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Frauen in der Informatik

Frauen in der Informatik behandelt bedeutende heutige und historische Informatikerinnen, die z. B. zur Entwicklung von Computern beigetragen haben, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und historische Bedeutung
  2. 2. Wichtige Beiträge und Personen
  3. 3. Frauenanteile und internationale Unterschiede
  4. 4. Ursachen der Unterrepräsentation
  5. 5. Berufsaussichten und aktuelle Situation
  6. 6. Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils

Kern und historische Bedeutung

Der Artikel behandelt bedeutende historische und heutige Informatikerinnen sowie die Situation von Frauen in der Informatik. Informatik ist dabei nicht nur Programmieren, sondern umfasst auch Softwareentwicklung, Computertechnik, Datenbanken, Netzwerke, verteilte Systeme, Mensch-Computer-Zusammenarbeit und organisatorische Fragen.

Ein früher Bezugspunkt ist Ada Lovelace (1815–1852). Sie entwarf 1842 einen Algorithmus zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen mit der Analytical Engine. Deshalb gilt sie als erste Programmiererin, obwohl diese Rechenmaschine zu ihren Lebzeiten nie gebaut wurde. Die in den 1970er Jahren entwickelte Programmiersprache Ada wurde nach ihr benannt. Der Artikel betont zugleich, dass Frauen bis ins 20. Jahrhundert hinein oft keinen Zugang zu Hochschulen, akademischen Titeln, Lehrtätigkeit, Veröffentlichungen unter eigenem Namen und wissenschaftlichen Ressourcen hatten.

Im 20. Jahrhundert spielten Frauen besonders in der Frühgeschichte des Computers von 1930 bis 1950 eine große Rolle. Programmieren bestand aus vielen Arbeitsschritten, vom Entwurf über Codierung bis zur Umsetzung in Maschinensprache. Während des Zweiten Weltkriegs lag Programmieren in den USA fast ausschließlich in der Hand von Frauen, wurde aber oft als Büroarbeit mit niedrigem Status angesehen. Später wandelte sich diese frühere Frauenarbeit zunehmend zu einem Männerberuf.

Wichtige Beiträge und Personen

Mehrere Informatikerinnen und Mathematikerinnen werden als wichtige Beispiele genannt. Gertrude Blanch wurde 1938 technische Direktorin des Mathematical Tables Project; ihre Arbeit trug zum Übergang von handgesteuerten Rechenmaschinen zur modernen Computerära bei. Hedy Lamarr und George Antheil wurden 1942 durch eine Erfindung bekannt, die dem heutigen Bereich der drahtlosen Kommunikation zugeordnet wird. Marlyn Meltzer gehörte ab 1945 zum ersten Team der ENIAC-Programmiererinnen. Obwohl sechs Frauen entscheidend an der ENIAC-Programmierung beteiligt waren, wurden 1946 bei der Präsentation zunächst nur Männer gewürdigt. 1997 wurden Kathleen McNulty Mauchly Antonelli, Jean Bartik, Frances Elizabeth „Betty“ Holberton, Marlyn Meltzer, Frances Spence und Ruth Teitelbaum als ENIAC-Frauen ausgezeichnet und in die Women in Technology International Hall of Fame aufgenommen.

Grace Hopper entwickelte 1952 den ersten Compiler A-0. Ein Compiler ist ein Programm, das Programmcode in eine für den Computer ausführbare Form übersetzt. Hopper arbeitete am Navy-Computerprojekt Mark I sowie an Mark II und Mark III. Die Wörter bug und debugging wurden durch sie besonders bekannt; der Begriff bug für technische Fehler ist aber älter und wird im Artikel auf Thomas Edison im Jahr 1878 zurückgeführt. Hopper war außerdem an Vorarbeiten zur Programmiersprache COBOL beteiligt und erhielt den Spitznamen „Grandma COBOL“. Jean E. Sammet hatte ebenfalls eine leitende Rolle bei COBOL, veröffentlichte 1969 „Programming languages: history and fundamentals“ und war von 1972 bis 1974 erste Präsidentin der ACM.

Weitere genannte Beiträge reichen von Rózsa Péters rekursiven Funktionen als Grundlage der theoretischen Informatik über Frances E. Allens Arbeit an Programmoptimierung und Parallelisierung bis zu Radia Perlmans Spanning Tree Protocol, das 1990 IEEE-802.1D-Standard wurde. Im 21. Jahrhundert nennt der Artikel unter anderem Jade Raymond in der Spieleentwicklung, Ina Wagner in multidisziplinärem Systemdesign, Ivona Brandic zur Energiereduktion bei Hochleistungsrechnern, Ellen Spertus und Liz Looney beim App Inventor, Marissa Mayer bei Google und Yahoo, Ina Schieferdecker in Qualitätstechnik offener verteilter Systeme, Dorothea Wagner in der deutschen Wissenschaftsorganisation und Christine Regitz als IT-Spezialistin und Präsidentin der Gesellschaft für Informatik.

