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Geschichte und Sozialkunde

Seit 2016 hieß das Fach Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung (GS/PB oder GSPB), dafür wurden die Lehrpläne völlig überarbeitet. Seit der Lehrplanreform …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Fach und Stellung im Schulsystem
  2. 2. Entstehung und frühere Lehrpläne
  3. 3. Unterstufe: Stunden und Zeiträume
  4. 4. AHS-Oberstufe und Matura
  5. 5. Berufsbildende Schulen und Fächerverbünde

Fach und Stellung im Schulsystem

Geschichte und Sozialkunde war in Österreich ein Unterrichtsgegenstand. Er hieß seit 2016 Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung (GS/PB oder GSPB); die Lehrpläne wurden dafür vollständig überarbeitet. Seit der Lehrplanreform 2023 lautet die Fachbezeichnung Geschichte und Politische Bildung. Das Fach verbindet historisches Lernen mit politischer Bildung, also der Beschäftigung mit politischen Fragen und Zusammenhängen.

An Mittelschulen sowie an Gymnasien beziehungsweise Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) wird es ab der Unterstufe in den Jahrgangsstufen 6 bis 12, also von der 2. bis zur 8. Klasse, bis zur Reifeprüfung (Matura) unterrichtet. In der Volksschule gehören entsprechende Inhalte zum Gesamtunterricht im Sachunterricht. Berufsbildende höhere und mittlere Schulen (BHS und BMS) haben insgesamt weniger Wochenstunden; in BHS kann Geschichte aber auch als Maturafach gewählt werden, teils als Kombinationsfach.

Für die Lehrerausbildung sind Kompetenzen in Geschichte und Politik vorgesehen. Zur österreichischen Fachdidaktik, also zur Wissenschaft vom Lehren und Lernen eines Faches, gehören unter anderem das Fachdidaktikzentrum der Universität Wien und das Bundeszentrum für Gesellschaftliches Lernen an der Pädagogischen Hochschule Salzburg. Die Geschichte der Geschichts- und Politikdidaktik in Österreich gilt als wenig erforscht.

Entstehung und frühere Lehrpläne

Früher wurde das Fach auch „Historie“ genannt; daher hielt sich die Abkürzung H. Die Kombination Geschichte und Sozialkunde (GS) entstand ab 1962 bei der Neuordnung des österreichischen Schulwesens im SCHOG 62. Zugleich wurde Geographie und Wirtschaftskunde (GW) als weiteres doppelpoliges Zentrierfach in einem Verfassungsgesetz festgelegt. Damit sollten sozialwissenschaftliche Inhalte im allgemeinbildenden Schulwesen verankert werden, ohne die Zahl der Unterrichtsgegenstände zu erhöhen. Später kam Biologie und Umweltkunde (BU) als drittes Kombinationsfach hinzu.

Seit 2008 setzte der Zusatz „Politische Bildung“ bei GS einen weiteren Schwerpunkt. Politische Bildung ist jedoch auch in anderen Fächern enthalten, etwa in Geographie und Wirtschaftskunde sowie Deutsch. Außerdem bestand seit 1978 das fächerübergreifende Unterrichtsprinzip Politische Bildung, das Lehrkräfte überfachlich wahrnehmen sollten.

Der frühere Lehrplan für Zehn- bis Vierzehnjährige war an Hauptschulen, Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufen wortident. Sein Grundparadigma stammte aus 1985. Im Jahr 2000 wurde er als gekürzter Minimallehrplan erlassen: Ein Kernbereich sollte durch einen von Lehrkräften zugeordneten Erweiterungsbereich ergänzt werden. 2008 wurden in der 3. und 4. Klasse Politische Bildung und die fachspezifische Kompetenzorientierung ergänzt. Kompetenzorientierung bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler Wissen anwenden und Fähigkeiten in Aufgaben nachweisen sollen.

Unterstufe: Stunden und Zeiträume

Ein 2015 erarbeiteter Lehrplanentwurf gliederte den Stoff in weiter gefasste Module. Der neue Lehrplan für die Zehn- bis Vierzehnjährigen trat mit Beginn des Schuljahres 2016/17 in Kraft. Für Mittelschule und AHS-Unterstufe sind die Lehrplantexte wortident, auch wenn die Bildungsziele unterschiedlich sind.

Die verordnete, schulautonom veränderbare Stundentafel sieht in der Sekundarstufe I insgesamt sechs Jahreswochenstunden vor. Nach der Normstundentafel wird GS/PB ab dem zweiten Lernjahr unterrichtet; für die ersten vier Klassen lautet der Regelvorschlag 0 – 2 – 2 – 2 Wochenstunden. Schulstandorte können Stunden verschieben. Mittelschulen können auch eigene Fächerverbünde gestalten, beispielsweise Lernfelder gemeinsam mit Geographie und Wirtschaftskunde.

