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Geschichte des Burgenlandes
Dieser Artikel ist ein Überblick über die regionsspezifischen Eigenheiten und die historische Entwicklung bis zum heutigen Bundesland Burgenland. Das Adler- …
Inhalt6 Abschnitte
Landschaft und Urgeschichte
Das Burgenland liegt am westlichen Rand des eurasischen Steppengürtels. Geologisch prägen das Wiener und das Pannonische Becken die Region; sie entstanden durch Senkungen im Tertiär und wurden mit Abtragungsschutt der umliegenden Gebirge aufgefüllt. Die Neusiedler Bucht bildet den westlichen Ausläufer der Ungarischen Tiefebene. Diese Lage beeinflusste die Besiedlung und die politischen Verbindungen des Landes zwischen Alpenraum und ungarischer Tiefebene.
Die Erforschung der urgeschichtlichen Fundstellen ist regional unterschiedlich weit fortgeschritten. Besonders gut untersucht ist der Bezirk Oberpullendorf. Josef Polatschek erfasste und kartierte zahlreiche Fundstellen sowie Spuren des eisenzeitlichen Tagebaus auf Raseneisenerz und der Verhüttung.
Die ältesten Funde sind kleine Steingeräte, sogenannte Mikrolithen, aus dem Mesolithikum bei Neusiedl am See. Siedlungsspuren reichen bis an den Beginn der Jungsteinzeit, in die Vornotenkopfphase der Linearbandkeramik, zurück und sind rund 8000 Jahre alt. Seit dieser Zeit ist das Burgenland kontinuierlich besiedelt. Fundorte der älteren Jungsteinzeit sind unter anderem Draßburg, Purbach, Donnerskirchen und Neckenmarkt.
Aus der Kupferzeit stammt ein bedeutender Fund der Badener Kultur aus Zillingtal: In einer Abfallgrube wurde der Schädel eines Mannes mit Trepanation, also einer künstlichen Öffnung des Schädels, entdeckt. Vernarbungen zeigen, dass der Mann den Eingriff überlebte.
Die Bronzezeit ist durch den Typus Oggau-Sarród und die jüngere Wieselburgerkultur vertreten. Bekannt ist das Kultgerät von Haschendorf, ein trommel- oder thronähnliches Bronzeobjekt unbekannter Funktion. Nach dem Forschungsstand bietet sich ein Vergleich mit der Himmelsscheibe von Nebra an; eine einzige Parallele befindet sich im 1200 km entfernten Balkakra in Süd-Schweden. Eines der elf in Österreich bekannten Brotlaibidole wurde am Föllik bei Großhöflein gefunden, wo eine bronzezeitliche Befestigung lag.
Aus der älteren Eisenzeit, der Hallstattzeit, stammen befestigte Höhensiedlungen und Hügelgräber. Dazu gehören die Wallanlagen von Purbach und Burg, die Grabhügel von Donnerskirchen und die besonders großen Grabhügel von Schandorf. 120 Bernsteinperlen aus einem Hügelgrab bei Deutschkreutz belegen intensiven Fernhandel. Ein Hügelgrab von Zagersdorf enthält mit drei Weinkernen den ältesten Nachweis burgenländischen Weinbaus; sie belegen den Anbau von Vitis vinifera, einer Weißweinsorte.
In der jüngeren Eisenzeit, der Latènezeit, prägten die Kelten die Region. Im Bezirk Oberpullendorf bestand ein bedeutendes keltisches Eisenindustriezentrum. Raseneisenerz wurde in Pingen abgebaut und in Rennöfen des Typus Burgenland verhüttet. Die dabei entstandene Luppe, auch Ofensau genannt, konnte nach dem Ausschmieden die Qualität von Werkzeugstahl erreichen. Die Römer bezeichneten dieses hochwertige Eisen als Ferrum Noricum und nutzten es für ihre wachsende Rüstungsindustrie.
