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Geographie und Wirtschaftskunde

Geographie und Wirtschaftskunde (kurz: GWK, GuWK, GuW oder GW) ist der Name eines Unterrichtsgegenstandes, der ausschließlich in Österreich unterrichtet …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bildungsauftrag
  2. 2. Unterstufe: Aufbau und Stundenzahl
  3. 3. Unterstufe: Lerninhalte der vier Klassen
  4. 4. AHS-Oberstufe und Reifeprüfung
  5. 5. Berufsbildende Schulen

Gegenstand und Bildungsauftrag

Geographie und Wirtschaftskunde (GWK; auch GuWK, GuW oder GW) ist ein ausschließlich in Österreich unterrichteter Gegenstand. Seit der Lehrplanreform 2023 heißt er in der Sekundarstufe I „Geographie und wirtschaftliche Bildung“. Im Mittelpunkt steht das Handeln des Menschen in Raum und Wirtschaft. Geographische und wirtschaftliche Bildung werden dabei miteinander sowie mit Politischer Bildung verbunden; deshalb gilt das Fach als „doppelpoliges Zentrierfach“.

In der Volksschule werden entsprechende Inhalte im Sachunterricht behandelt, etwa Kartenarbeit und erste wirtschaftliche Fragen. Als eigenständiges Fach beginnt der Unterricht in der 5. Schulstufe. In allgemeinbildenden Schulen reicht er grundsätzlich bis zur Reifeprüfung, wobei schulautonome Änderungen der Stundentafel möglich sind. An berufsbildenden mittleren und höheren Schulen ist das Fach je nach Schultyp unterschiedlich benannt, kombiniert und gewichtet.

Seit dem Paradigmenwechsel von 1985 ist der Unterricht nicht mehr vorrangig beschreibend und länderkundlich aufgebaut. Statt einzelne Länder nacheinander zu behandeln, verbindet das thematische Konzept geographische und wirtschaftliche Fragestellungen. Physiogeographische Inhalte, also Themen zu natürlichen Vorgängen und Strukturen der Erde, bleiben ein Teil des Unterrichts, werden aber auf menschliches Handeln und gesellschaftliche Zusammenhänge bezogen. Der Lehrplan 2023 baut grundsätzlich auf den Konzepten von 1985 und 2000 auf und setzt stärkere wirtschaftliche Akzente.

Materialien und fachdidaktische Diskussionen bieten unter anderem das Portal gw.eduhi.at, das 2001 erschienene „Handbuch GW“, die seit 1978 bestehende Zeitschrift „GW-Unterricht“, regionale Fachdidaktikzentren in Wien und Graz sowie das Projekt INSERT mit Unterrichtsbeispielen zur sozioökonomischen Bildung. Der Artikel kritisiert allerdings, dass neuere Lehrplanänderungen oft nur schwach dokumentiert und Lehrkräfte zu wenig durch Erläuterungen und erprobte Umsetzungsbeispiele unterstützt wurden.

Unterstufe: Aufbau und Stundenzahl

Der Unterricht für die 10- bis 14-Jährigen umfasst nach der veränderbaren Normstundentafel insgesamt sieben Jahreswochenstunden. Der Regelvorschlag für die vier Klassen lautet 2–1–2–2 Wochenstunden. Besonders problematisch kann eine schulautonome Kürzung der 3. Klasse beziehungsweise 7. Schulstufe auf eine Wochenstunde sein, weil dort viele Lernziele vorgesehen sind.

Der bis dahin maßgebliche Lehrplan stammte in seinem Grundgedanken aus 1985 und wurde 2000 als gekürzter Minimallehrplan mit einem verbindlichen Kernbereich und einem von den Lehrkräften gestaltbaren Erweiterungsbereich erlassen. Sein Leitgedanke blieb: „Im Mittelpunkt steht der Mensch.“ Derselbe Text wurde 2012 für die Neuen Mittelschulen übernommen. Umstritten war, wie konsequent die Reformideen tatsächlich im Unterricht und in jüngeren Schulbüchern umgesetzt wurden.

Der neue Lehrplan wurde nach einem ab 2019 laufenden Verfahren am 2. Jänner 2023 als BGBl. II Nr. 1 veröffentlicht und gilt aufsteigend seit dem 1. September 2023. Er enthält entsprechend den ministeriellen Vorgaben zwei Kompetenzbereiche je Wochenstunde der Normstundentafel, ist länger als sein Vorgänger und betont wirtschaftliche Bildung stärker. Im Begutachtungsverfahren kamen noch Änderungen hinzu; das Ministerium erlaubte der Arbeitsgruppe jedoch nicht, die eingegangenen Stellungnahmen zu veröffentlichen. Ein erster erläuternder Kommentar der Lehrplankommission erschien im Sommer 2023.

