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Geschichte der Stadt Coburg

Die Geschichte der Stadt Coburg umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Coburg von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Anfänge und Entwicklung im Mittelalter
  2. 2. Herrschaft, Stadtrecht und religiöse Einrichtungen
  3. 3. Reformation, Residenz und Dreißigjähriger Krieg
  4. 4. Residenzstadt, Gewerbe und nationale Bewegung im 19. Jahrhundert
  5. 5. Von der Monarchie bis zur Europastadt

Anfänge und Entwicklung im Mittelalter

Die Geschichte Coburgs ist seit 1056 dokumentiert. In einer Schenkungsurkunde übertrug die im Exil lebende Polenkönigin Richeza damals ein Gut an Erzbischof Anno von Köln. Die Besitzungen lagen auf dem Festungsberg oder im benachbarten Fürwitz. Anno gründete dort 1074 das Kloster Sankt Peter und Paul mit einer Propstei, das als Nebenkloster der Abtei zu Saalfeld diente.

Coburg war vermutlich neben der älteren Talsiedlung „Trufalistat“ eine Neugründung. Kennzeichnend waren ein zentraler Markt und kreuzförmig auf ihn zulaufende Durchgangsstraßen. Im 11. Jahrhundert wurde der klösterliche Wirtschaftshof vom Festungsberg ins Tal zur heutigen Morizkirche verlegt; dort entstand eine erste Kirche.

Als Stadt wurde Coburg in einer Urkunde vom 24. Mai 1217 bezeichnet. Von dieser Urkunde ist eine spätmittelalterliche Kopie überliefert. Darin wurden unter anderem die Pfarrrechte festgelegt und Coburg als „gesamte Stadt“ bezeichnet, die früher Trufalistat genannt worden sei.

Herrschaft, Stadtrecht und religiöse Einrichtungen

Über die bauliche Entwicklung Coburgs im späten Mittelalter sind nur wenige Dokumente erhalten. Um 1250 wurde an der Stelle der heutigen Ehrenburg ein Franziskanerkloster gegründet. Zunächst herrschten die Meranier über Coburg, 1265 wurden sie von den Hennebergern abgelöst. Das erste Stadtwappen zeigte deshalb eine Henne auf einem Berg.

Kaiser Ludwig der Baier verlieh Coburg 1331 das Schweinfurter Stadtrecht. An der Hauptkirche St. Moriz wurde von 1330 bis ins 15. Jahrhundert gebaut. 1353 erbte Markgraf Friedrich III. von Meißen und damit das Haus Wettin die Herrschaft Coburg, die auch Pflege Coburg genannt wurde. Das Stadtwappen wurde daraufhin der Meißener Löwe. Seit 1430 ist der Heilige Mauritius das Stadtwappen.

1444 wurde in Coburg erstmals urkundlich ein Vogelschießen erwähnt, aus dem sich das heutige Schützenfest entwickelte. Seit 1336 ist außerdem ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar. Dieses als Siechenhaus bezeichnete Gebäude lag vor dem Ketschentor; die zugehörige Kapelle war dem heiligen Nikolaus geweiht.

Reformation, Residenz und Dreißigjähriger Krieg

Nach der Leipziger Teilung von 1485 gehörte Coburg zum Land der Ernestiner. Da die sächsischen Kurfürsten die Reformation unterstützten, wurde sie in Coburg bis 1524 durch den Pfarrer Balthasar Düring eingeführt. Die letzte katholische Messe in der Siechenkapelle fand 1528 statt. Martin Luther hielt sich 1530 ein halbes Jahr auf der Veste Coburg auf, weil er wegen der über ihn verhängten Reichsacht nicht am Reichstag zu Augsburg teilnehmen konnte. Coburg war für ihn der nächstgelegene sichere Ort zu Augsburg.

Unter Herzog Johann Ernst wurde Coburg 1542 erstmals Residenzstadt. Bis 1547 ließ er das aufgelöste Barfüßerkloster zum herzoglichen Stadtschloss Ehrenburg umbauen. Mit seinem Tod 1553 endete diese erste Phase als Residenzstadt. Das Rathaus von 1438 wurde zwischen 1577 und 1580 erweitert.

Von 1586 bis 1633 war Coburg Residenz eines eigenstaatlichen Fürstentums Sachsen-Coburg. Unter Herzog Johann Casimir entstanden wichtige Bauten: das Regierungshaus am Marktplatz, errichtet 1597 bis 1601 und ab 1957 Stadthaus genannt, das 1605 eingeweihte Gymnasium Casimirianum sowie das Zeughaus in der Herrengasse, das von 1616 bis 1621 gebaut wurde. Zusätzlich wurde die Veste Coburg zur Festung ausgebaut.