Römerzeit und Völkerwanderung
In der Römerzeit gehörte das Gebiet des heutigen Burgenlandes zur Provinz Pannonia, die das gesamte spätere Ungarn am rechten Donauufer umfasste. An der Bernsteinstraße gründeten die Römer Scarabantia (Sopron) und Savaria (Steinamanger). Beide Städte wurden für die spätere Geschichte des Burgenlandes wichtig. Römische Villen vom Typ Villa rustica bestanden unter anderem in Klingenbach, Zurndorf, Nickelsdorf, Weiden am See, Halbturn, Baumgarten, Leithaprodersdorf, Deutschkreutz und Sankt Martin an der Raab. Römische Gräberfelder sind beispielsweise aus Sigleß, Pilgersdorf, Pinkafeld, Königsdorf, Schandorf und Rax bekannt; bei Rechnitz wurde eine römische Wasserleitung erschlossen.
Im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts wurde Pannonien von Germanen, Alanen und Hunnen angegriffen. Rom gestattete verschiedenen Gruppen daraufhin die Ansiedlung als Foederaten, also als vertraglich gebundene Verbündete. Südlich der Donau siedelten Markomannen und Quaden, die auch als Sueben bezeichnet wurden.
433 übergab Rom aus politischen Gründen Teile Pannoniens an die Hunnen. Ob das heutige Burgenland bereits damals oder erst unter Großfürst Attila (445–453) endgültig in den hunnischen Machtbereich gelangte, ist nicht sicher. Die Hunnen herrschten hier jedenfalls bis 453. Archäologische Spuren sind abgesehen von Zerstörungsschichten in römischen Ruinen selten.
Nach Attilas Tod lösten sich die Ostgoten von der hunnischen Herrschaft. 454 besiegten Gepiden unter König Ardarich ein hunnisches Heer am Nedao. Der ostgotische König Valamir erhielt danach die Erlaubnis, sich in Pannonien anzusiedeln. Sein Bruder Thiudimir herrschte relativ selbständig am Neusiedler See. Zwischen 451 und 456 wurde dort sein Sohn Theoderich geboren, der später als Theoderich der Große König der Ostgoten wurde. Eine Wirtschaftskrise, der Zusammenbruch des Geldverkehrs, ein Erdbeben im Jahr 456 und Spannungen zwischen germanischen Gruppen prägten die Zeit. 469 siegten die Ostgoten in der Pannonischen Völkerschlacht, zogen aber 472 ab. Funde aus Oslip und Halbturn lassen keine sichere ethnische Zuordnung zu.
Spätestens 526 erstreckte sich die Herrschaft des Langobardenherzogs Wacho auf das heutige Burgenland. Gräber aus Nikitsch und Steinbrunn gehören zur Hegykő-Gruppe mit Zentrum in Sopron. Ihre Bevölkerung war offenbar gemischt und könnte aus Provinzialrömern, Rugiern, Herulern, Sueben und Langobarden bestanden haben. 567 vertrieben die Langobarden gemeinsam mit den Awaren die Gepiden. 568 zog nahezu die gesamte langobardische Bevölkerung mit König Alboin nach Italien; wann die letzten Langobarden das heutige Burgenland verließen, ist jedoch unklar.
Karolingerzeit und ungarische Grenzräume
Nach dem Abzug der Langobarden herrschten ungefähr 200 Jahre lang die Awaren. Awarenzeitliche Gräber wurden unter anderem in Podersdorf am See, Sigleß, Edelstal und Leithaprodersdorf gefunden. Im Raum der Römischen Villa von Königshof ist außerdem mit einem lokalen Fortleben spätrömischer und frühchristlicher Kultur zu rechnen, die sich mit den Kulturen der Völkerwanderungszeit, der Awaren und der Slawen verband.