Frauenanteile und internationale Unterschiede

Der Frauenanteil in der Informatik hat sich historisch stark verändert und unterscheidet sich je nach Land erheblich. Der Artikel nennt für das Informatikstudium 2012 zum Beispiel Belgien mit 6,44 %, Österreich mit 15,01 % und Bulgarien mit 39,03 %. In vielen westlichen Ländern ist der Frauenanteil seit 1970 um über 50 % zurückgegangen.

Für Deutschland wird beschrieben, dass der Frauenanteil an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in Informatikberufen von 14 % im Jahr 1997 auf 7,5 % im Jahr 2012 fiel. In Führungspositionen und technischen Berufen ist der Anteil ebenfalls gering. Am 5. November 2014 lag der Anteil weiblicher Akademiker im MINT-Bereich bei 20 %, ein Wert, der auch für Informatik genannt wird. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Zwar schrieben sich 2014 an deutschen Universitäten 5,6 % mehr Frauen für Informatik ein als 2013, dennoch lag der Frauenanteil nur bei gut einem Fünftel.

Die Tabelle im Artikel vergleicht 2003 und 2012. In der Europäischen Union mit 27 Ländern sank der Frauenanteil von 22,73 % auf 16,79 %. Deutschland stieg von 15,09 % auf 17,05 %, Österreich von 9,47 % auf 15,01 %, die Schweiz blieb fast unverändert bei 6,38 % und 6,44 %. Malta stieg stark von 6,67 % auf 37,36 %, Finnland sank von 42,38 % auf 22,79 %. Auch außerhalb Europas nennt der Artikel Länder mit höheren Anteilen: In Kuweit waren nahezu 50 % aller Informatikstudierenden weiblich, 1993 in Mathematik und Informatik zusammen sogar über 72 %. In Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien und Libanon stellten Frauen an technisch orientierten höheren Schulen die Mehrheit. Der Artikel hebt hervor, dass nachhaltige Veränderung nicht durch ein „fixing the women“, sondern durch ein „fixing the organisation“ erreicht werden müsse.

Ursachen der Unterrepräsentation

Der Artikel nennt kulturelle, strukturelle und psychologische Gründe für den geringen Frauenanteil in westlichen Ländern. Studien weisen darauf hin, dass Frauen und Männer dieselbe Eignung für Mathematik und Naturwissenschaften haben. Die Annahme, Frauen interessierten sich grundsätzlich wenig für Computer und Technik, wird als nicht zutreffend dargestellt.

Ein wichtiger Grund ist die Konstruktion der Informatik als „männliches Fach“. Mit Prototyp ist das Bild eines idealen Gruppenmitglieds gemeint, also die Vorstellung, wie eine typische Person in einem Fach aussieht oder sich verhält. Wenn junge Frauen sich wenig ähnlich zu diesem Bild fühlen, kann ihr Interesse sinken. Das verbreitete Bild des männlichen Nerds oder Einzelgängers wirkt abschreckend. Auch frühe Sozialisation, stereotype Geschlechterrollen und fehlende weibliche Vorbilder spielen eine Rolle.

Weitere Vorurteile betreffen das Berufsbild. Informatikerinnen und Informatiker schreiben nicht nur Programme, sondern organisieren Projekte, präsentieren Ergebnisse, testen Lösungen, beraten Kunden und klären Anforderungen. Der Artikel nennt außerdem die falsche Annahme, man müsse vor Studienbeginn bereits Programmiersprachen beherrschen. Studienprogramme vermitteln Grundkenntnisse; wichtig seien unter anderem Mathematik- und Englischkenntnisse, Beharrlichkeit, Konzentration, Kreativität und Kommunikationsfähigkeit.

Zugehörigkeitsgefühl bedeutet, sich in einem akademischen Feld angenommen und passend zu fühlen. Ein geringes Zugehörigkeitsgefühl kann dazu führen, dass Personen ein Fach nicht wählen oder es verlassen. Soziale Identitätsbedrohung beschreibt Belastungen, die entstehen können, wenn Menschen in einem Feld negative Stereotype über ihre Gruppe erleben. Genannt werden Diskriminierung, sexuelle Belästigung, der Matilda-Effekt, also geringere Anerkennung von Frauen, und Stereotype Threat, bei dem der Stress, ein Vorurteil nicht bestätigen zu dürfen, die Leistung beeinträchtigen kann. Hinzu kommen externe Entmutigung, geringere Selbstwirksamkeitserwartung und eine in der Informatik besonders hohe Studienabbruchquote von Frauen.

