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Geografie der Mark Brandenburg

Die Geografie der Mark Brandenburg beschreibt die naturräumlichen Merkmale und Strukturen auf dem Territorium der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Historischer Raum und Ausdehnung
  2. 2. Relief und Landschaftstypen
  3. 3. Böden und landwirtschaftliche Nutzung
  4. 4. Flüsse, Seen und Wasserwege

Historischer Raum und Ausdehnung

Die Geografie der Mark Brandenburg beschreibt die naturräumlichen Merkmale und Strukturen des Territoriums der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mark Brandenburg aus historischer Perspektive. Die Mark lag im Norden Mitteleuropas und war im Vergleich zum heutigen Bundesland Brandenburg stark in West-Ost-Richtung ausgedehnt. Zwischen Salzwedel im Westen und Schivelbein im Osten lagen über 400 Kilometer.

Für das Jahr 1571 werden folgende historischen Teilgebiete angegeben: Die Altmark umfasste 82 Quadratmeilen beziehungsweise 4.510 km², die Mittelmark 250 Quadratmeilen beziehungsweise 13.750 km², die Uckermark 68 Quadratmeilen beziehungsweise 3.740 km² und die Prignitz 61 Quadratmeilen beziehungsweise 3.355 km². Zusammen bildeten sie die Kurmark mit 461 Quadratmeilen beziehungsweise 25.355 km². Einschließlich der Neumark mit 220 Quadratmeilen beziehungsweise 12.100 km² ergab sich für die Mark Brandenburg eine Fläche von 681 Quadratmeilen beziehungsweise 37.455 km².

Damit gehörte die Mark seit dem 16. Jahrhundert zu den flächenmäßig größten Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Sie war etwa so groß wie das Kurfürstentum Sachsen mit rund 35.000 km², größer als das Herzogtum Bayern im Jahr 1801 mit 32.450 km² und etwas kleiner als das 1741 vergrößerte Kurhannover mit 38.500 km².

Die Ausdehnung entstand schrittweise aus den askanischen Stammlanden, die später Altmark genannt wurden. Die Markgrafen erweiterten ihr Gebiet mit friedlichen und kriegerischen Mitteln nach Osten. Nach dem Erwerb der Mark Lausitz, der späteren Niederlausitz, in den Jahren 1302/1304 sowie der Länder Budissin und Görlitz, der späteren Oberlausitz ohne den südlichen Teil, nach 1233, wurde die größte Ausdehnung erreicht. Das Lausitzer Bergland im Süden und die Ostsee im Norden, dort durch das halbe Ländchen Wolgast von 1230 bis 1250, waren nur zeitweilige geografische Barrieren. Dauerhafte natürliche Grenzen bildete die Mark nicht aus; nach dem Ende der Askanier-Zeit verkleinerte sich das Territorium wieder.

Im Jahr 1350 grenzten unter anderem Mecklenburg, Pommern, der Deutschordensstaat, Polen, Schlesien, Sachsen-Wittenberg, die Lausitz, Anhalt, Erzmagdeburg und Braunschweig-Lüneburg an Brandenburg. Die Namen, Ausdehnungen und Anzahlen der Nachbarländer änderten sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte. Die Mark lag am peripheren Nordostrand des Reiches im Übergangsraum nach Ostmitteleuropa und wurde lange nicht als einheitliche Region wahrgenommen. Bis ins 16. Jahrhundert hatten die Bewohner nur eine vage Vorstellung von ihrer räumlichen und politischen Beschaffenheit.

Relief und Landschaftstypen

Naturräumlich gehörte die Mark Brandenburg zum Mitteleuropäischen Tiefland, einer Ebene, die sich von den Niederlanden bis in den Norden des heutigen Polen erstreckt. Das Landschaftsbild war dennoch vielfältig. Historische Berichte betonten häufig Sand, Ebenheit, Sümpfe, Wälder und unkultivierte Flächen. Große Teile waren von Birken- und Kiefernwäldern bedeckt. Die Landschaften der Mittelmark und der Uckermark galten als karg, während die Altmark und das Havelland fruchtbarer waren und intensiven Getreideanbau ermöglichten.

