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Gebirge
Ein Gebirge ist eine komplexe Landschaftsform der Erde, die durch eine aus der Tiefebene deutlich herausragende Massenerhebung der Erdoberfläche sowie …
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Was ein Gebirge ist
Ein Gebirge ist eine komplexe Landschaftsform der Erde. Es besteht aus einer Massenerhebung, die deutlich aus der Tiefebene herausragt, und aus Geländeformen mit unterschiedlichen Hangneigungen, Expositionen und Reliefformen. Die Exposition beschreibt dabei unter anderem den Einfallswinkel des Sonnenlichts sowie Sonnen- und Schattenhänge. Gebirge gehören zu den großen Landformen des Makroreliefs der Erde.
Grundsätzlich unterscheidet man Mittelgebirge und Hochgebirge. Mittelgebirge haben eher gerundete Gipfel, nur örtlich offenen Fels und eine Vegetation, die sich nur allmählich von der Tiefebene unterscheidet. Hochgebirge besitzen eher schroffe Gipfel, landschaftsprägende Felsregionen und deutlich andere Vegetationsformen als ihr Umland. Eine allgemein gültige Grenze anhand der Höhe über dem Meeresspiegel gibt es nicht, weil die regionalen Verhältnisse entscheidend sind. Ältere Definitionen nannten für Gebirge der gemäßigten Zone 1500 m als Untergrenze des Hochgebirges, etwa bei Norbert Krebs und Alfred Philippson.
Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet Gebirge entweder eine mehr oder weniger verbundene Gruppe von Bergen beziehungsweise einen Gebirgszug oder eine gebirgige Region, ein Gebirgsland. „Berg“ bezeichnet meist einen einzelnen Gipfel oder eine Kammlinie, wird regional aber unterschiedlich verwendet. Der Wilseder Berg ist mit 169 m ü. NHN der höchste Punkt in der Umgebung Lüneburgs, würde in Alpenländern jedoch eher als Hügel gelten. Hochplateaus wie Tibet oder der Altiplano gelten insgesamt nicht als Gebirge, weil ihre Höhenunterschiede gering sind. Auch eine Steilküste kann trotz geringer Höhe über dem Meeresspiegel gebirgig wirken.
In der Geologie bezeichnet der Gebirgsfuß oder Gebirgsrumpf das Grundgebirge. Bei jüngeren Gebirgen wird dieses häufig vom Deckgebirge überlagert und bis in große Tiefen, teilweise bis zur Moho, gedrückt. Der englische Ausdruck „Mountains“ entspricht lediglich dem Plural von „Berge“; „Mountain range“ bedeutet „Bergkette“ und wird dennoch oft im Sinn von Gebirge verwendet.
Gebirgsbildung und Gebirgsformen
Geologisch sind Gebirge vor allem langgezogene Bänder deformierter Gesteine. Sie entstehen überwiegend durch gegeneinander drückende Lithosphärenplatten, besonders an Plattengrenzen, teilweise aber auch durch Spannungsübertragung in größerer Entfernung. Durch Überschiebungen werden Gesteinsdecken abgeschert und aufeinander geschoben. Je stärker und länger die Druckeinwirkung andauert, desto höher wird die Erdkruste gehoben und desto mehr parallel verlaufende Gebirgsstränge können entstehen. Zwischengebirge bestehen oft aus kompakten Hochebenen, während jüngere Randketten stärker zerklüftet sind und sich deutlich von den Tiefebenen abheben.
Gebirgsbildungen traten in mehreren Epochen der Erdgeschichte auf. Auf Hebungen folgte jeweils Abtragung bis zur weitgehenden Einebnung. Die heutigen Gebirge sind daher vor allem von der jüngsten Entstehungsphase, der alpidischen Orogenese, geprägt. Ältere Rumpfgebirge wurden meist erneut herausgehoben. Die Auffaltung mancher Hochgebirge ist noch nicht abgeschlossen. Im Pleistozän waren praktisch alle Gebirge stark von Vereisungen betroffen; ihre heutige Gestalt erklärt sich deshalb nicht allein aus dem gegenwärtigen Klima. In einigen tektonisch aktiven Gebieten sind die Hebungen größer als die Abtragung durch Erosion und Denudation.
Typische Gebirgsgesteine sind metamorphe Gesteine wie Gneis und magmatische Gesteine wie Granit. Beide besitzen einen für die kontinentale Kruste typischen hohen Siliziumgehalt.
