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Stellung der Frau im Alten Ägypten

Die Stellung der Frau im Alten Ägypten ist vergleichbar mit der hohen sozialen Stellung von Frauen in anderen frühen Hochkulturen, wie in Sumer oder Akkad …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundstellung und Rechte
  2. 2. Arbeit, Besitz und hohe Ämter
  3. 3. Herrscherinnen bis zum Mittleren Reich
  4. 4. Herrscherinnen des Neuen Reiches und der griechischen Zeit
  5. 5. Liebe, Ehe und Familienleben

Grundstellung und Rechte

Frauen besaßen im Alten Ägypten eine vergleichsweise hohe soziale und rechtliche Stellung. Anders als etwa im antiken Griechenland und im Römischen Reich waren sie rechtlich in wichtigen Bereichen den Männern vergleichbar: Sie konnten erben, Besitz vererben und benötigten keinen gesetzlichen Vormund. Für Verbrechen wie Diebstahl galten für Frauen dieselben Strafen wie für Männer.

Innerhalb der Familie galt die Frau als „Herrin des Hauses“ (Nebet-per) und konnte ein eigenes Siegel führen. Trotz der rechtlichen Gleichstellung gelangten Frauen in der Praxis nur selten in hohe Verwaltungs- oder Machtpositionen. Als möglicher Grund werden ihre Verpflichtungen innerhalb der Familie genannt. Auch vermitteln manche Texte ein negatives Frauenbild: Weisheitslehren warnen wiederholt vor Frauen, und im Papyrus Westcar wird eine Ehebrecherin lebendig verbrannt.

Frauen konnten als Schreiberinnen arbeiten und hohe Ämter übernehmen; sogar ein Fall einer Wesirin ist bekannt. Häufiger sind sie in handwerklichen Berufen wie der Bierbrauerei belegt. Vom Neuen Reich bis zur Spätzeit existierte außerdem das Amt der „Gottesgemahlin des Amun“. Seine Trägerinnen übten teilweise sogar Herrschaft über Oberägypten aus. Insgesamt blieben weibliche Alleinherrschaften während der rund 3000 Jahre altägyptischer Geschichte jedoch selten.

Arbeit, Besitz und hohe Ämter

Darstellungen in Mastabas, also monumentalen Grabbauten, zeigen, dass manche hochrangigen Frauen des Alten Reiches eine ausschließlich weibliche Dienerschaft beschäftigten. Die Titel dieser Bediensteten, etwa „Vorsteherin des Hauses“ oder „Schatzmeisterin“, weisen darauf hin, dass sie die Güter ihrer Herrin verwalteten. Eine solche „Frauenwirtschaft“ ist nicht bei allen Frauen und nur für das Alte Reich bezeugt.

In der Dritten Zwischenzeit trugen zahlreiche Frauen aus dem Königshaus hohe Verwaltungstitel, die in anderen Perioden nur für Männer belegt sind. Isisemheb und Neschons, die Gemahlinnen Pinudjems II., führten beispielsweise den Titel „Vizekönig von Kusch“. Königinnen konnten außerdem hohe Positionen in der Tempelverwaltung innehaben, etwa als „Domänenvorsteherin des Chonstempels“. Warum Frauen gerade damals solche Ämter erhielten, ist nicht eindeutig geklärt. Als mögliche Erklärung gelten gesellschaftliche Veränderungen, die mit der weitgehend libyschen Oberschicht verbunden waren.

Auch aus späterer Zeit sind besondere Fälle bekannt. Kleopatra III. war Alexanderpriesterin, obwohl dieses Amt normalerweise Männern vorbehalten war.

Herrscherinnen bis zum Mittleren Reich

Einige Frauen stiegen bis zum Pharaonenamt auf, häufig nachdem sie zunächst als Regentinnen für minderjährige Thronfolger gehandelt hatten. Ob einzelne frühe Königinnen tatsächlich selbst herrschten, ist allerdings umstritten.

In der 1. Dynastie erscheinen die Namen Neithhoteps und Meritneiths in einem Serech, einer sonst Herrschern vorbehaltenen Einfassung. Meritneith regierte möglicherweise einige Jahre für ihren minderjährigen Sohn Den. Bei beiden Frauen ist die Deutung als eigenständige Herrscherin umstritten.

Im Alten Reich wurde Chentkaus I. aus der 4. Dynastie an ihrem pyramidenartigen Grab mit den Merkmalen eines regierenden Königs dargestellt. Ihr Titel bezeichnete sie als „König von Ägypten“. Chentkaus II. aus der 5. Dynastie führte denselben Titel. Nitokris aus der 6. Dynastie gilt als letzte Herrscherin des Alten Reiches, doch ist ihre Identifizierung als Frau unsicher; auch die Umstände ihrer Thronbesteigung sind unbekannt.

