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Friedensreich Hundertwasser

Der Einzelgänger Hundertwasser reiste während seines Lebens viel und gern und lernte Englisch, Französisch und Italienisch. Außerdem sprach er ein wenig …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Leitgedanken
  2. 2. Leben und künstlerische Entwicklung
  3. 3. Malerei, Grafik und Tapisserie
  4. 4. Architektur und wichtige Bauwerke
  5. 5. Ökologie und politische Haltung
  6. 6. Angewandte Kunst, Wirkung und Nachlass

Überblick und Leitgedanken

Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt, bürgerlich Friedrich Stowasser, wurde am 15. Dezember 1928 in Wien geboren und starb am 19. Februar 2000 an Bord der Queen Elizabeth 2 bei Brisbane. Er war ein österreichischer Künstler, der vor allem als Maler sowie als Gestalter von Architektur bekannt wurde und sich intensiv für den Umweltschutz einsetzte.

Seine verschiedenen Tätigkeitsfelder verband eine gemeinsame Grundhaltung: Hundertwasser lehnte die „gerade Linie“, gleichförmige Raster und industrielle Standardisierung ab. An ihre Stelle setzte er unregelmäßige Formen, kräftige Farben, individuelle Gestaltung und die Verbindung von menschlichem Leben, Kunst und Natur. Besonders in seinen Baugestaltungen sollten Pflanzen und Bäume nicht bloßer Schmuck sein, sondern ein wesentlicher Teil der Architektur werden.

Seine Ideen verwirklichte er in Gemälden, Druckgrafiken, Tapisserien, Gebäuden und zahlreichen Gegenständen angewandter Kunst. Außerdem verfasste er Manifeste, hielt Vorträge und beteiligte sich an politischen und ökologischen Aktionen. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und befinden sich in zahlreichen Museen.

Leben und künstlerische Entwicklung

Hundertwasser war das einzige Kind von Ernst und Elsa Stowasser. Seine Mutter war jüdischer Herkunft. Der Vater starb kurz nach Hundertwassers erstem Geburtstag. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Mutter und Sohn in Wien zwangsumgesiedelt; sie überlebten die Verfolgung, während seine jüdische Großmutter und rund 70 weitere Verwandte ermordet wurden.

Nach der Matura 1948 studierte er im Wintersemester 1948/49 drei Monate an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Dort begann er, seine Werke mit „Hundertwasser“ zu signieren. 1949 reiste er nach Italien, später unter anderem nach Frankreich, Marokko, Tunesien und Sizilien. Besonders Nordafrika sowie die Werke von Egon Schiele, Paul Klee und Walter Kampmann beeinflussten seine Malerei. Baum, Vegetation und die Vorstellung einer „beseelten Natur“ wurden zu zentralen Motiven.

In den 1950er-Jahren lebte Hundertwasser in Paris und beschäftigte sich mit geometrischer und expressiver Abstraktion, Informel und Nouveau Réalisme. Als Antwort auf zufallsgesteuerte künstlerische Verfahren entwickelte er den „Transautomatismus“. Diese Kunstauffassung verlangte nicht nur eine neue Art des Schaffens, sondern auch einen aktiven, verantwortungsbewussten und mitgestaltenden Betrachter.

1959 war Hundertwasser Gastdozent an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Dort zog er gemeinsam mit Bazon Brock, Herbert Schuldt und Studenten die „Unendliche Linie“. Nach dem erzwungenen Abbruch der Aktion legte er seine Dozentur nieder. 1961 erhielt er bei der 6. Internationalen Kunstausstellung in Tokio den Mainichi-Preis. Eine Retrospektive bei der Biennale Venedig 1962 und eine internationale Wanderausstellung ab 1964 stärkten seinen Ruf.

Hundertwasser besaß Wohn- und Arbeitsorte unter anderem in der Normandie, im niederösterreichischen Waldviertel, in Venedig und in Neuseeland. Im Kaurinui-Tal erwarb er rund 372 Hektar Land, pflanzte mehr als 100.000 einheimische Bäume und baute Kanäle, Teiche und Pflanzenkläranlagen. Dort nutzte er Sonnen- und Wasserenergie sowie eine Humustoilette.

1981 wurde er Leiter einer Meisterschule für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Das KunstHausWien, das die weltweit einzige permanente Hundertwasser-Ausstellung beherbergt, eröffnete am 9. April 1991. Hundertwasser starb am 19. Februar 2000 an Herzversagen. Er wurde am 3. März 2000 auf seinem neuseeländischen Grundstück ohne Sarg beerdigt; auf seinem Grab pflanzte man einen Tulpenbaum.

