Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Consecutio temporum
Zur Bezeichnung der Vorzeitigkeit steht bei Präsens im Hauptsatz das Perfekt, bei Futur das Futur II, bei einem Vergangenheitstempus das Plusquamperfekt.
Inhalt5 Abschnitte
Grundgedanke und Zeitverhältnisse
Consecutio temporum, auch „Zeitenfolge“, „Abfolge der Zeiten“ oder „Zeitverhältnis“, bezeichnet ein grammatisches System, das den Gebrauch der Tempora in zusammengesetzten Sätzen regelt. Der Begriff stammt vor allem aus der Grammatik des Lateinischen, wird aber auch für das Deutsche und für andere Sprachen beziehungsweise Sprachfamilien verwendet.
Ein zusammengesetzter Satz besteht hier aus einem übergeordneten Hauptsatz und einem von ihm abhängigen Nebensatz. Der untergeordnete Satz wird als Protasis, der übergeordnete Satz als Apodosis bezeichnet. Zwischen den Aussagen können drei Zeitverhältnisse bestehen:
- Gleichzeitigkeit: Die Aussage des Nebensatzes findet zur gleichen Zeit wie die Aussage des Hauptsatzes statt, zum Beispiel: „Während ich schlafe, träume ich.“
- Vorzeitigkeit: Die Handlung des Nebensatzes findet vor der Handlung des Hauptsatzes statt, zum Beispiel: „Nachdem ich geschlafen hatte, bin ich aufgewacht.“
- Nachzeitigkeit: Die Handlung des Nebensatzes findet nach der Handlung des Hauptsatzes statt, zum Beispiel: „Bevor ich aufwache, schlafe ich.“
Zeitenfolge im Deutschen
Auch im Deutschen gibt es besonders in Temporalsätzen eine geregelte Zeitenfolge. Dabei können nicht alle Tempora beliebig miteinander verbunden werden.
Bezieht sich der Hauptsatz auf die Vergangenheit, sind Präteritum, Plusquamperfekt, Perfekt und Futur II mögliche Zeitformen. Richtig ist etwa: „Das Fass trieb im Ozean, seit[dem] das Schiff untergegangen war.“ Die Verbindung mit Präsens ist in diesem Fall nicht möglich: „Das Fass trieb im Ozean, seit[dem] das Schiff untergeht.“
Bezieht sich die Darstellung auf die Gegenwart, können Präsens, Futur I, Perfekt und Futur II verwendet werden. Beispiel: „Sie treiben Sport, sooft es ihnen möglich ist.“ Die Kombination „Sie treiben Sport, sooft es ihnen möglich war“ ist dagegen nicht möglich. Perfekt und Futur II können wegen ihrer vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten auch Vergangenes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges darstellen. Entscheidend ist deshalb der Zeitbezug. So ist „Er wird sie wohl angerufen haben, nachdem sie das Haus verlassen hatte“ möglich, „Er wird sie morgen angerufen haben, nachdem sie das Haus verlassen hatte“ dagegen nicht.
Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit
Die konkrete Tempuskombination hängt außerdem davon ab, welches Zeitverhältnis zwischen Haupt- und Nebensatz ausgedrückt wird.
Bei Gleichzeitigkeit haben beide Gliedsätze meist dasselbe Tempus. Häufig wird die Konjunktion „während“ verwendet: „Wir gingen nach Hause, während es regnete.“
Bei Nachzeitigkeit stehen ebenfalls häufig gleiche Tempora. Wenn im Hauptsatz Perfekt oder Plusquamperfekt steht, kann im Nebensatz auch Präsens beziehungsweise Präteritum verwendet werden. Möglich sind daher: „Sie kamen zu Hause an, bevor der Regen einsetzte“ und „Sie waren zu Hause angekommen, bevor der Regen einsetzte.“
Bei Vorzeitigkeit ist die Zeitenfolge, besonders mit „nachdem“, strenger. Stehen im Hauptsatz Präsens oder Futur I als absolute Tempora, also mit Gegenwarts- beziehungsweise Zukunftsbezug, steht im Nebensatz normalerweise das Perfekt als relatives Tempus: „Wenn ich zu Hause angekommen bin, grüße ich ihn von Dir“ beziehungsweise „werde ich ihn von Dir grüßen.“ Steht im Hauptsatz Futur I, kann auch das Futur II verwendet werden: „Wenn ich zu Hause angekommen sein werde, werde ich Dich anrufen.“
Bei Präteritum, Perfekt oder Plusquamperfekt im Hauptsatz steht im Nebensatz das Plusquamperfekt. Vorzeitigkeit kann im Gegensatz zur Nachzeitigkeit auch in einem Relativsatz ausgedrückt werden: „Der Schaffner kontrollierte meine Fahrkarte, die ich am Automaten gekauft hatte.“
Die Konjunktionen wenn und als
Die Konjunktion „wenn“ kann sowohl ein einmaliges als auch ein sich wiederholendes Geschehen einleiten. Bei einer Wiederholung sind verschiedene Tempuskombinationen möglich: „[Immer] wenn es schneit, bauen wir einen Schneemann“ und „[Immer] wenn es schneite, bauten wir einen Schneemann.“
Bezieht sich der wenn-Satz dagegen auf ein einmaliges Ereignis, dürfen keine Tempora verwendet werden, die sich auf Vergangenes beziehen. Deshalb ist „Wenn es morgen schneit, bauen wir einen Schneemann“ möglich, während „Wenn es gestern schneite, bauten wir einen Schneemann“ als nicht möglich gilt.
