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Geschichte von Barbados
Britische Kolonie · Gründung erster Siedlungen, House of Assembly 1639 und der landwirtschaftlichen Produktion · Zuckerrevolution und Sklaverei (ab etwa 1640).
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und frühe Besiedlung
Die Geschichte von Barbados umfasst die Entwicklung der Insel von der ersten menschlichen Besiedlung bis zur heutigen Republik. Barbados wurde 1627 britische Kolonie, erhielt am 30. November 1966 die Unabhängigkeit im Commonwealth of Nations und wurde genau 55 Jahre später, am 30. November 2021, eine Republik.
Die ältesten Nachweise menschlicher Besiedlung reichen bis etwa 2000 v. Chr. zurück, unter anderem an der Fundstelle Heywoods. Frühere Bewohner kamen vermutlich mit Kanus aus dem Norden Südamerikas, möglicherweise über Trinidad. Ihre Kultur wird als Saladoid-Tradition oder Saladoidkultur bezeichnet. Heute sind etwa 60 vor-europäische Fundstätten bekannt, fast alle an der Küste. Zwischen etwa 350 und 650 n. Chr. wurden große Teile des Urwalds gerodet und Gärten angelegt. Keramikstile der Saladoid-Tradition entwickelten sich bis etwa 1100 weiter; spätere Traditionen werden Troumassoid und Suazoid genannt.
Von etwa 500 bis 1500 lebten wahrscheinlich Arawak und Kariben auf der Insel, die sie Ichirouganaim nannten. Sie nutzten Fischreichtum, Korallenriffe und fruchtbare Böden und bauten Pflanzen wie Maniok an. Um 1250 kam es möglicherweise zu einer „Kariben“-Invasion. Nach 1100 ging die Bevölkerung stark zurück; manche Quellen beschreiben Barbados später als verlassen, andere verweisen auf Versklavung ursprünglicher Bewohner.
Europäische Kontakte und britische Kolonie
Der erste Kontakt mit Europäern erfolgte vermutlich im späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert. Spanier sollen Barbados 1492 offiziell entdeckt haben. Portugiesen erreichten die Insel ebenfalls, kolonisierten sie aber nicht. Der portugiesische Entdecker Pedro Campos kam 1536 nach Barbados und nannte die Insel „Barbados“ („Bärtige“), entweder wegen bärtiger Feigenbäume oder wegen bärtiger Männer. Der Artikel weist darauf hin, dass einige Angaben in diesem Abschnitt nicht hinreichend belegt sind.
Am 4. Mai 1625 landete Kapitän John Powell auf Barbados und beanspruchte die Insel für König Jakob I. von England. Am 17. Februar 1627 kamen die ersten britischen Siedler mit dem Schiff William and John unter Kapitän Henry Powell. Die Gruppe bestand aus 80 englischen Siedlern und zehn entführten irischen und englischen Arbeitern. Die Siedlung wurde „Jamestown“ genannt, das heutige Holetown. Etwa 30 Arawaks aus Essequibo in Guiana sollten die Siedler im Anbau tropischer Früchte unterweisen; ihnen war Land versprochen worden, sie wurden aber bald versklavt.
1639 wurde unter Gouverneur Henry Hawley das Barbados House of Assembly gegründet, eine Versammlung von Eigentümern mit mindestens 10 Acres, also etwa 4 Hektar, freiem Land. Daneben gab es einen Rat und einen Gouverneur. Die Bevölkerung wuchs auf 40.000. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verdrängten große Plantagen viele Kleinbauern; verarmte weiße Bewohner auf schlechtem Land wurden als Poor Whites bezeichnet.
Zucker, Sklaverei und Emanzipation
Ab etwa 1640 begann der Zuckerrohranbau und Barbados entwickelte eine der größten Zuckerrohrindustrien der Welt. Diese „Zuckerrevolution“ veränderte Gesellschaft, Wirtschaft und Politik grundlegend. Große Plantagen ersetzten viele Familienbetriebe. Die Arbeit auf den Plantagen wurde zunehmend von versklavten Menschen aus Westafrika verrichtet. Sklavengesetze ab 1636 machten sie lebenslang dienstbar. Zwischen 1641 und 1665 wurden fast zwei Drittel aller auf britischen Schiffen nach Amerika transportierten Sklaven auf Barbados verkauft.
