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Geographie der Slowakei
Die Slowakei ist ein Land im östlichen Mitteleuropa. Sie nimmt Teile der Karpaten und nördliche Randgebiete des Pannonischen Beckens ein.
Inhalt5 Abschnitte
Lage und Staatsgebiet
Die Slowakei ist ein Staat im östlichen Mitteleuropa. Sie umfasst Teile der Karpaten und nördliche Randgebiete des Pannonischen Beckens. Ihre Lage reicht von 49° 36′ 48″ bis 47° 44′ 21″ nördlicher Breite und von 16° 50′ 06″ bis 22° 33′ 53″ östlicher Länge.
Das Land grenzt an Polen, die Ukraine, Ungarn, Österreich und Tschechien. Die Grenzlänge wird im Artikel insgesamt mit 1766 km angegeben; bei den einzelnen Grenzangaben erscheinen teils unterschiedliche Zahlen: Polen wird einmal mit 541 km und später mit 597 km genannt, die Ukraine mit 97 km bzw. 98 km, Ungarn mit 655 km bzw. 679 km, Österreich mit 107 km bzw. 127 km und Tschechien mit 252 km bzw. 265 km.
Der nördlichste Punkt liegt an der Nordostflanke des Berges Beskydok in den Saybuscher Beskiden nahe Oravská Polhora. Der südlichste Punkt ist Patince an der Donau. Die westlichste Stelle liegt an der Morava bei Záhorská Ves an der österreichischen Grenze, die östlichste am Berg Kremenez bei Nová Sedlica; dort befindet sich auch das Dreiländereck mit Polen und der Ukraine.
Die Bodenfläche beträgt 49.035 km². Davon sind 31 % Ackerland, 17 % Weideland, 41 % Wald und 3 % Plantagen. Die übrigen 8 % entfallen auf Ödland, Wasserflächen sowie Gebäude und Verkehrseinrichtungen. Der höchste Gipfel ist der Gerlachovský štít in der Hohen Tatra mit 2655 m. Der niedrigste Punkt ist die Wasserfläche des Flusses Bodrog an der Grenze zu Ungarn mit 94 m.
Landschaft, Klima und Gewässer
Die physische Geographie der Slowakei wird vor allem durch zwei Großräume bestimmt: die Karpaten und das Pannonische Becken. Etwa zwei Drittel des Territoriums gehören zu den Karpaten, wobei die Westkarpaten den größten Raum einnehmen. Zu den Inneren Westkarpaten zählen unter anderem die Kleinen Karpaten, die Hohe und Niedere Tatra, die Große und Kleine Fatra, das Slowakische Mittelgebirge und das Slowakische Erzgebirge. Die Äußeren Westkarpaten umfassen unter anderem die Slowakisch-Mährischen Karpaten und die Beskiden. Im Nordosten hat die Slowakei Anteil an den Ostkarpaten, darunter die Niederen Beskiden, die Bukovské vrchy und das Vihorlat-Gebirge.
Etwa ein Drittel des Landes liegt im Bereich des Pannonischen Beckens. Dazu gehören im Westen das Tiefland an der March als Teil des Wiener Beckens, das Donautiefland als Teil der Kleinen Ungarischen Tiefebene und im Südosten das Ostslowakische Tiefland als nördlicher Teil der Großen Ungarischen Tiefebene.
Klimatisch gehört die Slowakei zur gemäßigten Klimazone im Bereich des kontinentalen Klimas. Typisch sind warme, relativ trockene Sommer und feuchte, kalte Winter. Von Westen nach Osten nehmen die Jahrestemperaturschwankungen zu. Die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur liegt zwischen 0 °C im Januar und 21 °C im Sommer. Das Jahresmittel steigt vom Norden mit 6 °C zum Süden mit 11 °C. Die Jahresniederschläge reichen von 500 mm in den südlichen Tiefländern bis 2000 mm in den Hochgebirgen.
Fast das gesamte Land gehört zum Flusssystem der Donau. Nur ein kleines Gebiet im Norden entwässert über Poprad, Dunajec und deren Zuflüsse zur Weichsel und damit in die Ostsee; die Grenze zwischen beiden Systemen ist Teil der Europäischen Wasserscheide. Die Donau ist der wasserreichste Fluss des Landes und hat bei Bratislava eine mittlere Wasserführung von 2025 m³/s. Sie bildet über längere Strecken die Grenze zu Ungarn. Die Kleine Donau, ein alter Hauptarm und heutiger Nebenarm, bildet zusammen mit der Donau die Große Schüttinsel mit etwa 1900 km², eine der größten Flussinseln Europas.
