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Geschichte Gambias

Der atlantische Dreieckshandel wurde durch die Wind- und Meeresströmungen begünstigt. Der Kanarenstrom und der Passat-Wind brachten die Segelschiffe bis an …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Raum, Frühzeit und alte Reiche
  2. 2. Portugiesischer und englischer Handel
  3. 3. Britische Kolonie und Weg zur Selbstverwaltung
  4. 4. Unabhängigkeit, Republik und Senegambia
  5. 5. Zweite Republik und Machtwechsel 2016/17
  6. 6. Erinnerungsorte und Quellenprobleme

Raum, Frühzeit und alte Reiche

Gambia ist mit 11.295 km² der kleinste Flächenstaat Afrikas. Es liegt in den wechselfeuchten Tropen; wegen seiner Lage am Gambia-Fluss ist seine Geschichte eng mit der des Senegal verbunden. Die fruchtbaren Ufer von Gambia und Senegal sind nach Ausgrabungen seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Als sich die Sahara etwa ab 2500 v. Chr. zur Wüste entwickelte, wanderten Menschen schrittweise nach Süden. Im 8. Jahrhundert v. Chr. lebten im damals grünen Sahel Nomaden, aus denen allmählich sesshafte Bauern und Fischer wurden.

Die Senegambischen Steinkreise entstanden vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. Ihre Bedeutung und die Herkunft ihrer Erbauer sind unklar; Forschende vermuten Grabanlagen. Grabbeigaben datieren diese Formationen ungefähr auf das Jahr 750. Manche Quellen nennen fälschlich das 8. Jahrhundert v. Chr.

Die Geschichte der frühen Reiche ist vor allem mündlich überliefert; islamische Handels- und Eroberungsberichte ergänzen sie. Das historische Ghana-Reich, das nicht mit dem heutigen Staat Ghana verbunden ist, beherrschte im 9. und 10. Jahrhundert unter den Serahuli beziehungsweise Soninke weite Gebiete. Sein Einfluss reichte im 10. und 11. Jahrhundert bis in das Gambia-Tal. Grundlage seiner Macht war der Transsaharahandel, etwa mit Gold, Elfenbein, Baumwolle, Leder, Kupfer, Salz und Seide. Mit der Eroberung der Hauptstadt Koumbi Saleh durch die Almoraviden 1076 endete dieser Einfluss.

Das Mali-Reich wurde 1235 von Sundiata Keïta gegründet und weitete sich bis zum Gambia-Tal aus. Mandinka besiedelten die eroberten Gebiete; es entstanden abhängige Staaten und kleinere Königreiche. Der Staat Kaabu und der Nyancho-Clan prägten besonders den Westen. Am Gambia entstanden unter anderem Niumi, Baddibu, Eropina, Kombo, Foni und Kiang. Niumi lag günstig an der Flussmündung und gewann durch Binnen-, Fluss- und später Atlantikhandel an Macht. Daneben standen im 16. Jahrhundert viele Staaten am Nordufer unter der Lehnsherrschaft des Wolof-Reiches Jolof. Das Songhai-Reich bestand vom frühen 15. bis zum späten 16. Jahrhundert, hatte im Gambia-Tal aber kaum Einfluss.

Eine Theorie Gaoussou Diawaras besagt, Mali-König Abubakari II. sei 1310–1312 mit etwa 2000 Schiffen von Gambia über den Atlantik gefahren. Die angeführten Indizien gelten nicht als belastbar: Knochenfunde, auf die sich die Theorie teilweise stützt, wurden nie untersucht und sind verschwunden.

Portugiesischer und englischer Handel

Nuno Tristão erreichte im Sommer 1446 als erster Europäer die Mündung des Gambias. Nach einem Angriff durch die örtliche Bevölkerung starb er auf der Rückfahrt an einer Verletzung. Alvise Cadamosto gelang 1456 die Fahrt etwa 100 Kilometer flussaufwärts. Er traf unter anderem Batti Mansa von Baddibu und Nomi Mansa von Nuimi, handelte Goldstaub und Sklaven und schloss einen Freundschaftsvertrag. Diego Gómez fuhr 1458 mit drei Schiffen ungefähr 450 Kilometer bis Kantora und erfuhr von Goldvorkommen im Fouta-Djallon-Plateau.

