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Geographie Schweinfurts

Die Geographie Schweinfurts beschreibt die physische Beschaffenheit des Stadtgebietes von Schweinfurt und seiner Umgebung sowie die hierdurch bedingte …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Naturraum, Gestein und Gewässer
  3. 3. Klima, Inseln und Schutz
  4. 4. Stadtstruktur und Stadtbild
  5. 5. Weinbau, Dialekt und kulturelle Prägung

Lage und Bedeutung

Die Geographie Schweinfurts umfasst die physische Beschaffenheit des Stadtgebiets und die Wechselwirkung dieses Lebensraums mit seinen Bewohnern. Schweinfurt liegt in der Mitte Mainfrankens, am Beginn des Maindreiecks; flussabwärts folgt das Mainviereck. Die Stadt liegt ungefähr 40 km von Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt und nahe der Mitte der Europäischen Union, des deutschen Sprachraums und der DACH-Region.

Der Main ist Teil der 3.500 km langen Großschifffahrtsstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer über den Rhein-Main-Donau-Kanal. Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt am Main im Schweinfurter Becken bei 202 m ü. NN, der höchste bei 343 m ü. NN in der nordöstlichen Schweinfurter Rhön. Industrie, Kraftwerke, Hauptbahnhof und Hafen konzentrieren sich im Südwesten. Dort bündeln sich Autobahnen, Bahnlinien und Hochspannungsleitungen. Außerhalb dieses Korridors ist die Lage naturnah; im Umfeld liegen unter anderem Sennfelder Seenkranz, Schweinfurter Rhön, Nationales Naturerbe Brönnhof, Ellertshäuser See, die Naturparke Haßberge und Steigerwald sowie das Biosphärenreservat Rhön.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gewann Schweinfurt verkehrsgeografisch an Zentralität. Die 2005 fertiggestellte A 71 Erfurt–Schweinfurt ist Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 16 und kostete ungefähr zehn Millionen Euro pro Kilometer. Seit dem Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 von 2017 ist Berlin mit Umstieg in Bamberg in unter dreieinhalb Stunden erreichbar; München ab 2:33 Stunden und Hamburg ab 3:57 Stunden, jeweils mit Umstieg in Würzburg. Schweinfurt liegt außerdem an einer Güterverkehrsroute von Nürnberg über die Werntalbahn ins Rhein-Main-Gebiet, im Gürtel der Neuen Seidenstraße. Nahe der Stadt kreuzen sich 50. Grad nördlicher Breite und 10. Meridian östlicher Länge; am Schnittpunkt steht 5,6 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck ein Denkmal.

Naturraum, Gestein und Gewässer

Das kleine Stadtgebiet besitzt Wälder auf 500 ha und Wasserflächen auf 148 ha. Am Stadtrand finden sich Bergland, Wälder, Weinberge, Wiesen, Auwälder sowie fließende und stehende Gewässer.

Der größte Teil liegt im gering reliefierten, also wenig gegliederten, Schweinfurter Becken (Haupteinheit 136), das sich beiderseits des Mains erstreckt. Die Innenstadt liegt nördlich des Flusses. Haardt, Hochfeld und Deutschhof im Osten und Norden liegen teilweise deutlich höher auf den südlichen Ausläufern der Schweinfurter Rhön. Diese entspricht dem Naturraum Hesselbacher Waldland (Haupteinheit 139). Beide Naturräume gehören zu den Mainfränkischen Platten und damit zum Südwestdeutschen Stufenland, einer Fortsetzung des Nordfranzösischen Schichtstufenlands vom Pariser Becken bis Franken.

Die Gesteine reichen von Kalk- und Mergelsteinen des Oberen Muschelkalks über den tonig-mergeligen Unterkeuper (Lettenkeuper) bis zu Tonsteinen des Gipskeupers. Zwischen Bergrheinfeld und Schweinfurt liegt das Zentrum der Schweinfurter Mulde, eines tektonischen Senkungsgebiets. Dadurch erreichte Gipskeuper das Niveau des Mains; dieser konnte im Quartär ein weites Becken ausräumen. Sande und Schotter zeugen von höheren früheren Flussniveaus. Am Schwebheimer Wald liegen inaktive, mit Kiefern bewachsene Flugsanddünen.