Malerei, Grafik und Tapisserie

Hundertwasser bezeichnete seine Malerei als „vegetativ“. 1953 verwendete er erstmals die Spirale, die zu einem bestimmenden Element seines Werks wurde. Seine Bilder zeichnen sich durch intensive, leuchtende Farben, unmittelbar nebeneinandergesetzte Komplementärfarben, unregelmäßige Linien, verschachtelte Flächen sowie Motive wie Häuser, Bäume und organische Formen aus. Einige Werke, darunter Blut regnet auf die Häuser (1961), Judenhaus in Österreich (1961–62), Blutgarten (1962) und Krematorium (1963), behandeln die Shoah.

Seine Bilder entstanden überwiegend in Aquarell oder Mischtechnik, nur wenige als Ölgemälde. Er verwendete unter anderem Wasserfarben, Ölfarben, Eitempera, Lacke und zerriebene Erden; manche Farben stellte er selbst her. Häufig malte er auf unterschiedlichen Papieren, darunter gebrauchtes Packpapier, und montierte diese auf Holzfaserplatten oder Leinwand. Er schuf weniger als 1000 Bilder. Seine selbst vergebenen, oval eingefassten Œuvre-Nummern betrachtete er als Teil des jeweiligen Werknamens.

In der Druckgrafik arbeitete Hundertwasser mit Lithografie, Siebdruck beziehungsweise Serigrafie, Radierung, japanischem Farbholzschnitt, Linolschnitt und Mischtechniken. Gemeinsam mit Druckern entwickelte er aufwendige Verfahren mit vielen Farbauszügen, fluoreszierenden oder phosphoreszierenden Farben, Metallfolienprägungen, reflektierendem Glasstaub und elektrostatischer Beflockung. Weil er die bloße Vervielfältigung eines identischen Bildes ablehnte, ließ er viele Auflagen in unterschiedlichen Farbvarianten herstellen. Bei der 1984 erschienenen Grafik 10.002 Nights Homo Humus Come Va How do you do waren alle 10.002 Blätter verschieden. Sein druckgrafisches Werk umfasst 124 HWG-Nummern. Hundertwasser war der erste europäische Maler, dessen Werke von japanischen Meistern geschnitten und gedruckt wurden.

Seine erste Tapisserie, 133 Pissender Knabe mit Wolkenkratzer, webte Hundertwasser 1952 selbst. Sie entstand ohne „Karton“, also ohne Vorlage in Originalgröße. Auch spätere Tapisserien wurden ohne einen solchen Karton angefertigt. Die ausgewählten Weber sollten seine Bilder frei in das andere Medium übertragen und künstlerisch interpretieren. Deshalb ist jede Hundertwasser-Tapisserie ein Unikat.

Architektur und wichtige Bauwerke

Hundertwasser forderte eine natur- und menschengerechte Architektur. Im „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ von 1958 wandte er sich gegen die gerade Linie, funktionelle Gleichförmigkeit und sterile Rastersysteme. Sein „Fenster-Recht“ bezeichnet das Recht eines Bewohners, sich aus dem Fenster zu lehnen und das erreichbare Mauerwerk nach eigenen Vorstellungen zu bemalen. Mit der „Baumpflicht“ verlangte er, der Natur den durch ein Gebäude besetzten Raum zurückzugeben, etwa durch begrünte Dächer und in die Fassade einbezogene „Baummieter“.

Seit den 1970er-Jahren veranschaulichte er diese Ideen in Modellen, beispielsweise als Terrassenhaus, Hoch-Wiesen-Haus, Spiral-Haus oder begrünte Tankstelle. Seit den frühen 1980er-Jahren arbeitete er praktisch als „Architekturdoktor“: Er veränderte vorhandene Gebäude oder gestaltete sie gemeinsam mit Architekten. Typisch wurden unregelmäßige Fassaden, verschiedenartige Fenster, leuchtende Farben, Zwiebeltürme, bewachsene Dächer, Bäume am und im Haus sowie der bewusste Verzicht auf einheitliche gerade Formen.

Ein Schlüsselwerk ist das Hundertwasserhaus in Wien, das 1983–1985 mit Josef Krawina und Peter Pelikan entstand und am 17. Februar 1986 den Mietern übergeben wurde. Weitere bekannte Projekte sind die Müllverbrennungsanlage Spittelau und das KunstHausWien in Wien, die St.-Barbara-Kirche in Bärnbach, das Rogner Bad Blumau, die Waldspirale in Darmstadt, der Bahnhof Uelzen, das Luther-Melanchthon-Gymnasium in Wittenberg und die Grüne Zitadelle in Magdeburg. International entstanden unter anderem die Quixote Winery im Napa Valley, Anlagen in Osaka, die Markthalle Altenrhein sowie die öffentliche Hundertwasser-Toilette in Kawakawa von 1999. Sie war das letzte zu seinen Lebzeiten vollendete Bauwerk und sein einziges auf der Südhalbkugel.

