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Geschichte der Stadt Potsdam

Die Konferenz endete mit dem Potsdamer Abkommen, welches die deutsche Besatzung in vier Zonen besiegelte. Mit der Gründung der DDR wurde Potsdam von 1952 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Ursprünge und mittelalterliche Stadt
  2. 2. Aufstieg zur Residenzstadt
  3. 3. Kulturelle Blüte und Ende der Monarchie
  4. 4. Weimarer Republik, NS-Herrschaft und Krieg
  5. 5. Besatzungszeit und DDR
  6. 6. Landeshauptstadt seit 1990

Ursprünge und mittelalterliche Stadt

Potsdams Geschichte umfasst mehr als eintausend Jahre. Die Lage an einem Havelübergang war strategisch wichtig, doch die Abgelegenheit von großen Handelswegen sowie Wasser und Sümpfe begrenzten zunächst die Entwicklung. Die Bevölkerung lebte vor allem von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang.

Nach dem Abzug großer Teile der germanischen Sueben während der Völkerwanderung siedelten sich im 6. und 7. Jahrhundert Slawen an. Der Stamm der Heveller errichtete gegenüber der Nuthemündung eine Burg an der Havel. Am 3. Juli 993 wurde der Ort in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. erstmals als „Poztupimi“ erwähnt. Die genaue Herkunft des Namens ist ungeklärt. Als mögliche Bedeutungen gelten „Zugang, Anlegestelle“, „unter den Eichen“ oder die Ableitung vom slawischen Personennamen Postapim.

1150 eroberte Albrecht der Bär Potsdam endgültig. Er gründete 1157 die Mark Brandenburg und wurde ihr erster Markgraf. In der Nähe der slawischen Anlage entstanden eine deutsche steinerne Turmburg und eine kleine Dienstsiedlung. Potsdam wurde 1304 als „Stedeken“, 1317 erstmals ausdrücklich als Stadt und Burg genannt. 1345 bestätigte Markgraf Ludwig das Stadtrecht.

Trotzdem blieb Potsdam lange ein kleiner, unbedeutender Marktflecken. Von 1416 bis zum Ende der Monarchie 1918 gehörte die Stadt den Hohenzollern. Zwei große Brände richteten im 16. Jahrhundert schwere Schäden an. 1573 lebten lediglich 2.000 Menschen in 192 Häusern.

Aufstieg zur Residenzstadt

Die entscheidende Entwicklung begann unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Er kaufte verpfändete Stadtgebiete zurück und machte Potsdam 1660 zu seiner zweiten Residenz neben Berlin. Die ältere Burg wurde zum Stadtschloss umgebaut, die Umgebung verschönert. Für Potsdam sprachen unter anderem die weitgehend unberührte Natur, reiche Jagdgründe und das Fehlen eines starken Bürgertums, das sich dem Hof hätte widersetzen können.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten nur noch 700 Menschen in Potsdam. Selbst 1660 waren 119 von 198 Häusern unbewohnt; 29 Haushalte konnten keine Steuern zahlen. Das Toleranzedikt von Potsdam von 1685 förderte die Einwanderung, besonders von protestantischen Hugenotten aus Frankreich. Etwa 20.000 Menschen folgten dem Angebot des Kurfürsten für die brandenburgischen Gebiete. Ihr Fachwissen stärkte die Wirtschaft, und ihre kulturellen Einflüsse wirkten unter anderem auf Literatur und Architektur. Ab 1719 entstand in Potsdam das Französische Quartier mit ungefähr 50 Häusern. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört; erhalten blieb die Französische Kirche, die älteste noch bestehende Kirche im historischen Stadtgebiet.

Unter Friedrich Wilhelm I., dem „Soldatenkönig“, wurde Potsdam durch zwei Stadterweiterungen stark umgestaltet. Weil er seine Soldatenbataillone aus Königs Wusterhausen in die Stadt verlegte, mussten zunächst jeweils zwei bis sechs Soldaten in privaten Haushalten aufgenommen, bekleidet und versorgt werden. Ab 1720 entstanden nördlich der bisherigen Altstadt neue, schachbrettartig angelegte Viertel. Eine Stadtmauer mit Toren wie dem Brandenburger und dem Nauener Tor sollte auch Desertionen erschweren. Heilig-Geist-Kirche, St.-Nikolai-Kirche und Garnisonkirche wurden auf einer Linie errichtet. So erhielt die Stadt erstmals eine klar gegliederte Gestalt.

