Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Frauengeschichte

Frauengeschichte ist ein Teilbereich der Geschichtswissenschaften und der Geschlechterforschung und hat die Erforschung des Wirkens der Frauen in der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Entstehung des Fachgebiets
  3. 3. Initiativen und Institutionen
  4. 4. Entwicklung im deutschsprachigen Raum
  5. 5. Gegenstände der Forschung

Kernidee und Bedeutung

Frauengeschichte ist ein Teilbereich der Geschichtswissenschaften und der Geschlechterforschung. Ihr Ziel ist es, das Wirken von Frauen in der Geschichte zu erforschen. Sie fragt also danach, welche Leistungen Frauen erbracht haben, welche Stellung sie in verschiedenen Gesellschaften hatten und wie sich das Verhältnis der Geschlechter historisch entwickelt hat.

Das Fach ist wichtig, weil Frauen in der traditionellen Geschichtsschreibung lange nur selten vorkamen: weder als Gruppe noch als einzelne handelnde Personen. Frauengeschichte versucht, diese Lücken sichtbar zu machen und dadurch Geschichtswissenschaft kritischer und vollständiger zu gestalten. Im englischen Sprachraum wird sie auch „Herstory“ genannt; dieser Ausdruck ist ein Wortspiel zu „History“.

Entstehung des Fachgebiets

Als Forschungsbereich entstand Frauengeschichte vor allem in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit der zweiten Frauenbewegung, zunächst in den USA als „Women’s History“. Es gab frühere Pionierinnen wie die US-Amerikanerin Mary Ritter Beard, doch erst in dieser Zeit wurde das Fach breiter aufgebaut.

Eine wichtige Historikerin war Gerda Lerner, eine österreichische jüdische Historikerin, die im Dritten Reich aus Österreich nach Amerika geflohen war. Ihre Impulse erhielt sie aus der amerikanischen Geschichte, etwa aus Themen wie Sklaverei, Rassismus und den Grimké-Sisters. Für den Beginn der amerikanischen Frauenbewegung nannte sie die Zeit um etwa 1850. Sie gründete 1972 am Sarah Lawrence College in Amerika das erste Institut, an dem „Frauengeschichte für Graduierte“ studiert werden konnte. 1990 richtete sie am Wisconsin International University College ein Studienprogramm ein, in dem über Frauengeschichte promoviert werden kann. Außerdem hielt sie Seminare über Mary Beard und veröffentlichte ein Buch mit Dokumenten über sie.

Initiativen und Institutionen

Im Zuge der Neuen Frauenbewegung erforschten auch viele Frauen ohne historische Ausbildung eine eigene Geschichte. Besonders in der Lesbenbewegung entstand dadurch Grundlagenforschung. Im deutschsprachigen Raum wird als Beispiel Ilse Kokula genannt. Aus solchen Initiativen gingen auch Archive hervor, etwa die Lesbian Herstory Archives, der Spinnboden oder das FFBIZ.

Ab 1984 forschte der Medizinhistoriker Gerhard Baader gemeinsam mit dem Kirchenhistoriker Werner Affeldt interdisziplinär zur Geschichte von Frauen in Antike und Mittelalter. Dieses neue Forschungsgebiet wurde als Frauen- und Geschlechtergeschichte beschrieben.

Den ersten Lehrstuhl in Deutschland für Historische Frauenforschung erhielt 1986 Annette Kuhn in Bonn. Seit den 1980er Jahren wurde auch diskutiert, wie Frauengeschichte zur umfassenderen Geschlechtergeschichte steht. Geschlechtergeschichte untersucht nicht nur Frauen, sondern allgemeiner historische Geschlechterverhältnisse und Geschlechterrollen.

Entwicklung im deutschsprachigen Raum

In den Niederlanden gibt es das Aletta-Institut für Frauengeschichte. In Deutschland bestehen fünf Regionalverbände des Arbeitskreises historische Frauen- und Geschlechterforschung mit Hauptsitz in Hamburg.

In der Schweiz führte Regina Wecker, Professorin an der Universität Basel und Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte, 1993 das Fach Geschlechter- und Frauengeschichte auf institutioneller Ebene ein.

