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Atlas (Kartografie)

Der Atlas (Plural Atlanten oder – in der Kartografie weniger gebräuchlich – Atlasse) ist in der Kartografie eine Sammlung thematisch, inhaltlich oder …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist ein Atlas?
  2. 2. Arten von Atlanten
  3. 3. Grundprinzipien der Atlaserstellung
  4. 4. Die niederländische Blütezeit (16.–17. Jahrhundert)
  5. 5. Frankreichs Vorherrschaft und England (17.–18. Jahrhundert)
  6. 6. Deutschland und Österreich im 18. Jahrhundert

Was ist ein Atlas?

Ein Atlas (Plural: Atlanten) ist in der Kartografie eine Sammlung thematisch, inhaltlich oder regional zusammenhängender Landkarten in Buchform oder in loser Folge. Der Name geht auf Gerhard Mercator zurück, dessen Werk Atlas sive cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricatifigura 1595 postum erschien. Mercator bezog sich im Vorwort auf den mythischen König Atlas von Mauretanien, der bei Diodorus Siculus als weiser Kenner der Gestirne gilt und zum Sagenkreis um den Titan-Atlas gehört.

Arten von Atlanten

Atlanten lassen sich nach verschiedenen Kriterien gliedern:- Nach Medien: Papieratlas, elektronischer Atlas, Audio-Atlas- Nach Format: Riesenatlas, Handatlas, Taschenatlas- Nach Zweck: Schulatlas, Autoatlas, Fachatlas, Planungsatlas- Nach Darstellungsgebiet: Weltatlas, Nationalatlas, Stadtatlas (Werke ohne Darstellung von Mond und Sonnensystem sind zumeist richtiger als Erdatlas zu bezeichnen)- Nach Inhalten: Umweltatlas, Geschichtsatlas, Literaturatlas, Sprachatlas, Wellenatlas

Grundprinzipien der Atlaserstellung

Jeder Atlas sollte auf einem festen Plan beruhen, dessen Prinzipien für alle Karten maßgebend sind. Dieser Plan umfasst:- Zahl, Ordnung und Format der Karten- Vollständigkeit der Darstellung (welche Landflächen fehlen oder ungenügend bearbeitet sind)- Das Reduktionsverhältnis: Kartenfolgen wie die der Erdteile sollen in gleichem Maßstab erscheinen; Ausnahmen (z. B. 1:1 Mio., 1:2 Mio., 1:4 Mio.) sollen unter sich gut vergleichbar sein- Den Karteninhalt: eine dem Hauptzweck entsprechende Auswahl der Details und eine gleichförmige Bezeichnung der Objekte (Orte, Bahnen, Straßen)- Die kluge Nutzung freier Räume für Illustrationen, etwa Nebenkärtchen von Hauptstädten, wenn der Maßstab nicht ausreicht- Eine möglichst gleichartige technische Ausführung

Die niederländische Blütezeit (16.–17. Jahrhundert)

Bis ins 15. Jahrhundert waren Atlanten beliebige Sammlungen zusammengebundener Karten, basierend auf den klassischen Arbeiten des Ptolemäus. Der erste Atlas im heutigen Sinne war das Theatrum Orbis Terrarum (Weltbühne) von Abraham Ortelius (Antwerpen, 1570), ein Foliant mit 70 aktuellen, inhaltlich aufeinander abgestimmten Karten; es sind 41 Ausgaben bis 1612 bekannt. Erster Titel mit der Bezeichnung Atlas war Mercators Atlas sive cosmographicae meditationes (Duisburg, 1595).Die Kupferplatten wurden 1604 an Jodocus Hondius in Amsterdam verkauft, der den Atlas 1606 mit 36 neuen Karten vermehrte; Amsterdam wurde zum Mittelpunkt der Weltkartografie. Hondius' Teilhaber Johannes Janssonius gab 1638 den Atlas Novus heraus (bis 1658 auf sechs Bände gewachsen). Im selben Jahr erschien Janssonius' elfbändiger Atlas Maior. Willem Blaeu verlegte 1634 einen zweiteiligen Weltatlas mit 208 Karten (1655: 6 Bände, 400 Karten); den Höhepunkt bildete der Atlas Maior seines Sohnes Joan Blaeu, der ab 1662 in neun bis zwölf Bänden mit etwa 600 Tafeln erschien. Er bildete die Grundlage für den 50-bändigen Atlas Blaeu-Van der Hem (über 2000 Tafeln, heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien). Weiter entstanden bei Blaeu Seeatlanten wie Het Licht der Zee-Vaert (1608) und der Zeespiegel (1623); schon 1584/85 war bei Plantijn Waghenaers Spiegel der Zeevaerdt erschienen. Frederik de Wit galt als einer der wichtigsten Kartenverleger der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (u. a. Seeatlas Orbis Maritimus ofte Zee-atlas, 27 Karten).