Kulturelle Blüte und Ende der Monarchie

Friedrich der Große prägte Potsdam besonders durch Kunst und Architektur. Ab 1745 ließ er ganze Straßenzüge mit Barockfassaden umgestalten, die häufig älteren Gebäuden nur vorgeblendet wurden. Hinzu kamen der Umbau des Stadtschlosses und die Gestaltung des Alten Marktes. Sein bedeutendstes Schloss, Sanssouci, entstand auf einem Berg im Nordwesten. Der umgebende Park wurde mit weiteren Bauwerken im Stil des Friderizianischen Rokoko zum Residenzgarten ausgebaut und 50 Jahre später auch für das Bürgertum geöffnet.

Neben Berlin entwickelte sich Potsdam zu einem kulturellen Zentrum Preußens. Friedrich förderte die Ideen der Aufklärung, Wissenschaft und Kunst. 1750 lud er den Aufklärungsphilosophen Voltaire als Königlichen Kammerherrn an den Hof von Sanssouci ein.

Die französische Besetzung nach dem Einmarsch Napoléon Bonapartes in der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1806 belastete die Bevölkerung und hemmte die Stadtentwicklung. Ab 1815 baute Friedrich Wilhelm III. Potsdam zum Verwaltungszentrum aus. 1838 wurde mit der Strecke Potsdam–Berlin die erste Eisenbahnlinie Preußens eröffnet.

Während der Revolution von 1848 erreichten die Unruhen auch Potsdam. Am 12. September versammelten sich meuternde Soldaten vor dem Neuen Palais und versuchten, inhaftierte Kameraden zu befreien. Preußische Elitetruppen schlugen die „Potsdamer Meuterei“ rasch nieder. Danach wurden bedeutende Bauprojekte wie die Nikolaikirche, fertiggestellt 1850, und die katholische Kirche St. Peter und Paul von 1867 verwirklicht.

1897 gelang zwischen der Heilandskirche am Port von Sacrow und der Matrosenstation Kongsnæs an der Glienicker Brücke über rund 1,6 Kilometer die erste drahtlose Telegrafie in Deutschland. 1907 nahm die Potsdamer Straßenbahn den elektrischen Betrieb auf. Ab 1911 bestand an der Pirschheide ein 25 Hektar großer Luftschiffhafen; 1912 entstand dort Deutschlands größte Luftschiffhalle. Die Produktion von Kriegsluftschiffen endete 1917, die Halle wurde 1920 abgerissen.

1914 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II. im Neuen Palais die Kriegserklärung gegen die Entente-Mächte. Mit der Novemberrevolution und seiner Flucht ins niederländische Exil endete 1918 die Monarchie. Potsdam verlor damit endgültig seinen Rang als Residenzstadt.

Weimarer Republik, NS-Herrschaft und Krieg

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg verschärften sich Not und Elend. Der Besitz der Hohenzollern an Schlössern und Grundstücken wurde zunächst beschlagnahmt und ging nach der Vermögensauseinandersetzung von 1926 größtenteils an den preußischen Staat.

Am 21. März 1933 inszenierten die Nationalsozialisten den „Tag von Potsdam“. Reichspräsident Paul von Hindenburg reichte Reichskanzler Adolf Hitler die Hand; die Geste sollte das Bündnis der alten Ordnung mit dem Nationalsozialismus darstellen. Die konstituierende Sitzung des Reichstags fand ohne Sozialdemokraten und Kommunisten in der Garnisonkirche statt und wurde landesweit im Rundfunk übertragen.

Die jüdische Gemeinde war seit 1933 wachsender Ausgrenzung und Verfolgung ausgesetzt. In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge am Wilhelmplatz zerstört. Das Gebäude selbst brannte wegen des benachbarten Postamtes nicht, wurde aber beim Luftangriff vom 14. April 1945 vernichtet. Die verbliebenen Juden mussten zunächst in ein angebliches Altenheim in Babelsberg ziehen und wurden anschließend deportiert. Der letzte Transport verließ Potsdam am 16. Januar 1943 in Richtung Ghetto Riga. Von etwa 600 jüdischen Einwohnern am Ende der Weimarer Republik war 1945 praktisch keine Gemeinde mehr übrig.

