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Geschichte der Musik

Gliederung der europäischen Musikgeschichte · Mittelalter (ab der Hochgotik, etwa 13./14. Jahrhundert) · Renaissance (15. bis 16. Jahrhundert) · Barock (ca. 1600 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Erforschung
  2. 2. Epochen und Musikformen Europas
  3. 3. Anfänge und grundlegende musikalische Muster
  4. 4. Musikkulturen im Vorderen Orient und in Ägypten
  5. 5. Indische Musik
  6. 6. Musikverständnis von der Antike bis zur Neuzeit

Gegenstand und Erforschung

Musikgeschichte beschreibt die historische Entwicklung von Musik und musikalischen Phänomenen. Dazu gehören Gesang und Melodie, Rhythmus, Instrumente, Zusammenklang und Mehrstimmigkeit, Harmonik sowie Notation und Vervielfältigung als Formen von Musikschrift. Ebenso untersucht sie Darstellungsweisen, Stile und Ästhetiken. Die allgemeine Musikgeschichte ist ein Forschungsgebiet der Historischen Musikwissenschaft.

Musikgeschichtsschreibung fragt, ob vor allem Stile, Werke und Gattungen dargestellt werden sollen oder die historischen Situationen, in denen Musik erklang. Vorherrschend ist die Historisierung: Musik soll aus ihrer jeweiligen historischen Lage verstanden werden. Dies verbindet sich mit Skepsis gegenüber großen, alles erklärenden Geschichtserzählungen und mit dem Bemühen um Gegenwartsbezug. Später entwickelte Begriffe dürfen dabei genutzt werden, wenn entsprechende Aspekte in älterer Musik bereits angelegt waren, auch wenn sie damals noch nicht so benannt wurden.

Carl Dahlhaus fasste Musikkultur als „Struktur von Strukturen“ auf. Sein Konzept gilt besonders für das europäische 19. Jahrhundert als passend, aber nicht für jede Musik. Die Forschung ist weiterhin westlich geprägt: Afrikanische Musik wird häufig von westlichen Musikethnologen erforscht, während in einigen afrikanischen Ländern westliche Musikgeschichte dominiert.

Epochen und Musikformen Europas

Epochen sind nach Melanie Unseld „historiographische Hilfskonstruktionen“: Sie ordnen die Vielfalt vergangener Ereignisse im Nachhinein. Sie sind nützlich, aber problematisch, weil Stile sich nicht vollständig und plötzlich ablösen. Es gab gleichzeitig unterschiedliche, teils gegensätzliche Strömungen, regionale Besonderheiten und fließende Übergänge. Charakteristische Merkmale können schon vor dem Kern einer Epoche vorkommen und nach ihm weiterbestehen. Daher entstehen musikalische Epochen graduell.

Die gebräuchliche europäische Gliederung nennt prähistorische Musik, Musik des Altertums, klassische Musik, Mittelalter ab der Hochgotik etwa im 13./14. Jahrhundert, Renaissance im 15. bis 16. Jahrhundert, Barock um 1600 bis 1750, Klassik etwa 1720 bis 1830, Romantik im 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie Neue Musik, Moderne und Postmoderne. Zur Musik der Moderne zählen unter anderem Impressionismus (ca. 1890–1920), Expressionismus (ca. 1906–1930), atonale Musik ab ca. 1906, Zweite Wiener Schule, Neoklassizismus, serielle Musik, Aleatorik, Musique concrète, Klangflächenkomposition, Polystilistik, Minimal Music, Post-Minimalismus, Neue Einfachheit, New complexity, Musique spectrale und Konzeptmusik.

Die heutige Musikwissenschaft hält den Epochenbegriff für unscharf; Begriffe wie „period“ oder „zeitlicher Abschnitt“ betonen eher Grenzen und Überlappungen. Dennoch wird die Epochenordnung aus pragmatischen Gründen verwendet, oft ergänzt durch eine Einteilung nach Jahrhunderten. Jazz wird seit dem 19. Jahrhundert unter anderem in Oldtime Jazz, klassischen Jazz, Modern Jazz, Free Jazz und Fusion gegliedert; Pop- und Rockmusik werden häufig nach Jahrzehnten unterteilt.