Nach ihrer Form unterscheidet man unter anderem:
- Gratgebirge mit verästelten Kammlinien, zum Beispiel Taunus und Salzburger Schieferalpen.
- Kammgebirge mit einer einzigen Hauptkammlinie, zum Beispiel Riesengebirge und Bachergebirge.
- Kettengebirge mit mehreren parallel gestaffelten Kämmen, zum Beispiel die Alpen.
- Kuppengebirge mit unregelmäßig aufragenden Gipfeln aus einem gemeinsamen Gebirgsfuß, zum Beispiel Frankenwald und Randgebirge der Alpen.
- Massengebirge mit einer geschlossenen Erhebung ohne erkennbare Hauptrichtung, zum Beispiel Harz und Französisches Zentralmassiv.
- Plateaugebirge mit erhaltenem Fuß, aber ohne deutliche Kammlinie und mit wenig Gipfelbildung, zum Beispiel Schwäbische Alb.
- Rumpfgebirge, von denen nur eine erhobene Hügellandschaft übrig ist, zum Beispiel die Böhmische Masse.
- Schilde, also alte, nicht mehr als Gebirge erkennbare Gebirgsrümpfe in Form von Tafelländern, zum Beispiel der Baltische Schild.
- Inselberge, die sich unvermittelt aus einer Ebene erheben, zum Beispiel Zuckerhut und Uluru.
Nach Entstehung und innerem Aufbau gibt es tektonische Gebirge, darunter Deckengebirge durch starken seitlichen Schub, Faltengebirge durch plastische Verformung von Gesteinsschichten, Bruchfalten- oder Bruchschollengebirge durch Faltung und Zerbrechen sowie Block-, Bruch- und Schollengebirge durch reine Bruchtektonik. Vulkanische Gebirge entstehen durch das Zusammenwachsen mehrerer Eruptionsherde oder aus einer einzelnen harten Ergussmasse. In Großgebirgen können verschiedene Formen miteinander verbunden sein; die Alpen zeigen beispielsweise zahlreiche Kleinformen infolge ihrer Faltungs- und Überschiebungsgeschichte.
Bedeutung für Klima, Natur und Menschen
Gebirge wirken als Barrieren und beeinflussen dadurch Klima, Wetter, Natur und menschliche Lebensräume. Ihre Höhe und Ausdehnung bestimmen unter anderem die Niederschlagsverteilung. Europa wird durch die von Ost nach West verlaufenden Alpen und Karpaten weitgehend vor extremen Wetterlagen geschützt, die in Nordamerika durch den ungehinderten Luftaustausch zwischen Norden und Süden häufiger auftreten können. In der Westwindzone beeinflussen meeresnahe Gebirge mit Nord-Süd-Verlauf, etwa Rocky Mountains, Skanden, Süd-Anden und Neuseeländische Alpen, die feuchtere westliche und trockenere östliche Gebirgsabdachung.
Mit zunehmender Höhe sinkt die Lufttemperatur. Zusammen mit Niederschlag, Abfluss und Bodenverhältnissen entstehen höhenabhängige Wachstumsbedingungen und eine Abfolge von Vegetations- und Höhenstufen: von der planaren Ebene über das kolline Hügelvorland und die häufig bewaldete montane Mittelgebirgsstufe bis zur subalpinen Zone zwischen Wald- und Baumgrenze und zum waldfreien alpinen Hochgebirge. Oberhalb der Waldgrenze folgen die geomorphologischen Stufen periglazial, nival und glazial, die Kältewüsten sowie praktisch unbelebte Schnee- und Eisregionen umfassen. Diese Abfolge ähnelt den globalen Klima- und Vegetationszonen von den Tropen zu den Polen, unterscheidet sich aber wegen anderer Jahres- und Tagesgänge der Temperatur sowie der Sonneneinstrahlung.
Die enge Nachbarschaft unterschiedlicher natürlicher Bedingungen macht viele Gebirge zu Zentren biologischer Vielfalt. Sie beeinflussen die Evolution durch räumliche Trennung von Populationen, die als Refugialraum wirken kann, und durch die Auslese besonders angepasster Lebewesen. Außerdem prägen sie biogeographische Regionen. Die Alpen verhinderten beispielsweise nach der letzten Eiszeit die Entwicklung einer großen Waldartenvielfalt wie in Nordamerika und Ostasien. Gebirge beeinflussten auch die Ausbreitung des Menschen. Auf engem Raum konnten sich dort zudem viele Sprachen, Ethnien und Kulturareale entwickeln; als Beispiel nennt der Artikel die Papua-Sprachen im gebirgigen Neuguinea.
