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Geographiedidaktik

Die Geographiedidaktik ist eine Fachdidaktik, die sich speziell mit dem Lehren und Lernen, den fachlichen Inhalten und Methoden der Vermittlung …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Aufgaben
  2. 2. Basiskonzepte als fachliche Leitideen
  3. 3. Forschung seit der Kompetenzorientierung
  4. 4. Hochschulen, Verbände und aktuelle Entwicklung

Gegenstand und Aufgaben

Geographiedidaktik ist eine Fachdidaktik. Sie untersucht, wie geographisches und geowissenschaftliches Wissen gelehrt und gelernt wird. Dazu gehören die fachlichen Inhalte ebenso wie die Methoden, mit denen diese Inhalte vermittelt werden.

Sie bildet eine Verbindung zwischen der Fachwissenschaft Geographie und der unterrichtlichen Praxis der Schulgeographie. Ihre Theorien und Theoriediskussionen klären, welches fachwissenschaftliche Wissen für den Unterricht relevant ist und künftig relevant sein kann. Vermittlungsvorschläge und Unterrichtsmethoden werden durch eine eigene Lehr-Lern-Forschung überprüft.

Eine zentrale Aufgabe ist die didaktische Reduktion und Transformation. Damit ist gemeint, dass der umfangreiche fachwissenschaftliche Kenntnisstand für Lern- und Unterrichtszwecke ausgewählt, vereinfacht, geordnet und aufbereitet wird. Geographiedidaktik beschäftigt sich somit sowohl mit der Auswahl geeigneter Inhalte als auch mit ihrer verständlichen und lernwirksamen Vermittlung.

Basiskonzepte als fachliche Leitideen

Geographische Basiskonzepte sind grundlegende Leitideen des Faches. Sie strukturieren die unterschiedlichen Zugänge zu raumbezogenen Fragestellungen und Phänomenen. Als „Grammatik des Faches“ helfen sie dabei, geographische Inhalte systematisch zu erschließen. Beim Lehren und Lernen wirken sie als Relevanzfilter: Sie unterstützen die Entscheidung, welche fachlichen Gesichtspunkte für eine Fragestellung besonders wichtig sind.

Unterschieden werden sieben Basiskonzepte:

  • das Mensch-Umwelt-System,
  • Struktur, Funktion und Prozess,
  • das Nachhaltigkeitsviereck,
  • Maßstabsebenen,
  • Zeithorizonte,
  • die vier Raumkonzepte,
  • Macht.

Die Nutzung dieser Basiskonzepte in Lehre und Lernen wird durch eine für mobile Geräte entwickelte Web-Applikation gefördert. Die Konzepte dienen dabei als übergeordnete Orientierung, mit der sich vielfältige geographische Themen und Raumfragen betrachten lassen.

Forschung seit der Kompetenzorientierung

Die Deutschen Gesellschaft für Geographie (DGfG) gibt die nationalen Bildungsstandards für das Fach Geographie heraus und aktualisiert sie seit 2006 laufend. Die Standards sind in deutscher und englischer Fassung verfügbar. Nach den Ergebnissen der PISA-Studien bilden Bildungsstandards eine Voraussetzung für die Forschung an Kompetenzmodellen. Kompetenzmodelle sollen beschreiben, welche Fähigkeiten Lernende entwickeln, und dadurch die Entwicklung forschungsbasierter Fördermaßnahmen für den Unterricht ermöglichen.

Kompetenzorientierte Lehrpläne sind heute in allen Bundesländern verbreitet. Allerdings verfügen nur wenige Schulfächer über Kompetenzmodelle, die Lehrkräfte im kompetenzorientierten Unterricht unmittelbar unterstützen. Fachdidaktische Konzeptionen werden unter anderem in Reaktionen auf Lehrplanentwicklungen sichtbar. Als Beispiel werden die Lehrplanentwürfe für Berlin-Brandenburg und die Argumentationslinien von Petitionen von Fachlehrkräften genannt.

