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Geschichte der Ethik
Er wird zum einen als Mittel zur Begründung einer allgemeinen Ethik angesehen. Die Diskursethik will aufweisen, dass jede Person, die an einem Diskurs …
Inhalt6 Abschnitte
Ursprünge und vorchristliche Antike
Die Geschichte der Ethik beschreibt philosophische Grundpositionen der allgemeinen Ethik in historischer Perspektive. Ethik fragt insbesondere nach der vernünftigen Begründung menschlichen Handelns, nach dem guten Leben und nach dem höchsten Gut.
Schon prähistorische Gesellschaften entwickelten ethische Verhaltensregeln. Da sie religiös fundiert waren, zeigen sich Verbote häufig in Form von Tabus. Auch in den frühen Hochkulturen prägte Religion das gesellschaftliche Ethos. Im alten Ägypten galt die Maat als gerechtigkeitsstiftendes Ordnungsprinzip und göttliche Weltordnung. Im alten China wurde die Einordnung in das Tao, das Prinzip der Weltordnung, als oberstes Gebot verstanden. Die vedische Religion Indiens kannte ein die Welt regierendes, unpersönliches Sittengesetz. In Babylonien wurden ethische Gebote auf Schamasch, den Gott des Rechts, zurückgeführt. Der Grundsatz der Talion forderte die Vergeltung von Gleichem mit Gleichem.
In der griechischen Antike wurde die mythologische Grundlage des Ethos zunehmend kritisiert. Ethik entstand erstmals als philosophische Disziplin. An die Stelle einer vollständig durch Götter bestimmten Ordnung trat das Individuum, das nach einer allgemein einsehbaren, vernünftigen Legitimation menschlicher Praxis verlangte. Die Sophisten stellten die Gesetze der Polis dem Naturrecht gegenüber. Zunächst wurde das gute Leben eng an die soziale Gemeinschaft gebunden. Mit dem Zerfall der Polis trat dieser Bezug zurück. Die Stoa entwickelte daraus einerseits ein kosmopolitisches Ethos und die Idee eines universalen Naturrechts, andererseits die Möglichkeit eines Rückzugs in das Innere des ethischen Subjekts.
Strebensethik: Platon und Aristoteles
Der onto-teleologische Ansatz, auch Strebensethik genannt, nimmt an, dass jedem natürlichen Gegenstand ein Streben innewohnt, ein in seiner Natur oder seinem Wesen angelegtes Ziel, das telos, zu erreichen. Durch die Vervollkommnung seiner spezifischen Anlagen bildet der Gegenstand seine natürliche Endgestalt aus. Dies kann für leblose Dinge, Pflanzen, Tiere, Vernunftwesen, politische Gemeinschaften, die Geschichte oder den gesamten Kosmos gelten.
Auch der Mensch besitzt eine natürliche Zielgestalt, muss an ihrer Verwirklichung aber wegen seiner Freiheit selbst mitwirken und kann sie verfehlen. Er soll so handeln und leben, wie es seiner Wesensnatur entspricht, und dadurch seine artspezifischen Anlagen vervollkommnen. Moralische Richtigkeit und außermoralische Gutheit werden dabei nicht grundsätzlich getrennt: Das wichtigste Gut ist eine bestimmte Weise des Handelns, nämlich gutes Handeln selbst.
Für Platon ist die „Idee des Guten“ Grundlage allen Seins. Seine Ethik steht eng mit der Metaphysik in Verbindung. Die Frühdialoge fragen nach dem Wesen von Tugenden wie Tapferkeit, Gerechtigkeit und Besonnenheit. Diese Untersuchungen führen zu Aporien, weil die Frage nach dem Guten den Einzeldefinitionen vorausliegt. Im „Staat“ erklärt Platon, dass die Herrscher eines idealen Staates die Idee des Guten erkennen müssen. Ohne diese Erkenntnis sind Wissen und Besitz letztlich nutzlos. Im Sonnengleichnis wird das Gute mit der Sonne verglichen: Wie die Sonne Sichtbarkeit und Leben ermöglicht, ist die Idee des Guten Ursache der Erkennbarkeit und des Seins der Dinge sowie das Prinzip aller Ideen.
