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Geschichte der Tourismusforschung

Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Tourismusforschung. Inhaltsverzeichnis. 1 Beginn bis Ende der 1920er Jahre; 2 Berlin; 3 Bern und St. Gallen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und frühe Grundlagen
  2. 2. Berliner Forschung und ihre Folgen
  3. 3. Schweizer Institute und Systemansatz
  4. 4. Österreichische Institutionalisierung
  5. 5. Ausweitung seit den 1950er Jahren

Gegenstand und frühe Grundlagen

Die Tourismusforschung untersucht den Fremdenverkehr beziehungsweise Tourismus wissenschaftlich. Sie entwickelte sich im deutschsprachigen Raum vor allem aus Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre, Geographie und Soziologie. Ihre Bedeutung liegt darin, Reisen und vorübergehende Aufenthalte nicht nur als praktische oder wirtschaftliche Vorgänge, sondern als komplexes System aus wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und räumlichen Beziehungen zu erklären. Der Artikel weist allerdings darauf hin, dass seine Angaben nicht hinreichend belegt sind.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem „Fremdenverkehr“ begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Josef Stradner versuchte 1905, eine Volkswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs zu entwickeln und den Fremdenverkehr begrifflich vom Reiseverkehr abzugrenzen. 1914 wurde in Düsseldorf das Internationale Institut für das Hotelbildungswesen gegründet. Es wurde 1920 zur Hochschule für Hotel- und Verkehrswesen erweitert, musste aber 1921 wegen der Inflation schließen. Zu den frühen wissenschaftlichen Arbeiten gehörten Untersuchungen von Professor von Schullern-Schrattenhofen sowie Paul Neffs Schrift „Ueber den internationalen Reiseverkehr als Wirtschaftsproblem“.

Neff definierte Fremdenverkehr als „die Gesamtheit aller Bewegungen von Personen, die aus wirtschaftlichen, kulturellen Gründen, zu beruflichen, sportlichen, gesundheitlichen und vergnüglichen Zwecken ihren Wohnsitz, ohne Aufgabe der mit ihm verbundenen rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen, zu vorübergehenden Aufenthalt verlassen“. Entscheidend sind demnach die vorübergehende Abwesenheit vom Wohnsitz und das Fortbestehen der dortigen rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen.

In den 1920er Jahren entstand, ausgehend von Italien und der Schweiz, auch in Deutschland eine Tourismuswissenschaft, die zunächst eng mit Betriebs- und Volkswirtschaft verbunden war. 1928 fand in Berlin der erste Fortbildungskurs zum Fremdenverkehr statt. Behandelt wurden unter anderem Eisenbahn und Fremdenverkehr, Messe- und Ausstellungswesen sowie die Betriebswirtschaft des Hotels. Leopold von Wiese schlug eine soziologische Betrachtung der Beziehungen im Fremdenverkehr vor, doch dieser Ansatz wurde zunächst nicht weiterentwickelt. Artur Bormann ordnete die Fremdenverkehrswissenschaft der Verkehrsbetriebswirtschaftslehre zu.

Berliner Forschung und ihre Folgen

1929 entstand an der Handelshochschule Berlin das Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr. Das Lehrangebot umfasste die bauliche und technische Einrichtung von Gaststätten, eine Einführung in die Fremdenverkehrskunde, das Messe- und Ausstellungswesen, das Kur- und Bäderwesen sowie den Personenverkehr der Reichsbahn. Die Vorlesungen und Seminare führten jedoch zu keinem akademischen Abschluss und waren schlecht besucht.