Ende des 8. Jahrhunderts eroberte Karl der Große das Reich der heidnischen Awaren. Die Kämpfe endeten 803. Das heutige Burgenland wurde in die Bairische Awarenmark eingegliedert und unterstand verschiedenen fränkischen Grafschaften und Vasallenfürstentümern. Christianisierung und slawische Bestrebungen nach größerer Unabhängigkeit prägten die Karolingerzeit. Um 800 wurde das Gebiet der Salzburger Kirche zur Mission übergeben; 830 bestimmte Ludwig der Deutsche die Raab als kirchliche Grenze zwischen Salzburg südlich und Passau nördlich des Flusses. Durch den Vertrag von Verdun 843 wurde das Gebiet Teil des Ostfrankenreiches. Erstmals kamen in größerer Zahl germanische Siedler in die Region.
Von 805 bis 828 bestand zwischen Carnuntum und Sabaria ein Awarisches Fürstentum. Es lag rund um den Neusiedler See und vermutlich beidseits der Bernsteinstraße und bildete eine militärische Pufferzone zwischen Frankenreich und Bulgarischem Reich. Eine Klimaverschlechterung im Jahr 822 sowie politische Schwächung durch Kriege, ein Waffenembargo und die Annahme des Christentums beendeten um 828 den politischen Einfluss der Awaren. 808 wurde mit „Wolfsbach“, wahrscheinlich in der Gegend des heutigen Mattersburg, erstmals ein Teil des Burgenlandes urkundlich erwähnt.
Die oberpannonische Grafschaft Steinamanger leitete von etwa 825 bis 860 Rihheri; sie war ungefähr durch Zöbernbach, Güns, Raab beziehungsweise Rabnitzbach, Pinka und Lafnitz begrenzt. Nach Rihheris Absetzung 860 folgten Odalrich und Ernst. Pilgersdorf gilt aufgrund einer Schenkungsurkunde vom 15. September 844 als älteste urkundlich bekannte Gemeinde des Burgenlandes. Die Donaugrafschaft Ratpots und seiner Nachfolger lag zwischen Enns, Donau und Raab und grenzte beim Zöbernbach an Steinamanger.
Im Norden reichte seit etwa 830 das Mährische Reich in das heutige Burgenland; unter Sventopluk hatte es in den 880er Jahren seine größte Ausdehnung. Der Süden stand wahrscheinlich unter dem Einfluss des 839 gegründeten Pannonischen Fürstentums, dessen Zentrum Moosburg war. Unter Pribina und Kocel erlebte es seine Blütezeit. Der Missionar Dominicus wirkte ab etwa 844 in Moosburg und errichtete im heutigen Pilgersdorf eine steinerne Kirche.
Um 900 nahmen die Magyaren das Gebiet in Besitz. Nach ihrer Niederlage gegen Otto I. auf dem Lechfeld 955 wurde der ungarische Grenzschutz Gyepű ausgebaut. Er bestand aus einer inneren Burgenkette von Karlburg über Eisenburg und einem äußeren Grenzödland, der Gyepűelve. In diesem äußeren Bereich wurden entlang von Pinka, Lafnitz, Strem- und Zickenbach Grenzwächter angesiedelt. Aus solchen Siedlungen entwickelten sich unter anderem Pöttsching, Oberpullendorf, Oberwart, Kohfidisch, Unterwart, Siget in der Wart, Oberschützen, Unterschützen, Deutsch-Schützen und Mischendorf.
Mittelalterliche Herrschaften und Konflikte
Unter König Stephan I. begann erneut die Christianisierung der Ungarn und die Besiedlung durch deutsche Einwanderer. Das Gebiet blieb etwa ein Jahrtausend Teil des Königreichs Ungarn und wurde inoffiziell Heanzenland, Heinzenland oder Deutsch-Westungarn genannt. Als Heanzen bezeichnete man die im 11. Jahrhundert aus Bayern eingewanderten Bauern mit eigenem Dialekt. 1009 wurde das Bistum Győr gegründet; Stephan ordnete Kirchen- und Pfarrgründungen an. Zu den Stephanspfarren zählen Donnerskirchen, Kleinfrauenhaid, Leithaprodersdorf, Marz und Pinkafeld. Unter Stephan I. entstanden außerdem die Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg.