Das Relief wurde vor allem durch das bis heute andauernde Quartäre Eiszeitalter geprägt. Im Altmoränengebiet hatten die Elster- und Saale-Kaltzeiten viel Zeit für eine periglaziale Nivellierung und Überformung gelassen. Das Jungmoränengebiet der Weichsel-Kaltzeit bewahrte dagegen viele unmittelbar vom Eis abgelagerte oder gebildete Formen. Dazu gehörten zahlreiche Hohlformen, Seen und ein unübersichtliches Gewässernetz. An der Oberfläche treten außerdem ältere Gesteinsschichten hervor: der Sperenberger Gipsberg aus dem Zechstein, etwa 250 Millionen Jahre alt, und der Rüdersdorfer Kalkberg aus dem Muschelkalk, etwa 240 Millionen Jahre alt.

Eine wichtige glaziale Serie verbindet vier Grundformen: Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal. Ein Urstromtal ist ein durch Schmelzwasser am Rand des zurückweichenden Eisschilds entstandenes Tal. In der Mark Brandenburg gibt es eine weltweit einmalige Häufung solcher Täler: das Glogau-Baruther, Warschau-Berliner, Thorn-Eberswalder, Netze-Randow- und Pommersche Urstromtal.

Die wichtigsten idealtypischen Landschaftstypen sind:

  • Grundmoränen besaßen meist fruchtbare Böden. Flachwellige Bereiche eigneten sich für den Ackerbau, kuppige Bereiche eher für die Tierhaltung. Oser, langgestreckte wallartige Aufschüttungen, durchzogen manche Felder. Sölle, kleine wassergefüllte Hohlformen, speicherten Wasser und bildeten ökologische Nischen, erschwerten aber die Feldarbeit. Auf der Nauener Platte wurden beispielsweise Weizen und Zuckerrüben angebaut.

  • Endmoränen bilden langgestreckte Hügelketten. Im Nordosten lagen dort Sölle, kleine Seen und Kesselmoore. Wegen der oft flachgründigen oder fehlenden Geschiebemergel- und Geschiebelehmdecke eigneten sich diese Gebiete eher für Hutewälder oder Forsten als für intensiven Ackerbau. Die Rauenschen Berge und die von Eis verfrachteten Markgrafensteine zeugen von der Kraft des Eisschilds.

  • Sanderlandschaften sind flach geneigte Ablagerungsflächen aus Sanden und Kiesen, die durch Schmelzwasser entstanden. Ihre Böden waren sehr ertragsarm und für Ackerbau ungeeignet. Sie prägten den Ruf Brandenburgs als „Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches“. Unter bestimmten Bedingungen entstanden dort Rinnenseen oder durch Toteis erhaltene steile Hänge.

  • Große Niederungen umfassen breite Urstromtäler und kürzere glaziale Rinnen. Sie bilden ein gitterartiges Netz mit unterschiedlich ausgeprägten Talhängen und teilweise Terrassen. Viele Niederungen waren sehr fruchtbar, mussten für die Landwirtschaft aber durch Entwässerung, Eindeichung, Melioration und Wasserregulierung nutzbar gemacht werden. Die Wische und Lenzer Wische an der Elbe wurden bereits im Hochmittelalter entwässert und eingedeicht. Die umfassende Umgestaltung des Oderbruchs begann 1748–1753 mit der teilweisen Verlegung der Oder. Flussauen bildeten sich besonders an Elbe, Oder, Warthe und Netze. Neben natürlichen Mooren führten auch Mühlenstaue zu menschengemachter Vermoorung.