Die Kissingen-Haßfurter Störungszone verläuft nordöstlich der Innenstadt von Nordwesten nach Südosten. Sie trennt den Kissingen-Haßfurter Sattel, ein Hebungsgebiet, von der Schweinfurter Mulde. In der Sattelzone wurden harte Muschelkalksteine bis auf das Niveau des Mains und seiner Zuflüsse gehoben. Deshalb ist das Relief dort bergiger und Flüsse bildeten nur schmale Täler.

Im bebauten Stadtgebiet gab es bisher außer kleinräumigen Straßenüberschwemmungen nach Starkregen kein Hochwasser. Der Main verbreitert sich bei Schweinfurt bis auf 172 m, mit früheren Nebenarmen bis 900 m; die Innenstadt liegt auf einem etwa 10 bis 15 m über dem Main liegenden Sockel. Starkes Eis beschädigte 1845 bei 6,25 m Pegel Wasserbauten. Beim Hochwasser von Februar 1909 mit 6,10 m wurden Böckleinsinsel und Wehranlagen überflutet; zwischen Altstadt und Sennfeld entstand ein großer See.

Seit 1960 liegt bei Main-km 332 eine Staustufe. Oberhalb beträgt der Wasserspiegel 207,68 m ü. NN, unterhalb normal 203,1 m ü. NN. Bei Hochwasser können Wehre geöffnet werden. Der höchste Stand der letzten 100 Jahre oberhalb der heutigen Staustufe lag bei 209,72 m ü. NN; die 210,0 m ü. NN hohe Maininsel Bleichrasen wurde seitdem nicht überflutet. Die Industrie- und Gewerbeparks Hafen-Ost, Hafen-West und Maintal liegen teilweise niedrig, sind aber durch Deiche geschützt und waren bis 2016 nicht überflutet.

Klima, Inseln und Schutz

Schweinfurt erhält knapp über 600 mm Niederschlag pro Jahr, weil es östlich des Landrückens Rhön–Spessart liegt. Die Winter können sehr kalt sein, Übergangszeiten sind wegen der niedrigen Höhenlage mild, die Sommer warm bis heiß. Das ausgeprägte, früh einsetzende Frühjahr begünstigt frühe Obstblüte, vielfältige Flora sowie Spargel- und Weinbau.

Das Klima liegt zwischen See- und Kontinentalklima. Der Artikel beschreibt die Verbindung aus geringem Niederschlag, kalten Wintern und warmen Sommern als in Westdeutschland sonst nicht vorkommend; die Klima-Eckdaten von Schweinfurt und Berlin seien nahezu identisch. Der Spessart bildet die Klimascheide zum maritimen Klima. Für Hitzesommer wirken die offene Lage, die lockere Bebauung, das in Ost-West-Richtung verlaufende Maintal sowie angrenzende Seen, Flussauen, Schweinfurter Rhön und Schwebheimer Wald mäßigend. Viel Niederschlag fällt im Hochsommer in kurzen Gewittergüssen, die Winter sind ziemlich trocken. 2015 war Schweinfurt mit 4,5 Blitzeinschlägen je km² Deutschlands Blitzhauptstadt.

Drei Maininseln liegen im Stadtgebiet: Die Maininsel Bleichrasen ist mit 6,93 ha die größte und liegt zwischen Schleusenkanal und Saumain; dort eröffneten 2004 das Konferenzzentrum Maininsel und ein Vier-Sterne-Hotel. Die Böckleinsinsel hat 2,70 ha, liegt zwischen Hauptarm und Saumain, ist seit 1806 in Familienbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Die 4,37 ha große Schleuseninsel trägt das Laufwasserkraftwerk Schweinfurt und die Skulptur Der Anker.

Es gibt ein Naturschutzgebiet namens Saumain in der Stadt Schweinfurt, zwei Landschaftsschutzgebiete, zwei FFH-Gebiete und ein Geotop (Stand März 2016). FFH-Gebiete dienen dem Schutz von Arten und Lebensräumen im europäischen Schutzgebietsnetz.