Frankreichs Vorherrschaft und England (17.–18. Jahrhundert)

Ende des 17. Jahrhunderts übernahm Frankreich die führende Rolle. Nicolas Sanson und Pierre Mariette veröffentlichten 1652 einen Atlas, gefolgt von den Cartes générales de toutes les parties du monde (Paris, 1658, 113 Karten), die niederländische Atlanten an Zuverlässigkeit übertrafen. Durch Triangulation (ein Verfahren zur genauen Vermessung) wurde die Kartenpräzision stark verbessert; Nicolas de Fers Atlas curieux ou le monde dressé (1699, 2 Bde., 295 Tafeln) basierte auf Vermessungsdaten der französischen Académie des sciences. Guillaume Delisles Atlas Nouveau (1730, 56 Karten, später bis 138) nutzte internationale Kontakte bis zum russischen Zaren Peter dem Großen. Jean-Baptiste Bourguignon d'Anville verwendete geodätische Angaben und geprüfte Reiseberichte (Atlas Général, 1780, 46 Blatt); Rigobert Bonne (bekannt durch die Bonne-Projektion) veröffentlichte 1771 den Atlas moderne und schuf mit Desmarest einen 3-bändigen Atlas zur Encyclopédie-Ausgabe von Panckoucke (1787/88).Die Aufklärung brachte schlichtere, aber gut fundierte Schul- und Taschenatlanten hervor (z. B. De La Croix, um 1762). Max Eckert-Greifendorff stellte fest, dass die Karte damals als Gemälde (pictura) angesehen wurde, mit Verzierungen als Hauptsache; erst Ende des 18. Jahrhunderts galt sie als wissenschaftliches Erzeugnis. Im 19. Jahrhundert war die französische Kartografie dann unbedeutend geworden.In England erschienen im 18. Jahrhundert u. a. Herman Molls New and Compleat Atlas (1720, 27 Karten), Senex' New General Atlas (1721, 48 Tafeln) sowie Atlanten von Kitchin (1770, 1790) und Faden (1778); sie reichten aber nicht an die französischen heran.

Deutschland und Österreich im 18. Jahrhundert

Die im 18. Jahrhundert in Deutschland erschienenen Atlanten hatten beschränkten wissenschaftlichen Wert. Der bekannteste Kartograf und Verleger war Johann Baptist Homann (Nürnberg), u. a. mit dem Grosser Atlas über die ganze Welt (1716, 126 Karten); seine Erben brachten 1740 einen 3-bändigen Atlas geographicus maior heraus. Sein Schüler Mattias Seutter (Augsburg) publizierte u. a. einen Atlas Geographicus (1720, 46 Karten), meist aber wenig originelle Nachstiche. Der zweiteilige ATLAS PORTATILIS von Johann Christoph Weigel (Kupferstecher) und Johann Gottfried Gregorii alias MELISSANTES (Text) erschien in mehreren Auflagen zwischen 1717/1723 und 1780; dank guter Vorlagen von Adam Friedrich Zürner war er recht genau und diente Jahrzehnte als handlicher Schul- und Reiseatlas im Taschenformat.In Österreich entstanden erst am Ende des 18. Jahrhunderts eigene Werke: Schrämbls Allgemeiner Grosser Atlas (Wien, 1786, 133 Karten) und Franz Johann Joseph von Reillys Schauplatz der fünf Theile der Welt (Wien, 1789, 830 Tafeln, nicht ganz vollendet) – der wohl namenreichste Atlas aller Zeiten.

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