Im 11. bis 13. Jahrhundert blieb der Grenzraum von Kriegen und wechselnden Herrschaftsansprüchen geprägt. 1030 scheiterte ein Angriff Kaiser Konrads II. an den Sümpfen des Hanság und des Neusiedler Sees. 1043 drang Heinrich III. bis zur Rabnitz vor; vermutlich wurde damals die Leitha als Grenze festgelegt. 1044 kam es zur Schlacht bei Menfö. 1073 gehörten Kobersdorf, Steinbach, Forchtenstein und Landsee zur steirischen Grafschaft Pitten. 1127 wurden Leitha, March und Lafnitz als Westgrenze Ungarns genannt, wobei die damaligen Grenzen nicht vollständig klar sind. 1146 fand nahe Kittsee eine Schlacht statt, 1156 wurde Österreich zum Herzogtum erhoben, und König Géza II. schenkte Lutzmannsburg an Gottfried und Albrecht. 1202 gelangte Mattersdorf an den Woiwoden Benedikt und seine Frau Thota.
Klöster und Ritterorden waren ebenfalls wichtig. König Béla III. gründete 1183 Szentgotthárd. Wolfer gründete 1157 in Güssing ein Benediktinerkloster, Dominikus Bors 1194 Klostermarienberg und 1316 entstand das Franziskanerkloster Lockenhaus. Das heutige Nordburgenland war bei den Kreuzzügen 1096, 1147 und 1189 ein Durchmarschgebiet; das Heer des ersten Kreuzzugs umfasste etwa 50.000 bis 60.000, das des dritten etwa 180.000 Menschen. 1217 nahm Nikolaus Borz am Kreuzzug von Damiette teil. Hinweise auf Besitz oder Bautätigkeit der Templer in Lockenhaus sind wissenschaftlich nicht eindeutig. Für die Johanniter sind eine Kommende in Ödenburg 1214, Besitz in Loipersbach 1238 und die kurzfristige Überlassung der Burg Güssing 1246 belegt. Vom Deutschen Orden sind keine mittelalterlichen Besitzungen oder Aktivitäten im heutigen Burgenland bekannt.
Im Interregnum nach dem Tod des letzten Babenbergers und während der Wirren im Heiligen Römischen Reich stiegen die Güssinger Grafen zu einer führenden ungarischen Adelsfamilie auf. Heinrich II. war Hofrichter (1253), Reichsrichter (1254), Palatin (1260) und Banus von Slawonien. Er besaß unter anderem Bernstein, Lockenhaus und Rechnitz und ließ Burg Schlaining errichten. 1270 übergab er sie mit weiteren Burgen Ottokar II. Přemysl, kehrte aber 1272 nach Ungarn zurück und übernahm dort zeitweise die Regierung. Ottokar zerstörte 1273 unter anderem die Festungen von Leithaprodersdorf, Purbach und Sankt Margarethen.
Nach dem Mongolensturm von 1241 ließ Béla IV. verstärkt steinerne Burgen bauen. Davon profitierten die Güssinger Grafen, die mehr als 25 Burgen und Schlösser besaßen und zeitweise mächtiger waren als der König. 1289 verloren sie in der Güssinger Fehde gegen Österreich, mussten die eroberten Herrschaften nach dem Frieden von Hainburg 1291 aber zurückerhalten. Im Norden herrschte Matthäus Csák, im Süden die Herren von Güns.
Später gewannen die Mattersdorf-Forchtenstein und besonders die Kanizsay an Bedeutung. Unter Karl Robert und Sigismund erhielten die Kanizsay großen Besitz und Einfluss; sie besaßen den überwiegenden Teil der Burgen im heutigen Burgenland. 1373 kam Eisenstadt in ihren Besitz. Im Konflikt zwischen Friedrich III. und Matthias Corvinus wurde Friedrich am 14. Februar 1459 auf Burg Güssing zum Gegenkönig gewählt. Die Habsburger schlossen Westungarn einseitig an Österreich an, doch der Frieden von Ödenburg vom 19. Juli 1463 verband das Gebiet wieder mit Ungarn.