Unterstufe: Lerninhalte der vier Klassen

In der 1. Klasse beziehungsweise 5. Schulstufe steht die „Vielfalt des Lebens und Wirtschaftens der Menschen“ auf der Erde im Mittelpunkt. Nach einer Einführung in Atlasarbeit sowie Kontinente und Ozeane untersuchen die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Lebens-, Konsum- und Wirtschaftsformen unter verschiedenen natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen. Weitere Themen sind der Umgang mit endogenen und exogenen Naturgefahren sowie die Gewinnung und Nutzung von Rohstoffen und Energie. Wirtschaftliche Grundbegriffe können an Gegensatzpaaren wie extensive und intensive Nutzung oder Selbstversorger und Marktproduzenten sowie an Produktivität und Nachhaltigkeit erarbeitet werden. Eine abschließende Zusammenschau soll räumliche und ursächliche Zusammenhänge sichern.

Die 2. Klasse behandelt weltweit das „Leben und Wirtschaften in städtisch geprägten Räumen“. Neben Stadtstrukturen werden die Orientierung auf Stadtplänen und möglicherweise die Arbeit mit Luftbildern geübt. Der wirtschaftliche Schwerpunkt liegt auf der Gütererzeugung in Gewerbe und Industrie sowie auf der Vielfalt des Dienstleistungsbereichs. Tourismus und Verkehr dienen unter anderem dazu, Straßenkarten, Routenplaner und Fahrpläne zu verwenden. Auch hier soll eine abschließende Zusammenschau die Erkenntnisse über die Erde als Lebens- und Wirtschaftsraum kausal verbinden und nicht bloß topographisch ordnen.

In der 3. Klasse geht es um „Leben und Wirtschaften in Österreich“. Großmaßstäbige Karten und Luftbilder helfen, Lebensräume, Lebenssituationen und Fragen der Raumordnung zu untersuchen. Der Unterricht soll nicht auf eine Beschreibung österreichischer Großlandschaften reduziert werden; nur 3 der 17 Lernziele lassen überhaupt eine Landschaftsbehandlung ableiten. Hinzu kommen Arbeits-, Konsum- und Gesellschaftsökonomie, Einblicke in die Arbeitswelt, Verbrauchererziehung, wirtschaftspolitische Kennziffern und ihre Darstellung in Diagrammen, das Staatsbudget sowie grundlegende volkswirtschaftliche und politische Zusammenhänge.

Die 4. Klasse schließt die Lernspirale mit „Gemeinsames Europa – vielfältiges Europa“, „Zentren und Peripherie der Weltwirtschaft“ und Globalisierung ab. Ausgewählte Großräume und welt- oder wirtschaftspolitisch wichtige Staaten werden analysiert. Unterschiedliche Regionen und Wahrnehmungsmuster sollen vorurteilsfrei betrachtet werden. Wer das neunte Pflichtschuljahr nicht in einer anderen Oberstufenform absolviert, besucht meist den Polytechnischen Lehrgang; dort verbindet „Politische Bildung und Wirtschaftskunde“ wiederholende und festigende Ziele aus Wirtschaftskunde, Geschichte und Politischer Bildung.

AHS-Oberstufe und Reifeprüfung

In der AHS-Oberstufe ist GWK nach der schulautonom veränderbaren Normstundentafel mit insgesamt sieben Wochenstunden vertreten: 2–1–2–2. Im Wirtschaftskundlichen Realgymnasium ist das Fach typenbildend und umfasst neun Jahreswochenstunden. Zusätzlich kann seit der Lehrplanverordnung 1989 ein Wahlpflichtfach GW im Umfang von zweimal zwei Wochenstunden belegt und zur Reifeprüfung gewählt werden. Seine Themen sollen sowohl aus Geographie als auch aus Wirtschaft stammen. Ein reiner Geographie- oder Wirtschaftskurs widerspricht der Lehrplanverordnung 2004.

Der Lehrplan 2004 formulierte drei methodische und drei inhaltliche Kompetenzbereiche: Methoden-, Orientierungs- und Synthesekompetenz sowie Umwelt-, Gesellschafts- und Wirtschaftskompetenz. Wirtschaftskompetenz umfasst grundlegende betriebs-, volks- und weltwirtschaftliche Zusammenhänge, wirtschaftspolitische Modelle und ihre Umsetzung, Einblicke in Betriebe, Veränderungen von Produktion, Arbeit und Beruf durch Technisierung und Globalisierung sowie Interesse an selbständiger Erwerbstätigkeit.

Die 5. und 6. Klasse behandeln gemeinsam die sozial, ökonomisch und ökologisch begrenzte Welt sowie „Vielfalt und Einheit – Das neue Europa“. Dazu gehören Gliederungsprinzipien der Erde, landschaftsökologische Zonen, Bevölkerung und Gesellschaft, wirtschaftliche Bedürfnisse, regionale Nutzungskonflikte, europäische Raumstrukturen, Produktionsgebiete im Wandel, gesellschaftliche Konvergenzen und Divergenzen, Wettbewerbs- und Regionalpolitik sowie regionale Entwicklungspfade. Die 7. Klasse befasst sich mit Österreich: geopolitische Veränderungen, naturräumliche Chancen und Risiken, demographische Entwicklung, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Wirtschaftsstandort, Unternehmen und Berufsorientierung. In der 8. Klasse folgen Globalisierung, politische und ökonomische Systeme, Städte, Geld und Währung sowie die politische Gestaltung von Räumen.

