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Klima (Historische Geographie)

Ein Klima war in der antiken Geographie ein Breitenkreis oder eine Breitenzone der Erde oder ihres bewohnten Teils, der Oikumene. Breitenkreise wurden meist …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Die fünf klassischen Erdzonen
  3. 3. Klimata in der griechisch-römischen Antike
  4. 4. Weiterentwicklung in islamischer Welt, Europa und Neuzeit
  5. 5. Klimazonen und Vorstellungen über Menschen

Begriff und Bedeutung

In der antiken Geographie bezeichnete ein Klima einen Breitenkreis oder eine Breitenzone der Erde beziehungsweise ihres bewohnten Teils, der Oikumene. Breitenkreise wurden meist anhand der Tageslänge zur Sommersonnenwende bestimmt. Zusätzlich kennzeichnete man sie durch den Einfallswinkel der Sonneneinstrahlung oder durch typische Witterungsbedingungen. Damit verbanden sich zwei Vorstellungen: Klima war einerseits eine messbare geografische Lage, andererseits eine Zone mit bestimmten Eigenschaften hinsichtlich Wetter, Temperatur und Bewohnbarkeit.

Klimata und Witterungszonen ergänzten die Einteilung der bekannten Welt in Europa, Asien und meist „Libyen“ (ungefähr Afrika). Sie dienten dazu, natürliche und kulturelle Phänomene zu erklären. In Europa sowie in der arabischen und islamischen Welt blieben sie im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein wichtige Bestandteile des geografischen und ethnografischen Denkens.

Das lateinische clima und das griechische κλίμα klíma bedeuteten ursprünglich die „Neigung der Erde vom Äquator gegen die Pole“. Nach der Zeitenwende bezeichnete clima eine „Himmelsgegend, Zone“, in der Spätantike auch die für eine Zone typischen Witterungsverhältnisse. Das moderne deutsche „Klima“ meint dagegen einen „für ein bestimmtes Gebiet alljährlich wiederkehrenden und daher charakteristischen Witterungsablauf“.

Die fünf klassischen Erdzonen

Viele Gelehrte der vorsokratischen Zeit gingen von einer kugelförmigen Erde aus. Pythagoras (um 570–495 v. Chr.) und Parmenides (ca. 540–470 v. Chr.) schlossen aus theoretischen Überlegungen auf ihre Kugelgestalt. Parmenides teilte die Erdsphäre in fünf Zonen ein, die durch den sich verändernden Winkel der Sonneneinstrahlung zur gekrümmten Erdoberfläche bestimmt waren.

In der Mitte lag die „verbrannte Zone“, die ungefähr der nubischen Wüste entsprach. Daran schloss sich eine gemäßigte Mediterranzone an. Im Norden lag eine kalte Zone, die durch winterlichen Schneefall und Frost gekennzeichnet war. Auf der Südhalbkugel nahm Parmenides symmetrisch zur Äquatorzone ebenfalls eine gemäßigte und eine kalte Zone an. Die verbrannten und kalten Zonen galten als unbewohnbar; spätere lateinische Gelehrte nannten sie zona inhabitabilis.

Da die geografischen Möglichkeiten für exakte linienförmige Breitengrade fehlten, handelte es sich zunächst um breite Gürtel. Viele Denker, besonders Aristoteles (384–322 v. Chr.), übernahmen diese Fünfteilung. Polybios (um 200–120 v. Chr.) teilte die verbrannte Zone am Äquator in zwei Teilzonen. Poseidonios (131–51 v. Chr.) ergänzte zwei schmale Zonen um den Äquator, um die bewohnten Bereiche von den seiner Ansicht nach wegen zu großer Hitze unbewohnbaren Tropen zu unterscheiden. Er verband Zonen außerdem mit Völkerschaften und sprach von einer äthiopischen, einer skytho-keltischen und einer gemäßigten Zone.

Zur Abgrenzung wurden neben der Bewohnbarkeit auch Schattenmessungen mit dem Gnomon herangezogen. Zwei Wendekreise wurden dort angenommen, wo der Sonnenstab zur Sommersonnenwende mittags keinen Schatten warf. Zwei Polarkreise lagen dort, wo die Sonne gerade einmal im Jahr nicht unterging. Die Fünfteilung der gesamten Erde ließ außerdem Raum für Spekulationen über eine bewohnbare oder bewohnte Antökumene beziehungsweise Antipoden auf der Südhalbkugel, etwa bei Krates von Mallos im zweiten Jahrhundert v. Chr. und Pomponius Mela um 44 n. Chr.

