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Geschichte des Fernsehens

Dieser Artikel beschreibt vorwiegend die Geschichte der Fernsehtechnik. Eine Ereignisliste enthält: Chronologie des Fernsehens. Zur Geschichte des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und technische Anfänge
  2. 2. Vom Versuchsbetrieb zum standardisierten Fernsehen
  3. 3. Aufstieg zum Massenmedium
  4. 4. Farbfernsehen und Farbsysteme
  5. 5. Neue Übertragungs- und Aufzeichnungstechniken
  6. 6. Deregulierung, Digitalisierung und interaktives Fernsehen

Grundprinzip und technische Anfänge

Die Geschichte des Fernsehens umfasst die Entwicklung der Fernsehtechnik und der Programmausstrahlung vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Fernsehen beruht darauf, ein Bild in einzelne Punkte und Zeilen zu zerlegen, deren Helligkeits- und später Farbwerte elektrisch zu übertragen und beim Empfänger wieder zu einem Bild zusammenzusetzen.

Alexander Bain beschrieb dieses Prinzip bereits 1843. Die erste brauchbare technische Umsetzung entwarf Paul Nipkow 1883. Seine rotierende Nipkow-Scheibe besaß spiralförmig angeordnete Löcher und zerlegte Bilder in Hell-Dunkel-Signale beziehungsweise setzte sie wieder zusammen. Nipkow meldete sie am 6. Januar 1884 zum Patent an. Er konnte seine Idee jedoch nicht selbst praktisch verwirklichen: Geeignete Verstärker fehlten, und die lichtempfindliche Selenzelle reagierte zu langsam.

1897 entwickelten Ferdinand Braun und Jonathan Zenneck die Kathodenstrahlröhre, die „Braunsche Röhre“. Ein gesteuerter Elektronenstrahl erzeugt darin nacheinander Bildpunkte auf einer mit Leuchtstoff beschichteten Glasscheibe. Diese Technik blieb bis Anfang der 2000er-Jahre eine wichtige Grundlage der Bilddarstellung. Max Dieckmann gab 1906 damit 20-zeilige Schattenbilder im Format 3 × 3 cm wieder; Boris Rosing gelang 1907 die erste Übertragung eines schemenhaften Fernsehbildes.

Wladimir Kosmitsch Sworykin beantragte 1923 ein Patent auf das Ikonoskop, die erste brauchbare elektronische Bildaufnahmeröhre. John Logie Baird entwickelte dagegen die mechanische Bildzerlegung weiter: Am 26. Januar 1926 führte er in London erstmals öffentlich Fernsehen vor, 1927 übertrug er ein Signal zwischen Glasgow und London und am 8. Februar 1928 über den Atlantik. Philo Farnsworth gelang am 7. September 1927 die erste vollelektronische Bildübertragung mit Elektronenstrahlröhren auf Sender- und Empfängerseite. Kálmán Tihanyi entwickelte 1928 mit dem Radioskop ebenfalls ein vollständig elektronisches System.

Vom Versuchsbetrieb zum standardisierten Fernsehen

Am 11. Mai 1928 zeigte Dénes von Mihály mit dem Telehor die erste Fernsehübertragung in Deutschland. Auf der Berliner Funkausstellung desselben Jahres präsentierte August Karolus einen Telefunken-Prototyp mit einem 8 × 10 cm großen Bild und etwa 10.000 Bildpunkten. Das Telehor bot bei 4 × 4 cm nur 900 Bildpunkte, fand aber mehr öffentliche Beachtung. Wegen geringer Bildqualität, hoher Preise, weniger Versuchssendungen und der ab 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise entstand noch kein Markt. Dennoch gilt der 31. August 1928 als Beginn des Fernsehens in Deutschland.

Manfred von Ardenne führte auf der Deutschen Funkausstellung 1931 erstmals öffentlich ein vollelektronisches Fernsehen mit Kathodenstrahlröhre vor. Mechanische und elektronische Systeme konkurrierten noch nach 1937. Mit steigender Zeilenzahl wurde die mechanische Technik jedoch unwirtschaftlich; Scophony stellte noch bis zum Zweiten Weltkrieg mechanische Geräte mit 405 beziehungsweise 441 Zeilen her.

Der Sender Witzleben begann 1929 mit regelmäßigen Tests. Die erste deutsche Norm sah 30 Zeilen, 1.200 Bildpunkte und 12,5 Bildwechsel pro Sekunde vor. Danach stiegen die Werte: 48 Zeilen bei 25 Hz im Jahr 1931, 90 im Jahr 1932, 180 im Jahr 1934, 375 im Jahr 1936 und 441 im Jahr 1937. Ab 1937 nutzte man das Zeilensprungverfahren mit 25 vollständigen Bildern beziehungsweise 50 Halbbildern aus je 220½ Zeilen.