Aristoteles gilt als klassischer Vertreter des onto-teleologischen Ansatzes. Das höchste Gut muss autark sein, also keiner weiteren Dinge bedürfen, um seiner selbst und niemals um einer anderen Sache willen gewählt werden und sich nicht dadurch vergrößern, dass ein anderes Gut hinzukommt. Nach allgemeiner Ansicht erfüllt die eudaimonia, das Glück, diese Kriterien; worin das Glück genau besteht, ist jedoch umstritten.
Der Mensch erreicht Glück, indem er sein spezifisches ergon verwirklicht. Ergon bedeutet die spezifische Funktion, Aufgabe oder Leistung einer Sache. Ernährung, Wachstum und sinnliche Wahrnehmung sind nicht spezifisch menschlich, weil sie auch anderen Lebewesen zukommen. Das eigentümliche Vermögen des Menschen ist die Vernunft, der logos.
Aristoteles unterscheidet in der Seele einen selbst vernünftigen Teil und einen Teil ohne eigene Vernunft. Letzterer umfasst einen vegetativen Teil sowie das Strebevermögen, das Emotionen und nicht-rationale Begierden einschließt und auf die Vernunft hören kann. Das menschliche ergon besteht darin, die Vernunftfähigkeit beider vernunftbezogener Seelenteile von der Potentialität, dynamis, in die Aktualität, energeia, überzuführen. Der vortreffliche Zustand der Seele heißt arete, also Tugend. Daraus ergeben sich dianoetische beziehungsweise Verstandestugenden und ethische beziehungsweise Charaktertugenden. Die höchste Lebensform ist der theoretische oder kontemplative bios theôretikos; als zweitbeste gilt der politische bios politikos, in dem sich Charaktertugenden im Umgang mit anderen entfalten.
Lust, Natur und kosmische Gemeinschaft
Konsequentialistisch-teleologische Ansätze bewerten Handlungen nicht anhand einer vorgegebenen Zweckhaftigkeit des menschlichen Daseins oder der Welt, sondern anhand ihrer Folgen im Hinblick auf einen als Nutzen verstandenen Zweck.
Epikur erklärt die Lust, hedone, zum alleinigen Inhalt des guten Lebens. Er unterscheidet die kinetische, „bewegte“ Lust von der katastematischen Lust, die mit einem naturgemäßen Zustand verbunden ist. Die kinetische Lust beruht auf dem Wechsel von Unlust und Lust und kann durch maßlose Bedürfnisbefriedigung neue Bedürfnisse und damit neue Unlust erzeugen. Die höchste Lust und das Ziel des Lebens ist für Epikur die katastematische Lust, die als unbedürftige Seelenruhe, ataraxia, erreicht wird.
Die Ethik soll unbegründete Ängste vernünftig auflösen. Epikur nennt vier zentrale Ängste: die Angst vor diesseitiger Gottesstrafe, die Angst vor dem Tod, die Furcht vor Schmerzen und die Furcht, zu wenig zum Leben zu haben. Götter seien vollkommen und glückselig und nicht an Eingriffen in den natürlichen Weltlauf interessiert. Leben sei eine bestimmte Mischung von Atomen, der Tod deren Aufhebung; deshalb gebe es keinen Grund, den Tod zu fürchten. Schmerzen seien immer aushaltbar, und lebensnotwendige Dinge ließen sich leicht beschaffen. An den letzten beiden Punkten erscheint der Einwand, die Ethik sei eine der „Bessergestellten“, nicht völlig unbegründet.
Epikurs Ethik bezieht sich auf Handlungsfolgen, versteht Recht vertraglich und stellt das Lebensglück Einzelner in den Mittelpunkt. Deshalb gilt sie als Vorläufer des Utilitarismus und des Kontraktualismus sowie als wichtiger Beitrag zur Geschichte der Glücks- und Klugheitslehren.
Für die Stoiker sind Selbstliebe und Selbsterhaltung der Grundtrieb. Der Mensch besitzt darüber hinaus die Vernunft als besondere Naturanlage. Ziel allen Handelns ist nach Chrysipp das naturgemäße Leben, das als Leben gemäß der Vernunft verstanden wird. Die Vernunft muss durch einen langen Bildungsprozess lernen, die menschlichen Antriebe zu ordnen und nur das anzueignen, was der Natur entspricht. Diesen Prozess nennen die Stoiker oikeiosis.