Der Geograph Adolf Grünthal vertrat 1934 die Auffassung, die Fremdenverkehrsgeographie müsse vor allem die räumliche Verbreitung des Fremdenverkehrs darstellen und seine Wechselbeziehungen mit den natürlichen Erscheinungen der Erdoberfläche untersuchen. Einen wichtigen Impuls gab das von Robert Glücksmann veröffentlichte „Archiv für den Fremdenverkehr“. Es verfolgte einen interdisziplinären Ansatz: Neben Nationalökonomie und Statistik erschienen dort auch soziologische Beiträge. Mit der Schließung des Forschungsinstituts wurde die Zeitschrift 1935 eingestellt. Als Gründe nennt der Artikel die Weltwirtschaftskrise und Glücksmanns jüdische Abstammung. Glücksmann starb 1942 in Theresienstadt; spätere Versuche in der Bundesrepublik, an sein wissenschaftliches Erbe anzuknüpfen, blieben erfolglos.

Glücksmanns „Allgemeine Fremdenverkehrskunde“ von 1935 und Bormanns „Die Lehre vom Fremdenverkehr“ von 1931 gehörten zu den ersten Lehrbüchern des Fachs. An die Stelle des Berliner Instituts trat das im Februar 1934 gegründete Institut für Fremdenverkehrsforschung an der Hochschule für Welthandel in Wien. In Frankfurt am Main wurde 1939 die Herrmann-Esser-Forschungsgemeinschaft für den Fremdenverkehr gegründet, deren Ziel jedoch vor allem die Förderung des deutschen Fremdenverkehrs war. Auch das 1950 gegründete Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr orientierte sich bald stärker an der wirtschaftlichen Praxis als an akademischer Forschung.

Für die geographische Forschung wurde Hans Posers Untersuchung zum Fremdenverkehr im Riesengebirge wichtig. Ihr methodisches Konzept prägte die Fragestellungen der Fremdenverkehrsgeographie bis in die 1960er Jahre.

Schweizer Institute und Systemansatz

In der Schweiz entstanden dauerhafte Zentren der Tourismusforschung. In Bern wurde ein bis heute bestehendes Forschungsinstitut für Fremdenverkehr gegründet, dessen Leiter Kurt Krapf wurde. Die Schweizer Zentrale für Verkehrsförderung veranstaltete bereits 1941 Fachkurse. In Bern und St. Gallen verband man Forschung und Lehre eng mit den Wirtschaftswissenschaften; das Institut in St. Gallen setzte seinen Schwerpunkt besonders auf Lehre und Ausbildung.

Walter Hunziker und Kurt Krapf griffen Glücksmanns Ansätze auf und entwickelten sie weiter. Ihr 1942 veröffentlichtes Werk „Grundriss der allgemeinen Fremdenverkehrslehre“ galt jahrzehntelang als Standardwerk der Grundlagenforschung. Beide wollten die überwiegend wirtschaftliche Betrachtung um eine kulturwissenschaftliche Perspektive erweitern.

Hunziker versuchte, eine eigenständige „wissenschaftliche Fremdenverkehrslehre“ zu schaffen. In Anlehnung an Max Weber und besonders Werner Sombart verstand er den Fremdenverkehr als gedachtes „System“. Dieses System bilde ein „Grundelement“ des modernen „Kultursystems“ und stehe mit ihm in Wechselbeziehung. Damit wurde Tourismus nicht nur als Geschäftszweig, sondern als Bestandteil der modernen Kultur und Gesellschaft betrachtet. Die Institute in Bern und St. Gallen geben bis heute Schriftenreihen zu aktuellen Themen der Tourismusforschung heraus.

Österreichische Institutionalisierung

Das 1939 gegründete Wiener Institut für Fremdenverkehrsforschung baute nach 1959 seine wissenschaftliche Arbeit mit eigenen Gliederungs- und Systemansätzen aus. Eine zentrale Rolle spielte Paul Bernecker, der dort ab 1951 zunächst als Dozent und später als Professor tätig war. Mit „Der moderne Fremdenverkehr“ von 1955, „Die Stellung des Fremdenverkehrs im Leistungssystem der Wirtschaft“ von 1956 und seiner „Grundlagenlehre des Fremdenverkehrs“ förderte er die moderne Fremdenverkehrswissenschaft.