Großbritannien legte 1937 ein System mit 405 Zeilen und 25 Bildern pro Sekunde fest. In den USA vereinbarte das National Television System Committee 1942 eine Norm mit 525 Zeilen und 30 Vollbildern pro Sekunde. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten Deutschland und die meisten Nachbarländer die Gerber-Norm mit 625 Zeilen und 25 Bildern pro Sekunde ein. Frankreich verwendete zunächst 819 Zeilen und stellte erst 1980 vollständig auf 625 Zeilen um; Großbritannien ergänzte seine 405-Zeilen-Norm ab 1965 durch 625 Zeilen und ersetzte sie 1985 vollständig. Auflösung, Seitenverhältnis und Bildwechselfrequenz blieben anschließend mehr als ein halbes Jahrhundert weitgehend unverändert.

Aufstieg zum Massenmedium

Nach 1950 verbreitete sich das Fernsehen rasch. Anfang 1951 gab es in den USA zehn Millionen Fernsehzuschauer, in Großbritannien 600.000 und in Frankreich 4.000. Das Programm war zunächst auf etwa zwei Stunden täglich begrenzt. 1952 wurden in den USA bereits 15 Millionen Teilnehmer gezählt, in Großbritannien 1,45 Millionen, in Frankreich knapp 11.000 und in der Bundesrepublik Deutschland rund 300.

Das erste regelmäßige deutsche Fernsehprogramm der Nachkriegszeit sendete im September und Oktober 1951 der Grundig-Werkssender in Fürth. In der DDR begann der Sendebetrieb am 21. Dezember 1952 für etwa 60 empfangsbereite Geräte in Ost-Berlin. Das westdeutsche NWDR-Fernsehen folgte am 25. Dezember 1952. TELESAAR startete am 23. Dezember 1953 im autonomen Saarland mit der französischen 819-Zeilen-Norm.

Die Krönung Elisabeths II. am 2. Juni 1953 war das erste direkt im Fernsehen übertragene Großereignis. In Großbritannien sahen 27 Millionen Menschen zu, während 11 Millionen Radio hörten. Da auch Deutschland und Frankreich die Übertragung zeigten, handelte es sich zugleich um die erste länderübergreifende europäische Liveübertragung.

In der Bundesrepublik stieg die Teilnehmerzahl von 100.000 im Jahr 1955 auf eine Million 1957, zwei Millionen 1959, knapp 3,5 Millionen 1960 und sieben Millionen 1964. Das Gerät wurde zunächst zum Prestigeobjekt und gegen Ende der 1950er-Jahre zum Massenmedium. 1961 gab es in 26 Ländern weit über 100 Millionen Fernsehteilnehmer.

Fernsehen gewann zugleich politische Bedeutung. Bundeskanzler Konrad Adenauers Plan einer dem Bund unterstellten Deutschland-Fernsehen-GmbH scheiterte. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte mit dem „Fernsehurteil“ vom 28. Februar 1961 die Zuständigkeit der Länder für den Rundfunk. Das ZDF nahm am 1. April 1963 den Sendebetrieb auf; zwischen 1964 und 1969 schuf die ARD fünf regionale dritte Programme.

Farbfernsehen und Farbsysteme

Farbfernsehen überträgt neben der Helligkeit auch Farbinformationen. Im Studio entstehen dafür Signale für Rot, Grün und Blau (RGB). Da drei getrennt übertragene Signale zu viel Bandbreite benötigt hätten, fassen NTSC, SECAM und PAL die RGB-Informationen zu einem einzigen Sendesignal zusammen, das weiterhin mit Schwarz-Weiß-Fernsehen vereinbar sein sollte.

Frühe Versuche nutzten mechanische Verfahren. John Logie Baird arbeitete Ende der 1920er-Jahre mit einer Nipkow-Scheibe für Rot, Grün und Blau. Das erste Farbfernsehprogramm der Welt sendete CBS ab Juni 1951 in New York. Das bisequentielle System wurde nach wenigen Monaten aufgegeben: Es war nicht mit Schwarz-Weiß-Geräten kompatibel und erforderte zur Vermeidung von Flackern 140 Hz statt 60 Hz, wodurch wegen der begrenzten Bandbreite die Auflösung sank.

Die am 23. Dezember 1953 verbindlich erklärte NTSC-Farbnorm war kompatibel, rekompatibel und benötigte keine zusätzliche Bandbreite. Farbprogramme ließen sich also auf Schwarz-Weiß-Geräten und Schwarz-Weiß-Programme auf Farbgeräten darstellen. Ein Nachteil war die Instabilität des Farbtons, weil die Phase des Farbhilfsträgers mit dem Farbton verknüpft ist. Deshalb erhielten NTSC-Geräte einen „Tint“-Regler zur Farbkorrektur.

Frankreich entwickelte SECAM, „Séquentiel couleur à mémoire“. Wegen technischer Probleme wurde das System mehrfach zu SECAM 2, SECAM 3, SECAM 3a und SECAM 3b überarbeitet. Walter Bruch entwickelte bei Telefunken PAL, „Phase Alternating Line“ oder „Phasenwechsel je Zeile“. Die integrierte Farbkompensation verhinderte Farbverzerrungen; der Artikel bezeichnet PAL gegenüber NTSC und SECAM als das stabilste Verfahren.

