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Geschichte der Stadt Freistadt
Im Zuge des aufgeklärten Absolutismus in Österreich wurde Freistadt Ende des 18. Jahrhunderts kurzzeitig zur Kreisstadt des Mühlviertels. Seit dem Jahr 1850 ist …
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Überblick und Gründung
Freistadt ist eine oberösterreichische Kleinstadt im unteren Mühlviertel. Ihre Blütezeit lag zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, als sie eine bedeutende Handelsstadt zwischen Donauraum und Böhmen war. Der Straßenzwang verpflichtete Kaufleute, auf dem einzig erlaubten Weg von Linz nach Budweis durch Freistadt zu reisen. Später verloren Stadt und ehemalige Grenzlage durch Gegenreformation, Dreißigjährigen Krieg und veränderte Grenzen an Bedeutung. Seit 1850 ist Freistadt Sitz der Bezirkshauptmannschaft; heute ist sie wirtschaftliches, schulisches und kulturelles Zentrum des Bezirks.
Der Raum war bis ins hohe Mittelalter Teil des Nordwalds. Nördlich der Stadt liegt der 714 m ü. A. hohe Kerschbaumer Sattel, der günstigste Übergang vom Donautal nach Südböhmen und eine Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Der Goldene Steig führte als Saumpfad von Enns durch das Aisttal über den Raum Freistadt nach Budweis. Frühbronzezeitliche Funde, darunter ein Randleistenbeil beim Pregartenteich, belegen seine lange Nutzung.
Vor der Stadtgründung lagen an diesem Weg eine Burg, der heutige Salzhof, und ein slawisches Straßendorf, vermutlich Zaglau beziehungsweise Zahlow. Der tschechische Name Cáhlov erinnert daran. Freistadt wurde vermutlich um 1225 von Herzog Leopold VI. dem Glorreichen planmäßig angelegt; eine ältere Theorie einer Gründung um 1140 durch die Herren von Perg und Machland wird heute abgelehnt. Breite Straßen, der rechteckige Hauptplatz, ein rechtwinkliges Straßennetz und die Kirche an der höchsten Stelle gelten als Hinweise auf diese Planung. 1241 wurde die Stadt erstmals urkundlich genannt. Anfangs erhielten freie, besitzlose Ansiedler Hausgrund und Land im Burgfried als freies Burgrecht.
Handel, Befestigung und Stadtleben
1277 bestätigte König Rudolf von Habsburg Freistadts Niederlags- und Stapelrecht für alle Waren im Handel mit Böhmen. Kaufleute mussten ihre Waren drei Tage lang zu einem festgesetzten Preis den Freistädter Kaufleuten anbieten. Zusammen mit dem Straßenzwang sicherte dies der Stadt Handelsgewinne. 1363 kam das Meilenrecht hinzu: Innerhalb einer Bannmeile von 7,586 Kilometern durften nur Stadtbürger Handel und Gewerbe betreiben. Konflikte mit Leonfelden und Pregarten über Handelswege, Maut und eigene Handelsbeziehungen entschied der Landesfürst stets zugunsten Freistadts.
Wichtige Waren waren Eisen und Eisenwaren aus dem Raum Steyr, Salz aus dem Ausseerland und habsburgischen Salzkammergut, Bier, Zwirn, Leinwand, venezianisches Glas, Seide und Tuche sowie Fische aus Böhmen. Freistadt besaß vier eisenbearbeitende Werke zwischen Graben und Thurytal. Der Salzhandel über den Goldenen Steig führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit Linz 1380 und 1450. Ab 1465 war der 14 Tage dauernde Paulimarkt im Jänner/Februar ein Jahrmarkt mit Bedeutung ähnlich einer internationalen Messe; um 1490 hatte der Handel seine größte Ausdehnung. Jeder Hausbesitzer innerhalb der Stadtmauer durfte Bier brauen, wobei die Menge vom Schätzwert des Hauses abhing. 1525 gab es zwölf Brauhäuser.
