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Friedrich August von Hayek

Seine Arbeiten zur Preistheorie, d. h., wie Preise Informationen übertragen und ökonomische Tätigkeiten steuern, werden als sein wichtigster Beitrag zur …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und wissenschaftliche Bedeutung
  2. 2. Konjunktur und Geld
  3. 3. Wissen, Preise und spontane Ordnung
  4. 4. Kollektivismuskritik und politische Theorie
  5. 5. Kulturelle Evolution, Wissenschaft und Rezeption

Person und wissenschaftliche Bedeutung

Friedrich August von Hayek (* 8. Mai 1899 in Wien; † 23. März 1992 in Freiburg im Breisgau) war ein österreichischer Ökonom und Sozialphilosoph. Er gilt als wichtiger Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, als Theoretiker des Neoliberalismus und als einer der bedeutenden Denker des Libertarismus im 20. Jahrhundert. Sein zentraler Beitrag zur Wirtschaftswissenschaft betrifft die Preistheorie: Preise übertragen Informationen über Knappheiten, Bedürfnisse und Möglichkeiten und koordinieren dadurch wirtschaftliche Tätigkeiten.

Hayek studierte an der Universität Wien Philosophie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Er promovierte 1921 in Rechtswissenschaften und 1923 in Staatswissenschaften. Zunächst stand er dem Fabianischen Sozialismus nahe, wandte sich jedoch nach der Lektüre von Ludwig von Mises’ Die Gemeinwirtschaft dem klassischen Liberalismus und der Österreichischen Schule zu. Ab 1927 leiteten Mises und Hayek gemeinsam das Österreichische Institut für Konjunkturforschung.

1931 wurde Hayek von Lionel Robbins an die London School of Economics berufen. Dort wurde er zu einem wichtigen Gegenspieler John Maynard Keynes’. 1938 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an. Von 1950 bis 1962 lehrte er an der University of Chicago, von 1962 bis 1968 an der Universität Freiburg und von 1969 bis 1977 an der Universität Salzburg. Danach kehrte er nach Freiburg zurück. 1947 war er Mitbegründer der Mont Pèlerin Society und bis 1960 deren Präsident.

Sein bekanntestes Werk Der Weg zur Knechtschaft erschien 1944 auf Englisch und 1945 auf Deutsch. Es wurde weltweit über 2,25 Millionen Mal verkauft (Stand 2020). Hayek erhielt 1974 zusammen mit Gunnar Myrdal den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, 1984 den Hanns-Martin-Schleyer-Preis und wurde zum Companion of Honour ernannt. 1991 erhielt er die Presidential Medal of Freedom von US-Präsident George H. W. Bush.

Konjunktur und Geld

Hayeks Konjunkturtheorie erklärt Wirtschaftsschwankungen durch das Zusammenspiel von Geldpolitik, Zinssätzen und der realen Produktionsstruktur. Ausgangspunkt war Ludwig von Mises’ Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel (1924), ergänzt durch Ideen von Knut Wicksell und Eugen Böhm von Bawerk.

Grundbegriffe sind der Geldzinssatz und der natürliche Zinssatz. Der natürliche Zinssatz ist der Zinssatz, bei dem sich Ersparnis und Investition ausgleichen. Weicht der von Banken bestimmte Geldzinssatz von diesem Niveau ab, entstehen Ungleichgewichte.

Bei freiwilligem Sparen sinkt die Nachfrage nach Konsumgütern. Deren relativer Preis fällt, die Kapitalbildungsquote steigt und der Geldzins sinkt. Dadurch werden Investitionen in ergiebigere Produktionsmittel lohnender (Ricardo-Effekt). Die Wirtschaft bewegt sich dabei nach Hayek in Richtung eines Gleichgewichts.

Wird der Geldzinssatz dagegen durch eine Kreditexpansion unter den natürlichen Zinssatz gedrückt, steigen die Investitionen in Produktionsmittel künstlich an. Unternehmen beginnen Projekte, die bei normalen Bedingungen nicht rentabel wären. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Konsumgütern bestehen, obwohl deren Produktion zunächst zurückgeht. Dieser Konsumverzicht wird als „erzwungenes Sparen“ bezeichnet. Die zusätzliche Liquidität führt später zu steigenden Preisen und höheren Zinsen. Investitionen, die sich nur beim vorherigen niedrigen Geldzinssatz gelohnt hatten, müssen abgebrochen werden; es kommt zum Crash und zur Rezession.

