150 Häuser und bestand bis in die Römerzeit. Münzfunde belegen Kleinkönigreiche der Deceangli, Ordovices, Demetae, Silures und Cornovii. Silures sowie Ordovices waren besonders mächtig und leisteten den Römern später den stärksten Widerstand. Anglesey war zwischen 150 v. Chr. und etwa 50 n. Chr. ein Kerngebiet der druidischen Kultur.
Römische Herrschaft und ihr Ende
Die römische Eroberung von Wales begann 48 n. Chr. unter Publius Ostorius Scapula. Aulus Plautius hatte im selben Jahr bereits die Unterwerfung der Deceangli entgegengenommen; damit erscheint Wales erstmals bei Tacitus in einer Schriftquelle. Gegen die Silures und Ordovices dauerte der Krieg mehrere Jahrzehnte. Caratacus, in walisischer Überlieferung Caradog, wurde 51 n. Chr. geschlagen, nach Rom gebracht und wegen seiner würdevollen Haltung begnadigt.
Suetonius Paulinus eroberte 60 oder 61 Anglesey und zerstörte dort das Druidenheiligtum, musste aber wegen des Boudica-Aufstands zurückkehren. Die Silures wurden 78 unter Sextus Julius Frontinus endgültig besiegt, die Ordovices und Anglesey zu Beginn des folgenden Jahres unter Gnaeus Iulius Agricola. Rom führte zwischen 48 und 79 mindestens 13 Feldzüge; zeitweise waren vielleicht 30.000 Legionäre eingesetzt. In Wales entstanden mindestens 20 Lager und archäologisch mindestens 35 Hilfslager.
Wales gehörte zunächst zu Britannia Superior, in der Spätantike zu Britannia Prima. Römische Straßen, Lager und Rohstoffausbeutung banden das Gebiet an Handel und Wirtschaft des Reichs. Wegen des gebirgigen Landes und geringer Ackerflächen blieb das Interesse Roms begrenzt, abgesehen besonders vom Goldbergbau. Die wichtigste größere Stadtgründung war Venta Silurum, das heutige Caerwent; Legionslager lagen vor allem in Deva (Chester) und Isca Silurum (Caerleon). Villae, große landwirtschaftliche Güter mit Arbeitskräften aus Hörigen oder Sklaven, entstanden nur in sicheren Gebieten.
Römische Kulte verdrängten die Druidenreligion, doch wurden keltische Gottheiten oft mit römischen gleichgesetzt, etwa Mars-Ocelus in Caerwent. Christentum setzte sich durch, nachdem es 394 römische Staatsreligion geworden war. Ab 401 wurden Truppen aus Britannien abgezogen; Piratenangriffe nahmen zu. 410 gab Rom Britannien auf und wies die Bewohner an, ihre Verteidigung selbst zu organisieren.
Walisische Fürstentümer und englische Eroberung
Nach dem römischen Rückzug entstanden in Wales mehrere Fürstentümer. Im 6. Jahrhundert sind Gwynedd, Powys, Dyfed und Gwent bekannt. Trotz politischer Zersplitterung wurde das Land als Einheit verstanden: Cymru bezeichnete Land und Bevölkerung. Gleiches Erbrecht für alle, auch illegitimen Söhne führte jedoch zu wiederholten Teilungen und Erbkämpfen. Rhodri Mawr vereinigte im 9. Jahrhundert offenbar erstmals das ganze Land; Gruffydd ap Llywelyn beherrschte von 1039 bis 1055 einen Großteil von Wales.
Nach der normannischen Eroberung Englands 1066 drangen normannische Herren in Wales vor. Die Welsh Marches waren Grenzgebiete, in denen Marcher Lords weitgehend eigenständige Herrschaften aufbauten. Aufstände ab 1094 drängten die Normannen in Nordwales bis östlich des River Conwy zurück, doch Teile Süd- und Westwales blieben unter normannischer Kontrolle. Wales blieb in anglonormannisch beherrschte Marcha Wallie und walisische Pura Wallia geteilt. Der schwer zugängliche Norden und Westen, besonders Gwynedd, behauptete weitgehend seine Unabhängigkeit.
Im 13. Jahrhundert zentralisierten die Herrscher von Gwynedd ihre Macht nach feudalem, englisch beeinflusstem Vorbild. Llywelyn ab Iorwerth (um 1190–1240) unterwarf bis 1216 weite Teile von Wales. Sein Enkel Llywelyn ap Gruffydd nannte sich ab 1258 Princeps Wallie. Im Vertrag von Montgomery 1267 erkannte Heinrich III. diesen Titel an: Llywelyn war Lehnsherr der walisischen Adligen, aber selbst Oberlehnsmann des englischen Königs.
