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Spartiaten

Die Spartiaten waren Vollbürger Spartas und erhielten eine besondere militärische Ausbildung. Sie bezeichneten sich selbst als Ὅμοιοι (Homoioi), …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Vollbürger und herrschende Minderheit
  2. 2. Die staatliche Erziehung
  3. 3. Bürgerpflichten und Stellung der Frauen
  4. 4. Grenzen der Überlieferung

Vollbürger und herrschende Minderheit

Die Spartiaten waren die Vollbürger Spartas. Sie bezeichneten sich selbst als Ὅμοιοι (Homoioi), „die sich gleichen“, und galten im Gegensatz zu den Hypomeiones als vollberechtigt. In den Quellen werden sie als Gruppe der Gleichberechtigten bezeichnet.

Sparta wurde von einer kleinen Gruppe von Spartiaten beherrscht. Während der Blütezeit im 6. Jahrhundert v. Chr. gab es etwa 8000 Spartiaten. Für ungefähr 480 v. Chr. wird die Zahl der Spartiaten jeden Alters und Geschlechts auf etwa 23.000 berechnet. Gleichzeitig werden etwa 75.000 bis 118.000 Heloten geschätzt. Bei insgesamt etwa 50.000 Einwohnern des lakedaimonischen Staates ohne Sklaven bildeten die Spartiaten eine herrschende Minderheit.

Deshalb waren militärische Verluste für Sparta besonders schwerwiegend. Der Tod einiger Hundert Spartiaten konnte bereits einer Katastrophe gleichkommen, etwa in den Schlachten bei den Thermopylen und bei Leuktra. Auf Sphakteria wurden Spartiaten im Peloponnesischen Krieg gefangen genommen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. gab es schließlich kaum noch 1000 Spartiaten.

Die staatliche Erziehung

Die spartanische Erziehung, agoge genannt, sollte vor allem Abhärtung, Disziplin und militärische Einsatzbereitschaft hervorbringen. Kampfsport und körperliches Training waren besonders wichtig. Bequemlichkeiten, die das Leben erleichterten, waren verboten. Lesen und Schreiben wurden zwar gelernt, galten aber als weniger wichtig als die körperliche Ausbildung.

Neugeborene Spartiaten wurden vor der Gerusia, dem Ältestenrat Spartas, streng ausgewählt. Die Gerusia entschied, ob ein Kind die Eigenschaften eines zukünftigen Vollbürgers besaß und am Leben bleiben durfte. Als nicht überlebensfähig eingestufte Kinder wurden ausgesetzt oder von einer Klippe gestürzt.

Bis zum 7. oder 8. Lebensjahr lebten Jungen und Mädchen bei ihren Eltern. Danach wurden die Jungen in eine „Herde“ gleichaltriger Jungen aufgenommen. Sie mussten einem Befehlshaber bedingungslos gehorchen. Die Eltern hatten nun keinen Einfluss mehr auf die Erziehung. Eirenen erzogen die Kinder; das Amt des paidonómos kontrollierte, überwachte und bestrafte sie.

Mit etwa 14 Jahren endete die Grundausbildung, der körperliche Drill wurde jedoch fortgesetzt. Eine Übung bestand darin, Essen zu stehlen. Wer dabei erwischt wurde, erhielt Prügel, weil er sich hatte erwischen lassen. Auch Ungehorsam und andere Vergehen wurden mit Prügel bestraft. Zusätzlich lernten die Jungen Debattieren. Ihre Reden sollten sachlich und kurz sein; daraus stammt der bis heute verwendete Ausdruck „lakonische Rede“.

Die Erziehung dauerte bis zum 18. Lebensjahr. Junge Männer blieben jedoch bis zum 30. Lebensjahr kaserniert und erhielten erst dann das volle Bürgerrecht. Ihr Leben war durch nahezu dauerhaftes militärisches Training geprägt.

Die gemeinsame Jugend unter der Aufsicht älterer Männer bot eine Grundlage für die Knabenliebe. Überlieferungen berichten außerdem von intimen Beziehungen zwischen Mädchen und ihren Paten. Angeblich wurde die agoge mit einem Ritual beendet, bei dem junge Männer über Heloten herfielen und ihre erste ernsthafte Kampferfahrung sammelten. Diese Berichte stammen jedoch erst aus späterer Zeit; ihr Wahrheitsgehalt ist daher nicht sicher zu klären.

Bürgerpflichten und Stellung der Frauen

Spartanische Männer wurden ausdrücklich ermutigt, zu heiraten und Kinder zu zeugen. Trotzdem sank die Geburtenrate im Laufe der Zeit dramatisch.

Eine zentrale Einrichtung war das Männermahl, meist Syssitia genannt. Jede Gemeinschaft umfasste ungefähr 15 jüngere und ältere Spartiaten. Harmonie galt als besonders wichtig, weshalb die Zusammensetzung möglichst stabil blieb. Neue Mitglieder konnten nur aufgenommen werden, wenn diese Harmonie erhalten blieb.

Die Mitgliedschaft in einer Syssitia war Voraussetzung für das spartanische Bürgerrecht. Teilnehmen konnte nur, wer die agoge durchlaufen hatte. Während der archaischen und klassischen Zeit war die Teilnahme Pflicht; seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. mussten auch die spartanischen Könige daran teilnehmen. Voraussetzung war außerdem ausreichender Grundbesitz, damit die Beiträge bezahlt werden konnten.

Die Beiträge bestanden aus Naturalien wie Gerstenmehl, Wein, Käse und Feigen sowie aus Geld. Ihre Höhe war für Reiche und Arme gleich. Wer die Beiträge nicht mehr aufbringen konnte, wurde aus der Speisegemeinschaft ausgeschlossen. Dadurch wurde ein Vollbürger zum Hypomeiones herabgestuft und verlor seine Bürgerrechte.

Auch Mädchen wurden früh körperlich trainiert. Ihre Aufgabe sollte es sein, möglichst viele Kinder zu gebären, die den spartanischen Richtlinien entsprachen. Zugleich wurden sie von ihren Müttern sorgfältig unterrichtet. Weil die Männer wegen des Militärdienstes lange abwesend waren und die Familie gesellschaftlich zurückgedrängt wurde, nahmen Frauen im Haushalt eine besondere Rolle ein.

Im Vergleich zu Frauen im übrigen antiken Griechenland, insbesondere zu athenischen Frauen, waren spartanische Frauen gesellschaftlich besser gestellt. Sie verfügten über bemerkenswerte ökonomische Handlungsspielräume. Dazu trugen die Männerabwesenheit und die Unterbindung der patrilinearen Erbfolge bei. Der Staat wollte dadurch die Bildung von Monopolen verhindern und erreichen, dass Ländereien wieder dem Gemeingut zugeführt wurden.

Grenzen der Überlieferung

Die historische und wahrheitsgetreue Darstellung der agoge ist in der heutigen Forschung nur schwer nachzuvollziehen. Ein wesentlicher Grund ist, dass der größte Teil der Quellen zur spartanischen Erziehung erst in einer späten Zeit verfasst wurde, als Sparta bereits bedeutungslos war. Historiker gehen deshalb davon aus, dass diese Quellen nicht unbedingt die tatsächliche agoge des klassischen Spartas beschreiben, sondern eher ein Idealbild entwerfen.

Außerdem war das klassische Sparta gegenüber Fremden verschlossen. Außenstehende erhielten keine Auskunft über das Leben in der Stadt. Zeitgenössische Quellen sind daher weder zuverlässig noch detailliert. Aussagen über die spartanische Erziehung und einzelne Rituale müssen entsprechend vorsichtig beurteilt werden.

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