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Französisches Kunstlied
Das französische Kunstlied (frz. mélodie, mit der Aussprache: [melɔdi]; engl. French Song) ist das französische Äquivalent zum deutschen Lied bzw.
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Begriff und Merkmale
Das französische Kunstlied heißt auf Französisch mélodie ([melɔdi]) und ist das französische Gegenstück zum deutschen Lied beziehungsweise Kunstlied. Es entstand später als dieses, nämlich im 19. Jahrhundert. Vom Chanson ist es grundsätzlich zu unterscheiden: Das Chanson orientiert sich stärker am französischen Volkslied. Bei einzelnen französischen Liedern lässt sich die Grenze zwischen beiden Gattungen jedoch nicht immer eindeutig ziehen.
Während sich das deutsche Lied zunächst am Volkslied orientierte und erst später „akademisch“ wurde, war die französische mélodie von Anfang an eine stärker poetische und aristokratische Gattung. Die Übernahme des deutschen Ausdrucks „le lied“ ins Französische verdeutlicht den Einfluss der deutschen und österreichischen Liedtradition auf Frankreich. Besonders wichtig waren dabei die großen Liederzyklen Franz Schuberts und die weitere Entwicklung bis zur Spätromantik.
Als kennzeichnend für die französische Kompositionskunst gelten nach einer von Pierre Bernac angeführten Aussage Claude Debussys Klarheit des Ausdrucks, Präzision und Konzentration der Form. Bernac beschreibt sie als eine Kunst der Suggestion. Prägnanz und Vielfalt stehen dabei im Vordergrund; Übertreibung wird vermieden.
Entstehung und wichtige Beispiele
Hector Berlioz (1803–1869) schrieb einige der ersten mélodies und gehörte zu den ersten Komponisten, die diesen Begriff für eigene Werke verwendeten. Sein Liederzyklus Les nuits d’été von 1841 gilt bis heute als bedeutendes Beispiel der Gattung. Der französische Sänger Pierre Bernac (1899–1979) betrachtete dagegen Charles Gounod (1818–1893) als den eigentlichen Schöpfer des französischen Kunstliedes.
Die französische Gattung entwickelte sich im Vergleich zum deutschsprachigen Kunstlied relativ spät. Als wichtige frühe französische Vertreter tätig waren, komponierten im deutschen Sprachraum bereits Gustav Mahler und Richard Strauss.
Komponisten und Repertoire
Zu den zentralen Komponisten französischer Kunstlieder gehören Hector Berlioz, Charles Gounod, Gabriel Fauré, Henri Duparc, Claude Debussy, Maurice Ravel und Francis Poulenc. Weitere Vertreter sind unter anderem Georges Bizet, César Franck, Édouard Lalo, Camille Saint-Saëns, Léo Delibes, Jules Massenet, Emmanuel Chabrier, Ernest Chausson, Erik Satie, André Caplet, Albert Roussel, Reynaldo Hahn, Charles Koechlin, Jacques Leguerney und Olivier Messiaen.
Das Repertoire reicht damit von Komponisten des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert. Es umfasst einzelne Lieder ebenso wie Liederzyklen, etwa Berlioz’ Les nuits d’été. Auch Musiker außerhalb Frankreichs schrieben französische Vokalmusik.
Interpretation und Nachschlagewerke
Pierre Bernac, der lange als Duo-Partner des Liedkomponisten Francis Poulenc auftrat, verfasste mit The Interpretation of French Song ein methodisches Standardwerk zur Aufführung und Interpretation der mélodie. Es behandelt die Vokalwerke von achtzehn Komponisten, von Berlioz bis Poulenc. Dazu zählen Gounod, Franck, Lalo, Saint-Saëns, Delibes, Bizet, Massenet, Duparc, Chabrier, Chausson, Fauré, Debussy, Satie, Caplet, Roussel und Ravel. Bernac bespricht große Teile ihres Liedschaffens und gibt Hinweise zur praktischen Interpretation.
Graham Johnson und Richard Stokes veröffentlichten 2002 den Repertoireführer A French Song Companion. Er erfasst Werke von mehr als 150 Komponisten, überwiegend aus Frankreich, daneben aber auch von britischen, amerikanischen, deutschen, spanischen und italienischen Musikern. Das Buch enthält ausführliche Beiträge zu Fauré, Duparc, Debussy, Ravel und Poulenc sowie Darstellungen und Neubewertungen weiterer Komponisten. Hinzu kommen die vollständigen französischen Texte von mehr als 700 Liedern mit englischen Übersetzungen von Richard Stokes. Dadurch bietet das Werk zugleich einen Überblick über französische Dichtung vom 15. bis zum 20. Jahrhundert.
Eine weitere wichtige Sammlung ist Romantic French song, 1830–1870, herausgegeben von David Tunley. Sie erschien 1994 und 1995 in New York in sechs Bänden. Als Tonträgerübersicht entstand außerdem die repräsentative CD-Reihe La mélodie française bei France Télécom.