Beim breiten Publikum waren seine Bauprojekte meist beliebt. Viele Architekten und Fachkritiker lehnten sie dagegen entschieden ab und warfen ihm unter anderem vor, hauptsächlich dekorative Fassaden zu schaffen.

Ökologie und politische Haltung

Hundertwassers Umweltschutz war eng mit seiner Architektur- und Lebensphilosophie verbunden. Er forderte ein Leben im Einklang mit den Gesetzen der Natur und engagierte sich für den Erhalt natürlicher Lebensräume, gegen Kernenergie sowie für den Schutz der Meere, der Wale und des Regenwaldes. Dazu verfasste er Manifeste, hielt Vorträge und entwarf Plakate.

Er unterstützte Humustoiletten und Pflanzenkläranlagen. Eine Humustoilette führt Ausscheidungen durch Kompostierung wieder in den natürlichen Kreislauf zurück; eine Pflanzenkläranlage reinigt Abwasser mithilfe von Pflanzen und biologischen Prozessen. Seine Auffassung erläuterte Hundertwasser im Manifest Die Heilige Scheiße und in einer Anleitung zum Bau einer Komposttoilette. Mit seinen „Baummieter“-Aktionen in Mailand 1975, Wien 1981 und München 1983 gehörte er zudem zu den Pionieren der Fassadenbegrünung.

1984 beteiligte er sich an der Besetzung der Hainburger Au gegen den Bau eines Kraftwerks. Politisch vertrat er aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus eine antitotalitäre Haltung. Er unterstützte 1959 den aus Tibet geflohenen Dalai Lama, wandte sich ab 1988 gegen den EU-Beitritt Österreichs und betonte die Bedeutung regionaler Eigenständigkeit. Außerdem bekannte er sich zur konstitutionellen Monarchie. 1988 kämpfte er erfolglos für die Beibehaltung der österreichischen Kfz-Kennzeichen mit weißen Zeichen auf schwarzem Grund.

Angewandte Kunst, Wirkung und Nachlass

Hundertwasser gestaltete neben Bildern und Gebäuden zahlreiche Gegenstände angewandter Kunst, darunter Flaggen, Münzen, Porzellan, Plakate, Schiffe und Bücher. Von 26 eigenen Briefmarkenentwürfen für verschiedene Postverwaltungen wurden 17 als Briefmarken verwirklicht, teilweise erst nach seinem Tod. Dazu gehörten Ausgaben für Österreich, Senegal, die UNO-Postverwaltung und Liechtenstein.

Für die 19. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie entwarf er 1989 eine auf 1800 Exemplare begrenzte Sonderausgabe, deren Einbände durch wechselnde Farben jeweils unterschiedlich waren. Das lateinisch-deutsche Schulwörterbuch Der kleine Stowasser erschien 1994 mit seinen Einbänden in 100 Farbvariationen. Die „Hundertwasser-Bibel“ von 1995 umfasst 1.688 Seiten und 80 ganzseitige Bilder, darunter 30 eigens geschaffene Collagen; die handgefertigten Einbände unterscheiden sich voneinander.

Zu seinen Auszeichnungen gehörten der Mainichi-Preis 1961, der Große Österreichische Staatspreis für Bildende Kunst 1980, der Österreichische Naturschutzpreis 1981 und das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1997. Seine Arbeiten wurden seit 1952 in zahlreichen Einzel- und Wanderausstellungen in Europa, Amerika, Asien, Australien und Neuseeland gezeigt. Originalgemälde und Druckgrafiken befinden sich unter anderem in der Albertina, im Belvedere und im KunstHausWien, im Centre Pompidou, im Museum of Modern Art und im Solomon R. Guggenheim Museum.

Die 1998 gegründete Hundertwasser-Stiftung Gemeinnützige Privatstiftung ist seine testamentarische Erbin. Sie soll sein Werk erhalten und fortsetzen und verwaltet über die Namida AG seine Urheberrechte. In Neuseeland bewahrt der Kawakawa Hundertwasser Park Charitable Trust die Erinnerung an sein Leben und seine ökologischen Vorstellungen; der von ihm betreute Park wurde im Oktober 2020 eröffnet.

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