Die mittelalterliche Grundherrschaft beruhte auf Burgen, Herrschaften und abhängigen Bauern. Die Macht der Árpádenkönige nahm im 11. und 12. Jahrhundert ab, während Adelsfamilien durch Landverleihungen und das Lehnswesen stärker wurden. Bis Mitte des 14. Jahrhunderts entstand eine relativ einheitliche Gesellschaft mit abhängigen Bauern. Bedeutende Herrschaften waren Ungarisch-Altenburg, Lockenhaus, Güssing, Bernstein, Eberau, Rotenturm sowie geistliche Besitzungen wie Pernau, Heiligenkreuz, Klostermarienberg und St. Gotthard.
Frühe Neuzeit und gesellschaftlicher Wandel
1526 erbten die Habsburger die ungarische Krone, konnten Ungarn aber nur dort beherrschen, wo keine türkische Besetzung bestand. Damit endete der Grenzkonflikt in Westungarn. Rust am Neusiedler See wurde im 17. Jahrhundert königliche Freistadt.
Nikolaus Esterházy formte die westungarische Forchtensteiner Linie der Esterházy von einer kleinen Adelsfamilie zu einem der größten Aristokratengeschlechter Ungarns. Er trat im Zuge der Gegenreformation zum Katholizismus über und wurde 1625 zum Palatin, dem höchsten weltlichen Würdenträger im königlichen Ungarn. Nach 1626 gelangten große Teile des heutigen Burgenlandes unter die Grundherrschaft der Esterházy und Batthyány. 1647 wurden auch die noch österreichisch verwalteten westungarischen Herrschaften auf Anweisung Kaiser Ferdinands II. ungarischer Verwaltung unterstellt.
In den Gütern der Esterházy und Batthyány entwickelten sich ab 1670 bedeutende jüdische Gemeinden, darunter die Siebengemeinden. Die Grundherren gewährten ihnen gegen Schutzgelder das Recht, ihren Alltag nach den Regeln ihres Glaubens zu gestalten. 1683 wurden während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung viele Gemeinden im Nordburgenland verwüstet. Der Kuruzenaufstand Franz II. Rákóczis von 1703 bis 1711 traf besonders die Besitzungen Pauls I. Esterházy; 1765 bis 1766 kam es im Südburgenland zu Bauernunruhen. Während der Napoleonischen Kriege war das Gebiet zeitweise französisch besetzt. In der Revolution von 1848/49 fanden in Westungarn keine Kampfhandlungen statt.
1854 beschloss der Ungarische Reichstag die Aufhebung der Leibeigenschaft. Durch die Grundentlastung gingen von Bauern bewirtschaftete Grundstücke gegen Ablöse in ihr Eigentum über; nicht eingelöster Grund blieb bei den früheren Grundherren. Die ehemaligen Untertanen wurden Staatsbürger und die Orte freie Gemeinden.
Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich setzte Budapest eine konsequente Magyarisierungspolitik durch. Ab 1898 durften Gemeinden nur noch ungarische Ortsnamen führen. Seit 1907 wurde unter Unterrichtsminister Graf Albert Apponyi der beinahe ausschließliche Gebrauch der ungarischen Sprache im Schulunterricht durchgesetzt. Dies verschärfte die Spannungen im deutsch besiedelten Gebiet des späteren Burgenlandes.
Entstehung und politische Entwicklung des Burgenlandes
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung Österreich-Ungarns 1918 verlangte Deutschösterreich den Anschluss der deutschsprachigen Gebiete Westungarns. Die Friedensverträge entschieden 1919 in St. Germain und 1920 in Trianon, dass „Deutsch-Westungarn“ an Österreich abzutreten sei. Das Bundesverfassungsgesetz vom 25. Jänner 1921 regelte die Aufnahme als selbstständiges und gleichberechtigtes Bundesland.
