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Geographie Norwegens

Geographie Norwegens (Norwegen) ... Das Verhalten der Gezeiten ist unterschiedlich zu dem an den südlichen und westlichen Küsten der Nordsee.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage, Ausdehnung und Grenzen
  2. 2. Landschaft, Untergrund und Gebirge
  3. 3. Küste, Fjorde und Inseln
  4. 4. Seen, Flüsse und Klima
  5. 5. Verwaltung und Siedlungsräume
  6. 6. Schutzgebiete

Lage, Ausdehnung und Grenzen

Norwegen liegt im Westen und Norden der Skandinavischen Halbinsel. Seine Geographie wird vor allem durch die Skanden, ausgedehnte Hochebenen wie die Hardangervidda, zahlreiche Fjorde und eine sehr lange, von Inseln gesäumte Küste geprägt. Die Staatsfläche beträgt insgesamt 385.207 km². Davon entfallen 323.810 km² auf das kontinentale Hauptland, 61.022 km² auf die Inselgruppe Svalbard einschließlich Bjørnøya und 377 km² auf Jan Mayen.

Das Hauptland ist lang und schmal: Seine Breite schwankt zwischen 431 und nur 1,7 km. Von Lindesnes im Süden bei 57° 58′ bis Kinnarodden im Norden bei 71° 08′ beträgt die Luftlinie etwa 1748 km. Kinnarodden ist zugleich der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes. Der westlichste Festlandspunkt ist Vardetangen bei 4° 55′ östlicher Länge, der östlichste Kibergsneset bei 31° 3′. Vorgelagerte Inseln reichen jeweils noch weiter nach Westen, Osten, Norden und Süden.

Die Landgrenzen sind zusammen ungefähr 2564 km lang: etwa 1630 km zu Schweden, 736 km zu Finnland und 198 km zu Russland. Im Nordosten liegt die Barentssee, im Nordwesten das Europäische Nordmeer, im Westen und Südwesten die Nordsee und im Südosten das Skagerrak als Verbindung zwischen Nord- und Ostsee.

Zum Königreich gehören außer dem Hauptland Svalbard und Jan Mayen. Davon zu unterscheiden sind Biland genannte abhängige Gebiete unter norwegischer Verwaltung, die nicht Teil des Königreichs sind: die unbewohnte Bouvetinsel im Südatlantik sowie die beanspruchten Gebiete Peter-I.-Insel und Königin-Maud-Land in der Antarktis. Das Königin-Maud-Land reicht von 20° West bis 45° Ost. Die Rechtsstellung dieser Gebiete regelt das Bilandsloven von 1930; ihre Hoheit kann ohne Verfassungsänderung aufgegeben werden.

Landschaft, Untergrund und Gebirge

Norwegen zählt zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Nach der Flächenstatistik von 2025 waren auf dem Hauptland nur 1,7 % der Fläche bebaut und 3,5 % landwirtschaftlich genutzt. 37,8 % waren Wald, 35,9 % offenes Festland, 8,7 % Gebirge oder Geröll, 6,3 % Süßgewässer, 5,4 % Moore und 0,8 % Firn, Eis oder Gletscher. Etwa 20 % des Hauptlandes liegen mindestens 900 Meter über dem Meeresspiegel (moh.), weitere 19,5 % mindestens 600 moh.; nur 31,7 % liegen unter 300 moh.

Geologisch wird Norwegen grob in vier Bereiche gegliedert. Zum Baltischen Schild gehört das präkambrische Grundgebirge; die ältesten Gesteine in Sør-Varanger sind bis zu 2900 Millionen Jahre alt. Hinzu kommen der am Ende des Silurs entstandene kaledonische Gebirgsgürtel, devonischer Untergrund vor allem in Vestlandet und Trøndelag sowie der jüngere Oslograben, norwegisch Oslofeltet.

Die heutige Oberfläche entstand wesentlich durch Vergletscherung während der Kaltzeiten. Gletscher verstärkten die Erosion, formten u-förmige Trogtäler und vertieften Flusstäler an der Küste zu Fjorden. Viele Binnenseen entstanden ebenfalls durch Gletscher oder Eisschilde und sind sogenannte Fjordseen.

