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Steigerwald

Mit einer Höhe von bis zu 498,5 m ü. NHN erhebt sich der Steigerwald grob zwischen den Städten Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Nürnberg. Er ist Teil des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Relief, Gestein und Gewässer
  3. 3. Geschichte und Siedlung
  4. 4. Natur, Schutzgebiete und Nationalpark-Debatte
  5. 5. Klima, Kultur und Wirtschaft
  6. 6. Tourismus und Verkehr

Überblick und Lage

Der Steigerwald ist ein Mittelgebirge im bayerisch-fränkischen Teil des Südwestdeutschen Stufenlandes. Er ist Teil des Fränkischen Keuper-Lias-Landes beziehungsweise des Keuperberglandes und liegt grob zwischen Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Nürnberg. Seine Fläche beträgt 1.115,2 km². Der höchste Gipfel ist der Scheinberg mit 498,4 m ü. NHN; im Einleitungstext wird die maximale Höhe auch mit bis zu 498,5 m ü. NHN angegeben.

Der Steigerwald liegt am Schnittpunkt der Regierungsbezirke Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken, markiert durch den Dreifrankenstein. Im Norden begrenzt ihn der Main, im Nordosten die Regnitz, im Südosten die Aisch. Im Südwesten verläuft die Abgrenzung etwa entlang einer Linie von Marktbreit über Uffenheim nach Bad Windsheim, im Westen wieder am Main. Das Gebiet verteilt sich auf sechs Landkreise: Haßberge, Bamberg, Erlangen-Höchstadt, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Kitzingen und Schweinfurt.

Naturräumlich wird der Steigerwald in den Südlichen oder Vorderen Steigerwald, den Mittleren Steigerwald und den Nördlichen Steigerwald gegliedert. Nach Norden schließen die Haßberge und die Mainaue zwischen Schweinfurt und Bamberg an, nach Osten das Mittelfränkische Becken, nach Süden die Frankenhöhe und die Windsheimer Bucht sowie nach Südwesten das Steigerwaldvorland und das Ochsenfurter und Gollachgau.

Relief, Gestein und Gewässer

Der westliche Teil des Steigerwaldes, der Hohe Steigerwald, hebt sich deutlich vom Steigerwaldvorland und vom Maintal ab. Am Scheinberg beträgt die Erhebung gegenüber der Mainebene über einen Radius von 12,50 km mehr als 300 m. Deshalb ist der Steigerwald besonders aus westlicher Richtung gut sichtbar. Markante Erhebungen sind unter anderem Zabelstein, Stollberg, Rehhügel, Schwanberg, Bullenheimer Berg, Friedrichsberg, Hohe Landsberg und Kapellenberg. Nach Osten flacht das Gebirge deutlich ab und geht fast nahtlos in angrenzende Landschaften über.

Geologisch wird der Steigerwald vor allem durch die Schichten des Keupers geprägt. Die Hangflächen bestehen überwiegend aus Sandsteinkeuper, Täler und Steigerwaldtrauf größtenteils aus Gipskeuper. Keuper bezeichnet hier eine Gesteinsabfolge mit wechselnden Sand-, Ton-, Mergel- und Gipsschichten. Die Böden sind mäßig nährstoffreich und wechseln zwischen sandigen und tonig-mergeligen Eigenschaften; nach Osten, besonders entlang des Regnitztals, werden sie magerer und sandiger. Wichtig ist der Wechsel zwischen weicheren, wasserhaltenden Gesteinen als Stufensockel und widerstandsfähigeren, wasserdurchlässigen Gesteinen als Stufenbildner. Im Pleistozän entstanden vor etwa 2 Millionen Jahren Flugsandablagerungen, teils als größere Dünen bei Geiselwind. Der Steigerwald ist außerdem Namensgeber der Steigerwald-Formation, einer Keuper-Gesteinsschicht in Süddeutschland.

Die Flüsse zeigen die besondere Form des Gebirges: Wegen des steilen Westabfalls fließen die meisten größeren Gewässer aus dem Steigerwald nach Osten oder Südosten. Sie münden meist in die Regnitz oder in die Aisch, die eine natürliche Trennlinie zur Frankenhöhe bildet und später ebenfalls die Regnitz speist. Zu den Steigerwald-Gewässern gehören Rauhe Ebrach, Reiche Ebrach, Aurach und im Süden der Ehebach. Westlich des Hauptkamms entspringende Flüsse verlassen den Steigerwald meist schnell und fließen zum Main im Bereich des östlichen Maindreiecks.