Die zeitliche Orientierung ist klar gegliedert: In der 2. Klasse beziehungsweise 6. Schulstufe reicht der Stoff vom ersten Auftreten der Menschen bis zum Ende des Mittelalters. In der 3. Klasse beziehungsweise 7. Schulstufe behandelt er den Beginn der Neuzeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. In der 4. Klasse beziehungsweise 8. Schulstufe führt er vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Gegenwart.

AHS-Oberstufe und Matura

In der AHS-Oberstufe ist GS/PB nach der Normstundentafel in allen Jahrgangsstufen vertreten und mit insgesamt sieben Wochenstunden ausgestattet: 1 – 2 – 2 – 2 Wochenstunden. Es ist damit ein Reifeprüfungsgegenstand. Die Schule kann diese Verteilung autonom verändern, etwa für Schwerpunktfächer. Zusätzlich ist ein Wahlpflichtfach GS/PB mit 2 mal 2 Wochenstunden möglich, das ebenfalls zur Matura gewählt werden kann. Seine Lehrplanvorgaben sind flexibel; Schülerinnen und Schüler sollen an der Themenauswahl mitwirken können. Außerdem kann eine unverbindliche Übung Politische Bildung angeboten werden.

Kompetenzorientierung und die neue Form der Matura veränderten den Unterricht. Maturafragen werden aus einem Themenpool gezogen. Statt einer vorbereiteten Spezialfrage mit zwei kürzeren Kernfragen ist nur noch eine Prüfungsfrage zu beantworten; sie muss länger und intensiver bearbeitet werden. Alle Kandidatinnen und Kandidaten müssen zudem eine Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) erstellen.

2013 setzte das Unterrichtsministerium eine Arbeitsgruppe für einen semestrierten, also nach Halbjahren gegliederten, Lehrplan ein. Der Entwurf für die AHS-Oberstufe ging am 18. Mai 2016 in Begutachtung und sollte im September 2017 in Kraft treten. Politisch bildende Ziele finden sich daneben ausdrücklich auch in Lehrplänen anderer Fächer, etwa Geographie und Wirtschaftskunde, Deutsch und Bildnerische Erziehung.

Berufsbildende Schulen und Fächerverbünde

In berufsbildenden höheren Schulen unterscheidet sich der Geschichtsunterricht je nach Schultyp und beruflichem Schwerpunkt. Eine neue Reifeprüfungsverordnung sollte auch dort den vorhergehenden Unterricht stark beeinflussen.

An Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) wird Geschichte insgesamt vier Jahreswochenstunden unterrichtet. Der Lehrplan HTL 2011 gestaltete das Fach erstmals als Flächenfach, also als verbundenen Bereich: „Geografie, Geschichte und Politische Bildung (einschließlich Volkswirtschaftliche Grundlagen)“. Nach der Semestrierung 2015 verteilen sich Kompetenzbereiche auf die Jahrgänge: Geschichte liegt vor allem im II. bis IV. Jahrgang, Politische Bildung im III. bis V. Jahrgang, Geografie im I. und IV. Jahrgang sowie volkswirtschaftliche Grundlagen im III. Jahrgang.

Kaufmännische Schulen (HAK) erhielten am 27. August 2014 einen kompetenzorientierten Lehrplan, den ersten in Österreich semestriert erlassenen Lehrplan. „Politische Bildung und Geschichte (Wirtschafts- und Sozialgeschichte)“ gehört dort im Cluster „Gesellschaft und Kultur“ vom II. Jahrgang beziehungsweise 3. Kompetenzmodul bis zum IV. Jahrgang beziehungsweise 8. Kompetenzmodul dazu. Im V. Jahrgang ist es im Kombinationsfach IWK („Internationale Wirtschafts- und Kulturräume“) mit Wirtschaftsgeographie maturabel.

Für technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Fachschulen wurden mit 1. September 2016 Lehrpläne erlassen, die „Geografie und wirtschaftliche Bildung“ sowie „Geschichte und Politische Bildung“ verbinden. Im 1. Lernjahr werden zwei Wochenstunden auf beide Bereiche geteilt, im 2. Lernjahr steht nur mehr eine Wochenstunde zur Verfügung. Vorgesehen sind vier integrativ zu behandelnde Projekte von jeweils etwa 6–8 Stunden: „Medien und Macht“, „Migration, Interkulturalität und Diversität“, „Projekt Europäische Union“ und „Projekt Globalisierung“.

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