Die Vervollkommnung des Einzelnen steht zugleich in einem kosmischen Zusammenhang: Der Zuwachs an Tugend gilt als schrittweise Angleichung an das allgemeine Weltgesetz. Angestrebt wird Seelenruhe, ataraxia, die von äußeren Umständen und Zufällen unabhängig macht. Weil alle Menschen an einer allgemeinen Weltvernunft teilhaben, sind sie innerlich verbunden und prinzipiell gleich. Die Welt gilt als gemeinsamer Staat der Götter und Menschen; daher ist der gemeinsame Nutzen dem Nutzen des Einzelnen vorzuziehen.
Christentum und Vertragstheorien
Das Christentum hält an der Begründung des Ethos durch göttliche Offenbarung fest, versucht aber, antike Philosophie in die Theologie zu integrieren. Im Anschluss an den Neuplatonismus wird die Angleichung an Gott zum Ziel menschlichen Handelns. Wegen der Sündhaftigkeit des Menschen kann dieses Ziel nicht allein durch die Vernunftnatur erreicht werden, sondern nur durch göttliche Gnade, die der menschliche Wille annehmen muss, sofern er überhaupt als frei gilt.
Das Ziel des Lebens ist nun nicht mehr primär das Leben in der Polis, sondern das jenseitige Reich Gottes. Das Irdische wird relativiert; das ethische Ideal erscheint zunehmend in einem asketischen Leben. Nach der Wiederentdeckung des Aristoteles im Hochmittelalter wird die christliche Tugendethik weiterentwickelt. Seine politischen Schriften fördern außerdem ein neues Nachdenken über das Verhältnis von staatlicher und kirchlicher Gewalt und deren allmähliche Teilung.
Nach der Reformation löst die konfessionelle Aufspaltung der Kirchen ein einheitliches christliches Ethos teilweise auf. Der Staat soll nun vor allem seinen eigenen Selbsterhalt und den seiner Mitglieder sichern. Er wird als Ergebnis eines im Naturzustand geschlossenen Vertrags zwischen Individuen verstanden.
Vertragstheorien erklären moralische Prinzipien und die Legitimation politischer Herrschaft durch einen hypothetischen Vertrag freier und gleicher Individuen. Allgemeine Zustimmungsfähigkeit wird zum normativen Gültigkeitskriterium. Das autonome Individuum steht nicht mehr in einer vorgegebenen Natur- oder Schöpfungsordnung. Gesellschaftliche und politische Institutionen sind nur gerechtfertigt, wenn sie den Interessen, Rechten und Glücksvorstellungen der Individuen dienen.
Thomas Hobbes gilt als Begründer der Vertragstheorie. Sein fiktiver Naturzustand ist durch das Fehlen staatlicher Ordnung und Sicherheit gekennzeichnet. Wegen endloser Begierden und knapper Güter würde jeder seine Interessen mit allen verfügbaren Mitteln verfolgen. Es entstünde der Krieg aller gegen alle, bellum omnium contra omnes, nach dem Grundsatz „Homo homini lupus“. Es gäbe kein Recht, kein Gesetz und kein Eigentum.
Um diesen unerträglichen Zustand zu überwinden, verpflichten sich die Individuen vertraglich, ihre natürliche Freiheit aufzugeben und politisch zu gehorchen. Zugleich schaffen sie eine mit Gewaltmonopol ausgestattete Vertragsgarantiemacht. Der Vertrag ist nicht kündbar, außer mit Billigung des Souveräns. Dieser besitzt als „Leviathan“ unumschränkte Staatsgewalt, weil nur sie Frieden, Ordnung und Rechtssicherheit gewährleisten kann.
Kant und utilitaristische Ethik
Kants Ethik gilt als erste ausgearbeitete deontologische Ethik, also als Pflichtenethik. Sie verlagert das Moralprinzip in das vernünftige Subjekt und löst es von Sinnlichkeit und empirischen Interessen. Kant folgt Humes Kritik am naturalistischen Fehlschluss: Aus vor-moralischen Werturteilen kann kein Sollensanspruch abgeleitet werden; eine teleologische Moralbegründung ist daher nicht möglich.