Die Umwelt wurde stark verändert: Bis 1665 verschwand die ursprüngliche Vegetation fast vollständig; um 1750 musste Holz importiert werden. Die Gesellschaft wurde zu einer Plantokratie, also einer Ordnung, in der Plantagenbesitzer Wirtschaft und Regierung kontrollierten. „Rasse“ war ein zentraler Statusfaktor. Es gab Weiße, Farbige und Schwarze; manche Menschen waren frei, andere vertraglich gebunden oder versklavt. Weiße wurden nach Darstellung des Artikels nicht versklavt. Die Bevölkerungsstruktur veränderte sich stark: Um 1684 lebten etwa 20.000 Weiße und 46.000 Schwarze auf der Insel; 1834 waren es etwa 15.000 Weiße und 88.000 Schwarze und Farbige.
Der Slave Trade Act von 1807 verbot nur den Sklavenhandel, nicht die Sklaverei selbst. 1816 führte Bussa, ein in Afrika geborener versklavter Barbadier, den größten Sklavenaufstand in der Geschichte Barbados an; er wurde niedergeschlagen. Nach weiteren Aufständen in Demerara und Jamaika verabschiedete die britische Regierung am 28. August 1833 den Slavery Abolition Act, der am 1. August 1834 in Kraft trat. Eine vierjährige „Lehrzeit“ blieb jedoch bestehen, in der ehemals Versklavte ohne Bezahlung gegen kleine Unterkünfte arbeiteten. Am 1. August 1838 wurden alle versklavten Menschen freigelassen. Über 70.000 Barbadier afrikanischer Abstammung feierten die Freiheit.
Krise, Reformen und Weg zur Unabhängigkeit
Nach der Emanzipation blieb Zucker der wichtigste Wirtschaftsfaktor, obwohl Freihandel, Konkurrenz durch europäischen Rübenzucker und wirtschaftliche Krisen die Industrie belasteten. Die politische Macht der Pflanzer und Handelselite sorgte dafür, dass staatliche Ressourcen die Zuckerindustrie stützten. Arbeiter trugen die Last niedriger Löhne und geringer Sozialleistungen. Viele wanderten zur Arbeit aus, etwa zum Bau des Panamakanals: Zwischen 1884 und 1887 gingen über 3000 Arbeiter dorthin; Bonham C. Richardson schätzt, dass von 1904 bis 1914 etwa 40.000 Einwohner am Panamakanal arbeiteten, viele starben durch Unfälle und Krankheiten.
Im 20. Jahrhundert mussten viele Plantagenbesitzer wegen steigender Produktionskosten Land verkaufen. Zwischen 1900 und 1919 wurden 158 Plantagen versteigert, und viel Land wurde in freie Dörfer umgewandelt. In den 1930er Jahren verschärften Bevölkerungswachstum, fehlende Auswanderungsmöglichkeiten, die Weltwirtschaftskrise, sozialistische Ideen und die schwarze nationalistische Bewegung Marcus Garveys den sozialen Druck. Am 26. Juli 1937 eskalierte die Unzufriedenheit über Überbevölkerung, niedrige Löhne und fehlende Arbeit in einem Aufstand.
Die britische Moyne Commission von 1938 empfahl Reformen, darunter die vollständige Legalisierung der Gewerkschaften und die Ausweitung des Wahlrechts. 1938 entstand die Barbados Progressive League, später Barbados Labour Party (BLP), unter Sir Grantley Herbert Adams. 1942 wurden ein Mindestlohngesetz eingeführt und die Einkommensvoraussetzung für das Wahlrecht gesenkt. 1950 folgte das allgemeine Wahlrecht für Erwachsene. 1958 erreichte Barbados die vollständige interne Selbstverwaltung. Von 3. Januar 1958 bis 31. Mai 1962 war Barbados Teil der Föderation der Westindischen Inseln. 1961 kam Errol Walton Barrow mit der Democratic Labour Party (DLP) an die Macht; im selben Jahr wurde vollständige interne Selbstverwaltung erreicht.
