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Geschichte des Buddhismus
Religionsstifters Siddharta Gautama in Lumbini im heutigen Nepal ist der Buddhismus heute eine der ältesten durchgehend praktizierten Religionen.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Haupttraditionen
Der Buddhismus entstand vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. im Nordosten des indischen Subkontinents und wird bis heute kontinuierlich praktiziert. Er geht auf Siddharta Gautama zurück und verbreitete sich von Indien nach Zentral-, Ost- und Südostasien. Seine Entwicklung umfasst Bewegungen, Spaltungen und Schulen.
Die wichtigsten Traditionen sind Theravada, Mahayana und Vajrayana. Theravada bedeutet „Lehre der Alten“ und ist die heute noch bestehende Lehre des Hinayana. Hinayana heißt „kleines Fahrzeug“: Übende streben dabei ihre persönliche Befreiung von allem Leiden an. Mahayana bedeutet „großes Fahrzeug“; seine Anhänger betrachteten ihre Ziele als größer als die der alten Weisheitsschule. Vajrayana wird als weitere große Tradition genannt.
Siddharta Gautama und die Entstehung der Lehre
Siddharta Gautama wurde der Überlieferung nach in Lumbini im damaligen Fürstentum Kapilavastu, heute in Nepal, als Sohn des Herrscherhauses der Shakya geboren. Daher stammt die Bezeichnung Shakyamuni, „Weiser aus dem Hause Shakya“. Seine Lebensdaten werden herkömmlich auf 563–483 v. Chr. datiert; nach heutigem Stand liegt die Datierung seines Todes zwischen 420 und 368 v. Chr.
Er wuchs wohlhabend auf, wurde der Erzählung zufolge mit 16 Jahren vermählt und bekam 13 Jahre später einen Sohn. Mit 29 Jahren erkannte er, dass Altern, Krankheit, Tod und Schmerz zum Leben gehören und Reichtum sowie weltliches Wissen dieses Leid nicht lindern. Nach sieben Jahren Askese, Studium und Meditation fand er den „Weg der Mitte“. Unter dem Bodhibaum, einer Pappelfeige im heutigen Nordindien, erlebte er Bodhi, das Erwachen oder die Erleuchtung. Kurz darauf hielt er in Sarnath seine erste Lehrrede und legte damit den Grundstein des Dharmachakra, des Rades der Lehre.
Den Rest seines Lebens unterwies Buddha andere in der buddhistischen Lehre. Seine vierfache Gemeinschaft bestand aus Mönchen, Nonnen sowie männlichen und weiblichen Laien. Er starb etwa 80-jährig in Kusinara; mit seinem Tod beginnt die buddhistische Zeitrechnung.
Frühe Entwicklung in Indien
Nach einer Zen-Überlieferung gab Buddha kurz vor seinem Tod Mahakashyapa die Lehre wortlos weiter, indem er schweigend eine Lotusblume drehte und Mahakashyapa als Einziger lächelte. Mahakashyapa gilt dort als erster buddhistischer Patriarch. Die Lehre wurde zunächst von Lehrer zu Schüler weitergegeben.
Drei Monate nach Buddhas Tod versammelten sich seine Schüler in Rajagarha zum ersten buddhistischen Konzil (sangiti). Sie berieten und hielten Dhamma, die Lehre, sowie Vinaya, die Mönchsregeln, gemäß Buddhas Unterweisungen fest. Etwa 100 Jahre später spaltete sich der Orden beim zweiten Konzil in zwei Hauptrichtungen, aus denen sich später Hinayana und Mahayana entwickelten.
Unter Kaiser Ashoka (268–232 v. Chr.) verbreitete sich der Buddhismus in ganz Indien und darüber hinaus; auch das dritte Konzil fand in dieser Zeit statt. Ashoka ließ Klöster und andere Gebäude errichten und entsandte Mönche in alle Himmelsrichtungen. Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurden in Ceylon Theravada-Texte auf Palmblätter geschrieben. Die Lehre verbreitete sich dadurch nach Myanmar, Kambodscha, Laos und Thailand. In Indien wurde der Buddhismus teilweise mit hinduistischem Gedankengut verschmolzen und verlor dort geistige Zentren. Heute sind weniger als 1 % der indischen Bevölkerung buddhistisch.
Gesellschaftlicher Hintergrund und Ausbreitung bis zum 10. Jahrhundert
Nach Schmidt-Leukel (2022, 2006/2016) entstand der Buddhismus im 5. Jahrhundert v. Chr. aus Teilen der asketischen Śramaņa-Bewegung. Diese richtete sich gegen traditionelle Lehren und Rituale der brahmanischen Religion und bildete sich in Indien zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. In der spätvedischen Zeit, etwa 850–600 v. Chr., begannen Urbanisierung und Reichsbildung. Seit ungefähr 600 v. Chr. sind mehr als ein Dutzend Königtümer beschreibbar; Städte, Handel, militärisch genutzte domestizierte Elefanten und eine verbesserte Reisproduktion gewannen an Bedeutung. Im 5. Jahrhundert legte König Bimbisara die Grundlage für die führende Stellung Magadhas.
Mahayana verbreitete sich vom Osten Indiens nach Südostasien sowie nach China und Korea, erreichte im 6. Jahrhundert Japan und im 7. Jahrhundert Tibet. Nach dem Ende des Kuschanischen Reiches blühte der Buddhismus in Indien im Gupta-Reich des 4.–6. Jahrhunderts. Besonders im Nordosten entstanden große, für Jahrhunderte einflussreiche Mahayana-Schulen; der Gupta-Stil prägte buddhistische Kunst. Xuanzang berichtete im 7. Jahrhundert von einer besonders starken Verbreitung in den heutigen Bundesstaaten Andhra Pradesh und Tamil Nadu. Im 10. Jahrhundert ging der Buddhismus in Indien stark zurück.
Entwicklung seit dem 11. Jahrhundert und Gegenwart
Ab dem 11. Jahrhundert führte die Zerstörung des Mahayana-Buddhismus auf dem indischen Festland zu dessen Niedergang. König Anawrahta (1044–1078), Gründer des Königreichs Bagan, nahm den Theravada an und ließ zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zahlreiche Tempel errichten. In der Umgebung von Bagan sind Reste von über 3000 Bauwerken erhalten. Theravada ist bis heute der meistverbreitete Glaube in Myanmar.
Während der Ayutthaya-Periode vom 14. bis 18. Jahrhundert wurde Theravada auch in Thailand gestärkt und ist dort ein fester Bestandteil der Gesellschaft. In Laos und Kambodscha verbreitete er sich im 13. Jahrhundert. Ab dem 14. Jahrhundert erstarkte der Islam; Malaysia, Indonesien und der südliche Teil der Philippinen nahmen ihn an Stelle des Buddhismus an. Nach Suhartos Machtübernahme 1966 erlebte der Buddhismus in Indonesien eine bemerkenswerte Renaissance und wurde eine von fünf offiziellen Religionen. Dort gibt es etwa zehn Millionen Buddhisten, überwiegend chinesischer Abstammung.
Seit dem 19., besonders seit dem 20. Jahrhundert wenden sich auch Menschen in Europa, den USA und Australien verstärkt dem Buddhismus zu. Die 1975 gegründete Europäische Buddhistische Union vernetzt solche Gruppen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde Buddhismus in vielen europäischen Ländern öffentlich und staatlich als Religion anerkannt, nicht jedoch in Deutschland und der Schweiz. Weltweit gibt es heute etwa 250 bis 500 Millionen Buddhisten, darunter etwa 250.000 in Deutschland.
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