Stadtstruktur und Stadtbild

Eine amtliche Einteilung in Stadtbezirke und Ortsteile besitzt Schweinfurt nicht. Der Jugendhilfeplan teilt das Gebiet in 14 Stadtteile und 23 statistische Bezirke ein; Maintal wurde später ergänzt. Bei der bayerischen Gebietsreform wurden keine Vororte eingemeindet. Zum Stadtgebiet gehören daher die Kernstadt und das 1919 eingemeindete Oberndorf. Am 31. Dezember 2015 hatte Schweinfurt insgesamt 53.202 Einwohner; der Anteil ausländischer Einwohner betrug 14,6 %, der Anteil von Doppelstaatlern 16,2 %.

Das Stadtbild zeigt den Wandel von der historischen Kleinstadt zur Industriestadt und zum Oberzentrum. Der Artikel gibt den Zerstörungsgrad im Zweiten Weltkrieg mit etwa 45 % an und betont, dass kein Feuersturm wie im benachbarten Würzburg entstand. Wiederaufbau war daher nur an einzelnen Stellen nötig; Baulücken wurden später in unterschiedlichen Stilepochen geschlossen. Im Westen prägen weiterhin Klinkerbauten der Großindustrie im Bauhausstil der 1930er Jahre das Bild. Von der östlichen Altstadt mit altfränkischen Gassen über den Bereich um den Roßmarkt bis zur westlichen City wird die Innenstadt zunehmend großstädtisch.

Markant ist das 1964 fertiggestellte Blaue Hochhaus: Es hat 25 Geschosse, ist 73 m hoch und seine Spitze liegt ohne Antennen 130 m über der Innenstadt auf 350 m ü. NN. Die industrielle Skyline prägen unter anderem das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt mit 97,5 m hohem Kamin, Hochregallager und Getreidesilos. Das 2015 stillgelegte Kernkraftwerk Grafenrheinfeld besitzt zwei 143 m hohe Kühltürme und einen 164 m hohen Meteo-Mast.

Schweinfurt ist Oberzentrum und größte Stadt der bayerischen Planungsregion Main-Rhön (Nr. 3). Diese umfasst die kreisfreie Stadt sowie die Landkreise Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld. Neun Gemeinden des Landkreises Schweinfurt grenzen an die Stadt: Niederwerrn, Dittelbrunn, Üchtelhausen, Geldersheim, Schonungen, Bergrheinfeld, Grafenrheinfeld, Sennfeld und Gochsheim. Überregionale Entwicklungsachsen führen Richtung Würzburg, Bamberg, Coburg und Erfurt.

Weinbau, Dialekt und kulturelle Prägung

Der Weinbau hat wirtschaftlich nur noch geringe, kulturell jedoch weiterhin große Bedeutung. Schweinfurt ist ein großlagenfreier Weinort im Fränkischen Weinbaugebiet, Bereich Maindreieck und Unterbereich Volkacher Mainschleife. Die bestockte Rebfläche betrug 2017 3,54 ha. Seit den 1980er Jahren wird in den historischen Lagen Peterstirn und Mainleite wieder planmäßig Wein angebaut, vor allem Silvaner. Weil der Weinbau zuvor fast vollständig unterbrochen war, blieben diese Weinberge von Großweinlagen und der Flurbereinigung der 1970er Jahre weitgehend verschont. Natursteinmauern und Gerätehäuschen der kleinen Kulturlandschaft bei Schloss Peterstirn blieben erhalten.

Schweinfurt liegt im ostfränkischen Dialektgebiet, genauer im Unterostfränkischen, das neuerdings Meefränggisch genannt wird. Im Stadtgebiet wird die Mundart eher Schweinfurterisch als Fränkisch genannt. Auffällig ist die Pluralbildung, etwa „Häuslich“ statt des fränkischen „Häusli“ für Häuschen.

Die Stadt gilt als nördlichste größere Stadt mit vollständig süddeutscher Prägung. Mainfranken gehört zum oberdeutschen Sprachraum; genannt werden der Gruß „Grüß Gott“, Fasching statt Karneval und Schafkopf statt Skat. Die Region ist durch alte Dörfer, fränkische Tracht, Brauchtum, Kirchweihen, Weinfeste sowie die Mischung protestantischer und katholischer Orte geprägt. Im östlichen Teil der Region überlappen sich Weinfranken und Bierfranken.

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