Das unbedingt verbindliche Sittengesetz kann nach Kant nur a priori, also erfahrungsfrei, und formal bestimmt sein. Es heißt kategorischer Imperativ. Seine Grundformel lautet: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“ In der Naturgesetzformel heißt es: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.“ Eine Handlung ist unmoralisch, wenn ihre Maxime nicht widerspruchsfrei verallgemeinert werden kann, jemand aber dennoch eine Ausnahme für sich beansprucht. Als Beispiel nennt Kant den Selbstmord aus Selbstliebe: Ein Naturtrieb, der zur Verbesserung des Lebens gerade das Leben zerstören würde, wäre widersprüchlich.
Die Selbstzweckformel ergänzt die formale Prüfung: „Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“ Kants Ethik ist autonom, weil sie unabhängig von empirischen Bedingungen und äußerer Gesetzgebung ist und als Selbstgesetzgebung der reinen praktischen Vernunft verstanden wird. Autonomie bedeutet nicht gesetzlose Willkür.
Pflicht ist der höchste Moralbegriff. Kant unterscheidet Legalität von Moralität: Moralisch handelt nur, wer das Gesetz aus Pflicht und Achtung vor dem Gesetz erfüllt, nicht aus Liebe, Zuneigung oder wegen der erwarteten Folgen. Zum höchsten Gut gehören sittliche Vollkommenheit, „Heiligkeit“, und Glückseligkeit. Daraus folgen die Postulate der praktischen Vernunft: Freiheit als Bedingung moralischer Selbstbestimmung, Unsterblichkeit als unendlicher Prozess der Annäherung an sittliche Vollkommenheit und Gott als höchste Ursache der Übereinstimmung von Naturgeschehen und sittlichem Wollen.
Der Utilitarismus ist eine konsequentialistische Ethik, die Handlungsalternativen durch einen Nutzenkalkül beurteilen will. Zu den Folgen zählen beabsichtigte Folgen, unbeabsichtigte absehbare Nebenfolgen sowie die Handlung und ihre Umstände einschließlich des physischen und psychischen Aufwands. Entscheidend sind die absehbaren, nicht die tatsächlich eingetretenen Folgen, bewertet nach Nutzen, Schaden und Eintrittswahrscheinlichkeit.
Nach dem Maximierungsprinzip ist die Handlung geboten, deren absehbare positive Folgen die negativen Folgen im Vergleich zu allen verfügbaren Alternativen maximal überwiegen. Nach dem Universalismus zählen die Folgen für alle Betroffenen unparteilich; „Everyone to count for one and nobody for more than one“. Der einzige Wert ist der Nutzen, meist als Lustgewinn und Leidvermeidung verstanden. Im klassischen Utilitarismus Benthams sind alle Lustarten quantitativ vergleichbar, etwa nach Dauer und Intensität. Der Präferenzutilitarismus von Mill und Singer nimmt zusätzlich qualitative Unterschiede an. Maßstab ist das „größte Glück der größten Zahl“.
Wertethik, Rawls und Diskursethik
Wertethik ist ein Sammelbegriff für Theorien, die das Gute als Wert begreifen. Franz Brentano gilt als Begründer der materialen Wertethik; Max Schelers Werk „Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik“ prägte ihre Ausarbeitung. Daneben entwickelte sich eine formale wertphilosophische Richtung durch Wilhelm Windelband und Heinrich Rickert.
Scheler grenzt sich von Kant ab. Er übernimmt dessen apriorisches Vorgehen und die Kritik an einer bloßen Güter- und Zweckethik, will aber eine materiale Grundlage der Ethik bewahren. Werte sind für ihn apriorische Wertbestimmtheiten, die nicht in intellektuellen, sondern in emotionalen Akten des Wertfühlens gegeben sind. Sie sind von konkreten Gütern ähnlich unabhängig wie Farben von den Dingen. Mit Husserls Phänomenologie sollen Werte durch Ausblendung besonderer psychologischer und geschichtlicher Bedingungen, die epoché, als „streng apriorische Wesensideen“ erschlossen werden.