Im Unterschied zum Monetarismus sah Hayek die Ursache von Rezessionen nicht allein in Geldphänomenen, sondern in der Fehlanpassung zwischen Geldbedingungen und realer Produktionsstruktur. Der späte Hayek machte vor allem Zentralbanken für die instabile Geldwertentwicklung verantwortlich und befürwortete deshalb eine Privatisierung der Produktion von Zahlungsmitteln. Seine österreichische Konjunkturtheorie wird heute von den meisten Ökonomen abgelehnt, obwohl sie 1974 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Wissen, Preise und spontane Ordnung

Hayeks wichtigste Erklärung für die Überlegenheit von Märkten gegenüber Zentralverwaltungswirtschaften ist das Wissens- beziehungsweise Koordinationsproblem. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist Wissen auf viele Menschen verteilt. Einzelne Planer oder eine zentrale Behörde können daher niemals alle Informationen über Fähigkeiten, Bedürfnisse, lokale Bedingungen und verfügbare Ressourcen besitzen. Außerdem kann ein Teil der vorhandenen Informationen falsch sein.

Der Preismechanismus löst dieses Problem, indem er verstreutes lokales und persönliches Wissen sammelt, weitergibt und für andere Marktteilnehmer nutzbar macht. Preise zeigen beispielsweise Veränderungen der Knappheit an und ermöglichen dadurch eine schnelle Anpassung an neue Bedingungen. Eine zentrale Planung kann diese Informationsverarbeitung nach Hayek nicht zuverlässig ersetzen. Seine Überlegungen wurden besonders in Economics and Knowledge (1937) und The Use of Knowledge in Society (1945) ausgearbeitet.

Hayek bezeichnete die freiwillige Zusammenarbeit in einem sich selbst organisierenden System als Katallaktik. Das freie Preissystem sei keine bewusste Erfindung, sondern eine spontane Ordnung: ein Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht menschlichen Entwurfs. In dieser Hinsicht verglich er den Preismechanismus mit der Sprache. Planer, die eine Gesellschaft vollständig auf dem Reißbrett gestalten wollen, kritisierte er wegen der „Anmaßung von Wissen“.

Hayek unterschied außerdem zwischen zwei Ordnungsformen. Eine spontane Ordnung, griechisch „kosmos“, entsteht dadurch, dass Individuen ihre Ziele mit eigenen Mitteln verfolgen. Sie beruht auf abstrakten, allgemeingültigen Regeln, die vor allem als Verbote formuliert sind und keine Privilegien zulassen. Eine bewusst entworfene Organisation, griechisch „taxis“, besitzt dagegen konkrete, häufig als Gebote formulierte Regeln und meist eine vertikale Hierarchie. Beispiele sind Planwirtschaften, Unternehmen und das Militär. In allen Gesellschaftsformen kommen beide Ordnungsarten vor.

Kollektivismuskritik und politische Theorie

Hayek kritisierte Sozialismus, Planwirtschaft und andere Formen des Kollektivismus, weil sie nach seiner Auffassung zentrale Behörden voraussetzen und dadurch sowohl das Wissensproblem als auch die Gefahr staatlicher Zwangsmacht erzeugen. In Der Weg zur Knechtschaft (1944) argumentierte er, dass Kollektivismus zwangsläufig mit liberalen Individualrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien in Konflikt geraten könne. Totalitäre Herrschaft deutete er dabei als mögliche Folge einer geplanten Wirtschaft, auch wenn die ursprünglichen Absichten der Sozialisten nicht unterdrückerisch seien.

Hayek verstand individuelle Freiheit als Abwesenheit willkürlichen Zwangs. Politische Freiheit oder Demokratie allein garantiere diese Freiheit nicht; auch eine „totale Demokratie“ könne staatliche Unterdrückung hervorbringen. Entscheidend sei daher nicht nur, wer herrscht, sondern wie weit die Herrschenden handeln dürfen. Eine freie Gesellschaft müsse durch eine Verfassung und allgemeine, abstrakte Regeln begrenzt werden. Diese Vorstellung wird als Nomokratie bezeichnet.

Hayek lehnte einen völligen Laissez-faire-Liberalismus ausdrücklich ab. Staatliche Regulierung ist für ihn möglich, wenn sie nach allgemeinen Regeln erfolgt. Zu den staatlichen Aufgaben zählte er die Schaffung einer Rechtsordnung mit Vertragsfreiheit, Eigentum und Haftung, die Bereitstellung öffentlicher Güter, Zertifizierungen und Informationen zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit, die Erhebung von Steuern sowie die Sicherung eines Mindesteinkommens. Preiskontrollen und der Versuch, soziale Gleichheit herzustellen, hielt er dagegen für unvereinbar mit einer freien Gesellschaft.