Berneckers besonderer Beitrag war die Etablierung der Tourismusforschung als spezielle Betriebswirtschaftslehre. Zusammen mit Walter Hunziker und Kurt Krapf gilt er als Begründer der wissenschaftlichen Fremdenverkehrsforschung im deutschen Sprachraum. Er gründete außerdem die Gesellschaft für Fremdenverkehrswissenschaft.

Das Wiener Institut, heute Institut für Tourismus und Freizeitwirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien, veröffentlichte die Reihe „Beiträge zur Fremdenverkehrsforschung“ und gilt als ältestes Forschungsinstitut für Fremdenverkehr beziehungsweise Tourismus im deutschsprachigen Raum. Der 1940 eingerichtete „Reichshochschulkurs für den Fremdenverkehr“ besteht unter der Bezeichnung „Universitätslehrgang für Fremdenverkehr bzw. Tourismus“ weiter. In Österreich bemühte man sich zudem, Praktikern ohne Hochschulzugangsberechtigung den Zugang zur Fremdenverkehrswissenschaft zu eröffnen.

Ausweitung seit den 1950er Jahren

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen verstärkt wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt. Die Fremdenverkehrsgeographie arbeitete überwiegend mit Fallstudien, also Untersuchungen einzelner Orte oder Gebiete. 1968 stellten Karl Ruppert und Jörg Maier die „Geographie des Freizeitverhaltens“ vor, die Freizeitaktivitäten und ihre räumlichen Zusammenhänge untersuchte.

In der DDR schlossen 1958 an der Friedrich-List-Hochschule Dresden erstmals Studierende Diplomarbeiten zu Fremdenverkehrsthemen ab. Am 1. September 1964 wurde dort der Lehrstuhl „Ökonomik des Fremdenverkehrs“ eingerichtet; 1967 folgte die „Fachgruppe Fremdenverkehr“, die die beteiligten Ausbildungsdisziplinen koordinierte. Die Handelshochschule Leipzig bildete besonders für Gaststätten- und Hotelwesen aus. Forschungen zur Fremdenverkehrsgeographie fanden vor allem an der Universität Greifswald statt.

Auch die Sozialwissenschaften gewannen an Bedeutung. Knebel versuchte 1960 mit „Soziologische Strukturwandlungen im modernen Tourismus“, eine Tourismussoziologie zu begründen. Der 1961 gegründete Studienkreis für Tourismus arbeitete sozialwissenschaftlich und führte zahlreiche Untersuchungen durch, darunter Vorstudien zur Reiseanalyse, die erste Reiseanalyse von 1970 sowie weitere Leit- und Begleitstudien. Eine wichtige fachübergreifende Veröffentlichung war 1969 „Wissenschaftliche Aspekte des Fremdenverkehrs“.

Zu Beginn der 1970er Jahre veröffentlichte Gustav Zedek das Lehrbuch „Fremdenverkehr. Grundlagen und Instrumentarium“. Seine Definition bezog ausdrücklich die Freizeitgestaltung ein: Fremdenverkehr sei „der Inbegriff der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen als auch emotionellen Beziehungen und Erscheinungen unter Einfluss von Aspekten der Freizeitgestaltung, der Grunderhaltung oder Wiederherstellung und der Förderung und der Pflege zwischenmenschlicher Begegnungen, sowie der Wahrnehmung von Bildungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Ausflug, Reise und Aufenthalt nicht ortsansässiger Personen, sofern damit keine dauernde oder zeitweilige hauptsächliche Erwerbstätigkeit ausgeübt wird.“ Damit umfasst Tourismus wirtschaftliche, gesellschaftliche und emotionale Beziehungen, Erholung, Begegnung und Bildung; ausgeschlossen ist ein Aufenthalt, dessen Zweck hauptsächlich eine dauernde oder zeitweilige Erwerbstätigkeit ist.

Insgesamt entwickelte sich die Tourismusforschung von frühen wirtschaftlichen Definitionen zu einem eigenständigeren, interdisziplinären Fach. Wirtschaftswissenschaft, Geographie, Soziologie und Kulturwissenschaft untersuchen dabei unterschiedliche, miteinander verbundene Seiten des Tourismus.

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