Scheler nimmt eine Rangordnung der Werte an. Ein Wert steht umso höher, je weniger er durch andere Werte „fundiert“ ist und je tiefer die durch seine Verwirklichung vermittelte Befriedigung reicht. Jedem positiven Wert steht ein negativer Unwert gegenüber. Die Hierarchie reicht vom Angenehmen und Unangenehmen des sinnlichen Fühlens über das Edle und Gemeine des vitalen Fühlens sowie das Schöne und Hässliche und das Rechte und Unrechte des geistigen Fühlens bis zum Heiligen und Unheiligen, das sich im Gefühl der Liebe erschließt.
John Rawls führt die Vertragstheorien fort und richtet sich gegen den Utilitarismus. Soziale Gerechtigkeit bezeichnet für ihn „die Art, wie die wichtigsten gesellschaftlichen Institutionen Grundrechte und -pflichten und die Früchte der gesellschaftlichen Zusammenarbeit verteilen“. Gegen das „größte Glück der größten Zahl“ betont Rawls die Unverletzlichkeit individueller Freiheitsrechte. Im gedachten Urzustand herrscht ein „Schleier der Unwissenheit“: Niemand kennt seine gesellschaftliche Klasse, seinen Status, seine natürlichen Gaben, seine Vorstellung vom Guten, seinen Lebensplan, seine psychischen Eigenschaften, die wirtschaftliche und politische Lage der Gesellschaft oder seine Generation.
Unter diesen fairen Bedingungen würden zwei Prinzipien gewählt: Erstens soll jeder das gleiche Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben, das mit demselben System für alle verträglich ist. Zweitens müssen soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten jedermanns Vorteil dienen und mit Positionen und Ämtern verbunden sein, die allen offenstehen. Grundfreiheiten haben Vorrang. Nach dem Differenzprinzip sind Ungleichheiten nur erlaubt, wenn sie die Aussichten der am wenigsten Begünstigten verbessern; dies nennt Rawls „demokratische Gleichheit“.
Die Diskursethik verbindet Kants transzendentale Methodik mit Sprachphilosophie und Sprechakttheorie. Jede Person, die argumentiert, setzt laut Diskursethik bestimmte Moralprinzipien bereits voraus. Eine konkrete Handlung ist moralisch richtig, wenn alle, besonders die Betroffenen, ihr in einem zwanglosen argumentativen Diskurs zustimmen könnten. Die transzendentalpragmatische Variante von Karl-Otto Apel und Wolfgang Kuhlmann strebt eine Letztbegründung an; Jürgen Habermas’ universalpragmatische Variante räumt grundsätzliche Fehlbarkeit ein.
Apel nennt die unhintergehbaren Voraussetzungen des Argumentierens das „Apriori der Argumentation“. Wer argumentiert, setzt voraus, dass Wahrheit möglich ist und Gesprächspartner wahrheitsfähig sind. Damit wird zugleich eine reale Kommunikationsgemeinschaft vorausgesetzt, der man durch Sozialisation angehört, und eine ideale Kommunikationsgemeinschaft, die Argumente vollständig verstehen und ihre Wahrheit endgültig beurteilen könnte. Daraus folgen zwei regulative Prinzipien: Das Überleben der Menschheit als realer Kommunikationsgemeinschaft muss gesichert und in dieser realen Gemeinschaft die ideale Kommunikationsgemeinschaft verwirklicht werden.
Üblicherweise werden ethische Positionen in deontologische und teleologische Richtungen eingeteilt, wobei die Zuordnung teilweise umstritten ist. Aristoteles richtet sich auf die Entfaltung des telos und das Gute, Epikur auf naturgemäße Lust, die Stoa auf ein Leben im Einklang mit der Natur, der Utilitarismus auf das größte Glück der größten Zahl, die Wertethik auf phänomenologisch erkennbare Werte, Kant auf die Verallgemeinerungsfähigkeit der Handlungsmaxime, die Diskursethik auf die Rechtfertigbarkeit im Diskurs, Vertragstheorien auf die Übereinkunft im Gesellschaftsvertrag und Rawls auf Urzustand und Schleier der Unwissenheit.