In der Bundesrepublik begann das Farbfernsehen am 25. August 1967 mit PAL, nachdem bereits 1963 ein Farbtestbild gesendet worden war. Die DDR führte am 3. Oktober 1969 mit ihrem zweiten Programm SECAM ein. Zwischen 1967 und 1970 wurde das westdeutsche Fernsehen auf Farbe umgestellt. Farbbildröhren erzeugten das Bild mithilfe dreier Leuchtstoffe und Elektronenstrahlen für die Primärfarben. Inline-Röhren mit Langlochschlitzen verbesserten ab 1972 Bildschärfe und Farbwiedergabe; Sony verfolgte seit Ende der 1960er-Jahre mit der Trinitron-Röhre ein eigenes Verfahren.

Neue Übertragungs- und Aufzeichnungstechniken

Satellitenfernsehen begann 1962 mit Übertragungen zwischen den USA und Frankreich über Telstar. Der am 6. April 1965 in Betrieb genommene Intelsat I F1, „Early Bird“, war der erste kommerziell genutzte Nachrichtensatellit. Internationale Sportübertragungen wurden dadurch weltweit aktuell möglich, etwa bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio über Syncom 3.

Ein 1977 beschlossener weltweiter Satellitenplan sah geostationäre Direktsatelliten in 36.000 km Höhe vor. „Overspill“ bezeichnet die Überlappung benachbarter Empfangsgebiete: Zuschauer konnten dadurch ausländische Programme empfangen, während urheber- und hoheitsrechtliche Fragen entstanden. Leistungsfähigere Satelliten und verbesserte LNB-Empfangstechnik verkleinerten die nötigen Antennen von etwa 1,2 Metern auf 75 cm oder weniger. Nach dem Fehlschlag von TV-Sat 1 am 21. November 1987 setzte sich der am 11. Dezember 1988 gestartete private Satellit Astra 1A durch.

Beim Kabelfernsehen übertrug das ab 1983 von der Deutschen Bundespost verlegte Koaxialkabelnetz bis 300 MHz gleichzeitig höchstens 29 Fernseh- und 24 Stereo-Hörfunkprogramme. Pilotprojekte entstanden in Ludwigshafen am Rhein, München, Dortmund und West-Berlin. In Ludwigshafen begann am 1. Januar 1984 mit PKS, dem heutigen Sat.1, zugleich das Privatfernsehen.

Videorekorder lösten Zuschauer von festen Sendezeiten. RCA brachte 1954 ein frühes Aufnahmegerät heraus, das pro Stunde 21.600 Meter Magnetband benötigte. Sony und JVC entwickelten aus professioneller Technik handhabbare und preiswerte Geräte für Haushalte. Philips und Grundig stellten 1971 die ersten Video-Cassetten-Rekorder nach dem VCR-System vor.

Teletext, auch Fernsehtext oder Videotext, überträgt Text- und Blockgrafikzeichen über das Fernsehsignal. Er darf nicht mit dem Bildschirmtext-System verwechselt werden. Der erste Teletext wurde im japanischen Fernsehen gesendet; anfangs konnte ihn dort nur ein Sechstel der Bevölkerung empfangen.

Deregulierung, Digitalisierung und interaktives Fernsehen

Seit den 1980er-Jahren veränderten neue Übertragungswege und Organisationsformen die Medienlandschaft. Zu den frühen „neuen Medien“ gehörten das Glasfasernetz BIGFON, das Satellitenprojekt TV-SAT, Bildschirmtext, Videotext und Kabelfernsehen. Sie brachten zunächst vor allem neue Verteiltechniken, mehr Programme und andere Organisationsformen.

Das vierte Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 4. November 1986 führte zum dualen Rundfunksystem, in dem öffentlich-rechtliche und private Anbieter nebeneinander bestehen. Bereits seit Mitte der 1980er-Jahre erhielten private Veranstalter terrestrische Frequenzen. Damit verbanden sich Deregulierung und eine dauerhafte Neuordnung der bundesdeutschen Medienlandschaft.

In den 1990er-Jahren begann die Digitalisierung mit DVB-S für Satellit und DVB-C für Kabel. Die Standards DSR, ADR und DVB wurden laut Artikel bereits 1999 wieder eingestellt. Danach wurden DVB-T für terrestrisches digitales Fernsehen und DAB für digitales Radio eingeführt, um die Abschaltung analoger Übertragungen vorzubereiten.

Die Umstellung analoger Telekommunikationsnetze auf IP-Technologie in einem „Next Generation Network“ ermöglichte Triple Play, also die gemeinsame Übertragung von Telefonie, Internetdaten und digitalem Fernsehen. Das Internetprotokoll bietet einen Rückkanal. Dadurch wurden Internet-TV, IPTV und P2PTV ohne getrennten Rückkanal interaktiv. Zugleich entfiel die feste Begrenzung der Kanalzahl, und Angebote wie Mediatheken und Abruffernsehen wurden möglich. Die Fernsehgeschichte verbindet damit technische Entwicklungen aus Funk, Film, Hörfunk, Telekommunikation und Raumfahrt mit sozialen und politischen Veränderungen.

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