Während der Herrschaft Johann Casimirs fanden die meisten Hexenprozesse statt. Etwa 178 Prozesse sind bisher nachweisbar. Erste einzelne Verfahren hatte es seit 1532 in Coburg und Heldburg gegeben. Die intensiven Verfolgungswellen dauerten von 1612 bis 1619 sowie von 1628 bis 1632. Verfahren fanden auch in Heldburg und Hildburghausen statt. Als sich im September 1632 Wallensteins Truppen näherten, endeten die Prozesse zunächst für einige Jahre. Ab etwa 1640 wurden ungefähr 50 weitere Personen wegen des Verdachts auf Hexerei verhaftet. Insgesamt gab es in Coburg und Umgebung im 16. und 17. Jahrhundert mindestens 228 Hexenprozesse; nicht in allen Fällen wurden die Angeklagten hingerichtet.

Im Dreißigjährigen Krieg besetzten kaiserliche und bayerische Truppen unter Wallenstein Coburg 1632 und belagerten die Veste erfolglos. General Georg Christoph von Taupadel verteidigte die Stadt. 1634 zogen erneut kaiserliche Truppen unter General Graf Lamboy ein und eroberten diesmal auch die Veste durch eine List. Am Ende des Krieges war etwa die Hälfte der Häuser zerstört, und die Einwohnerzahl war auf die Hälfte gesunken.

Ab 1680 war Coburg wieder Residenz, diesmal von Herzog Albrecht. Er ließ das 1690 niedergebrannte Schloss Ehrenburg als Barockschloss wiederaufbauen. 1714 entstand auf dem Anger ein größeres Schützenhaus. Nach der Beendigung der Erbstreitigkeiten unter den Ernestinern und der Bildung des Fürstentums Sachsen-Coburg-Saalfeld wurde Coburg 1735 erneut Residenzstadt eines regierenden Herzogs. Diese Funktion behielt die Stadt bis zum Ende der Monarchie 1918.

Residenzstadt, Gewerbe und nationale Bewegung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Coburg politisch, wirtschaftlich und infrastrukturell weiter. Katholiken lebten spätestens seit dem 18. Jahrhundert wieder in der Stadt; am 25. März 1802 feierten sie den ersten Gottesdienst in einem Zimmer in der Ketschengasse 1. 1806 überließ Herzog Ernst I. der kleinen römisch-katholischen Gemeinde die Nikolauskapelle. Im Sommer desselben Jahres erhielt eine jüdische Familie gegen hohe Geldzahlungen den ersten Schutzbrief seit dem 15. Jahrhundert und damit das Niederlassungsrecht in Coburg.

Jean Paul lebte von 1803 bis 1804 als herzoglicher Legationsrat in Coburg. 1806 erhielt die Stadt ihre erste Straßenbeleuchtung. 1806 und 1807 wurde sie zweimal von französischen Truppen besetzt und bis zum Frieden von Tilsit verwaltet. 1824 gab es 40 Gewerbe; besonders wichtig waren Leinenweberei, Tucherzeugung und Gerberei.

Nach dem Tod Herzog Friedrichs IV. 1825 wurde das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg aufgeteilt. Im Teilungsvertrag zu Hildburghausen erhielten Sachsen-Meiningen, Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Coburg-Saalfeld Gebiete. Herzog Ernst I. bekam 1826 im Tausch für Sachsen-Saalfeld unter anderem das Herzogtum Sachsen-Gotha. Das neue Sachsen-Coburg und Gotha war zunächst ein in Personalunion regiertes Doppelherzogtum. Coburg war daher nicht mehr alleinige Residenzstadt; der Hof wechselte bis 1918 regelmäßig zwischen Coburg und Gotha. Beide Städte behielten jedoch ihren eigenen Landtag und eine eigenständige Landesverwaltung. Die Coburger Bevölkerung befürchtete, dass der Hof dauerhaft nach Gotha verlegt werden könnte, da Gotha zunehmend größer, repräsentativer und wirtschaftlich bedeutender wurde.

Unter Herzog Ernst I. wurden ab 1816 die beiden Nordflügel der Ehrenburg neu gestaltet. Der Schlossplatz erhielt Arkaden und den heutigen Hofgarten. Von 1837 bis 1840 entstand das Hoftheater, das heutige Landestheater. Das herzogliche Kunst- und Naturalienkabinett, das heutige Naturkunde-Museum, öffnete 1844 erstmals die Kunstschätze der Herzöge für die Bevölkerung. 1852 wurde die herzogliche Baugewerkschule gegründet, eine Vorläuferin der späteren Hochschule Coburg.