Die Konflikte mit Eduard I. führten zu Kriegen 1276–1277 und 1282–1284. Der Aufstand von 1282 unter Dafydd, Llywelyns Bruder, wurde mit großer Härte bekämpft. Der Krieg kostete 150.000 Pfund; weitere 80.000 Pfund flossen in Burgen. Das Statut von Rhuddlan 1284 stellte weite Teile von Wales als Fürstentum Wales unter englisches Recht und unter die direkte Herrschaft des Königs. 1301 ernannte Eduard I. seinen Sohn Eduard zum Prince of Wales; der Titel wurde damit zum Titel englischer Thronfolger. Burgen wie Caernarfon, Conwy, Harlech und Beaumaris sicherten die englische Herrschaft.
Eingliederung, Gesellschaft und Industrialisierung
Nach 1284 bestand etwa die Hälfte des Landes aus dem königlichen Fürstentum Wales, der übrige Teil aus Marken. Das Statut von Rhuddlan führte Ämter wie justiciar, chamberlain und county sheriffs ein. In Zivilprozessen ergänzte Walisisches Recht das Englische Recht. Die Verwaltung konzentrierte sich auf Caernarfon und Carmarthen. Die Pest erreichte Wales 1349 und verschärfte Spannungen zwischen Walisern und eingewanderten Engländern, Amtsträgern und Klerus.
Owain Glyndŵr erhob sich 1400 gegen die englische Herrschaft und erklärte sich zum Fürsten von Wales. Zeitweise kontrollierte er weite Teile des Landes; Harlech und Aberystwyth waren von 1404 bis 1408 in seiner Hand. Der Aufstand endete 1410. 1485 landete Henry Tudor in Pembrokeshire und gewann mit dem Sieg bei Bosworth den englischen Thron. Größere walisische Rechte folgten daraus nicht. Heinrich VIII. gliederte Wales mit den Gesetzen zur Eingliederung von Wales bis 1542 endgültig in England ein.
Um 1550 werden etwa 230.000 Einwohner geschätzt, 1650 beinahe 400.000, 1750 480.000 und 1801 587.000; die Angaben schwanken erheblich. Im 16. und 17. Jahrhundert konzentrierte sich Landbesitz zunehmend bei der Gentry, dem Landadel. Enclosures, die Einhegung zuvor gemeinsam genutzten Landes, wurden Ende des 16. Jahrhunderts in den Lowlands und um 1640 in ganz Wales weitgehend durchgesetzt. Die Gesellschaft war ländlich gegliedert in Gentry, wohlhabendere Bauern (yeomen), Inhaber kleiner Bauernstellen, Arbeiter und Bedienstete sowie Arme.
Wales wurde früh industrialisiert. Im 18. Jahrhundert wurden die South Wales Valleys wegen Eisen-, Kohle- und Wasserkraft zu Industriezentren. Im 19. Jahrhundert prägten Eisenverhüttung und zunehmend Kohlebergbau die Region; Cardiff wurde der größte Kohleexporthafen der Welt. Die Swansea and Mumbles Railway eröffnete 1804 und war später die erste Eisenbahn mit Personenverkehr. Industrialisierung brachte starkes Bevölkerungswachstum, aber auch Konflikte: den Aufstand von Merthyr Tydfil 1831, Chartisten in Newport 1839 und die Rebecca Riots 1839 sowie 1842–1843. Wales wurde eine Hochburg von Gewerkschaften, Syndikalismus und Sozialismus; Keir Hardie wurde 1900 für Merthyr das erste Labour-Mitglied im Parlament. Der Niedergang von Kohlebergbau und Schwerindustrie setzte teils schon vor dem Ersten Weltkrieg ein. Nach der Verstaatlichung nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen bis in die 1980er Jahre fast alle Bergwerke; der Strukturwandel in den Valleys ist nicht abgeschlossen.
Politische Selbstbestimmung
Im 20. Jahrhundert gewann der walisische Nationalismus an Bedeutung. Die Partei Plaid Cymru errang 1966 ihren ersten Sitz im Parlament. Dezentralisierung wurde anschließend zu einem Hauptanliegen der Labour Party.
Nach einem Referendum entstand 1998 die Nationalversammlung von Wales. Sie erhielt die Vollmacht über die öffentlichen Ausgaben innerhalb von Wales und steht für zunehmende politische Selbstbestimmung innerhalb des Vereinigten Königreichs.