Portugiesische Priester gründeten Handels- und Missionsstützpunkte, darunter San Domingo bei Albreda, Bintang, Tankular, Niani Maru, Kassan, Fattatenda und Kuntaur. Der Islam konnte sich jedoch stärker behaupten als das Christentum. Portugiesische Siedler und Mischehen beeinflussten die Bevölkerung. Sie brachten unter anderem Orange, Banane, Papaya, Kassava, Guave, Mais und Erdnuss; Reis war bereits vor dem 15. Jahrhundert über den Transsaharahandel nach Westafrika gelangt. Die Portugiesen verloren 1588 die Handelsrechte im Gambia-Tal.

Englische Händler erhielten anschließend Handelsprivilegien. Sir John Hawkins hatte bereits 1562 am Gambia 300 von Portugiesen geraubte Sklaven nach Santo Domingo verkauft; laut Artikel begründete dies den atlantischen Sklavenhandel. König James I. verlieh der Company of Adventurers of London 1618 exklusive Handelsrechte. Ab etwa 1652 exportierten Engländer neben Fellen, Elfenbein, Wachs und etwas Gold zunehmend versklavte Menschen. Der Zuckerrohranbau in der Karibik steigerte die Nachfrage. Zwischen Januar und Juni 1698 verschleppten englische Händler vom Gambia beispielsweise 3600 Sklaven.

Kurland errichtete 1651 unter Herzog Jakob Kettler auf Jakobs Insel, der späteren James Island und heutigen Kunta Kinteh Island, Fort Jakob. Weitere Stützpunkte waren Fort Jillifree bei Juffure und Fort Bayona auf Banjol, heute St. Mary’s Island. Die kurländische Herrschaft war kurz: Niederländische Kräfte besetzten die Besitzungen 1659 und 1660; nach der Gefangenschaft des Herzogs im Schwedisch-Polnischen Krieg endete der kurländische Kolonialismus.

England besetzte James Island am 19. März 1661, nannte sie nach dem späteren König James II. und errichtete Fort James. Frankreich gründete 1681 bei Albreda eine Handelsstation. James Island und die Handelswege wurden wiederholt von Briten, Franzosen, Niederländern, Handelsgesellschaften und Piraten umkämpft. Fort James wurde mehrfach eingenommen, geplündert oder zerstört. Nach dem Pariser Frieden von 1783 erhielten die Briten das Gambia-Tal, während Frankreich den größten Teil Senegambias behielt.

Britische Kolonie und Weg zur Selbstverwaltung

1765 fasste Großbritannien seine Besitzungen an Senegal und Gambia als Kronkolonie Senegambia zusammen, die erste britische Kolonie in Afrika. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nahmen Franzosen Fort James am 11. Februar 1779 ein und zerstörten es. Ab 1815 wurde die Insel von den Briten verlassen.

Großbritannien verbot 1807 den Handel mit versklavten Menschen auf britischen Schiffen und 1811 den Sklavenhandel vollständig; auf den britischen Inseln war Sklaverei bereits ab 1772 verboten. Die Zahl der Verschleppten bleibt unklar: Konservative Schätzungen nennen für den transatlantischen Handel zwölf Millionen Afrikaner, davon mehr als drei Millionen aus Senegambia; extreme Schätzungen nennen bis zu 100 Millionen Tote im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel.

Zur Bekämpfung des weiterhin betriebenen Handels pachtete Kapitän Alexander Grant am 23. August 1816 Banjol von Tomany Bojang, dem König von Kombo. Um die Garnison auf der nun St. Mary’s Island genannten Insel entstand Bathurst, die spätere Hauptstadt Banjul. Weitere britische Posten waren Fort George auf MacCarthy Island ab 1823 und Fort Bullen bei Barra ab 1827. Der Barra-Krieg von 1831 entstand aus Konflikten mit Nuimi über Macht, Zölle und Handel. Nach zunächst schweren Niederlagen eroberten britische und unterstützende Truppen Fort Bullen zurück; die Nuimika kapitulierten.