Fast das gesamte Festland wird von den Skanden eingenommen. Die höchsten Berge Norwegens und ganz Skandinaviens liegen in Jotunheimen. Höchster Gipfel ist der Galdhøpiggen mit 2469 moh., gefolgt von Glittertind und Store Skagastølstind. Insgesamt erreichen 26 Erhebungen mehr als 2286 moh. Berge über 2000 moh. liegen in Jotunheimen, Dovrefjell, Rondane, Breheimen und Reinheimen; nach Norden sinken die Höhen. Im Königin-Maud-Land erreicht die Jøkulkyrkja 3148 m. Norwegen besitzt 1627 Gletscher und 2113 Teilgletscher mit zusammen 2609 km² Fläche. Die meisten liegen auf der dem Wind zugewandten Luvseite der Skanden nahe der Atlantikküste.

Küste, Fjorde und Inseln

Norwegens Küste ist felsig, stark gegliedert und für die Besiedlung besonders wichtig: Etwa 80 % der Bevölkerung leben weniger als zehn Kilometer vom Meer entfernt. Seit der 2020 abgeschlossenen Zusammenlegung mehrerer Provinzen ist Innlandet das einzige Fylke ohne Meereszugang. Regional reichen die Küstenformen von steilen Klippen wie am Nordkap über geschützte Sandstrände, etwa in Rogaland, bis zu Schären. Inseln, Holme und Schären bilden vor dem Festland eine natürliche Barriere gegen Wind und Wellen.

Fjorde sind tief ins Land reichende, meist von Gletschern ausgeformte Meeresarme. Sie verlängern die Küstenlinie erheblich: Die Festlandküste ist etwa 29.000 km lang, mit den Inseln erreicht die Küste des Hauptlandes über 100.000 km. Die Grundlinie ohne Fjorde und Inseln misst dagegen nur ungefähr 2500 km. Weil viele Flüsse Süßwasser zuführen, bestehen die oberen fünf bis zehn Meter eines Fjords meist aus Brackwasser, also einer Mischung aus Salz- und Süßwasser.

Der etwa 200 km lange Sognefjord ist Norwegens längster und mit rund 1300 m auch tiefster Fjord. Es folgen der etwa 180 km lange Hardangerfjord und der rund 130 km lange Trondheimfjord. Die meisten Fjorde sind 300 bis 500 m tief. Am Oslofjord liegt die am dichtesten besiedelte Region. Geirangerfjord und Nærøyfjord gehören als archetypische Fjordlandschaften zum UNESCO-Welterbe.

Die Zahl der Inseln hängt von der Messweise ab. Kartverket ermittelte 2011 rund 239.000 Inseln und etwa 81.000 Schären. Als Insel galten grundsätzlich von Wasser umgebene Landflächen ab 10 m²; Flächen zwischen 5 und 10 m² wurden je nach Form als Insel oder Schäre gezählt. Die größten Inseln des Hauptlandes sind Hinnøya mit 2204 km², Senja mit 1589 km² und Langøya mit 866 km². Nördlich des Polarkreises liegen die Inselgruppen Lofoten und Vesterålen.

Auch die Gezeiten unterscheiden sich regional. Westlich von Egersund liegt eines der drei Amphidromiezentren der Nordsee, an dem kein Tidenhub auftritt. Daher ist der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser auch an der nahen Südwest- und Südostküste gering. Nach Norden nimmt er zu; ab Stad prägt eine nach Norden laufende Kelvinwelle aus dem Atlantik die Gezeiten. Die Lofoten bremsen diese Welle. Der Tidenhub beträgt in Mandal etwa 0,5 m, in Vadsø dagegen rund 3,97 m.

Seen, Flüsse und Klima

Süßwasserseen bedecken 17.900 km². Der größte Binnensee ist der Mjøsa in Innlandet mit 369,2 km², gefolgt vom Røssvatnet mit 218,2 km² und dem Femunden mit 203,4 km². Das Hornindalsvatnet, ein vom Nordfjord abgetrennter See, ist mit 514 m der tiefste See des Hauptlandes; Mjøsa erreicht 468 m und Salvatnet 464 m. In Hole nehmen Seen 30 % der Gemeindefläche ein. Die größte absolute Seefläche einer Kommune besitzt Kautokeino mit rund 704 km².