Seit den PISA-Studien konzentriert sich die geographiedidaktische Diskussion besonders auf:

  • die Entwicklung von Kompetenzmodellen,
  • geeignete Aufgabenformate,
  • Lernsettings für eine kompetenzorientierte Unterrichtsentwicklung,
  • die Wirksamkeit des Unterrichts bei globalen Zukunftsthemen.

Ein wichtiges Anwendungsfeld sind Globale Herausforderungen und die Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDGs). Dabei wird untersucht, wie Schülerinnen und Schüler an der Arbeit an diesen Zielen am besten erreicht und beteiligt werden können. Umstritten ist unter anderem der Umgang mit Problemorientierung. Thomas Hoffmann fordert einen lösungsorientierten Geographieunterricht, weil klassisches problembasiertes Lernen bei kritischen Zukunftsthemen zu Frustration und Überforderung führen könne. Die Problemorientierung beruht dabei auf konstruktivistischen und handlungsorientierten Lerntheorien.

Vertreterinnen und Vertreter einer transformativen Didaktik beziehen sich dagegen auf das transformative Lernen nach Jack Mezirow. Im Mittelpunkt steht die Veränderung individueller Bedeutungsperspektiven, mit denen neue Erfahrungen und Erkenntnisse bewertet und eingeordnet werden.

Unterrichtsmethoden sind auch unabhängig von der Kompetenzorientierung ein Forschungsfeld. Auf Grundlage von Motivationstheorien wurden Methoden entwickelt, die Unterricht interessanter machen und Lernende zum Lernen anregen sollen. Ein Beispiel ist der britische Thinking-Through-Geography-Ansatz („Denken lernen mit Geographie“). Die dazu entwickelten Unterrichtsstunden enthalten offene Aufgaben, verlangen kooperative Gruppenarbeit und richten die Aufmerksamkeit stark auf die Art und Weise, wie Aufgaben gelöst werden. Die Methoden wurden in den Büchern Thinking Through Geography und More Thinking Through Geography vorgestellt. David Leat bezeichnet die Mystery-Methode als wahrscheinlich beste Thinking-Through-Geography-Strategie. In Diercke Methoden – Denken lernen mit Geographie werden die Verfahren auf Deutsch beschrieben und anhand von Beispielen erläutert.

Der Thinking-Through-Ansatz hat die deutschsprachige Geographiedidaktik besonders bei der Erforschung des systemischen Denkens beeinflusst. Dabei geht es auch um doppelt-komplexe Fragestellungen, die sowohl faktische als auch ethische Aspekte enthalten. Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigen Wege auf, wie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dazu befähigt werden können, Verantwortung für die Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Probleme zu übernehmen.

Die Forschung betrachtet mehrere Kompetenzbereiche. Sie untersucht einerseits kognitive Kompetenzen und die begriffliche Erfassung komplexer Inhalte. Andererseits berücksichtigt sie volitionale und motivationale Aspekte sowie die Förderung sozialer, moralischer und demokratischer Kompetenzen. Dabei werden Lernende und Lehrende einbezogen. Untersucht wird, wie beide durch didaktische Konzepte und geeignetes Unterrichtsmaterial unterstützt werden können. Als besonders wichtige Elemente bei der Planung und Durchführung von Lernaufgaben erwiesen sich die Qualität der Beziehung zwischen Lehrperson und Lernenden, der Einsatz von Denkstrategien, die Verbindung von Ziel-, Inhalts- und Handlungsstruktur sowie die Förderung von Metakognitionen, also des Nachdenkens über das eigene Denken und Lernen.

Hochschulen, Verbände und aktuelle Entwicklung

Die Geographiedidaktik ist an einigen deutschen, österreichischen und schweizerischen Hochschulen, die Lehrkräfte ausbilden, mit eigenen Lehrstühlen vertreten. Der Artikel weist darauf hin, dass dieser Abschnitt grundsätzlich überarbeitet werden müsse.