Ab 1832 wurden befreite Sklaven in Bathurst und Georgetown angesiedelt; ihre Nachkommen bilden die Volksgruppe der Aku. Die Erdnuss entwickelte sich ab 1830 zum wichtigsten Exportgut. Knapp zwanzig Jahre später machten Erdnüsse zwei Drittel der gambischen Ausfuhr aus. Gambia blieb langfristig von dieser Monokultur abhängig.

Von 1850 bis 1887 prägten die Soninke-Marabut-Kriege das Land. Dabei kämpften naturreligiöse Soninke, eine Mandinka-Untergruppe, gegen muslimische Mandinka unter Führung von Marabuts, also islamischen Beratern, Predigern oder Sekretären. Ma Bah rief 1861 einen Dschihad gegen die Soninke aus und starb 1867. Weitere Kämpfe endeten erst, nachdem die Briten 1900 Sankandi zerstörten und Foday Kabba Dumbaya verfolgen und töten ließen. Die Quellen zu diesen Kriegen sind im Detail widersprüchlich.

Am 24. November 1888 wurde Gambia eine eigenständige Kolonie: Bathurst war Kronkolonie, das Landesinnere ab 1894 ein Protektorat. Die Grenze zu französischem Gebiet wurde am 10. August 1889 vereinbart und seit 1904 nicht mehr verändert. Sie folgte dem Fluss; das Land am Ufer reichte angeblich bis zur Reichweite einer Kanonenkugel, zehn Meilen. Im Protektorat regierte Großbritannien überwiegend durch indirect rule, also mittelbare Herrschaft über lokale Herrscher; Bathurst unterstand direkt der Krone.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Infrastruktur, Wasserversorgung und Bildung ausgebaut, doch gescheiterte Projekte und die Abhängigkeit vom Erdnussexport blieben Probleme. Die PPP unter Dawda Jawara gewann die Wahlen 1961 und 1962; Jawara wurde 1962 Premierminister. Das allgemeine Wahlrecht, einschließlich aktivem und passivem Frauenwahlrecht, war 1960 garantiert. Am 4. Oktober 1963 erhielt Gambia volle innere Selbstverwaltung.

Unabhängigkeit, Republik und Senegambia

Mit dem Gambia Independence Act 1964 wurde die Souveränität rechtlich geregelt. Am 18. Februar 1965 wurde Gambia als konstitutionelle Monarchie im Commonwealth unabhängig; Königin Elisabeth II. war Staatsoberhaupt, Dawda Jawara Premierminister. Ein Referendum von 1965 über die Umwandlung in eine Präsidialrepublik scheiterte knapp an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Das zweite Referendum war erfolgreich: Am 24. April 1970 wurde Gambia Republik im Commonwealth, Jawara erster Präsident. Er wurde 1972 und 1977 bestätigt. 1971 ersetzte der Dalasi das Gambische Pfund; Bathurst wurde am 24. April 1973 in Banjul umbenannt.

Wirtschaftliche Krise, hohe Inflation und eine schlechte Erdnussernte verschärften 1979–1981 die Unzufriedenheit. Während Jawara am 30. Juli 1981 in London war, führte Kukoi Samba Sanyang einen Putsch an. Die Putschisten setzten die Verfassung außer Kraft und riefen eine Diktatur des Proletariats aus. Nach fünf Tagen schlugen 3000 senegalesische Soldaten den Aufstand nieder. Die Zahl der Getöteten wird auf 500 geschätzt, inoffizielle Angaben reichen bis 2000.

Gambia und Senegal schlossen am 12. Dezember 1981 einen Vertrag zur Konföderation Senegambia. Sie sollte Streitkräfte, Währung und Wirtschaftsraum vereinigen. Sie bestand vom 1. Februar 1982 bis zum 30. September 1989; nach einer anderen Quelle kündigte Senegal die Konföderation. Erwartungen an die wirtschaftliche Zusammenarbeit erfüllten sich nicht, und zusätzliche Bürokratie sowie Konflikte über Bauprojekte schwächten den Staatenbund.