Für ein einmaliges Ereignis in der Vergangenheit wird „als“ verwendet: „Als es gestern schneite, bauten wir einen Schneemann.“
Die consecutio temporum im Lateinischen
Im Lateinischen ist die Zeitenfolge im abhängigen, konjunktivischen Nebensatz streng geregelt. Entscheidend ist zunächst, ob das absolut gebrauchte Verb des Hauptsatzes im Präsens oder in einem Vergangenheitstempus steht. Bei einem Präsens im Hauptsatz verwendet man im Nebensatz bei Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit den Konjunktiv Präsens (coniunctivus praesens), bei Vorzeitigkeit den Konjunktiv Perfekt (coniunctivus perfectum). Steht das Verb im Hauptsatz in einem Vergangenheitstempus, werden entsprechend Konjunktiv Imperfekt beziehungsweise Konjunktiv Plusquamperfekt verwendet.
In konjunktivischen Gliedsätzen unterscheidet man Haupttempora und Nebentempora. Haupttempora sind Präsens und Futur; Nebentempora umfassen alle Vergangenheitszeiten. Es gilt folgende Zuordnung:
- Bei einem Haupttempus wird Gleichzeitigkeit durch den Konjunktiv Präsens und Vorzeitigkeit durch den Konjunktiv Perfekt ausgedrückt.
- Bei einem Nebentempus wird Gleichzeitigkeit durch den Konjunktiv Imperfekt und Vorzeitigkeit durch den Konjunktiv Plusquamperfekt ausgedrückt.
- Nachzeitigkeit wird bei einem Haupttempus durch Futurpartizip und Konjunktiv Präsens von „esse“ ausgedrückt; dies ist die coniugatio periphrastica. In abhängigen Fragesätzen gilt diese Bildung, sonst meist der Konjunktiv Präsens.
- Nachzeitigkeit wird bei einem Nebentempus durch Futurpartizip und Konjunktiv Imperfekt von „esse“ beziehungsweise durch den Konjunktiv Imperfekt ausgedrückt.
Auch im Lateinischen gibt es Ausnahmen. Besonders in Konsekutivsätzen steht in der Regel ein absolutes Tempus.
In indikativischen Gliedsätzen steht zur Bezeichnung der Gleichzeitigkeit dasselbe Tempus wie im Hauptsatz. Anders als im Deutschen kann sich dabei beispielsweise ein Futur auf ein Futur beziehen. Vorzeitigkeit wird bei Präsens im Hauptsatz mit Perfekt, bei Futur mit Futur II und bei einem Vergangenheitstempus mit Plusquamperfekt ausgedrückt.
Für Nachzeitigkeit gelten bei indikativischen Gliedsätzen besondere Regeln, die nicht der üblichen consecutio temporum entsprechen. Bei „antequam“ beziehungsweise „priusquam“ („bevor“, „ehe“) steht bezogen auf ein Präsens Präsens oder Perfekt, bezogen auf ein Perfekt Perfekt und bezogen auf ein Futur Präsens oder Futur II. Außerdem steht „postquam“ („nachdem“) oder „ubi“ („sobald“) immer mit Perfekt, während „dum“ („während“) immer mit Präsens als absolutem Tempus verwendet wird.
Lernvideos zu Consecutio temporum
14:22
ALLE Konnektoren A1-B1 | Deutsch lernen
Benjamin - Der Deutschlehrer · 1,3 Mio. Aufrufe
14:30
ALS oder WENN? 🤓 When to use which! | B1+ Level
YourGermanTeacher · 152.625 Aufrufe
18:59
50 NEBENSÄTZE🇩🇪 in unter 20 Minuten (Satzbau | Grammatik | Hauptsatz Nebensatz)
Dein Sprachcoach · 206.242 Aufrufe
6:55
🇫🇷 Zeitenfolge im Si-Satz - Realer und irrealer Bedingungssatz Französisch
Fit für Franze · 40.261 Aufrufe