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Französisch-polnische Beziehungen

Die Französisch-polnischen Beziehungen lassen sich um mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen und weisen einen besonderen Charakter auf. Ab dem 16.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge der Beziehungen
  2. 2. Frühe Bündnisversuche und napoleonische Zeit
  3. 3. Emigration und Bündnispolitik bis 1939
  4. 4. Krieg und Kalter Krieg
  5. 5. Zusammenarbeit seit 1991

Grundzüge der Beziehungen

Die französisch-polnischen Beziehungen reichen mehrere Jahrhunderte zurück. Seit dem 16. Jahrhundert bemühten sich beide Staaten wiederholt um Bündnisse und politische Zusammenarbeit; außerdem gab es mehrere Ehen zwischen den Herrscherhäusern. Besonders prägend waren die napoleonische Zeit, die polnische Emigration nach Frankreich im 19. Jahrhundert sowie die Bündnisse der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs.

Die französische Unterstützung für Polen blieb dabei mehrfach begrenzt. Frankreich sympathisierte bei den antirussischen Aufständen von 1830 und 1863 mit den polnischen Rebellen, griff aber nicht ein. Auch 1939 erklärte Frankreich nach dem deutschen Angriff auf Polen zwar NS-Deutschland den Krieg, leistete militärisch jedoch nur begrenzt Hilfe. Der daraus entstandene Vorwurf eines „westlichen Verrats“ prägt eine bis heute bestehende Ambivalenz. Nach 1991 gewannen die Beziehungen durch Polens Beitritt zu NATO und EU sowie durch das 1991 geschaffene Weimarer Dreieck von Polen, Frankreich und Deutschland deutlich an Gewicht.

Frühe Bündnisversuche und napoleonische Zeit

Vor dem 18. Jahrhundert waren die Beziehungen wegen der gemeinsamen katholischen Religion zwar verbunden, politisch aber eher zweitrangig. Französische und polnische Truppen kämpften 1396 bei Nikopolis gemeinsam gegen die Osmanen. Ein 1524 geschlossenes Bündnis scheiterte nach der Niederlage und Gefangennahme Franz’ I. in der Schlacht von Pavia 1525. Heinrich III. von Frankreich wurde 1573 zum König von Polen gewählt, verließ Polen jedoch bereits 1574, um französischer König zu werden. Mehrere Ehen verbanden die Dynastien; ein Bündnisvertrag von 1675 wurde allerdings nicht umgesetzt.

In den 1730er Jahren versuchte Stanisław I. Leszczyński mit französischer Unterstützung ein Bündnis. Nach seiner Niederlage im Polnischen Erbfolgekrieg wurde er 1737 Herzog von Lothringen. Seine Tochter Marie Leszczyńska wurde französische Königin und Gemahlin Ludwigs XV. Im späten 18. Jahrhundert beeinflusste die Französische Revolution die Reformen des Vierjährigen Sejm und die erste Einführung einer modernen Verfassung in Polen und Europa. Ein offizielles Bündnis kam dennoch nicht zustande.

1807 schuf Napoleon I. das Herzogtum Warschau als ihm loyalen Pufferstaat zwischen Österreich, Preußen und Russland. Friedrich August I. von Sachsen wurde Herzog. Das Herzogtum beseitigte die feudale Gesellschaftsordnung, schaffte die Leibeigenschaft ab und führte ein modernes, am Code Napoleon orientiertes Rechtssystem ein. Polen kämpften in Napoleons Kriegen: etwa 10.000 wurden auf die Iberische Halbinsel entsandt; im Russlandfeldzug von 1812 stellten sie das bei weitem größte ausländische Kontingent der Napoleonischen Armee. Sie hofften auf die Wiedergewinnung Litauens und eine Revision der Teilungen nach 1772. Nach dem Scheitern des Feldzugs wurde das Herzogtum 1815 aufgelöst. Die von Bonaparte 1797 unterstützten polnischen Legionen und ihr Kommandant Jan Henryk Dąbrowski leben auch in der Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego fort.

Emigration und Bündnispolitik bis 1939

Das aus den Gebieten des Herzogtums gebildete Kongresspolen war ein russischer Satellitenstaat, behielt aber politischen Spielraum und den napoleonischen Kodex. Der gescheiterte Novemberaufstand 1830/31 und der Januaraufstand 1863/64 beendeten schließlich die polnischen Sonderrechte. Napoleon III. verweigerte Hilfe, setzte nach der Unterdrückung der Polen jedoch ein Bündnis mit Russland aus.