Klimata in der griechisch-römischen Antike

Im 5. Jahrhundert v. Chr. ermöglichten der Schattenstab (Gnomon), dessen Erfindung Anaximander (610–547 v. Chr.) zugeschrieben wurde, sowie Angaben zu Jahrestag und Tageszeit die Bestimmung der Sonnenhöhe und damit der geografischen Breite eines Ortes. Daraus entstand die Vorstellung von Breitenkreisen: ost-westlich verlaufenden Parallelen zum Äquator. Ihre Neigung gegen Äquator oder Pol war eine messbare Größe und wurde zugleich mit unterschiedlichen Witterungsverhältnissen verbunden. Nach Dmitriy A. Shcheglov entwickelte sich das Konzept in drei Stufen: Zuerst bezeichnete ein Klima die Breite eines einzelnen Ortes, danach entstanden verschiedene Systeme von Klimata, schließlich setzte sich ein maßgebliches System durch.

Eudoxos von Knidos (um 395–340 v. Chr.) gilt nach Shcheglov und anderen als Begründer des Klimakonzepts. Eratosthenes (ca. 276–194 v. Chr.) entwickelte ein Modell der Oikumene mit sieben Breitenzonen. Diese Siebenteilung blieb in verschiedenen Formen bis ins Mittelalter einflussreich. Ein wichtiger Breitenkreis war das Diaphragma durch die Säulen des Herakles, also die Straße von Gibraltar, und weiter durch das Mittelmeer bis zu östlichen Orten. Bei Eratosthenes gehörten dazu Athen, Rhodos und Indien. Das Diaphragma teilte die Oikumene in eine Nord- und eine Südhälfte.

Hipparchos von Nicäa (um 190–120 v. Chr.) verwendete wahrscheinlich erstmals die Bezeichnung „Klimata“ für Zonen zwischen parallelen Breiten. Eratosthenes’ Modell passte er so an, dass Zonen gleicher Breite entstanden. Als nördliche Grenze der bewohnbaren Welt nahm er eine Tageslänge von 17 Stunden an. Poseidonios übernahm das Modell und erklärte die Temperaturen der Zonen mit der vom Einfallswinkel abhängigen Sonneneinstrahlung. Er ordnete sieben Klimata nach der Dauer des längsten Tages und verband sie mit Orten ähnlicher geographischer Länge:

  • I: 13 Stunden, Meroe, eine Nilinsel in der Mitte des heutigen Sudan
  • II: 13,5 Stunden, Suene (Assuan), südliches Ägypten
  • III: 14 Stunden, Alexandria, Nordägypten
  • IV: 14,5 Stunden, Rhodos, im Mittelmeer
  • V: 15 Stunden, Hellespont (Dardanellen)
  • VI: 15,5 Stunden, Mesupontu, die Mitte des Schwarzen Meeres
  • VII: 16 Stunden, Borysthene, die Mündung des Dnepr in das Schwarze Meer

Nach Poseidonios reichte die bewohnte Welt im Süden bis zum Zimtland am Horn von Afrika mit 12,5 Stunden und im Norden bis Thule mit 20 Stunden Sonnenscheindauer zur Sommersonnenwende.

Claudius Ptolemäus (um 100–160 n. Chr.) entwickelte auf Grundlage der Arbeiten des Marinos von Tyros (um 110 n. Chr.) astronomische Grundlagen für Karten der bekannten Welt. In seiner Geographike Hyphegesis zog er 21 Parallelen zwischen Äquator und Thule sowie eine weitere südlich des Äquators. Die bewohnte Welt lag nach ihm zwischen der vierten und einundzwanzigsten Parallele, also zwischen Meroe und „Thule“, ungefähr auf Höhe der Shetlandinseln. Ptolemäus gab für Parallelen die Dauer des längsten Tages, den Breitengrad und, soweit möglich, eine von sieben Klimazonen an. Diese Zonen unterschieden sich in Halbstundenschritten zwischen 13 und 17 Stunden Tagesdauer zur Sonnenwende. Er nahm an, dass auf derselben Parallele ähnliche Witterungsbedingungen sowie ähnliche Tiere und Pflanzen vorkämen. Seine Angaben wurden im 15. und 16. Jahrhundert der Renaissance erneut aufgegriffen und als maßgeblich betrachtet. Martianus Capella fügte im wahrscheinlich 5. Jahrhundert n. Chr. eine achte nördliche Klimazone um die Riphäen hinzu.

Weiterentwicklung in islamischer Welt, Europa und Neuzeit

In spätantiken syrischen und arabischen Schriften wurden die antiken Klimata weitergeführt. Theon, ein im 4. Jahrhundert in Alexandria lebender Astronom, ergänzte eine durch Byzanz verlaufende Zone. Jakob von Edessa (ca. 633–708) gab für Thule im nördlichen, mythologischen Okeanos eine Tageslänge von 20 Stunden an. Weiter nördlich vermutete er unbewohntes Land mit rauem Klima und bis zu 23 Stunden Tageslänge.