Die Übergabe war von Konflikten begleitet. Ungarische, von Aristokraten finanzierte Freischärler verhinderten 1921 zunächst die Landnahme durch österreichische Gendarmerie. Kurzzeitig bestand die Republik Lajtabánság unter Pál Prónay. Im November 1921 besetzte das österreichische Bundesheer das Gebiet; am 5. Dezember 1921 übergab Ungarn es offiziell an Österreich. Ödenburg (Sopron), das als Hauptstadt vorgesehen war, blieb nach der Volksabstimmung vom 14. bis 16. Dezember 1921 bei Ungarn. Die korrekte Durchführung der Abstimmung wurde in österreichischen Medien stark bezweifelt. Letzte Gebietsabgleiche erfolgten 1923, darunter die Übergabe Luisings an Österreich sowie der Wechsel von Rattersdorf und Liebing zu Österreich und von Bleigraben und Prostrum zu Ungarn. Danach war die Grenze endgültig festgelegt.
Der Name Burgenland verweist auf die drei altungarischen Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg. Anfang 1919 beanspruchte Österreich auch Teile des Komitats Pressburg, weshalb zunächst „Vierburgenland“ vorgeschlagen wurde. Nachdem Pressburg an die Tschechoslowakei fiel, wurden „Dreiburgenland“ und schließlich „Burgenland“ verwendet. Gregor Meidlinger soll den Namen am 6. September 1919 vorgeschlagen haben; spätestens mit dem Bundesverfassungsgesetz von 1921 war er offiziell und allgemein gebräuchlich.
Das neue Land erhielt im April 1922 seine Verfassung. Der Landtag trat am 15. Juni 1922 erstmals zusammen. Bad Sauerbrunn war bis 1925 provisorischer Sitz der Landesregierung; am 19. Oktober 1925 wurde Eisenstadt Hauptstadt. 1927 führte der Schattendorfer Zwischenfall, bei dem eine sozialdemokratische Demonstration beschossen wurde, nach dem Freispruch der Angeklagten zu schweren politischen Spannungen. Die spätere Eskalation in Wien gilt in der österreichischen Geschichtsschreibung als früher Schritt zu Bürgerkrieg und Austrofaschismus. 1936 wurde die Landeshymne „Mein Heimatvolk, mein Heimatland“ festgelegt.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 wurde das Burgenland aufgelöst und am 15. Oktober 1938 auf die Reichsgaue Niederdonau und Steiermark aufgeteilt. Ab 1943 überflogen alliierte Bomber das Land; zahlreiche Flugzeuge stürzten ab. 1945 ließ das NS-Regime durch KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter den Südostwall errichten. Die Bauarbeiten kosteten Zehntausende Menschen das Leben. Bei den Massakern von Rechnitz und Deutsch Schützen wurden wenige Tage vor Kriegsende Hunderte Juden ermordet.
Im Frühjahr 1945 betraten sowjetische Soldaten bei Klostermarienberg erstmals österreichischen Boden. Auf Wunsch burgenländischer Politiker und auf Intervention der Roten Armee beschloss die Provisorische Staatsregierung am 29. August 1945 das Burgenlandgesetz; am 1. Oktober 1945 wurde das Burgenland wieder selbstständiges Bundesland. Bis 1955 gehörte es zur sowjetischen Besatzungszone.
Nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes 1956 flohen Zehntausende Ungarn über das Burgenland in den Westen. 1957 errichtete Ungarn an der Grenze den Eisernen Vorhang, der erst 1989 fiel. Am 27. Juni 1989 durchschnitten Alois Mock und Gyula Horn bei Klingenbach symbolisch den Stacheldraht. Die anschließende Flucht von DDR-Bürgern über Ungarn und Österreich nach Westdeutschland wurde zu einem Zeichen für das Ende der kommunistischen Regime im Ostblock.
In den 1960er und 1970er Jahren kritisierten burgenländische Sozialdemokraten den umfangreichen Privatbesitz der Familie Esterházy. Enteignungs- oder Abgaberegelungen ließen sich rechtlich nicht einwandfrei verwirklichen. Später entstand eine intensive Kooperation zwischen Landesverwaltung und Esterházyscher Güterdirektion.