1854 entstand die erste Gasfabrik, und 1858 erhielt Coburg durch die Werrabahn am Bahnhof seinen ersten Eisenbahnanschluss. Dadurch besuchten in den folgenden 60 Jahren häufig Kaiser, Zaren, Könige und Fürsten ihre Verwandten in Coburg. 1870 wurden erste hölzerne Trinkwasserleitungen von Quellen des Kürengrunds und Pilgramsroths in die Stadt verlegt. Ab 1891 entstand ein Wasserversorgungsnetz, das von 13 Kilometer entfernten Quellen bei Fischbach im Froschgrund gespeist wurde. Um 1880 wurde der Schlachthof eröffnet.

Unter Herzog Ernst II. wurde Coburg zu einem Zentrum der in Vereinen organisierten deutschen Nationalbewegung. Der 1859 gegründete Deutsche Nationalverein hatte hier seinen Sitz. 1860 fanden das Erste Deutsche Turn- und Jugendfest sowie die erste Generalversammlung des Deutschen Nationalvereins statt. 1862 wurde der Deutsche Sängerbund gegründet, und ab 1872 war Coburg ständiger Tagungsort des Coburger Landsmannschafter-Verbandes. An diesen Veranstaltungen nahmen meist mehrere tausend Menschen teil.

Zu den technischen Entwicklungen gehörten das erste deutsche Gaswerk, das Coburg 1853 als 49. deutsche Stadt erhielt, sowie das erste Wasserklosett britischer Herstellung, das 1860 in Schloss Ehrenburg für Königin Victoria eingebaut wurde. 1888 entwickelte Andreas Flocken in seiner Coburger Maschinenfabrik den Flocken-Elektrowagen, der als erstes vierrädriges Elektroauto der Welt gilt. 1886 kam der Walzerkomponist Johann Strauss nach Coburg, um Coburger Bürger zu werden und sich scheiden lassen zu können. 1894 besuchten anlässlich einer Fürstenhochzeit unter anderem Kaiser Wilhelm II. und der spätere Zar Nikolaus II. die Stadt.

Von der Monarchie bis zur Europastadt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden wichtige Einrichtungen geschaffen. 1903 nahmen die Elektrizitätswerke den Betrieb auf. Das 1907 eröffnete Krematorium auf dem Friedhof am Glockenberg gehörte zu den ersten in Deutschland. Ebenfalls 1907 wurde das Ernst-Alexandrinen-Volksbad eingeweiht, dessen Bau Herzogin Alexandrine angeregt und finanziell unterstützt hatte. Von 1907 bis 1916 entstand die Kanalisation nach dem Trennsystem; 1909 war sie in der Innenstadt fertiggestellt. Schneeschmelze und Dauerregen verursachten vom 4. bis 5. Februar 1909 großflächige Überschwemmungen im Bahnhofsviertel. 1913 eröffnete der Deutsche Flugverband auf der Brandensteinsebene den Flugstützpunkt Coburg zur Unterstützung der Militärluftfahrt; mit Flughallen war er der dritte Flugstützpunkt dieser Art im Deutschen Reich.

Im Ersten Weltkrieg fielen 917 Einwohner. Die Novemberrevolution löste in Coburg zunächst zurückhaltende Reaktionen aus. Am 10. November 1918 beschloss der Vorstand des SPD-Landesvereins die Gründung eines Arbeiter- und Soldatenrates. Vorsitzender wurde Reinhold Artmann, der am folgenden Tag vom Schlossbalkon aus sprach. Am 13. November trat Herzog Carl Eduard zurück.

In der Volksbefragung vom 30. November 1919 stimmten in der Stadt mit 23.413 Einwohnern 85,44 % der Abstimmenden gegen den Beitritt des Freistaates Coburg zu Thüringen: 9402 Stimmen entfielen auf die Ablehnung, 1624 auf die Zustimmung. 1920 wurde Coburg mit Bayern vereinigt. Der Vereinigungsvertrag sicherte den Fortbestand bisheriger Einrichtungen wie des Landestheaters und der Coburger Landesstiftung. 1919 wurden außerdem das Metallwerk Max Brose & Co. und Kaeser Kompressoren gegründet. 1926 wurde das Freibad an der Rosenauer Straße eingeweiht.