In der arabischen und islamischen Geographie war die Darstellung der sieben Klimata weit verbreitet. Die Forschung nimmt meist an, dass diese Lehre über die Schriften des Ptolemäus in die islamische Welt gelangte. Al-Chwarizmi, der um 820 in Bagdad wirkte, und al-Bīrūnī (973–1048) ordneten auch östlich gelegene Orte den Klimata zu. Bei al-Bīrūnī lagen etwa Mahra und Saba im II. Klima, Tanga im III., Adarbaigan beziehungsweise Atropatene, ungefähr das heutige Ost-Aserbaidschan, im IV., Samarkand und Buchara unter anderem im V. und at-Tuguzguz im VI. Klima. Al-Idrisi zeigte die sieben Klimata auf seiner Weltkarte von 1154. Yāqūt ar-Rūmī legte in seinem um 1229 veröffentlichten geographischen Wörterbuch die aqālīm als Breitenbänder fest, die sich nach der Dauer des längsten Tages richteten und die relative Kälte oder Hitze eines Ortes anzeigen sollten. Er hielt eine Einteilung der bewohnten Welt in sieben Zonen mit Halbstundenschritten von 12,5 bis 16,5 Stunden für die vernünftigste.

Im europäischen Spätmittelalter und in der Renaissance verbreitete sich die Klimalehre erneut, besonders durch die zu Beginn des 15. Jahrhunderts abgeschlossene lateinische Übersetzung von Ptolemäus’ Geographike. Sie beeinflusste unter anderem den Ende des 15. Jahrhunderts entstandenen Behaim-Globus. Mit der Kenntnis weiterer Regionen, vor allem im südlichen Afrika, wurden zusätzliche Klimata ergänzt. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich jedoch zunehmend die Angabe von Breiten in Grad durch. Um weiterhin typische Witterungsbedingungen darzustellen, verwendeten viele Kartographen wieder die fünf klassischen Zonen und dehnten sie auf Nord- und Südamerika aus. Ein Beispiel ist der Atlas Maior von Willem und Joan Blaeu aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Über die Botanik des 19. Jahrhunderts und die Vegetationsgruppen von de Candolle gelangte die Vorstellung der fünf Klimazonen in die Hauptklassen der im 20. Jahrhundert verbreiteten Köppen-Geiger-Klassifikation.

Klimazonen und Vorstellungen über Menschen

Von der Antike bis in die Neuzeit verbanden Gelehrte Klimata und Breitenzonen nicht nur mit Eigenschaften von Pflanzen und Tieren, sondern auch mit körperlichen, gesundheitlichen und kulturellen Merkmalen der dort lebenden Menschen. Vitruv erklärte im 1. Jahrhundert v. Chr. in De Architectura, dass Gebäudetypen von den Witterungsbedingungen der geografischen Breite abhingen.

Im Hippokrates zugeschriebenen Werk De aere aquis et locis werden drei Klimazonen mit ethnografischen Vorstellungen verbunden: eine besonders günstige mittlere Zone mit Griechenland und Kleinasien, eine nördliche Zone mit den Skythen und eine südliche Zone mit Ägypten und Libyen. Körperliche und charakterliche Merkmale wurden dort zu einem wesentlichen Teil durch Witterung und Sonnenscheindauer erklärt. Aristoteles schrieb den Völkern des kalten Nordens Wildheit und Mut, aber auch Dummheit und fehlende politische Organisationsfähigkeit zu. Den Völkern Asiens im Südosten schrieb er Intelligenz und künstlerische Begabung, aber Kraftlosigkeit und dauerhafte Unterworfenheit zu. Die Griechen sollten Eigenschaften beider Gruppen verbinden und deshalb energisch, intelligent und besonders gut regiert sein.

Solche Vorstellungen wurden unter anderem von Plinius dem Älteren (ca. 23–79 n. Chr.), Galen (um 130–ca. 200 n. Chr.) und Vegetius weitergeführt oder verändert. Vegetius meinte Ende des 4. Jahrhunderts, sonnennahe Völker seien weise, aber wenig tapfer, Nordvölker tapfer und kriegstauglich, zugleich jedoch ungestüm und weniger intelligent. Die Bewohner der gemäßigten Mittelzone verfügten seiner Ansicht nach über das richtige Maß an Tapferkeit und Weisheit.

Islamische Gelehrte verbanden diese Ideen mit der antiken Humoralpathologie. Ein Überschuss an Hitze oder Kälte sollte das Gleichgewicht der Körpersäfte stören und Erscheinungsbild, Verhalten, Gewohnheiten und Denken beeinträchtigen. Im gemäßigten zentralen vierten Klima sollten sich Aussehen und Fähigkeiten besonders günstig entwickeln. Welche Städte oder Regionen dort lagen, wurde unterschiedlich beurteilt; die Angaben reichten von Samarkand bis Nordafrika.

Im Mittelalter bestanden außerdem Vorstellungen astrologischer oder natürlicher Einflüsse auf Körper und Seele fort. Die Annahme, Klimazonen bestimmten den Charakter von Völkern, blieb bis in die Neuzeit wirksam. Befürworter verschoben die Zone mit den angeblich besten Eigenschaften dabei häufig in Richtung ihres eigenen Lebensmittelpunkts.

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