Unabhängigkeit und Parteienpolitik
Am 30. November 1966 wurde Barbados unabhängig, blieb aber Teil des Commonwealth of Nations. Der britische Monarch blieb zunächst Staatsoberhaupt und wurde durch einen Generalgouverneur vertreten; der Premierminister leitete die Regierung. Errol Barrow wurde erster Premierminister des unabhängigen Barbados. 1967 wurde Barbados Mitglied der Vereinten Nationen und der Organisation Amerikanischer Staaten. 1968 half Barrow bei der Gründung der Karibischen Freihandelsassoziation CARIFTA, aus der 1973 die Karibische Gemeinschaft und der Gemeinsame Markt CARICOM hervorgingen.
Bei den Wahlen wechselten vor allem die Democratic Labour Party und die Barbados Labour Party die Regierungsverantwortung. Barrow regierte bis 1976, dann gewann die BLP unter Tom Adams. Unter Adams wurden ab 1978 eigene Verteidigungsstreitkräfte aufgebaut; die Barbados Defence Force wurde offiziell am 15. August 1979 gegründet. Nach Adams’ Tod 1985 wurde Harold Bernard St. John Premierminister. 1986 gewann die DLP unter Barrow erneut deutlich; nach Barrows Tod am 1. Juni 1987 übernahm Lloyd Erskine Sandiford.
1994 kehrte die BLP unter Owen Arthur an die Macht. Arthur setzte Wirtschaftswachstum als Priorität, und Barbados blieb politisch und wirtschaftlich stabil. 1999 gewann die BLP 26 von 28 Sitzen, 2003 23 von 30 Sitzen. Die Wirtschaft wurde seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs diversifiziert; 2005 lag das Bruttonationaleinkommen bei 11.050 US-Dollar. Wichtige Bereiche waren Tourismus, Banken, Versicherungen, Infrastruktur und Bildung. Zugleich spielten Themen wie Drogenhandel, Geldwäschebekämpfung und regionale Zusammenarbeit eine Rolle.
2008 gewann die DLP unter David Thompson 20 von 30 Sitzen. Nach Thompsons Tod am 23. Oktober 2010 wurde Freundel Stuart Premierminister. 2013 gewann die DLP knapp mit 16 von 30 Sitzen, während die BLP 14 Sitze erhielt. 2018 gewann die Barbados Labour Party alle 30 Sitze. Mia Amor Mottley wurde am 25. Mai 2018 als erste Frau Premierministerin von Barbados vereidigt.
Republik seit 2021
2020 stimmte das Parlament von Barbados für den Übergang von einer konstitutionellen Monarchie zu einer parlamentarischen Republik. In dieser Staatsform gibt es weiterhin einen Premierminister als Regierungschef und zusätzlich einen zeremoniellen Präsidenten als Staatsoberhaupt. Generalgouverneurin Dame Sandra Mason wurde am 21. August 2021 als Präsidentin nominiert. Am 20. Oktober 2021 wählten House of Assembly und Senat sie zur Präsidentin, im House of Assembly mit 27:0 und im Senat mit 18:0. Am 30. November 2021 wurde Barbados Republik, und Sandra Mason wurde die erste Präsidentin der Republik Barbados.
Bei den Parlamentswahlen am 19. Januar 2022 erhielt die Barbados Labour Party 69,0 Prozent der Stimmen und alle 30 Sitze. Die Democratic Labour Party erhielt 26,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 43 Prozent. Mia Amor Mottley wurde für eine neue Amtszeit als Premierministerin vereidigt und ernannte ein Kabinett, in dem sie selbst Finanzministerin blieb. Am 22. Oktober 2022 wurde Kerrie Symmonds mit Wirkung zum 26. Oktober 2022 Außenminister.