Im Juli 2016 startete das Projekt Digitales Deutsches Frauenarchiv. Das Portal ist seit September 2018 online und bietet durch digitalisierte historische Materialien Einblicke in Frauengeschichte. Seit Januar 2020 wird das Projekt durch den Bund gefördert.

Die Forschungsergebnisse der Frauengeschichte sind, ähnlich wie Ergebnisse aus Alltagsgeschichte oder Sozialgeschichte, bisher nur begrenzt in den schulischen Geschichtsunterricht eingegangen.

Gegenstände der Forschung

Frauengeschichtsforschung untersucht die Leistungen einzelner Frauen, die Stellung von Frauen in verschiedenen historischen Gesellschaften oder Lebensbereichen und das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Ein wichtiger Bereich ist die Frage nach dem weiblichen Anteil an akademischen Disziplinen, etwa in der Wissenschaft allgemein oder in bestimmten Fächern wie Informatik und Philosophie.

Weitere Themen sind der weibliche Anteil an kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Bereichen, zum Beispiel in Musik, Kunst, Militär, besonders in Guerillabewegungen, oder Politik. Die Forschung behandelt außerdem Frauen in unterschiedlichen Epochen: in Frühgeschichte und Antike, etwa mit Blick auf vermutete frühgeschichtliche Matriarchate, Frauen im Alten Rom, die Stellung der Frau im Alten Ägypten oder Frauen im alten China; im Mittelalter, etwa beim Kurtisanenwesen oder in der Frauenmystik; in der frühen Neuzeit und Renaissance, etwa bei Hexenverfolgung, Querelle des femmes und Frauenliteratur; sowie in jüngerer Geschichte und Gegenwart, etwa Frauen im Nationalsozialismus, Frauen im deutschen Rechtsextremismus, Frauen in der Résistance, Frauen in der Volksrepublik China oder Frauen in der Automobilgeschichte.

Zum Untersuchungsbereich gehören außerdem Geschlechtergeschichte und historische Geschlechterrollen sowie die Geschichte der Frauenbewegung, der Frauenrechte und des Feminismus.

Weiterlesen

Geschichtswissenschaft Die Geschichtswissenschaft ist die methodisch gesicherte Erforschung und Rekonstruktion von Aspekten der Menschheitsgeschichte oder Geschichte auf der Basis … Geschichte Unter Geschichte versteht man im Allgemeinen diejenigen Aspekte der Vergangenheit, derer Menschen gedenken und die sie deuten, um sich über den Charakter … Englische Sprache Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: [ˈɪŋɡlɪʃ]) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört. Geschlechtergeschichte Die Geschlechtergeschichte ist eine Disziplin der Geschichtswissenschaft, die sich mit der historischen Ausprägung und Veränderlichkeit von Weiblichkeit, … Alltagsgeschichte In der Alltagsgeschichte geht es um die Frage, wie Menschen im Alltag lebten und ihr Leben und die Geschichte erlebten. Es geht um das sich Wiederholende in … Geschichtsunterricht Geschichtsunterricht, kurz Geschichte, bezeichnet jede Form institutionalisierter Unterweisung in Geschichte, besonders als Unterrichtsfach in der Schule. Frauen in der Informatik Frauen in der Informatik behandelt bedeutende heutige und historische Informatikerinnen, die z. B. zur Entwicklung von Computern beigetragen haben, … Stellung der Frau im Alten Ägypten Die Stellung der Frau im Alten Ägypten ist vergleichbar mit der hohen sozialen Stellung von Frauen in anderen frühen Hochkulturen, wie in Sumer oder Akkad … Hexenverfolgung Der Höhepunkt der Verfolgungswelle in Europa liegt zwischen 1550 und 1650. Die Gründe für die gegenüber dem Mittelalter in der Frühen Neuzeit deutlich … Geschlechterrolle Durch diese polarisierten Rollenerwartungen würden gesellschaftliche Positionen wie der Beruf, Wirtschaft, Politik und Familie bereits vorgegeben. Somit sei … Feminismus Feministinnen und Feministen analysieren die Geschlechterordnungen und treten für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Menschen jeglichen …