Ein britischer Luftangriff zerstörte am 14. April 1945 große Teile der Altstadt. Besonders der Süden des historischen Zentrums erlitt Totalschäden; Stadtschloss und Garnisonkirche brannten aus. Danach erklärten die Nationalsozialisten Potsdam zur Festung. Brücken wurden gesprengt, Barrikaden errichtet und Kirchtürme als Beobachtungsposten genutzt. Sowjetischer Artilleriebeschuss verursachte weitere Zerstörungen. Bis zum 27. April besetzte die Rote Armee Babelsberg und das Gebiet südlich der Havel. In der Nacht vom 29. zum 30. April brach die eingeschlossene Garnison nach Südwesten aus; damit endete der Zweite Weltkrieg für Potsdam.

Besatzungszeit und DDR

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 tagten im Schloss Cecilienhof die Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetunion. Teilnehmer waren Harry S. Truman, zunächst Winston Churchill und später Clement Richard Attlee sowie Stalin. Das Potsdamer Abkommen besiegelte die Besetzung Deutschlands in vier Zonen.

In der DDR war Potsdam von 1952 bis 1990 Verwaltungssitz des Bezirkes Potsdam. Die Staatsführung bewertete das preußische Erbe widersprüchlich: Kulturelle Leistungen wurden teilweise gewürdigt, viele Bauwerke aber als Zeichen des Militarismus angesehen und abgerissen. Anfangs entstanden Neubauten, die sich stärker dem historischen Stadtbild anpassten. Später führte wirtschaftlicher Druck zur günstigeren Plattenbauweise. So wurden südliche Stadtteile wie Schlaatz, Waldstadt und Drewitz in einheitlicher Form errichtet.

Das Filmstudio Babelsberg wurde als Deutsche Film AG, kurz DEFA, zum Filmzentrum der DDR. Insgesamt entstanden während der DDR-Zeit mehr als 700 Spielfilme und 160 Kinderfilme. Neben Propaganda gab es anspruchsvolle Unterhaltung. „Spur der Steine“ von 1966 wurde wegen seiner realistischen Darstellung des Lebens zensiert. „Jakob der Lügner“ war der einzige DEFA-Film, der für einen Oscar nominiert wurde.

Nach dem Mauerbau 1961 verlor Potsdam seinen direkten Anschluss an West-Berlin. Die Glienicker Brücke wurde im Kalten Krieg für Agentenaustausche genutzt. 1962 tauschte man dort den sowjetischen Spion Rudolf Iwanowitsch Abel gegen den US-Piloten Francis Gary Powers aus. Nach dem Mauerfall 1989 war die Brücke für die Bevölkerung wieder frei nutzbar.

Landeshauptstadt seit 1990

Mit der Deutschen Einheit und der Wiedergründung des Landes Brandenburg wurde Potsdam 1990 dessen Hauptstadt. Im selben Jahr erklärte die UNESCO weite Teile der Potsdamer Kulturlandschaft zum Welterbe. Initiativen bemühten sich um den Wiederaufbau zerstörter Innenstadtbauten, darunter Stadtschloss und Garnisonkirche. Seit 2014 befindet sich der Brandenburger Landtag im rekonstruierten Stadtschloss. Gleichzeitig wurden im 21. Jahrhundert zahlreiche Gebäude aus der DDR-Zeit abgerissen.

1993 feierte Potsdam offiziell sein tausendjähriges Bestehen. Der 1963 zugeschüttete Stadtkanal wurde teilweise entlang seines früheren Verlaufs wieder freigelegt. 2001 veranstaltete die Stadt unter dem Motto „Gartenkunst zwischen gestern und morgen“ die Bundesgartenschau. 2004 gewann sie beim Bundeswettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ die Goldmedaille.

Potsdam entwickelte sich im 21. Jahrhundert zu einem angesehenen Forschungs- und Bildungsstandort im deutschsprachigen Raum. 2019 nahm die UNESCO die Stadt außerdem in ihr Netzwerk der kreativen Filmstädte auf.

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