Jawara wurde 1992 erneut gewählt, aber am 22. Juli 1994 durch den unblutigen Militärputsch des 29-jährigen Leutnants Yahya Jammeh gestürzt. Jammeh setzte die Verfassung außer Kraft, verbot Parteien und regierte zunächst über den Armed Forces Provisional Ruling Council. Internationale Geldgeber froren wegen des Ausnahmezustands und der politischen Lage Hilfen ein. Unter internationalem Druck wurden für 1996 Wahlen angekündigt.

Zweite Republik und Machtwechsel 2016/17

Nach einem Verfassungsreferendum und der Aufhebung des Parteienverbots gewann Yahya Jammeh am 26. September 1996 die Präsidentschaftswahl mit seiner APRC. Die früheren, Jawara nahestehenden Parteien waren von der Wahl ausgeschlossen. Bei den Parlamentswahlen vom 2. Januar 1997 gewann die APRC 26 von 45 Sitzen. Gambia war 1998–1999 nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und vermittelte ab 1999 im Casamance-Konflikt sowie im Bürgerkrieg Guinea-Bissaus.

Die Jahre 1996 bis 2000 brachten Infrastrukturprojekte, die Universität von Gambia und eine Erholung des Tourismus. Menschenrechtsorganisationen berichteten jedoch seit Jammehs Machtübernahme von willkürlichen Festnahmen und Misshandlungen von Journalisten, Menschenrechtsverteidigern und Oppositionellen durch die National Intelligence Agency. Bei Zusammenstößen zwischen studentischen Demonstrierenden und Polizei wurden am 10. und 11. April 2000 mindestens 14 Menschen getötet und mindestens 28 verletzt. Die Regierung ging auch gegen kritische Medien vor; der Journalist Deyda Hydara wurde am 16. Dezember 2004 ermordet.

Jammeh wurde am 18. Oktober 2001 für weitere fünf Jahre bestätigt. Ein Putschversuch scheiterte im März 2006. Am 2. Oktober 2013 trat Gambia mit sofortiger Wirkung aus dem Commonwealth aus; die Regierung begründete dies mit der Ablehnung einer „neokolonialen Einrichtung“.

Bei der Präsidentschaftswahl vom 1. Dezember 2016 besiegte Adama Barrow überraschend Jammeh. Jammeh erkannte die Niederlage zunächst an, widerrief dies aber eine Woche später und verlangte Neuwahlen. Vermittlungen durch Senegal, Nigeria und weitere Ecowas-Staaten blieben erfolglos. Am 19. Januar 2017 marschierten senegalesische Truppen ein, um die Machtübergabe durchzusetzen. Armeechef Ousman Badjie erkannte Barrow am 20. Januar als Präsidenten an. Jammeh ging ins Exil; Barrow kehrte am 26. Januar aus Senegal zurück. Im Juli 2021 wurde Gambia von einer Sturmkatastrophe getroffen.

Erinnerungsorte und Quellenprobleme

Die UNESCO nahm 2003 „James Island and Related Sites“ in die Weltkulturerbeliste auf. Dazu gehören James Island mit den Ruinen von Fort James, die Six-Gun Battery in Banjul, Fort Bullen in Barra sowie Stätten bei Albreda wie die Ruins of San Domingo und die Reste einer portugiesischen Kapelle. Die Orte werden schätzungsweise von bis zu 15.000 Menschen jährlich besucht. Die Steinkreise von Wassu wurden im Juli 2006 ebenfalls Weltkulturerbe. Das Mungo Park Memorial bei Karantaba Tenda erinnert an den Beginn von Mungo Parks Reise.

Die Quellenlage ist besonders für die alten Reiche, die Kämpfe um James Island, den Barra-Krieg und die Soninke-Marabut-Kriege lückenhaft oder widersprüchlich. Orts- und Personennamen haben unterschiedliche Schreibweisen; historische Ortsnamen sind oft kaum noch zuzuordnen. Viele Aufzeichnungen spiegeln außerdem vor allem die britische Sicht auf die Geschichte wider.

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