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Gemeinschaftskunde
Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Politik und Wirtschaft oder Politik sind in den deutschen Bundesländern unterschiedliche Bezeichnungen für ein …
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Gegenstand und Bedeutung
Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Politik und Wirtschaft oder Politik sind unterschiedliche Bezeichnungen für ein Schulfach der politischen Bildung. Es vermittelt Kenntnisse über Gesellschaft, politisches System sowie Wirtschafts- und Rechtsordnung. Schülerinnen und Schüler sollen gesellschaftliche und politische Zusammenhänge verstehen und zugleich wirtschaftliche und rechtliche Grundkenntnisse erwerben.
Die konkrete Bezeichnung, die Verbindung mit anderen Fächern und der Umfang des Unterrichts unterscheiden sich regional. In Deutschland besteht das Fach in verschiedenen Formen an allgemeinbildenden Schulen. Österreich und die deutschsprachige Schweiz integrieren seine Inhalte überwiegend in andere Unterrichtsfächer und haben die politische Bildung in neueren Lehrplänen gestärkt.
Politische Bildung in Deutschland
Die westdeutsche Kultusministerkonferenz (KMK) beschloss 1950 Grundsätze zur politischen Bildung. Sie verstand diese als Unterrichtsprinzip für alle Schularten und Fächer. Besondere Fachstunden wurden ab der 7. Klasse empfohlen; die Inhalte durften aber auch in Geschichte oder in ein Verbundfach integriert werden. Die Umsetzung erfolgte nur allmählich.
Politische Bildung gehört zu den im Grundgesetz festgehaltenen staatlichen Aufgaben. Daraus folgt jedoch nicht zwingend, dass ein eigenständiges Unterrichtsfach eingerichtet werden muss. Nur in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg besitzt politische Bildung als Unterrichtsfach Verfassungsrang. Insgesamt gilt ihre Stellung im deutschen Schulwesen als schwach.
In der Grundschule bildet politische Bildung eine Perspektive des Sachunterrichts. In der gymnasialen Oberstufe gehört Gemeinschaftskunde zusammen mit Geschichte und Erdkunde zum gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld. In vielen Bundesländern muss es zwei oder vier Halbjahre lang belegt werden.
In der DDR wurde 1951 das Fach Gegenwartskunde eingeführt. Ab 1957 bestand Staatsbürgerkunde als Instrument der politischen Erziehung.
Bezeichnungen und Fachverbindungen
Die Länder regeln Bezeichnungen und Inhalte unterschiedlich. Nach dem Stand von 2007 kommen unter anderem folgende Formen vor:
• Baden-Württemberg: Gemeinschaftskunde sowie Verbundfächer wie Geographie-Wirtschaft-Gemeinschaftskunde (GWG), Erdkunde-Wirtschaftskunde-Gemeinschaftskunde (EWG), Welt-Zeit-Gesellschaft (WZG) und Wirtschaft-Arbeit-Gesundheit (WAG). • Bayern: Sozialkunde, Wirtschaft und Recht oder Politik und Gesellschaft. • Berlin und Brandenburg: Gesellschaftswissenschaften in den Klassen 5 und 6, danach Politische Bildung; in der gymnasialen Oberstufe unter anderem Politik-, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften. In Berlin hieß das Fach bis 2005 Politische Weltkunde (PW). • Bremen, Hamburg und Hessen: unter anderem Politik, Gemeinschaftskunde beziehungsweise Politik/Gesellschaft/Wirtschaft (PGW) und Politik und Wirtschaft (PoWi), ergänzt durch Rechtskunde, Soziologie oder Wirtschaftsfächer. • Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Sozialkunde beziehungsweise Politik, teilweise zusammen mit Wirtschaft und Recht. • Nordrhein-Westfalen: Gesellschaftslehre, Politik-Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Recht. • Rheinland-Pfalz: Sozialkunde in verschiedenen Schulformen; teilweise als Gemeinschaftslehre gemeinsam mit Geschichte und Erdkunde oder in der Oberstufe als Grundfach im Verbund mit Geschichte oder Erdkunde. • Saarland: Politik, in der Qualifikationsphase mit festen Anteilen Geschichte. • Sachsen: Gemeinschaftskunde, am Gymnasium als Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft (GRW), an der Oberschule als Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung (GR). • Schleswig-Holstein: Wirtschaft/Politik; am Beruflichen Gymnasium umfasst Gemeinschaftskunde Geschichte, Politik und Gesellschaft.
Damit kann politische Bildung ein eigenständiges Fach, Bestandteil eines Verbundfachs oder mit Geschichte, Geographie, Wirtschaft beziehungsweise Recht verbunden sein.
Österreichische Volksschule
In Österreich existiert Gemeinschaftskunde nicht als eigenständiger Unterrichtsgegenstand. Seine Ziele und Inhalte werden in andere Fächer aufgenommen.
In der Volksschule ist politische Bildung unmittelbar in den Sachunterricht eingebunden. Dieser behandelt außerdem Geschichte, Naturwissenschaften, Weltgeschehen und Wirtschaftserziehung. Die Schülerinnen und Schüler lernen dort teilweise etwas über das politische System und wichtige Staatsangehörige.
Weiterführende Schulen in Österreich
An der vierjährigen Mittelschule und der achtjährigen Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) sind gemeinschaftskundliche Inhalte mit Geschichte verbunden. Seit 1962 hieß das Fach „Geschichte und Sozialkunde“, seit 2008 „Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung“. Im Mittelpunkt stehen geschichtliche Hintergründe und das aktuelle politische Geschehen; hinzu kommen weitere Aspekte politischer Bildung. Geographie und Wirtschaftskunde vermittelt ebenfalls wichtige Inhalte. Außerdem gilt „Politische Bildung“ als Unterrichtsprinzip, das alle Fächer berücksichtigen sollen.
Berufsbildende höhere Schulen (BHS) der Sekundarstufe II besitzen zusätzlich eigene Rechtsfächer. An den Höheren technischen Lehranstalten wurde mit dem Lehrplan 2011 das Flächenfach „Geografie, Geschichte und Politische Bildung (einschließlich Volkswirtschaftliche Grundlagen)“ eingeführt. Ein Flächenfach verbindet mehrere Fachbereiche. Mit dem Inkrafttreten eines neuen Lehrplans für Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung in der Sekundarstufe I wurde die politische Bildung 2016 ab der 6. Klasse aufgewertet.
Deutschsprachige Schweiz
In der Schweiz war Gemeinschaftskunde meist mit Geschichte verbunden und hieß daher überwiegend Geschichte und Sozialkunde. Neben historischen Hintergründen behandelte der Unterricht auch das aktuelle politische Geschehen.
Der Lehrplan 21 schuf ab 2016 das Integrationsfach „Räume – Zeiten – Gesellschaft“ (RZG). Ein Integrationsfach verbindet Inhalte mehrerer Fachgebiete; hier kommt zu Geschichte und Sozialkunde auch Erdkunde hinzu. In den Volksschulen, also den Grundschulen, ist politische Bildung in den Sachunterricht integriert.
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