Die Stadt war zugleich Handelsplatz und befestigtes Bollwerk. Auf dem nach Süden und Osten geschützten Felsplateau entstanden seit dem 13. Jahrhundert Steinbefestigungen. Zwischen 1363 und 1396 wurden innere und äußere Mauer, Mantelmauer, Graben und Zwinger stark ausgebaut. Die innere Mauer besaß einen Wehrgang in fünf bis sieben Metern Höhe, Schießscharten und Pechnasen. Linzertor und Böhmertor waren die Hauptzugänge mit Zugbrücken. Bis 1444 ergänzten Türme wie Weyermühlturm, Petringerturm, Scheiblingturm und Dechanthofturm die Anlage; von neun Wehrtürmen sind sieben erhalten. Hussiten konnten die Stadt 1420/30 nicht einnehmen, brannten aber Vororte nieder.
Die Selbstverwaltung wuchs mit dem Wohlstand: Stadtrichter sind ab 1286, ein Rat ab 1354, ein Stadtschreiber ab 1371 und Bürgermeister Jakob Megerlein ab 1388 nachweisbar. Der Innere Rat bestand aus acht Handelsbürgern; im Äußeren Rat waren auch Handwerker vertreten. Bäckergesellen führten 1397 den ersten bekannten Arbeiterstreik Oberösterreichs durch. Schule und Kirche spielten eine große Rolle: 1371 ist ein Schulmeister, 1404 ein Schulhaus und 1543 eine Lateinschule belegt. Die Stadtpfarrkirche wurde im 14. und 15. Jahrhundert gotisch ausgebaut und ist heute Österreichs einzige fünfschiffige Basilika. Die Reformation fand unter Handelsleuten großen Zuspruch; um 1610 war mehr als die Hälfte der Bevölkerung lutherisch.
Krisen und Verlust der Eigenständigkeit
Zwei Stadtbrände zerstörten 1507 und 1516 alle Häuser innerhalb der Stadt; nur das Schloss blieb erhalten. Kaiser Maximilian I. befreite Freistadt von Steuern, verlangte aber hochgezogene Feuermauern. Verbesserte Wasserversorgung verhinderte später große Stadtbrände. Pest und pestartige Seuchen verursachten 1541 und 1562 jeweils mehrere hundert Tote; 1541 starben etwa 230 Menschen, ein Siebtel der damaligen Bevölkerung.
Der entscheidende Einschnitt kam mit Bauernkrieg und Dreißigjährigem Krieg. Am 1. Juli 1626 eroberten rund 5000 aufständische Bauern nach Belagerung die nur von 150 Soldaten und Stadtbewohnern verteidigte Stadt; möglicherweise unterstützten Einwohner sie, um einer Hungersnot zu entgehen. Nach der Niederlage bei Kerschbaum im August räumten die Bauern Freistadt wieder. Die Einnahmen fielen von 38.985 Gulden 1623 auf 4547 Gulden 1626. Zwischen 1627 und 1629 mussten nach dem Sieg Kaiser Ferdinands II. alle Nichtkatholiken die Stadt verlassen. Nach Zahlung von 10 % ihres Vermögens gingen 76 wohlhabende Familien oder Einzelpersonen fort. Dieser Verlust an Bevölkerung und Vermögen wirkte lange nach.
Da Böhmen ab 1620 habsburgisches Erbland wurde, verlor Freistadt als Grenz- und Handelsstadt schrittweise Privilegien. Absolutismus und Merkantilismus schwächten die politische Selbstständigkeit sowie die Zünfte, die mit Manufakturen konkurrieren mussten. Schon ab 1600 standen Bürgermeister, Stadtrichter und Rat unter wachsender Kontrolle der Landesfürsten. Josef II. ersetzte 1783 die alte Stadtverfassung durch eine Magistratsverfassung; 1789 trat der letzte Stadtrichter zurück. Freistadt war kurz Hauptort des Mühlkreises, bevor das Kreisamt 1794 nach Linz verlegt wurde.