Wichtige linke Zuflüsse der Donau in der Slowakei sind March, Waag, Gran und Eipel. Die Waag ist mit 413 km der längste Fluss auf innerslowakischem Gebiet. Im Südosten bildet die Theiß auf etwa 5 km die Grenze zu Ungarn; wichtige rechte slowakische Zuflüsse der Theiß sind Bodrog und Hornad. Der größte natürliche See ist der Veľké Hincovo pleso in der Hohen Tatra mit etwa 0,2 km². Bedeutende Stauseen sind Oravská priehrada mit 35 km², Zemplínska šírava mit 33 km², Liptovská Mara mit 22 km² und Veľká Domaša mit 14 km².
Natur- und Landschaftsschutz
Die vielfältige Landschaft und die zunehmende Bedrohung durch zivilisatorische Einflüsse führten in der Slowakei zu verstärktem Naturschutz. Im Jahr 2003 standen insgesamt 23 % der Landesfläche unter Schutz.
2006 gab es neun Nationalparks mit einer Gesamtfläche von 3179 km². Zusammen mit umliegenden Schutzgebieten von 2701 km² nahmen sie 12 % des Landes ein. Zu ihnen gehören der Nationalpark Große Fatra, der Nationalpark Kleine Fatra, der Nationalpark Muránska planina, der Nationalpark Niedere Tatra, der Nationalpark Poloniny, der Nationalpark Slowakischer Karst, der Nationalpark Slowakisches Paradies, der Pieninen-Nationalpark und der Tatra-Nationalpark. Der Tatra-Nationalpark wurde 1949 gegründet, umfasst 738 km² und schließt die Hohe Tatra, die Westtatra und die Beler Tatra ein.
Neben den Nationalparks bestanden 2006 vierzehn Landschaftsschutzgebiete mit insgesamt 5226 km². Außerdem gab es 384 Naturreservate mit 129 km², 170 Geschützte Areale mit 54 km², 219 Nationale Naturreservate mit 837 km², 228 Naturdenkmäler mit 15 km² und 60 Nationale Naturdenkmäler mit 0,6 km².
Die UNESCO zeichnete sechs Gebiete der Slowakei als Welterbe aus, darunter zwei Landschaftsräume: die Höhlen des Slowakischen Karstes und die Buchen-Urwälder der Ostkarpaten in den Bukovské vrchy und Vihorlatské vrchy. UNESCO-Biosphärenreservate sind der Slowakische Karst, das Poľana-Gebirge, die Tatra und die Ostkarpaten im Dreiländereck Slowakei-Polen-Ukraine.
Etwa 41 % der Landesfläche sind bewaldet. Die ursprüngliche Bewaldung besteht vor allem aus Laubmischwäldern, die in einigen Regionen wie Krupinská planina und Bukovské vrchy noch erhalten sind. In höheren Gebirgslagen treten Fichtenwälder stärker hervor. Ab etwa 1500 bis 1850 m dominieren Latschenkiefern. In einigen Gebirgen, darunter Hohe und Niedere Tatra, entstanden durch Bewirtschaftung ausgedehnte Fichten-Monokulturen.
Rohstoffe, Wirtschaft und Verkehr
Die Slowakei verfügt nur über wenige Bodenschätze. In der Umgebung von Trenčín gibt es Braunkohletagebaue. Außerdem werden geringe Mengen an Eisen-, Kupfer-, Antimon- und Manganerz, Salz, Quecksilber, Dolomite, Blei, Zink und Ziegelton gefördert. Problematisch ist das nahezu völlige Fehlen von Primärenergieträgern, also Energierohstoffen wie Öl, Gas oder Kohle, die direkt aus natürlichen Quellen gewonnen werden.
Für den seltenen Opal-Edelstein, umgangssprachlich „teure Opal“, werden weltweit nur zwei Lagerstätten genannt: eine liegt 14 km von Prešov entfernt in der Slowakei, die andere in Australien. Da das slowakische Areal in den Karpaten unter Naturschutz steht, konnten die Grabungsstätten nicht weiter ausgebaut werden.