Der Verband Deutscher Schulgeographen (VDS) ist nach Bundesländern und Fachgruppen für verschiedene Schularten organisiert und wird von Gymnasiallehrkräften dominiert. Er versteht sich als fachspezifische Interessenvertretung, etwa gegenüber der Kultusbürokratie. Außerdem dient er als Kommunikationsforum für Geographielehrkräfte und betreibt angewandte, also schulpraktische, Forschung. Bis zum 30. Deutschen Schulgeographentag in Bremen im Jahr 2006 veranstaltete der VDS alle zwei Jahre an wechselnden Orten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz den Deutschen Schulgeographentag. Außerdem war er mit eigenen Fachsitzungen am ebenfalls zweijährlich stattfindenden Kongress Deutscher Geographentag beteiligt. Seit dem Deutschen Geographentag in Bayreuth im Jahr 2007 veranstaltet der VDS diese Kongresse gemeinsam mit anderen geographischen Fachverbänden; seine Landesverbände bieten weiterhin landesspezifische Schulgeographentage an.

In Österreich heißt das Schulfach Geographie und Wirtschaftskunde. Seit 1978 gibt ein Verein für Geographie und Wirtschaftserziehung die Fachdidaktikzeitschrift GW-Unterricht heraus. Schulgeographische Beiträge erscheinen außerdem unregelmäßig in den Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft. Dort gibt es auch eine bibliographische Zusammenstellung des österreichbezogenen fachdidaktischen Schrifttums der letzten drei Jahrzehnte.

Der Hochschulverband für Geographiedidaktik (HGD) betreibt die universitäre geographiedidaktische Forschung. Er gibt die Schriftenreihen Geographiedidaktische Forschungen und Geographiedidaktische Forschungen (GDF) sowie das Vierteljahresperiodikum Zeitschrift für Geographiedidaktik (ZGD) heraus; im Artikel wird Geographiedidaktische Forschungen zudem als aperiodisch bezeichnet. Die DGfG ist für die nationalen Bildungsstandards zuständig und aktualisiert sie seit 2006.

Der fachliche Wandel zeigt sich am Deutschen Geographentag 2013 in Passau. Während bei der Gründung des VDS im wilhelminischen Kaiserreich vaterländische Erdkunde und Länderkunde im Mittelpunkt standen, behandelten Schulgeographen 2013 unter anderem die Leitthemen Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung, Interkulturelles Lernen und Medien im Geographieunterricht. Zusätzlich gab es 18 Fachsitzungen zur Fachdidaktik und Schulgeographie.

2015 fand der Deutsche Kongress für Geographie (DKG), der bis 2015 Deutscher Geographentag hieß, in Berlin erstmals mit einem Tag der Schulgeographie statt. Der DKG wird seitdem alle vier Jahre veranstaltet; zuletzt fand er 2023 in Frankfurt/Main statt. Fachgeographen und Fachdidaktiker organisieren und gestalten die Fachsitzungen gemeinsam. Im Rahmen des Kongresses vergibt der HGD den HGD Dissertationspreis, abhängig von der Bewerberlage alle zwei oder vier Jahre. Die deutsche Schulgeographie vergibt dort mit ihren Verbänden den Innovationspreis für Schulgeographie der Fritjof-Voss-Stiftung.

Da Geographie in einigen Bundesländern mit Fächern wie Geschichte und Politik zusammengelegt wird und in anderen Bundesländern Kürzungen der Stundentafeln erlebt, steht das Fach seit mehreren Jahren zunehmend unter Druck. Deshalb gründete der HGD gemeinsam mit Vertretern der Lehrerverbände und der Fachwissenschaft die Roadmap 2030-Initiative. Sie soll durch Aktivitäten in politischen, universitären und schulischen Bereichen die Geographie in der schulischen Praxis dauerhaft stärken. Im Mittelpunkt steht, den Beitrag des Faches zu geographischen Megathemen wie Klimawandel und Migration stärker öffentlich sichtbar zu machen.

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