Geschichte und Siedlung

Der Name „Steigerwald“ wird wahrscheinlich von „Steigirwald“ abgeleitet. Nach dem Biologen Winfried Potrykus verweist dies auf eine ansteigende Höhe oder einen Wald in erhöhter, schwer zugänglicher Lage. Erstmals erschien der Name 1151 in einer Urkunde von König Konrad III. Dort bezeichnete er einen Wald, der in Richtung Oberschwarzach an das Kloster Ebrach angrenzte; vermutlich war der nordwestlich an das Kloster Ebrach anschließende Höhenwald gemeint.

Die fränkische Besiedlung vom 6. bis 10. Jahrhundert erreichte den eigentlichen Steigerwald nur teilweise. Frühe Ansiedlungen entstanden vor allem an Gewässern, etwa in Eltmann. Die stärkere Besiedlung erfolgte später im Hochmittelalter durch den Ausbau bestehender Weiler und Siedlungen. Das Zisterzienserkloster Ebrach, das zum Bistum Würzburg gehörte, spielte bei der Erschließung eine wichtige Rolle.

Um 1000 gehörte ein großer Teil des Gebietes zum Folcfelt beziehungsweise Volkfeld östlich von Volkach und zum Ratenzgowe beziehungsweise Radenzgau. Beide standen unter den Markgrafen von Schweinfurt. Außerdem hatte der Steigerwald Anteil am Iffgau um Scheinfeld und am Ehegau bei Sugenheim. Später wechselten die Besitzverhältnisse häufig. Im Norden besaßen vor allem die Hochstifte Bamberg und Würzburg große Gebietsanteile, im Süden dominierten die Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Auch Adelsfamilien wie die Grafen von Schlüsselfeld, von Schwarzenberg und zu Castell hatten bedeutende Besitzungen. Davon zeugen erhaltene Schlösser, Burgen und Ruinen wie Breitenlohe, Ullstadt, Burgpreppach und Lisberg.

Die heutigen Grenzen wurden nach dem Verschwinden der alten Gaue im 14. Jahrhundert geprägt. 1575 wurden während Verhandlungen des Reichskammergerichts in Speyer Grenzen beschrieben, die vom Zabelstein über Sand, den Main bis Bamberg, weiter zur Aisch, nach Neustadt an der Aisch, Iphofen und Castell zurück zum Zabelstein führten. Diese Grenzvorstellung wurde auch für die fränkische Reichsritterschaft wichtig, die dem Steigerwaldgebiet gegen Ende des 15. Jahrhunderts den Status eines Kantons gab.

Natur, Schutzgebiete und Nationalpark-Debatte

Seit 1988 besteht der Naturpark Steigerwald. Seine Fläche von rund 1.280 km² orientiert sich eng am gleichnamigen Naturraum und reicht in Ober-, Unter- und Mittelfranken hinein. Etwa 675 km² sind Landschaftsschutzgebiet. 512,7 km², also ungefähr 40 % des Naturparks, sind Wald. Die Waldflächen verteilen sich auf Staatswald mit 175,9 km², Bundeswald mit 0,8 km², Körperschaftswald mit 145,5 km² und Privatwald mit 190,4 km². In den Städten und Gemeinden des Naturparks leben etwa 79.700 Menschen, also rund 62 Einwohner je km². Der Naturpark soll Naturschutz, Pflege der Pflanzen- und Tierwelt, die Vielfalt und Schönheit des Landschaftsbildes sowie Erholung fördern.