Mit der neuen Reifeprüfungsordnung ab 2015 wurden Kompetenzorientierung und Themenpools wichtiger. Außerdem müssen alle Kandidatinnen und Kandidaten eine Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) erstellen; dadurch gewinnen schriftlicher Ausdruck, der Umgang mit Sachtexten und unterschiedliche Arbeitsmethoden im Unterricht an Bedeutung.

Die Lehrplanänderung 2016 ordnete den Stoff ab der 10. Schulstufe in Semestermodule und ergänzte „Basiskonzepte“, also grundlegende Denkmodelle zur Verbindung von Lernzielen. In jedem Modul sollten geographische und wirtschaftliche Anteile vorkommen. Die verpflichtende Einführung der semestrierten Oberstufe wurde jedoch mehrfach verschoben; seit 2023/24 können Schulen einen großen Teil ihrer Oberstufengestaltung selbst bestimmen. Ein 2025 veröffentlichter Entwurf für einen neuen AHS-Oberstufen-Lehrplan soll angeblich 2027 in Kraft treten, wird aber von manchen Fachdidaktikern und Schulpraktikern in Struktur und Formulierungen kritisiert.

Berufsbildende Schulen

Berufsbildende höhere Schulen dauern wegen der zusätzlichen Berufsausbildung in der Regel ein Jahr länger als die AHS. Stellung, Name und Inhalt der Geographie unterscheiden sich stark nach Schultyp. Neuere Lehrpläne verwenden zwar Kompetenzen und Operatoren beziehungsweise „Deskriptoren“, bleiben nach Darstellung des Artikels aber häufig an älteren Stoffordnungen orientiert. Eine schulartenübergreifend abgestimmte fachdidaktische Konzeption fehlt weitgehend, obwohl mehr als 50 % der österreichischen Maturantinnen und Maturanten aus BHS kommen.

An Höheren Technischen Lehranstalten wurde Geographie und Wirtschaftskunde seit 1962 unterrichtet, insgesamt mit vier Jahreswochenstunden. 1986 erhielten HTL als erster österreichischer Oberstufentyp einen themenorientierten Lehrplan anstelle der traditionellen Länderkunde. Seit dem Lehrplan 2011 ist Geographie Teil eines Flächenfachs; 2015 hieß es „Geografie, Geschichte und Politische Bildung (einschließlich Volkswirtschaftliche Grundlagen)“. Die Gestaltung und der fachdidaktische Gehalt dieses Verbunds wurden kritisiert.

In Handelsakademien erhielt „Geografie (Wirtschaftsgeografie)“ im Lehrplan 2014 in den ersten beiden Jahrgängen zwei beziehungsweise drei Wochenstunden. Im fünften Jahrgang kann das Kombinationsfach „Internationale Wirtschafts- und Kulturräume“ (IWK) maturabel sein und sowohl von Geographie- als auch von Geschichtelehrkräften unterrichtet werden. Volkswirtschaft liegt dort in einem anderen thematischen Cluster, und die Abstimmung mit verwandten Fächern ist laut Artikel unzureichend.

In Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe bestehen neben Wirtschaftsgeografie eigene Fächer wie Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Rechnungswesen und Controlling. Das 2015 semestrierte Fach „Globalwirtschaft, Wirtschaftsgeographie und Volkswirtschaft“ wird im III. Jahrgang mit drei, im IV. und V. Jahrgang jeweils mit zwei Wochenstunden unterrichtet. Andere BHS-Typen setzen nochmals andere Schwerpunkte: In Mode und Bekleidung ist das Fach im I. Jahrgang nur schwach vertreten; in Produktmanagement und Präsentation gibt es im III. und IV. Jahrgang „Wirtschaftsgeografie und Volkswirtschaft“. Land- und forstwirtschaftliche höhere Lehranstalten trennen Geographie und volkswirtschaftliche Inhalte auf verschiedene Lernjahre. Tourismusschulen führen in den letzten beiden Jahrgängen „Tourismusgeographie und Reisebüro“ mit jeweils drei Wochenstunden, während wirtschaftliche Inhalte einem anderen Fach zugeordnet sind. Bildungsanstalten für Elementarpädagogik verteilen GW seit 2016 mit zwei Wochenstunden im I. und III. sowie einer Wochenstunde im IV. Jahrgang.

Die Fachschulzweige ohne Matura unterrichten Geographie meist nur ein oder zwei Jahre. Einen integrativen Ansatz enthält der Lehrplan 2016 für technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Fachschulen: „Geografie und wirtschaftliche Bildung“ wird mit Geschichte und Politischer Bildung verbunden. Vorgesehen sind gemeinsame Projekte zu „Medien und Macht“, „Migration, Interkulturalität und Diversität“, „Europäische Union“ und „Globalisierung“.

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