Das Bruttoinlandsprodukt lag 2006 bei 1,660 Billionen Slowakischen Kronen, etwa 50 Milliarden Euro. Pro Kopf entsprach das etwa 8.800 Euro; zum Vergleich nennt der Artikel für Deutschland 28.000 Euro. Die Wirtschaftsleistung verteilte sich auf Landwirtschaft mit 4 %, Industrie mit 28 %, Bau mit 9 %, Handel, Transport und Kommunikation mit 27 %, unternehmensbezogene und Finanzdienstleistungen mit 19 % sowie sonstige Dienstleistungen einschließlich öffentlicher Dienste mit 15 %.
Kennzeichnend ist ein deutliches West-Ost-Gefälle. Die östlichen Landesteile sind weniger entwickelt als die Region um Bratislava nahe Wien und Budapest. 2004 lag das BIP pro Kopf im Kreis Bratislava bei etwa 594.000 Sk und damit bei mehr als dem Doppelten des Landesdurchschnitts von 252.000 Sk. Im Kreis Prešov im Nordosten wurden dagegen nur 153.000 Sk erreicht.
Die landwirtschaftliche Anbaufläche beträgt etwa 15.500 km². Davon werden etwa 3000 km² bewässert, besonders in den südslowakischen Gebieten mit sommerlichem Regenmangel. Wichtige Nutzpflanzen sind Winterweizen, Sommergerste und Mais. Die Industrie befindet sich im Wandel, auch wegen der früheren starken Ausrichtung auf Schwer- und Rüstungsindustrie im gemeinsamen tschechoslowakischen Staat bis 1992 und innerhalb des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe. Wichtige Zweige sind Chemische Industrie, Maschinenbau, Elektrotechnische Industrie, Metallurgie, Baustoff-, Lebensmittel-, Holz- und Papierindustrie. In den letzten Jahren gewann die Fahrzeugfertigung stark an Bedeutung. Bedeutende Industriestandorte liegen im Westen in Bratislava, Trnava, Trenčín und Žilina sowie im Osten um Košice und Prešov.
Die Slowakei ist zu etwa 70 % von der Einfuhr von Primärenergieträgern abhängig. 2004 betrug der Primärenergieverbrauch 217.837 GWh, der Endenergieverbrauch 120.393 GWh. Mit etwa 800 kg Rohöleinheiten pro 1000 Euro Bruttoinlandsprodukt gehörte die Energieeffektivität zu den geringsten innerhalb der EU.
Der Wassertransport beschränkt sich auf die Donau, den Unterlauf der Waag und wenige Kilometer des Bodrog. Das Straßennetz hatte 43.745 km Länge, davon waren 2007 368 km Autobahnen. Das Schienennetz der Železničná spoločnosť Slovensko umfasste 2005 insgesamt 3658 km. Besonders wichtig sind die Verbindungen von Bratislava nach Tschechien, Österreich und Ungarn sowie die innerstaatliche Bahnstrecke von Bratislava über Žilina nach Košice.
Bevölkerung und Besiedlung
Ende 2006 lebten in der Slowakei rund 5,394 Millionen Menschen. Bei der Volkszählung 2001 bekannten sich 85,8 % zur slowakischen Nationalität. 9,7 % bezeichneten sich als Ungarn, 1,7 % als Roma, 0,8 % als Tschechen, 0,4 % als Russinen und 0,2 % als Ukrainer. Der tatsächliche Anteil der Roma dürfte laut Artikel deutlich höher liegen, nämlich bei etwa 10 %.
Wie in anderen europäischen Ländern ging die Zahl der Geburten in den letzten Jahrzehnten deutlich zurück. Die Fertilitätsrate, also die durchschnittliche Kinderzahl je Frau, lag bei 1,2 und damit noch niedriger als in Deutschland. Die Wanderungsbewegungen waren vergleichsweise gering: 2006 kamen etwa 5600 Zuwanderer in die Slowakei, während etwa 1700 Personen das Land verließen. Im selben Jahr wurden 53.904 Kinder lebend geboren, und 53.301 Menschen starben.
Die regionale Besiedlungsdichte zeigt deutliche, aber keine extremen Unterschiede. Im Durchschnitt leben 110 Menschen pro km². Am dichtesten besiedelt sind die westlichen Regionen, besonders die Umgebung von Bratislava, das Donautiefland sowie das mittlere und untere Tal der Waag. Eine weitere Agglomeration, also ein stark verdichteter Siedlungsraum, liegt im Südosten um Košice und Prešov. Am dünnsten besiedelt sind einige Gebirgsregionen der Zentralslowakei und der Nordosten des Landes; dort liegt die Bevölkerungsdichte in manchen Bezirken unter 50 Menschen pro km².