Die längsten Flüsse sind Glomma, Tana und Pasvikelva. Die etwa 620 km lange Glomma mündet bei Fredrikstad in den Oslofjord; ihr Einzugsgebiet umfasst mehr als 12 % des Hauptlandes. Ein Einzugsgebiet ist die Fläche, aus der Wasser einem Fluss zufließt. Weil die höchsten Teile der Skanden nahe der Westküste liegen, verläuft dort auch die Hauptwasserscheide. Westwärts fließende Flüsse sind deshalb meist kürzer und steiler als ostwärts fließende. Das starke Gefälle erzeugt zahlreiche hohe Wasserfälle; der höchste des Landes ist der Vettisfossen.

Das Klima unterscheidet sich deutlich nach Region. Abgesehen von den kühlgemäßigten Küstengebieten Südnorwegens liegt der größte Teil des Landes in der kaltgemäßigten Zone. Der Nordatlantikstrom macht das Klima milder als in anderen Gebieten gleicher Breite. Die Skanden besitzen alpine und nivale, also von lang anhaltendem Schnee und Eis geprägte, Klimate. Von Troms bis Oslo herrscht an der Küste ein sehr feuchtes Seeklima mit Steigungsregen und relativ milden Wintern. Westwinde bringen warme Meeresluft.

Im durch die Gebirge abgeschirmten Landesinneren ist das Klima kontinentaler: Es fällt weniger Niederschlag, die Sommer sind wärmer und die Winter deutlich kälter. Die jährlichen Temperaturschwankungen sind daher größer als an der Westküste. An einigen Küstenorten fallen im Mittel über 3000 mm Niederschlag pro Jahr, östlich der Gebirge örtlich weniger als 300 mm.

Die globale Erwärmung erhöht Temperatur und Niederschlag. 2020 war bis dahin das wärmste gemessene Jahr. Gegenüber dem Mittel von 1961 bis 1990 lag die Jahresmitteltemperatur landesweit 2,4 °C und auf Spitzbergen 3,3 °C höher. Von 1900 bis 2020 stieg der durchschnittliche Jahresniederschlag um etwa 20 %. Erwartet werden unter anderem mehr Überschwemmungen und Erdrutsche.

Verwaltung und Siedlungsräume

Seit dem 1. Januar 2024 ist das Hauptland in 15 Provinzen, die Fylker, eingeteilt. Traditionell werden sie zu fünf Landesteilen zusammengefasst. Außer Oslo sind alle Fylker in mehrere Kommunen unterteilt. Die Zahl der Fylker änderte sich mehrfach: 2017 waren es 19, von 2020 bis 2023 elf und seit 2024 wieder 15. Flächenmäßig reicht die Spannweite von Oslo mit 454 km² bis Innlandet mit 52.072 km²; Finnmark umfasst 48.638 km².

Für Siedlungen verwendet die Statistikbehörde Statistisk sentralbyrå den Begriff Tettsted. Das ist eine zusammenhängende städtische Siedlung mit mindestens 200 Einwohnern, unabhängig von Gemeindegrenzen. Ein Tettsted kann daher mehrere Kommunen oder mehrere Orte mit Stadtstatus umfassen. 2026 lebten 83,45 % der Bevölkerung in einem Tettsted.

Der mit Abstand größte Ballungsraum ist der Tettsted Oslo. Am 1. Januar 2026 hatte die Kommune Oslo 728.714 Einwohner, der über ihre Grenzen hinausreichende Tettsted jedoch 1.119.478. Dazu wurden unter anderem 131.766 Einwohner aus Bærum und 74.909 aus Asker gerechnet. Danach folgten Bergen mit 274.589, Stavanger/Sandnes mit 244.378, Trondheim mit 202.397, Drammen mit 126.230 und Fredrikstad/Sarpsborg mit 123.608 Einwohnern.

Schutzgebiete

Zu Beginn des Jahres 2026 besaß Norwegen 48 Nationalparks. Die größten liegen auf Spitzbergen. Auf dem Hauptland ist der Hardangervidda-Nationalpark mit 3445 km² der größte. Danach folgen Saltfjellet-Svartisen mit 2192 km², Reinheimen mit 1973 km², Blåfjella-Skjækerfjella mit 1968 km² und Dovrefjell-Sunndalsfjella mit 1829 km². Weitere große Schutzgebiete sind Varangerhalvøya mit 1818 km², Breheimen mit 1697 km², Børgefjell mit 1451 km², Anárjohka mit 1414 km² und Jostedalsbreen mit 1313 km².

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