Weitere Schutzgebiete sind unter anderem die FFH-Gebiete „Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwalds“ und „Vorderer Steigerwald mit Schwanberg“ sowie die Europäischen Vogelschutzgebiete „Oberer Steigerwald“ und „Südlicher Steigerwald“. Bedeutende Naturschutzgebiete sind zum Beispiel Weilersbachtal, Gräfholz und Dachsberge, Spitalgrund-Oberes Volkachtal, Naturwaldreservat Brunnstube, Naturwaldreservat Waldhaus mit Feuchtbereich im Handthalgrund, Halbtrockenrasen am Schwanberg und Naturwaldreservat Zwerchstück. Der Naturwald Knetzberg-Böhlgrund wurde 2020 mit knapp 850 Hektar ausgewiesen und gehört zu den größten Waldschutzgebieten Bayerns. Der Naturwald Kleinengelein ist wegen sehr alter Buchenbestände und einer großen Brutkolonie der Hohltaube bekannt.

Die Idee eines Nationalparks im Steigerwald ist politisch und gesellschaftlich umstritten. Seit 2007 wird besonders über den Hohen Buchener Wald und die Buchenwälder des Nordsteigerwalds diskutiert. Befürworter wie Bund Naturschutz, Verein Nationalpark Steigerwald, LBV, Greenpeace und weitere Organisationen sehen dort große zusammenhängende, naturnahe und wenig zerschnittene Buchenwälder mit hoher biologischer Vielfalt. Gegner, darunter weite Teile von CSU und Freien Wählern, stehen dem Vorhaben skeptisch oder ablehnend gegenüber. Der Bayerische Landtag lehnte 2009 eine Machbarkeitsstudie ab; auch 2015 wurde eine solche Studie im Umweltausschuss verhindert. 2012 lehnte die Staatsregierung die Pläne vorläufig ab, weil aus ihrer Sicht die breite Öffentlichkeit nicht hinter dem Projekt stand. Umfragen zeigten jedoch unterschiedliche beziehungsweise später deutlich positive Werte: 2014 lagen Werte in den Kreisen bei etwa 38 %, 2016 unterstützten laut TNS Emnid mehr als zwei Drittel der örtlichen Bevölkerung das Projekt, 2021 ebenfalls mehr als zwei Drittel der Befragten, und 2023 lag die Zustimmung bei 73 %.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Nördlichen Steigerwaldes ist artenreich. Genannt werden etwa 108 Vogelarten, darunter Mittelspecht, Zwergschnäpper, Halsbandschnäpper, Rotmilan und Sperlingskauz. Besonders hervorgehoben werden über 300 Reviere des Mittelspechts. Außerdem kommen bedeutende Fledermausarten wie Bechsteinfledermaus, Große Bartfledermaus, Kleiner Abendsegler und Mopsfledermaus vor. Die Totholzkäfervielfalt umfasst über 518 Arten, darunter 7 Urwaldreliktarten wie der Eremit Osmoderma eremita. Weitere Arten sind Feuersalamander, Gelbbauchunke, Kammmolch, Springfrosch, Laubfrosch, Wildkatze sowie seltene Pilz- und Schneckenarten.

Klima, Kultur und Wirtschaft

Das Klima ist im Steigerwaldvorland und im angrenzenden Maintal mild. Am Fuß des Steigerwaldtraufs fallen wegen der Staulage etwa 650 mm Jahresniederschlag, im Hohen Steigerwald etwa 850 mm. Nach Osten nehmen die Niederschläge bis auf etwa 600 mm im Regnitztal ab. Durch kontinentale Einflüsse gibt es sehr warme Sommer und recht kalte Winter. Schneehöhen bis 25 cm sind möglich, und der Schnee kann länger liegen bleiben. Für die Jahre 1981 bis 2010 werden zum Beispiel 852 Liter Jahresniederschlag in Fatschenbrunn, 809 in Ebrach und 634 in Bad Windsheim genannt.

Kulturell prägen Bier- und Weinbau die Region. In der Bierkultur haben sich viele kleine Brauereien und Felsenkeller erhalten. Diese Keller dienten ursprünglich der Aufbewahrung regionaler Bierprodukte und sind heute oft Ausflugsziele mit Ausschank und Essen. Bekannte Brauereien sind die Brauerei Loscher und die Brauerei Hofmann.