Gebirge liefern wichtige Rohstoffe, etwa Marmor aus dem Apennin, Tannen aus dem Schwarzwald für Schiffsmasten und die heute technologisch unverzichtbaren Seltenen Erden. Die Bewohner entwickelten angepasste Wirtschaftsformen, beispielsweise Wander-Viehwirtschaft zwischen Berg und Tal und die Nutzung von Almen als zusätzliche Weideflächen.
Ausdehnung und weltweite Verteilung
Gebirge kommen von den Polarregionen bis in die Tropen vor. 37,4 % der Landoberfläche der Erde liegen zwischen 1000 und 2000 m Höhe über dem Meeresspiegel. Die größten Gebirge befinden sich im Westen des amerikanischen Doppelkontinents, in einem zusammenhängenden Gebirgsbogen von Südwest-, Zentral- und Südasien bis Ostasien, im Mittelmeerraum und in Ostafrika.
Der längste oberirdische Gebirgszug wird von Anden und Rocky Mountains gebildet. Die amerikanischen Kordilleren reichen etwa 15.000 km von Alaska bis Feuerland. Auch die Gebirge Eurasiens bilden eine ähnlich lange, allerdings stark gegliederte Gebirgskette, die fast gleichzeitig durch die alpidische Geodynamik entstand.
Im Meer gibt es lange Gebirgszüge, die mittelozeanischen Rücken. Der Mittelatlantische Rücken liegt beispielsweise an der Grenze der Kontinentalplatten von Amerika sowie Europa und Afrika. Venus und Mars besitzen dagegen kaum vergleichbare Bergketten, sondern eher einzelne Massive, was mit ihrer unterschiedlichen Gebirgsbildung zusammenhängt.
Wichtige Gebirge nach Regionen
Gebirge werden bei kleinen Maßstäben meist auf physischen Karten, bei großen Maßstäben auf topografischen Karten dargestellt. Moderne, auf Satellitendaten beruhende Kartenmodelle nutzen häufig das Makrorelief, das vor allem relative Höhen und Hangneigungswinkel berücksichtigt.
In Europa zählen unter anderem das Skandinavische Gebirge, die Pyrenäen, das Kantabrische und Iberische Gebirge, die Betische Kordillere mit der Sierra Nevada, der Apennin, das Dinarische Gebirge, das Balkangebirge, die Karpaten mit der Tatra, die mitteleuropäische Mittelgebirgsschwelle mit den Sudeten und dem Riesengebirge, Schwäbische Alb, Schwarzwald, Vogesen, Alpen, Jura, Zentralmassiv, Ural und Kaukasus dazu. Weitere wichtige Inselgebirge liegen auf Korsika, Sardinien, Kreta und Zypern.
In Afrika werden Atlas, Hochland von Abessinien, Kilimandscharo, Mount-Kenya-Massiv, Ruwenzori-Gebirge und die Große Randstufe mit den Drakensbergen genannt. Zu den bedeutenden Gebirgen Asiens gehören Ural, Altai, Stanowoihochland, Ostsibirisches Bergland, Japanische Alpen, Taurus, Kaukasus, Elburs, Zagros und Kuhrud sowie in Hochasien Tian Shan, Pamir, Kunlun, Hindukusch, Karakorum, Transhimalaya, Himalaya und Hengduan Shan.
In Ozeanien liegen das Maokegebirge mit dem Puncak Jaya, die Great Dividing Range mit den Australischen Alpen und die Neuseeländischen Alpen. Nordamerika und Mittelamerika umfassen unter anderem Appalachen, Aleutenkette, Amerikanische Kordilleren, Alaskakette, Wrangell Mountains, Eliaskette, Coast Mountains, Kaskadenkette, Sierra Nevada, Rocky Mountains sowie die Sierra Volcánica Transversal und Sierra Madre de Chiapas. In Südamerika sind vor allem Anden, Bergland von Guayana und Brasilianisches Bergland wichtig. Für die Antarktika werden Ellsworthgebirge mit Mount Vinson und das Transantarktische Gebirge genannt.
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