Berufsaussichten und aktuelle Situation

Die Berufsaussichten in der Informatik werden als gut beschrieben. Durch technische Entwicklung nehmen programmierbare Geräte im Alltag zu, und viele Aufgaben werden bereits von ihnen übernommen. Dadurch steigt die Nachfrage nach Entwicklerinnen und Informatikfachkräften. Trotz guter Verdienstmöglichkeiten sind Informatik-Spezialistinnen am Arbeitsmarkt schwer zu finden. Viele Informatikerinnen werden laut Artikel schon während ihres Praxissemesters von Firmen umworben.

Informatikunternehmen klagen seit Jahren über Fachkräftemangel. In Deutschland seien seit Jahren rund 40000 Stellen in der Branche vakant. Firmen versuchen deshalb teilweise, durch Teilzeitmodelle und Heimarbeit familiengerechtere Arbeitsbedingungen anzubieten. Der Artikel betont, dass dafür auch Veränderungen in Arbeits- und Unternehmenskultur sowie in Beförderungspraktiken notwendig sind, damit diese Berufsfelder für Frauen attraktiver werden.

Zum Stand April 2015 nennt der Artikel außerdem aktuelle Beiträge von Frauen in der Informatik: Martina Koederitz war seit Mai 2011 Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland und General Manager für IBM Deutschland, Österreich und Schweiz. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, behandelte in ihrer Dissertation Wahlcomputer. Wendy Hall war von 2008 bis 2010 Präsidentin der ACM und wird als führende Forscherin im Bereich Multimedia und Internet beschrieben. Jennifer Widom forscht an Datenbanken, Nadia Magnenat-Thalmann an Computeranimation und Avataren. Mira Murati wird als CTO von OpenAI genannt und mit KI-Programmierung wie ChatGPT verbunden.

Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils

Der Artikel beschreibt viele Programme und strukturelle Ansätze zur Erhöhung des Frauenanteils. Für Deutschland wird erwähnt, dass die Bund-Länder-Kommission 2002 vor allem Studienreformen empfohlen hatte. Eine Bilanz von 2011 zeigte jedoch, dass nur 17 % der Aktivitäten auf Studienreformen zielten; die meisten Angebote richteten sich an Schülerinnen. Diese Angebote wurden zwar gut angenommen, aber langfristige Wirkungen ließen sich nicht belegen. Deshalb werden strukturelle Veränderungen in Studiengängen als dringend notwendig dargestellt.

Genannt werden unter anderem Girls’ Day, „Girls go Informatik“, „Komm mach MINT“, CyberMentor, „Netzwerk FIT“, „idee-it“, Informatica feminale an der Universität Bremen, Femtec sowie einzelne Hochschulprogramme. Die HTW Berlin bietet seit 2009 den Frauenstudiengang Informatik und Wirtschaft an. Positiv wird auch genannt, dass sich in Deutschland von 2010 bis 2021 die Zahl der männlichen Informatikstudierenden von 60.636 auf 112.178 verdoppelte, die Zahl der weiblichen Studierenden aber von 8.923 auf 26.214 fast verdreifachte.

In Österreich nennt der Artikel „FIT – Frauen in die Technik“, Girls’ Day, Girls’ Day JUNIOR, Girls’ Day MINI, „TEquality – Technik.Gender.Equality“ und „MiT – Mädchen in die Technik“. In der Schweiz gibt es ein einwöchiges Schnupperstudium Informatik für Frauen sowie die Initiative „Frauen in Naturwissenschaften und Technik“. In den USA werden „Girls Who Code“ und Googles „Made With Code“ erwähnt. Als Erfolgsbeispiel gilt die Carnegie Mellon University: Dort stieg der Frauenanteil im Informatikstudium von 7 % im Jahr 1995 auf 45 % im Jahr 2002, unter anderem durch veränderte Rekrutierung, Programmiergrundkurse mit geringen Vorkenntnissen, Studienplanänderungen und Workshops für High-School-Lehrkräfte.

Als grundlegende Maßnahmen nennt der Artikel veränderte Bezeichnungen und Werte, etwa eine kritischere Betrachtung des Begriffs Software Engineering, weil Softwareentwicklung oft auch soziale und kommunikative Probleme lösen muss. Außerdem werden flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, ein höheres Ansehen von Teilzeitarbeit, frauenförderliche Unternehmenskultur, Netzwerke, Konferenzen und Mentoringprogramme genannt. Wichtig sei auch eine wissenschaftliche Begleitung curricularer Veränderungen.

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