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Geschichte des Buchdrucks
Die Geschichte des Buchdrucks beginnt in China. Die ältesten gedruckten Bücher wurden in Ostasien, wie später auch in Europa, im Blockdruckverfahren …
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Grundprinzip und Bedeutung
Die Geschichte des Buchdrucks beginnt in Ostasien. Beim Blockdruck wurde jede vollständige Seite spiegelverkehrt in einen Druckstock aus Holz geschnitten, eingefärbt und auf Papier abgezogen. Beim Letterndruck setzte man dagegen einzelne bewegliche Schriftzeichen, sogenannte Lettern, zu Textseiten zusammen. Die Lettern konnten nach dem Druck erneut verwendet werden.
Bewegliche Lettern wurden in Ostasien wesentlich früher eingesetzt als in Europa. Die weltweite Verbreitung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern ging jedoch von Johannes Gutenbergs Erfindung im Mainz des 15. Jahrhunderts aus. Sein Verfahren beruhte auf dem Hochdruck mit Bleisatz: Die erhabenen Flächen der gesetzten Metalllettern übertrugen die Farbe auf das Papier. Es beschleunigte die Herstellung von Büchern erheblich und wurde zu einer kulturprägenden Informations- und Kommunikationstechnologie mit großen wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Auswirkungen.
Abgesehen von Gutenbergs Handpresse blieb dieses Grundverfahren bis ins 20. Jahrhundert die Standardtechnik. Erst ab den 1960er Jahren wurde es vom Offsetdruck verdrängt.
Frühe Druckverfahren in Ostasien
Die frühe Entwicklung des ostasiatischen Buchdrucks hing damit zusammen, dass die Papierherstellung in China mehr als ein Jahrtausend früher begann als in Europa. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts existierten „mehr gedruckte chinesische Seiten als in allen übrigen Sprachen der Welt zusammengenommen“.
In China stammt das früheste bekannte Beispiel eines Blockdrucks auf Papier aus der Zeit von 650 bis 670: ein auf Hanfpapier gedrucktes Dharani-Sutra aus dem heutigen Xi’an. Ein weiteres frühes Beispiel ist ein zwischen 690 und 699 gedrucktes Lotos-Sutra. Der älteste durch ein Kolophon, also einen Vermerk mit Angaben zur Herstellung, datierte chinesische Blockdruck ist das in Dunhuang gefundene Diamant-Sutra von 868.
Shen Kuo beschrieb im 11. Jahrhundert in den „Mengxi bitan“ die von Bi Sheng entwickelte Methode des Drucks mit beweglichen Lettern. Sie setzte sich jedoch nicht durch. Wang Zhen verwendete später bewegliche Holzlettern. Unter Kaiser Kangxi, der 1661 an die Regierung kam, wurden in geringem Umfang wieder bewegliche Schriftzeichen hergestellt. Trotzdem entstanden chinesische Bücher noch im 19. Jahrhundert vielfach als Holztafeldrucke.
In Korea stammen die ältesten Blockdrucke aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Eine herausragende Leistung ist die Tripitaka Koreana, ein buddhistischer Kanon in 6000 Bänden. Seine 81.258 Holzdruckstöcke wurden zwischen 1236 und 1251 in 16 Jahren hergestellt und sind noch in gutem Zustand erhalten.
Um 1230 verwendete man in Korea einzeln geschnittene Metalllettern; ein Werk von 1239 berichtet, dass dies bereits vor 1232 geschehen sei. Das 1377 gedruckte Jikji ist das älteste bekannte Buch aus beweglichen Metalllettern und entstand fast acht Jahrzehnte vor der Gutenberg-Bibel. 2001 wurden beide Werke in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.
Die ältesten erhaltenen Drucke Japans sind die Hyakumantō Darani aus der Regierungszeit der Shōtoku-tennō von 764 bis 770. Dem Namen nach handelte es sich um eine Million Papierröllchen in kleinen Holzpagoden; etwa 40.000 sind erhalten. Der koreanische Letterndruck gelangte erst Ende des 16. Jahrhunderts nach Japan und wurde dort etwa 30 Jahre lang für ostasiatische Texte eingesetzt. Gleichzeitig führten europäische Missionare Gutenbergs Technik ein, die aber christlichen und westlichen Texten vorbehalten blieb.
Europäische Vorläufer und Gutenberg
In der europäischen Antike gab es bereits Verfahren zum Einprägen und Stempeln von Schriftzeichen. In Theben und Babylon fand man Ziegel mit eingeprägten Inschriften; die Assyrer gravierten Chroniken in Tonzylinder. Römische Töpfer versahen Terra Sigillata mit Stempeln. Bücher wurden jedoch nicht gedruckt, weil Papier als geeigneter Bedruckstoff fehlte. Texte wurden stattdessen von Hand auf Papyrusrollen kopiert, bei den Römern vor allem durch Sklaven.