Der Salztransport blieb wichtig: 1728 wurden an der Stadtwaage 16.601 Zentner gezählt, der höchste gemessene Wert. Täglich durchquerten durchschnittlich drei- bis vierhundert Salztransporte die Stadt; 20 Gasthäuser profitierten davon. Wegen schlechter Bierqualität entstand 1770 bis 1777 ein neues Brauhaus. Seitdem gehören alle 149 Hauseigentümer der Innenstadt zur Braucommune Freistadt. Mit dem Kauf eines Innenstadt-Hauses wird noch heute ein stimmberechtigter Anteil an der Brauerei erworben. Ab 1848 galt die Gemeindeordnung; 1850 wurde Freistadt Bezirkshauptstadt und entwickelte sich von der Handels- zur Schul- und Verwaltungsstadt.
Modernisierung bis 1938
Der wirtschaftliche Aufschwung des 19. Jahrhunderts beruhte auf Infrastruktur und eigenen Initiativen. Die Pferdeeisenbahn Linz–Budweis führte von 1832 bis 1873 etwa vier Kilometer an Freistadt vorbei. Bahnanschluss erhielt die Stadt durch die Summerauer Bahn: Die Strecke Freistadt–Summerau wurde am 6. November 1872 eröffnet, St. Valentin–Freistadt am 2. Dezember 1872 für den Gesamtverkehr und die Verbindung nach Linz am 20. Dezember 1873. 1862 begann die Freistädter Messe, heute Messe Mühlviertel; sie ist die älteste und derzeit drittgrößte Messe Oberösterreichs. Weitere wichtige Einrichtungen waren Sparkasse (1866), Hochquellen-Wasserleitung ab 1889 und öffentliche Beleuchtung ab 1906 mit 20 Kilometern Rohrleitungen, 1400 Lampen und 74 Straßenlaternen.
Das Schulangebot wuchs: Piaristen betrieben ab 1761 eine Knaben- und Lateinschule, ihr erstes Gymnasium schloss 1787 wegen Schülermangels. Ein staatliches Gymnasium entstand ab 1867 und erhielt 1890 den Namen Kaiser-Franz-Josef-Staatsgymnasium. Schulschwestern und Marianisten führten Volks-, Haupt- und Internatsschulen. Zugleich blieb der mittelalterliche Kern durch Promenade und Erhaltung der Befestigungen geschützt.
Im Ersten Weltkrieg bestand in Freistadt ein Kriegsgefangenenlager für Russen. Es umfasste bis zu 20.000 Gefangene auf 452.000 Quadratmetern; 388 Verstorbene wurden am Soldatenfriedhof Jaunitzbachtal begraben. Der Vertrag von St. Germain machte die Stadt wieder zur Grenzstadt, doch die Grenze hatte keine wirtschaftliche Bedeutung. 86 Soldaten aus Freistadt starben im Krieg. Zwischenkriegszeit und Weltwirtschaftskrise waren von Hunger, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und politischer Radikalisierung geprägt; beim Bürgerkrieg 1934 fielen in Freistadt keine Schüsse. Unternehmen wie Haberkorn, Mößböck und Zemann wurden gegründet, 1930 die Molkereigenossenschaft und 1937 die Erzherzog-Karl-Kaserne eröffnet.
Nationalsozialismus und Besatzung
Nach dem Anschluss am 12. März 1938 wurden das Stadtgebiet erweitert und private Schulen in öffentliche Schulen umgewandelt. Das Studentenkonvikt wurde NS-Schülerheim und Sitz der NSDAP-Kreisverwaltung. Ab Herbst 1944 schlossen zunächst das Gymnasium und später alle übrigen Schulen; in den Gebäuden wurden Flüchtlinge untergebracht. In Freistadt waren während des Kriegs mehr als 1000 Soldaten stationiert, darunter in zwei Wehrmachts-Barackenlagern und einer Panzerschule.