Nofrusobek aus der 12. Dynastie ist die früheste sicher belegte Alleinherrscherin Ägyptens und die letzte Herrscherin des Mittleren Reiches. Ihr Andenken wurde nicht durch eine damnatio memoriae, also eine gezielte Zerstörung der Erinnerung an sie, ausgelöscht. Nach ihrer Herrschaft folgten mehr als 200 Jahre unruhiger Verhältnisse, die in der Ägyptologie als Zweite Zwischenzeit bezeichnet werden.

Herrscherinnen des Neuen Reiches und der griechischen Zeit

Hatschepsut aus der 18. Dynastie begann als Regentin, gab die Macht aber nicht ab, als ihr Stiefsohn und Neffe Thutmosis III. alt genug für die Königswürde war. Sie ließ sich selbst zum Pharao ausrufen und wurde mit königlichen Zeichen wie Nemeshaube und Zeremonialbart dargestellt.

Nofretete besaß unter ihrem Mann Echnaton großen Einfluss und könnte nach dessen Tod selbst regiert haben. Dagegen spricht für viele Forscher, dass Semenchkare als Nachfolger genannt wird. Allerdings trug dieser Nofretetes Beinamen, und ein vom Geburtsnamen abweichender Thronname war üblich. Weitere Hinweise werden ebenfalls diskutiert; eine Herrschaft Nofretetes bleibt unter Ägyptologen strittig. Auch Anchesenamun kommt für eine kurze Alleinherrschaft infrage, falls sie die Verfasserin des Dahamunzu-Briefes war.

Tausret aus der 19. Dynastie war zunächst Regentin für ihren Stiefsohn Siptah und regierte nach dessen Tod allein. Ihr Nachfolger Sethnacht begründete die 20. Dynastie. Der Dynastiewechsel ist ungeklärt; Sethnacht ließ Tausrets Andenken zerstören und eignete sich ihr Grab KV14 im Tal der Könige an.

In der Ptolemäerzeit übernahm Berenike Kleopatra 81 v. Chr. die Alleinherrschaft. Nach sechs Monaten zwang Sulla sie zur Heirat mit ihrem Stiefsohn Ptolemaios XI., der sie nach knapp drei Wochen Ehe ermorden ließ. Berenike IV. entthronte 58 v. Chr. ihren Vater, ließ ihren ersten Gatten ermorden und regierte mit ihrem zweiten sechs Monate, bis der zurückkehrende Ptolemaios XII. sie töten ließ.

Kleopatra VII. kämpfte mit Unterstützung der Römer, besonders Julius Caesars, gegen ihren Bruder und Ehemann Ptolemaios XIII. um den Thron. Dieser starb im Kampf. Obwohl sie danach ihren Bruder Ptolemaios XIV. heiratete, regierte sie faktisch allein. Nach Caesars Tod verbündete sie sich mit Marcus Antonius, unterlag jedoch Oktavian und beging Selbstmord. Sie gilt als letzte ägyptische Herrscherin, war aber wie alle Ptolemäer nicht ägyptischer Abstammung.

Liebe, Ehe und Familienleben

Ägyptische Männer umwarben Frauen mit poetischen Liebesliedern. Metaphern und Naturbilder drückten sowohl sanfte und zurückhaltende als auch sexuelle Gefühle aus. Verliebte nannten einander „Schwester“ und „Bruder“, um ihre empfundene geistige Nähe zu zeigen. Junge Frauen mussten offenbar nicht jungfräulich heiraten. Ein entsprechendes Gebot ist kaum belegt; die Übersetzung der wenigen einschlägigen Schriftquellen ist jedoch teilweise umstritten.

Für eine Eheschließung waren weder göttlicher Beistand noch besondere Förmlichkeiten notwendig. Zwei Menschen galten als verheiratet, sobald sie zusammenlebten, genauer: sobald die Frau mit ihrem gesamten Besitz zu einem Mann zog. Eheverträge kamen vor und wurden besonders in der Spätzeit häufiger abgeschlossen.

In einem Haus lebten Familienverbände mit Großeltern, Tanten und Neffen. Wegen der hohen Sterblichkeit waren diese Verbände vermutlich dennoch eher klein. Viele Kinder galten als Ideal, obwohl zahlreiche Kinder früh starben.

Die Geburt eines Kindes wurde als freudiges Ereignis betrachtet. Die Mutter erzog die kleinen Kinder. Mit ungefähr fünf bis sechs Jahren mussten diese auf dem Feld, im Garten oder im Haus mithelfen. Kinder wohlhabender Familien kamen ab dem sechsten Lebensjahr zur schulischen Ausbildung in den Palast oder einen Tempel.

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