Anfänge und grundlegende musikalische Muster

Vermutlich entstanden die anatomischen Voraussetzungen für differenzierten Gesang vor rund zwei Millionen Jahren, als sich bei Homo ergaster der aufrechte Gang durchsetzte: Der Kehlkopf sank, der Kauapparat bildete sich durch mehr fleischliche Nahrung zurück und die Mundhöhle wurde größer. Einige Wissenschaftler erklären Musik als Anpassung an größere soziale Gruppen, Geoffrey F. Miller vor allem durch sexuelle Selektion; neuere Ansätze verbinden beide Faktoren. Die ältesten gefundenen Instrumente sind 40.000 Jahre alte Flöten. Die menschliche Stimme könnte schon viel früher musikalisch eingesetzt worden sein.

In der Jungsteinzeit gab es irdene Gefäßrasseln in Menschen- und Tierform. In der Bronzezeit entstanden Metallinstrumente und Klangobjekte, etwa Klapperbleche, Klangplatten und die paarweise gefundenen nordischen Luren. Ihre gleiche, teils feste Stimmung konnte Klang verstärken und Akkordspiel ermöglichen. John Frederick Rowbothams Einteilung archaischer Musik nach dem Ambitus, dem Tonumfang, ist nicht allgemein gültig: Der von ihm für die Zeit vor Terpandros angenommene Tetrachordumfang einer Quarte wird durch Musik anderer Ethnien mit großen Tonräumen eingeschränkt.

Frühe Musik war mit Kult, Schamanen und Priestern verbunden; Gesänge, Klänge und Rhythmen sollten Dämonen vertreiben oder Wohlbefinden herstellen. Mit differenzierteren Instrumenten löste sie sich teilweise vom Kult. Es bildeten sich Skalen, Zentraltöne und Intervalle; Quinte und Quarte wurden Leitintervalle für Konsonanz und Dissonanz. Tri-, Hepta- und Pentatonik entstanden: siebenstufige Skalen prägten Vorderen Orient und Europa, fünfstufige Ostasien. Heterophonie bezeichnet das gleichzeitige, leicht unterschiedliche Ausführen einer Melodie; außerdem gab es Parallelführung, Kanon, Imitation und Borduntöne, also anhaltende Töne als harmonisches Grundgerüst. Rhythmus orientierte sich an Hebung und Senkung des Schreitens; Wiederholung, Kontrast, Variation und Kontinuität waren Grundformen der Gestaltung.

Musikkulturen im Vorderen Orient und in Ägypten

Bei den Sumerern war kultische Musik Aufgabe staatlicher Priester und Priesterinnen. Sie bestand aus Gesang, teilweise mit Instrumentalbegleitung, aber nie aus reiner Instrumentalmusik. Klagelieder und Götterhymnen waren getrennte Genres; verwendet wurden unter anderem große Rahmentrommeln, Kesseltrommeln und die Bronzetrommel Lilissu. Babylonier und Assyrer übernahmen um 1800 v. Chr. dieses Erbe, entwickelten Tragharfe, Plektron und Langhalslaute weiter und nutzten Doppelaulos, Flöten und gebogene Trompeten. Grifflöcher weisen auf fünf- bis siebenstufige Skalen hin. Assyrer vergrößerten Ensembles und entwickelten weltliche Kunstmusik.

China besaß bereits im Altertum eine voll entwickelte Musik. Kennzeichnend waren ein auf Zahlenverhältnissen beruhendes Skalensystem, pentatonische Gebrauchstonleitern und feste Tonhöhenstimmung. Die Qin erschien als fünfsaitige Wölbbrettzither bereits in der Xia-Dynastie (ca. 2200–1800 v. Chr.); Kompositionen waren einstimmig und homophon. Konfuzianismus verband Tonarten, Yin-Yang-Skalen und kosmologische Musiktheorie. Das bāyīn-System ordnete Instrumente nach Metall, Stein, Fell, Kürbis, Bambus, Holz, Seide und Erde. Um 300 v. Chr. entstanden siebenstufige Skalen. Die Han-Dynastie nahm westliche Einflüsse wie Aulos und Pipa auf, entwickelte eine erste systematische Notenschrift und richtete ein kaiserliches Musikbüro ein.

Im Alten Ägypten ist Musik durch Inschriften, Grabdekorationen und Grabbeigaben belegt. Das Alte Reich ab etwa 2700 v. Chr. kannte neben Vokal- und gemischten Ensembles auch reine Instrumentalmusik. Die Chironomie übermittelte durch festgelegte Hand- und Armbewegungen Tonschritte und Rhythmus. Im Neuen Reich wurde die Harfe mit bis zu zwölf Saiten zum wichtigsten Instrument; hinzu kamen Doppelaulos, Langhalslaute, Borduntöne und kleinstufige Skalen. In Palästina belegen hurritische Hymnen aus Ugarit die ältesten Musiknotationen der Welt. Bei den Hebräern dienten Kinnor und Schofar dem Tempelkult; ab ca. 1000 entstanden Berufsmusiker, Tempelschulen und große Tempelensembles. Die synagogale Musik nach der Reichsteilung 926–587 wurde mit den Psalmen Davids zum Ausgangspunkt frühchristlicher Musik.