Der Steigerwald ist außerdem für Frankenweine bekannt, die im Westen der Region seit 918 angebaut werden. Er liegt im Osten des Fränkischen Weinanbaugebiets und umfasst über 1.500 Hektar Rebfläche. Der wichtigste Bodentyp ist wärmespeichernder Gipskeuper. Die Weinberge erreichen Höhen bis nahezu 400 Meter Seehöhe und gelten als die höchstgelegenen fränkischen Weinberge. Häufige Rebsorten sind Müller-Thurgau mit 35 %, Silvaner und Bacchus. Der Bereich ist in neun Großlagen gegliedert: Burgberg, Burgweg, Herrenberg, Kapellenberg, Schild, Schloßberg, Schloßstück, Steige und Zabelstein. Die Bocksbeutelstraße ist eine Ferienstraße in Weinfranken und nach dem typischen Behältnis Bocksbeutel benannt.

Zum Kulturerbe gehören zahlreiche Burgen, Ruinen und Schlösser, darunter Schloss Frankenberg, Schloss Schwanberg, Schloss Schwarzenberg, Schloss Burghaslach, Burgruine Stollburg, Burgruine Hohenlandsberg und Burgruine Zabelstein. Museen wie das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim, das Archäologie-Museum im Fränkischen Freilandmuseum, das Reichsstadtmuseum im Ochsenhof und kleinere Heimat-, Handwerks- und Fahrradmuseen zeigen regionale Geschichte, Alltag und Handwerk.

Tourismus und Verkehr

Die touristische Region Steigerwald reicht über die Grenzen des Naturparks hinaus. Ihre Abgrenzung orientiert sich an den Orten, die im Tourismusverband Steigerwald e. V. organisiert sind. 2013 wurde das Netzwerk Steigerwald als Leader-Kooperationsprojekt gegründet, um Informationen, Aktivitäten und Projekte zu bündeln, die Kommunikation zu verbessern, Kooperationen zu stärken und zum Image der Region beizutragen.

Für 2025 werden 951.334 Ankünfte genannt, das sind 20,1 % mehr als im Vorjahr. Davon waren 811.231 nationale und 140.103 internationale Touristen. Bei den Übernachtungen werden 2.150.362 genannt, ein Plus von 20,5 %. Davon entfielen 1.885.516 auf nationale und 264.846 auf internationale Touristen. Wichtige Tourismusorte waren 2017 unter anderem Geiselwind mit 60.012 Ankünften und 87.987 Übernachtungen sowie Ebrach mit 7.780 Ankünften und 15.934 Übernachtungen.

Wandern spielt eine große Rolle. Genannt werden unter anderem der Steigerwald-Panoramaweg mit 161 km, der Johann-Ludwig-Klarmann-Weg mit 115 km Gesamtlänge und 98 km im Steigerwald, der Kunigundenweg mit 110 km, der Steigerwälder Jakobsweg mit 81 km und der Steigerwald Weinwanderweg mit 43 km. Aussichtspunkte sind zum Beispiel Zabelstein, Iffigheimer Berg, Bullenheim, das Aussichtsplateau auf dem Weigenheimer Kapellberg und der Aussichtsturm am Baumwipfelpfad.

Das Steigerwald-Zentrum in Handthal soll Nachhaltigkeit und Waldbewirtschaftung erlebbar machen. Seine Errichtung wurde 2011 vom Bayerischen Kabinett beschlossen, der Spatenstich erfolgte im September 2012. Der Baumwipfelpfad Ebrach wurde am 19. März 2016 eröffnet. Er ist 1152 m lang, verläuft durchschnittlich 26 m über dem Boden und ist durchgehend barrierefrei. Nach etwa zwei Dritteln erreicht man einen kelchförmigen, überwiegend aus Holz gebauten Aussichtsturm mit Rundblick über die waldreiche Landschaft.

Verkehrlich erschließen die A 70 im Norden, die A 7 im Westen, die A 73 im Osten und die A 3 quer durch Gebirge und Naturpark den Steigerwald. Hinzu kommen die Bundesstraßen 22, 286 und 8. Die Bahnstrecke Fürth–Würzburg quert den Steigerwald von Ost nach West. Die Obere Steigerwaldbahn führt von Frensdorf bis Schlüsselfeld, die stillgelegte Untere Steigerwaldbahn von Schweinfurt entlang des Vorlandes nach Kitzingen wird bezüglich einer Reaktivierung diskutiert und geprüft. Als Touristenroute verläuft die Steigerwald-Höhenstraße in Nord-Süd-Richtung.

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