  • Beckenlandschaften entstanden, wenn Endmoränen Grundmoränengebiete umschlossen. Sie enthielten häufig Zungenbeckenseen, sandige Ablagerungen, Drumlins, kleinere Moore sowie Kessel- und Toteisseen. Ein Beispiel ist der Rheinsberger See im gleichnamigen Seengebiet.

Diese Landschaftstypen sind idealisiert. In der Wirklichkeit kamen sie meist in Kombination vor und waren bei geringen Reliefunterschieden nur für geübte Beobachter klar zu erkennen. Zu den historisch und naturräumlich geprägten Landschaften zählten unter anderem Altmark, Barnim, Fläming, Havelland, Land Jerichow, Land Lebus, Neumark, Niederlausitz, Prignitz, Land Ruppin, Land Sternberg, Teltow, Uckermark und Zauche. Landschaft und Verwaltungseinheit sind dabei nicht gleichzusetzen: Die Schorfheide gehörte naturräumlich zur Uckermark, verwaltungsmäßig zeitweise jedoch zum Barnim. Außerdem gehörten die genannten Landschaften nie vollständig und dauerhaft zur Mark Brandenburg.

Böden und landwirtschaftliche Nutzung

Die verschiedenen eiszeitlichen Ablagerungen führten zu einer großen Bandbreite an Bodenarten, vor allem Talsanden, Lehmböden und hohen Sanden. Die Ertragsfähigkeit reichte von extrem nährstoffarm und unfruchtbar bis sehr fruchtbar. Die Bezeichnung „Streusandbüchse“ beschreibt die Mark daher nur teilweise.

In der Altmark dominierten nährstoffarme sandige und lehmige Böden. Im mittleren Brandenburg, besonders im Havelland und in der Zauche, überwogen nährstoffarme Sandböden. Auf Höhenzügen herrschte bis zu einer Höhe von etwa 100 Metern im Allgemeinen fruchtbarer Lehmboden vor. Ein wichtiges Exportgut war Berliner Roggen. Oberhalb von etwa 100 Metern dominierten geröllhaltige hohe Sande, auf denen sich die vorherrschende Landwirtschaft zunächst nicht lohnte.

Die hohen Sandflächen wurden deshalb bei den gezielten Rodungen des 13. Jahrhunderts zunächst weitgehend ausgespart. Dort blieben Kiefern und Heidekraut verbreitet. Als nach etwa 1300 die verfügbaren Anbauflächen knapper wurden, entstanden auch auf diesen Höhenzügen Siedlungen. In der Zeit der Wüstungen ab etwa 1350 fielen diese Dörfer wegen ihrer geringen Erträge als erste wieder wüst. Talsandböden waren ebenfalls wenig ertragreich. Erst ab dem 18. Jahrhundert wurden sie durch Meliorationsmaßnahmen teilweise in Wiesen und Weiden umgewandelt.

Flüsse, Seen und Wasserwege

Die beiden großen Ströme Elbe und Oder teilen das historische Gebiet der Mark Brandenburg in drei Hauptteile. Zugleich ermöglichten sie den Zugang zum Nordsee- und Ostseeraum. Zwischen Elbe und Oder verläuft die Nordsee-Ostsee-Wasserscheide, also die Grenze zwischen den Einzugsgebieten beider Meere.

Zu den weiteren wichtigen Flüssen gehören Havel, Spree und Dahme, Warthe, Netze und Drage sowie Uecker. Das natürliche Gewässernetz wurde durch mehrere Kanäle ergänzt, die die Wasserstraßen miteinander verbanden. Der Finowkanal gilt als älteste noch betriebene künstliche Wasserstraße Deutschlands.

Gewässer prägten nicht nur die Gliederung der Landschaft, sondern auch ihre Nutzung. Besonders die großen Niederungen und Flussauen mussten durch Entwässerung, Eindeichung und Regulierung für die Landwirtschaft verändert werden. Teile des Warthebruchs stehen im 2001 gegründeten Nationalpark Warthemündung, dem Park Narodowy Ujście Warty, unter Naturschutz.

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