Indische Musik

Die indische Musik entwickelte sich aus verschiedenen Einflüssen; über die Indus-Kultur im 3. Jahrtausend v. Chr. gibt es nur Vermutungen. Mit den Ariern gelangten um 1500 v. Chr. westliche Einflüsse nach Indien. In der Nātyaveda stehen die ersten Aufzeichnungen zur Musik Indiens. Musik wurde als Einheit von Tonkunst, Sprache, Tanz und Gestik und damit als Theaterform verstanden. Kultmusik war von Kunst-, Volks- und Unterhaltungsmusik getrennt.

Das Tonsystem teilt die Oktave in 22 mikrotonale Shrutis. Diese werden nach dem Gehöreindruck, nicht mathematisch unterschieden. Daraus entstehen siebenstufige Skalenmodelle und eine abgestufte Unterscheidung zwischen konsonanten und dissonanten Intervallen. Ragas sind melodische Grundmodelle; ihnen sind Klangcharakter, Tages- und Jahreszeiten, Spielanlässe, Affekte und ethische Prinzipien zugeordnet. Talas sind feste Rhythmusabläufe mit geregelten Betonungen. Überlagerte Betonungen können Polyrhythmik erzeugen.

Zu den alten Instrumenten zählen Flöten, Trommeln und Vinas. Aus persischen Lauten entwickelten sich im indischen Kulturraum unter anderem Tanpura und Sarod. Die vedische Kultmusik war einstimmig und rein vokal, meist Textrezitation auf drei benachbarten Tonhöhen. In Nordindien unterschieden sich später der strenge Dhrupad-Stil mit Rudra vina und männlicher Stimme sowie der freiere, auch von Frauen gesungene Khyal-Stil mit Sarangi. Die karnatische Musik Südindiens stimmt in Ragas und Talas mit der hindustanischen Musik überein, unterscheidet sich seit etwa dem 16. Jahrhundert aber in einzelnen Merkmalen.

Musikverständnis von der Antike bis zur Neuzeit

In der Antike gehörte Musik zu den sieben freien Künsten und innerhalb dieser zum mathematischen Quadrivium. Pythagoras wurde die Entdeckung von Intervallproportionen zugeschrieben. Platon und Aristoteles begründeten durch ihre Überlegungen zur ästhetischen Wirkung die Musikphilosophie. Aristoxenos unterschied theoretische Lehre und praktische Musikausübung.

Wichtige Definitionen betonen Tonhöhen, Tonleiter und mathematische Grundlagen. Claudius Ptolemäus bezeichnete Musik im 2. Jahrhundert als die Fähigkeit, Unterschiede zwischen hohen und tiefen Tönen zu erkennen; Aristeides Quintilianus als Wissenschaft vom Melos und dem, was dazu gehört. Augustinus formulierte „Musica est scientia bene modulandi“: Musik ist etwa die Kunst, den Takt zu halten. Boëthius verstand Musik als Fähigkeit, Unterschiede hoher und tiefer Töne mit Sinn und Vernunft genau zu bemessen. Damit wurde Musik zugleich als rational erfassbares und sinnlich wahrnehmbares akustisches Phänomen beschrieben.

In der Barockzeit blieb das Verhältnis von Wissenschaft und Kunstpraxis zentral. Johann Mattheson nannte 1739 Musik Wissenschaft und Kunst, Klänge klug zu ordnen und hervorzubringen, um Gottes Ehre und Tugenden zu fördern; die Affektenlehre systematisierte Gefühlsregungen. Friedrich Wilhelm Marpurg unterschied 1750 Wissenschaft als begründete Regeln und Kunst als deren Verwirklichung. Leonhard Euler definierte 1739 Musik als Wissenschaft, Töne zu einer dem Gehör angenehmen Harmonie zu verbinden. Arthur Schopenhauer erklärte 1819 Musik zum „Abbild des Willens selbst“. Richard Wagner verwendete 1849 in Die Kunst und die Revolution den Begriff Gesamtkunstwerk.

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