Für die internationale Ordnung schlug Hayek einen Bundesstaat der Nationalstaaten vor, dessen Befugnisse im Wesentlichen auf die Verhinderung gegenseitiger Schädigung beschränkt wären. In Deutschland stand er Ludwig Erhard nahe, lehnte aber die Bezeichnung „Soziale Marktwirtschaft“ ab. Innerhalb der Mont Pèlerin Society entstand deshalb ein Gegensatz zwischen einem amerikanischen Flügel um Hayek, Mises und Friedman, der eine möglichst staatsfreie Marktwirtschaft bevorzugte, und einem deutschen Flügel um Rüstow, Röpke und Müller-Armack, der eine aktivere staatliche Sozial- und Gesellschaftspolitik befürwortete.

Kulturelle Evolution, Wissenschaft und Rezeption

Hayek übertrug seine Überlegungen zum Wissen und zur spontanen Ordnung auf die kulturelle Evolution. Werte entstehen nach ihm vor allem aus drei Quellen: aus biologisch „vererbten“, kulturell „erprobten“ und erst in dritter Linie rational „geplanten“ Bestandteilen. Gewachsene Traditionen seien über Generationen erprobt und könnten deshalb erfolgreicher und anpassungsfähiger sein als bewusst entworfene Gesellschaftsmodelle. Gruppen, deren Regeln produktiver waren und insbesondere die Fortpflanzung begünstigten, setzten sich nach Hayeks Darstellung eher durch oder wurden von anderen Gruppen übernommen. Religionsfreiheit ermögliche den Wettbewerb verschiedener Mikrogesellschaften und sei deshalb eine wichtige Grundlage des Liberalismus.

In seiner Wissenschaftstheorie kritisierte Hayek den Szientismus, also die seiner Ansicht nach falsche Übertragung naturwissenschaftlicher Methoden auf Sozialwissenschaften. Gesellschaft und Wirtschaft seien komplexe, multivariable und nichtlineare Phänomene. Einfache lineare Modelle könnten ihre „organisierte Komplexität“ daher nicht vollständig abbilden. Diese Gedanken entwickelte er unter anderem in The Counter-Revolution of Science (1952), Degrees of Explanation (1955) und The Theory of Complex Phenomena (1964).

Seine Methodik ähnelt teilweise dem kritischen Rationalismus Karl Poppers, weil Hayek die Fehlbarkeit des Einzelverstands betonte. Zugleich lehnte er ein empirisches Wissenschafts- und Theorieverständnis ab, hielt seine aprioristischen Theorien für unfehlbar und überprüfte sie nicht empirisch. Er begründete dies damit, dass komplexe Phänomene nicht auf dieselbe Weise testbar seien wie einfache Theorien. Vertreter des kritischen Rationalismus, darunter Mark Blaug, kritisierten diese Position als unvereinbar mit dem Gebot der Falsifikation.

Hayeks Einfluss auf Wirtschaftswissenschaft und politische Theorie ist weithin anerkannt. Er prägte die Analyse der Zeitdimension in Gleichgewichtsmodellen und beeinflusste Wachstumstheorie, Informationsökonomik und die Theorie spontaner Ordnung. Milton Friedman bewunderte Hayeks Arbeiten zum Preissystem, lehnte jedoch dessen Konjunkturtheorie ab. Auch die Gesamtbewertung ist umstritten: Während einige Ökonomen Hayek als einen der größten modernen Ökonomen ansehen, halten andere zentrale Aussagen, etwa zur Konjunktur oder zum Verhältnis von Steuern und Sozialstaat, empirisch für nicht haltbar. Zudem wird unterschiedlich beurteilt, ob Hayek einen Minimalstaat, einen „ultraliberalen“ Staat oder einen zweckmäßig eingerichteten Verfassungsstaat mit wichtigen staatlichen Aufgaben vertrat.

Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören Preise und Produktion (1931), The Road to Serfdom (1944), The Constitution of Liberty (1960), Law, legislation and liberty (1973, 1976 und 1979 in drei Bänden), The Denationalisation of Money (1976), The Sensory Order (1952 beziehungsweise 1953 in Buchform) und The Fatal Conceit: The Errors of Socialism (1988). Nach seinem Tod wurden in Wien, Linz und Freiburg Straßen sowie Institutionen und Stiftungen nach ihm benannt.

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