Auch aus dem Mittelalter sind einzelne Formen des Buchstabendrucks bekannt. Bei der Prüfeninger Weiheinschrift von 1119 wurden Buchstaben mit einzelnen Stempeln in Ton gedrückt. Vergleichbare Verfahren mit Buchstabenpunzen oder Buchstabenziegeln sind unter anderem aus Cividale, der Chertsey Abbey, dem Kloster Zinna und dem Kloster Aduard überliefert.
Ein unmittelbarer Vorläufer des europäischen Holztafeldrucks waren Druckplatten aus Metall. Je nach Bearbeitung dienten sie dem Hochdruck oder dem Tiefdruck. Bei der „Schrotmanier“ schlug man mit Punzen punktförmige Vertiefungen in die Platte, die im Abdruck dichte Punktreihen ergaben. Später verwendete man billigere und leichter zu bearbeitende Holzplatten. Die damit hergestellten Werke heißen Blockbücher. Nach der Einführung der Metalllettern wurde der Holztafeldruck für Bücher rasch verdrängt, blieb aber noch ungefähr bis zum Ende des 15. Jahrhunderts in Gebrauch.
Johannes Gutenberg entwickelte in Mainz unabhängig von den älteren ostasiatischen Erfindungen ein System für den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern. Er passte die hölzerne Spindelpresse an den Buchdruck an, erfand ein Handgießinstrument für die Herstellung der Lettern und entwickelte eine geeignete Druckfarbe. Vorgefertigte Lettern konnten schnell gesetzt und wiederverwendet werden; die Presse beschleunigte den eigentlichen Druck. Zwischen 1452 und 1454 stellte Gutenberg mit diesem Verfahren etwa 180 Gutenberg-Bibeln her.
Ausbreitung und frühe Druckproduktion
Von Mainz aus verbreitete sich der europäische Letterndruck im 15. Jahrhundert sehr schnell. Auf die erste Mainzer Druckerei von 1452 folgten unter anderem Werkstätten um 1457 in Bamberg, um 1460 in Straßburg, 1465 in Subiaco, 1467 in Rom, 1468 in Augsburg, 1469 in Venedig, 1470 in Paris und Neapel sowie 1473 in Spanien und England. Im Jahr 1500 bestanden bereits rund 270 Druckorte; mehr als 60 davon lagen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Später erreichte die Technik weitere Erdteile, beispielsweise 1590 Japan und 1593 Mexiko.
Die durchschnittlichen Auflagen der Frühdruckerzeit lagen bei 150 bis 250 Exemplaren. Rund 77 % der Inkunabeln, also der bis zum Jahr 1500 mit beweglichen Lettern gedruckten Werke, erschienen auf Latein. Zunächst druckte man besonders Ablassbriefe, Kalender, Donate und Bücher. Zugleich kopierten Klosterskriptorien weiterhin ältere Handschriften von Hand.
Bald entstanden große Betriebe. Anton Kobergers Nürnberger Druckerei beschäftigte bis zu 100 Arbeiter an 24 Pressen. Die Herstellung erforderte verschiedene Fachberufe. Drucker mussten ihr Handwerk beherrschen, Geräte und Kapital beschaffen, Arbeitskräfte beschäftigen, den Markt beobachten und zunächst auch den Verkauf organisieren. Später übernahmen Buchführer Aufgaben des Vertriebs und der Finanzierung. Im 16. Jahrhundert entfiel fast ein Drittel der Gesamtauflage aller Drucke auf Schriften Luthers.
Technischer Wandel bis zur Gegenwart
Die Kriege des 17. Jahrhunderts führten besonders in Deutschland zu einer Verschlechterung der Druckqualität. Um 1740 begann eine neue Blüte, getragen vom Aufschwung des literarischen Lebens und von technischen Neuerungen wie Stereotypie und Galvanoplastik. Einen weiteren Durchbruch brachte die Schnellpresse von Friedrich Koenig. Seit dem 19. Jahrhundert wurde außerdem die Fotografie für den Buchdruck wichtig. 1843 entstand in Prag als Prachtausgabe von 15 Exemplaren das erste vollständig in Gold gedruckte Buch, die „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen.
Gutenbergs Arbeitsprinzip blieb bis etwa 1930 fast unverändert. Neue Schriften wie Baskerville, Bodoni und Futura veränderten zwar das Erscheinungsbild, nicht aber die grundlegende Arbeitsweise. Im 20. Jahrhundert wurde der Satz mechanisiert. Die Monotype-Setzmaschine goss einzelne Lettern automatisch nach einem Gießzettel; auch die Linotype veränderte den Arbeitsablauf, hielt aber am Prinzip der Bleilettern fest. Um 1960 entstanden mit dem Fotosatz fotomechanische Verfahren.
Noch 2014 wurden Bücher überwiegend im Offsetdruck hergestellt. Dabei werden Druckplatten als Druckvorlagen produziert. Der Digitaldruck kommt ohne solche Druckvorlagen aus und schafft damit die technische Voraussetzung für „Book on demand“, also die Herstellung eines Buches nach Bedarf.
Die Geschichte und Technik des Buchdrucks werden unter anderem im Museum für Druckkunst in Leipzig und im National Print Museum in Dublin dokumentiert.