Am 2. September 1921 führte eine Protestkundgebung von SPD und USPD nach der Ermordung Matthias Erzbergers zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Landespolizei. Beim verbotenen Demonstrationszug durch die Innenstadt setzte die Polizei Schusswaffen ein; ein Mensch starb, 20 wurden verletzt. Das Ereignis wurde als „Coburger Blutsonnabend“ bekannt. 1924 veranstaltete Coburg ein Heimatfest zur Festungsweihe mit einem drei Kilometer langen Festzug, 26 Musikkapellen und rund 50.000 Teilnehmern.

Coburg wurde früh zu einer Hochburg des Nationalsozialismus. Beim „Deutschen Tag“ vom 14. bis 15. Oktober 1922 kamen Adolf Hitler und etwa 650 SA-Angehörige in die Stadt. Straßenkämpfe, Auseinandersetzungen mit linken Gegendemonstranten und antisemitische Kundgebungen prägten das Wochenende. 1929 erhielt die NSDAP bei den Stadtratswahlen 43,1 % der Stimmen und 13 von 25 Sitzen. Am 26. Februar 1932 verlieh Coburg Adolf Hitler als erste deutsche Stadt die Ehrenbürgerrechte. Gleichzeitig nahm der Antisemitismus zu. 1929 führte der Stadtrat als erste Stadt Deutschlands eine Warenhaus- und Filialsteuer ein, die vor allem jüdische Geschäfte traf. Ab dem 10. März 1933 wurden jüdische Geschäfte boykottiert; es kam zu Verhaftungen und Misshandlungen. Die jüdische Gemeinde hatte 1933 noch 233 Mitglieder, Ende 1942 lebte niemand von ihnen mehr in Coburg, da die Menschen geflohen oder deportiert und ermordet worden waren. Am 7. Mai 1933 fand im Innenhof der Ehrenburg eine Bücherverbrennung statt. Ab 1934 wurden wieder militärische Einheiten stationiert und drei Kasernen am nördlichen Stadtrand errichtet.

Am 11. April 1945 nahm die 11. US-Panzerdivision Coburg ein. Bombenangriffe sowie Artillerie- und Panzerbeschuss hatten seit dem 8. April 44 total zerstörte, 112 schwer und 328 leicht beschädigte Häuser verursacht. 402 Wohnungen waren vollständig zerstört und 639 beschädigt; der Zerstörungsgrad betrug 4,1 %. 45 Coburger und 74 Zwangsarbeiter aus Osteuropa starben. Coburg und der Landkreis gehörten anschließend zur Amerikanischen Besatzungszone, während das thüringische Hinterland in der Sowjetischen Besatzungszone lag und bis 1989 durch die innerdeutsche Grenze abgeschnitten war.

Durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen stieg die Einwohnerzahl von 32.552 im Jahr 1939 auf über 50.000 im Jahr 1947 und pendelte sich bis 1950 bei knapp 46.000 ein. Die Schülerzahl stieg gegenüber der Vorkriegszeit um 116 % auf 10.266; dadurch wurden Schichtunterricht sowie Neu- und Erweiterungsbauten nötig. 1950 verlegte die HUK-COBURG ihren Sitz nach Coburg. Mit über 5736 Beschäftigten in Coburg war sie 2017 der größte Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. 1951 wurde Coburg Standort des Bundesgrenzschutzes.

Mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze kamen am 11. November 1989 ungefähr 55.000 DDR-Bürger nach Coburg. Die Stadt gewann dadurch ihre zentrale Lage in Deutschland zurück; 1998 wurde jedoch der Bundesgrenzschutz abgezogen, womit Coburg keine Garnisonsstadt mehr war. 1992 fand erstmals das Samba-Festival statt, das sich mit über 80 Gruppen, 2000 Aktiven und mehr als 100.000 Besuchern zum wichtigsten jährlichen Ereignis der Stadt entwickelte.

Coburg ist seit dem 30. Mai 2005 Europastadt und ein Oberzentrum mit Landestheater, Landesbibliothek, Klinikum und zahlreichen Schulen. 2008 wurde die Stadt durch die Fertigstellung der Bundesautobahn 73 an das Autobahnnetz angeschlossen. 2009 gab es über 30.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte; die gemeindliche Steuerkraft betrug 2078 Euro je Einwohner und war damit die höchste in Bayern. Bei einer Brandkatastrophe am 27. Mai 2012 wurden sechs Gebäude zerstört, darunter vier denkmalgeschützte. 16 Menschen wurden leicht verletzt, 60 mussten ihre Wohnungen verlassen, und 25 Wohnungen wurden unbewohnbar. Seit Dezember 2014 trägt Coburg wegen seiner Bedeutung als Aufenthaltsort Martin Luthers den Titel „Reformationsstadt Europas“.

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