Die NS-Verfolgung forderte auch in Freistadt Opfer. Am 24./25. April 1945 ermordete der Volkssturm an der Jaunitzbrücke vier Freistädter und einen polnischen Landarbeiter; ein Gedenkstein erinnert daran. 52 Personen der Widerstandsgruppe Neues freies Österreich wurden 1944 verhaftet. Von 27 Angeklagten wurden 16 verurteilt, acht zum Tode; am 1. Mai 1945 wurden sieben Freistädter und ein Linzer in Treffling hingerichtet. Seit 5. Mai 1995 steht vor dem Linzertor ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Freistadt wurde nicht bombardiert. Die Bevölkerung und Stadtkommandant Hauptmann Bock verhinderten in den letzten Kriegstagen einen Kampf gegen den Befehl einer SS-Einheit; am 7. Mai 1945 erreichten amerikanische Panzer die Stadt kampflos. 289 Soldaten fielen oder galten als vermisst.
Nach kurzer gemeinsamer Besetzung durch US-Truppen und Rote Armee besetzte die Sowjetunion ab 1. August 1945 das ganze Mühlviertel. Die sowjetische Kommandantur bestand bis 25. Mai 1955; viele Häuser waren im Winter 1945/46 einquartiert. Neun Flüchtlingslager nahmen zeitweise etwa 12.000 Menschen auf. Ein Bericht vom 24. Mai 1945 nennt 8212 Flüchtlinge aus 20 Ländern, während die Stadt selbst rund 5000 Einwohner hatte. Nach dem kommunistischen Putsch in der Tschechoslowakei 1948 unterbrach der Eiserne Vorhang den Grenzverkehr fast vollständig und isolierte Freistadt wirtschaftlich.
Entwicklung seit 1955 und Ausblick
Nach Staatsvertrag und Ende der sowjetischen Besatzung nahm Freistadt ab 1955 am österreichischen Wirtschaftswunder teil. Die Einwohnerzahl stieg auf 6000, Unternehmen erweiterten ihre Kapazitäten, Wohnbau und Infrastruktur wurden ausgebaut. Dazu gehörten die Linzer Straße als Umfahrung 1960, Wasserleitung, Kanalisation, Kläranlage und später ein 110-kV-Umspannwerk (1997) sowie ein Biomasseheizkraftwerk ab 1999, das Hackgut von 153 Bauern nutzt.
Die Stadt setzte auf Erhaltung und Nutzung der Altstadt. 1967 wurde die Stadtpfarrkirche renoviert und ihr gotischer Ursprung größtenteils wiederhergestellt. Fassadenaktion ab 1972 und Bauordnung von 1979 schützten Bürgerhäuser, Plätze, Tore und Türme. Seit 1955 wurde das Schulwesen weiter ausgebaut, unter anderem mit Hauptschule, Handelsschule (1964), Handelsakademie (1971), Berufsschule, Landwirtschaftsschule, Musikschule, Höherer Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe und Schule für Gesundheits- und Krankenpflege.
Wichtige neuere Einrichtungen sind das Landeskrankenhaus mit vier Fachabteilungen und 176 Betten (1992), Citybus-Linien (1994), das Kulturzentrum Salzhof (2003), die Messe- und Veranstaltungshalle mit bis zu 6000 Steh- oder 3000 Sitzplätzen (2003) und eine Sporthalle (2004). Beim Hochwasser 2002 wurden 138 von 1530 Gebäuden beschädigt; vom 6. bis 13. August fielen 367 Millimeter Niederschlag. Die S10 wurde am 15. November 2014 zwischen Freistadt Süd und Freistadt Nord freigegeben und entlastete die B310 vom Durchzugsverkehr.
Für den Hochwasserschutz ist ein Rückhaltebecken im Feldaisttal geplant, das vor einem Hundertjährlichen Hochwasser wie 2002 schützen soll. Mit Energie-Zukunft Freistadt 2030 verfolgt die Stadt seit 2008 das Ziel, Öl, Kohle und Gas schrittweise zu ersetzen. Die geplante Westtangente der B 38 soll das Stadtgebiet um rund 7000 Autofahrten aus Richtung Bad Leonfelden entlasten und den Anschluss an die S 10 verbessern.