Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Gangsta-Rap
Gangsta-Rap ist ein Genre der Rapmusik, das gewaltorientiert und (mittlerweile) klischeehaft das Lebensumfeld eines Gangsters – im Sinne von „Mitglied einer …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Kennzeichen
Gangsta-Rap ist ein Subgenre der Rapmusik. Es beschreibt gewaltorientiert und inzwischen oft klischeehaft das Lebensumfeld eines „Gangsters“, also eines Mitglieds einer Jugendgang. Der Ausdruck wird normalerweise für Hip-Hop der Westcoast und der Südstaaten verwendet; inhaltlich und stilistisch ähnlicher Hip-Hop der Eastcoast heißt Hardcore-Rap.
Hip-Hop entstand in den Ghettos US-amerikanischer Großstädte, weshalb soziale Probleme wie Gewalt und Drogen von Anfang an in Texten vorkamen. Gangsta-Rap richtet den Blick jedoch ausschließlich auf den kriminellen Bereich des Lebens und glorifiziert unter anderem Drogenhandel, Zuhälterei, Mord sowie soziale Ungerechtigkeit. Kennzeichnend sind Sprechgesang und meist Vulgärsprache. Das Genre war besonders Mitte und Ende der 1990er Jahre die chartdominierende und bislang kommerziell erfolgreichste Hip-Hop-Untergruppe. Seit der Jahrtausendwende verbanden viele Künstler ihre Musik stärker mit konventionellem Pop und bemühten sich um ein familienfreundlicheres Image.
Kritik und Selbstverständnis
Die Inhalte lösten heftige Kontroversen aus. Sie steigerten zwar die öffentliche Aufmerksamkeit und damit die Verkaufsträchtigkeit, trugen nach Darstellung des Artikels aber dazu bei, dass Hip-Hop nie als Hauptstil anerkannt wurde. Kritisiert wurden Gewaltverherrlichung, Homophobie, Misogynie, Rassismus sowie die Verherrlichung von Drogenkonsum und besonders Drogenhandel.
Viele Rapper erklären dagegen, sie schilderten das Leben in US-Ghettos ungeschönt und sprächen nicht als Privatpersonen, sondern in einer künstlerischen Rolle. Da das Publikum überwiegend aus weißen Mittelklassejugendlichen besteht, wurde den Interpreten außerdem vorgeworfen, ein Klischee des Schwarzen ähnlich früheren Blackface-Darstellungen zur Belustigung weißer Zuschauer zu bedienen.
Entstehung und Durchbruch an der Westküste
Als Begründer gilt Schoolly D aus Philadelphia: 1985 veröffentlichte er die Single P.S.K. – What Does It Mean? auf dem Album Schoolly-D. Sie inspirierte Ice-T aus Los Angeles zu 6 in the Mornin' (1986), das Gangsta-Rap einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Zur Entwicklung trugen auch Eazy-E, Kool G Rap und N.W.A bei. Einflüsse waren der politische und aggressive Stil von Public Enemy, Ice Cube und Boogie Down Productions sowie der poetische Gangster-Stil von Iceberg Slim und Hustler's Convention.
Trotz wichtiger Einflüsse von der Ostküste gilt Gangsta-Rap als Westcoast-Phänomen, besonders wegen Ice-T und N.W.A. Bis in die späten 1980er prägte New York City die Hip-Hop-Szene; Westcoast-Hip-Hop war zunächst eine Randerscheinung des tanzorientierten Electro, etwa mit Egyptian Lover und World Class Wreckin’ Cru. In Los Angeles entstand zugleich eine Underground-Szene um Ice-T sowie Künstler aus Oakland, Compton, Watts, San Francisco und San Diego, darunter Too $hort.
Den nationalen Durchbruch brachte N.W.As Album Straight Outta Compton (1988). Wegen Fuck Tha Police erhielt die Gruppe einen das Stück heftig kritisierenden Brief des FBI; damit begann die erste öffentliche Debatte über das Genre.
West- und Ostküste in den 1990er Jahren
1992 veröffentlichte das frühere N.W.A-Mitglied Dr. Dre The Chronic. Das erfolgreiche Album stärkte Death Row Records und markierte den Beginn von G-Funk: starkes Sampling von Funk-Klassikern, besonders von Parliament und Funkadelic, verband vielschichtige, eingängige und tanzbare Musik mit anti-autoritären Texten. Snoop Doggy Dogg wurde mit Doggystyle (1993) ein großer Star. Auch Tupac Shakur, ursprünglich aus New York, wurde ein bedeutender Westcoast-Künstler. Beide veröffentlichten bei Death Row Records, das Dr. Dre und Suge Knight gehörte.
An der Ostküste wurden Black Moon mit Enta da Stage (1993), Nas mit Illmatic (1994), Notorious B. I. G. mit Ready to Die (1994) und Mobb Deep mit The Infamous (1995) wichtige Namen. Bad Boy Entertainment von P. Diddy übertraf Westküsten-Rapper in den Charts. Der Konflikt zwischen East Coast und West Coast, besonders zwischen Bad Boy und Death Row, endete nach den Morden an Tupac Shakur und Notorious B. I. G. Death Row überstand ihn nicht, verlor unter anderem Snoop Dogg und war Gerichtsverfahren ausgesetzt; Bad Boy blieb angeschlagen bestehen und setzte stärker auf einen poppigeren, mainstreampassenden Sound.
Mainstream, Süden und späterer Hardcore-Rap
Mit Bad Boy Records wurde Gangsta-Rap fester Bestandteil des Pop-Mainstreams. Notorious B.I.G. verband düstere Gangsta-Rap-Erzählungen mit sauberen, poppigen und tanzbaren Beats für Pop- und Clubpublikum. Nach seinem Tod führte Puff Daddy diesen Weg fort: Gewalt-, Waffen-, Drogenhandels- und Ghetto-Bezüge blieben, während Produktionen einfacher und popnäher wurden. Samples wichen oft Coverversionen bekannter Pop-Hits. Beispiele sind Mo Money Mo Problems von Notorious B.I.G., Feels So Good von Ma$e, Can I Get A… von Jay-Z und Street Dreams von Nas. Der Stil hieß Shiny-Suit-Stil, benannt nach Puff Daddys glänzenden Anzügen.
Im Süden wurden Atlanta mit Goodie Mob und OutKast sowie New Orleans mit Master Ps No Limit Records und Cash Money Records wichtige Zentren. Zu den Südstaaten-Künstlern gehörten Da Brat und Ludacris; No Limit begann 1994 mit Master Ps The Ghetto Is Trying to Kill Me und umfasste unter anderem Silkk the Shocker und C-Murder. Lil Wayne und The B.G. machten die Phrase Bling-Bling populär. Nun stand oft nicht mehr der Kampf gegen das harte Ghettoleben, sondern materieller Erfolg im Mittelpunkt: Schmuck, Goldketten, teure Kleidung und Frauen wurden als Statussymbole gezeigt.
Daneben entwickelte sich besonders an der Ostküste Hardcore-Rap weiter. DMX erreichte mit It's dark and Hell is hot (1998) Platz 1 der Charts. Als erfolgreichster Rapper im klassischen Gangsta-Rap-Stil wird 50 Cent genannt: Nach seinem Vertrag bei Eminems Shady Records wurde er weltweit bekannt und veröffentlichte trotz Zugeständnissen an Pop wieder deutlich düstere, härtere Produktionen mit internationalen Chart-Erfolgen.