Die Große Emigration von 1831 bis 1870 war die Auswanderung politischer Eliten aus dem geteilten Polen, besonders nach diesen beiden Aufständen. Frankreich galt vielen Polen als europäische Bastion der Freiheit; dort konzentrierte sich ein großer Teil des politischen und ideologischen Wirkens der polnischen Intelligenz. Frankreich wurde zudem zu einem wichtigen Siedlungsland polnischer Einwanderer. Im 21. Jahrhundert leben dort etwa eine Million Menschen polnischer Abstammung, vor allem in Nord-Pas-de-Calais, im Großraum Lille und in der Bergbauregion um Lens und Valenciennes.

Nach der polnischen Unabhängigkeit infolge des Ersten Weltkriegs unterstützte Frankreich Polen im Polnisch-Sowjetischen Krieg 1919–1921 durch eine Militärmission. 1921 vereinbarten beide Staaten ein militärisches, politisches und wirtschaftliches Bündnis, das 1923 in Kraft trat und vor allem gegen mögliche deutsche Aggression gerichtet war. Seine Wirkung blieb eingeschränkt. Das Kasprzycki-Gamelin-Abkommen vom 19. Mai 1939 verpflichtete beide Armeen zur gegenseitigen Hilfe im Krieg mit Deutschland. Maurice Gamelin versprach binnen drei Wochen nach einem deutschen Angriff eine „kühne Entlastungsoffensive“.

Krieg und Kalter Krieg

Frankreich erklärte Deutschland 1939 nach dessen Einmarsch in Polen den Krieg, führte jedoch im Sitzkrieg keinen ernsthaften Angriff durch. Polen evakuierte während der deutschen Invasion Goldreserven nach Frankreich. Ende 1939 entstand dort unter General Władysław Sikorski eine neue polnische Armee. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940 waren die offiziellen Beziehungen bis 1944 ausgesetzt. 23.000 Polen wurden zur Zwangsarbeit in das besetzte Frankreich deportiert; zugleich kamen französische Kriegsgefangene in Lager und zur Zwangsarbeit im besetzten Polen. Polen beteiligten sich an der französischen Résistance und polnische Truppen an der Befreiung Frankreichs 1944. Trotzdem blieb der Vorwurf bestehen, Frankreich habe seine Vorkriegszusage gegenüber Polen gebrochen.

Im Kalten Krieg von 1947 bis 1989 standen Frankreich in der NATO und Polen im Warschauer Pakt auf unterschiedlichen Seiten des Eisernen Vorhangs; politische, wirtschaftliche und persönliche Kontakte waren daher wenig intensiv. Charles de Gaulle besuchte Warschau 1967. Nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 erklärte Außenminister Claude Cheysson, Frankreich werde „selbstverständlich nichts tun“. Französische Privatpersonen und Intellektuelle unterstützten jedoch den Freiheitskampf und hielten Kontakt zu Solidarność. Das in Paris erscheinende Exilmagazin Kultura war ein einflussreiches oppositionelles Medium und in der Volksrepublik Polen verboten.

Zusammenarbeit seit 1991

Nach dem Ende des Kommunismus intensivierten sich die Beziehungen. Im Weimarer Dreieck arbeiten Polen, Frankreich und Deutschland seit 1991 zusammen. Frankreich stand der EU-Osterweiterung zunächst skeptisch gegenüber, unterstützte Polens EU-Beitritt aber 2004. Seit dem Beitritt Polens am 1. Mai 2004 finden regelmäßig Treffen der Staatschefs statt; französische Unternehmen bauten ihre Investitionen in Polen aus. Spannungen gab es unter den rechtspopulistischen polnischen Regierungen im Umfeld von Jarosław und Lech Kaczyński sowie 2022 zwischen Emmanuel Macron und Mateusz Morawiecki. Trotz dessen arbeiteten beide Staaten nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 bei der Unterstützung der Ukraine zusammen.

Die Wirtschaftsbeziehungen sind eng: Das Handelsvolumen betrug 25,5 Milliarden Euro 2021 und 29,5 Milliarden Euro 2022. Frankreich war 2022 mit 4,2 % des polnischen Außenhandels Polens viertgrößter Handelspartner; Polen war mit 2,1 % des französischen Außenhandels Frankreichs zehntgrößter Handelspartner. Über 1000 französische Unternehmen sind in Polen tätig, unter anderem in Telekommunikation, Einzelhandel und Banken.

Kulturell bestehen zwei Ableger des Institut français in Warschau und Krakau sowie neun der Alliance française (Stand 2023). Knapp ein Zehntel der Schülerinnen und Schüler in Polen lernt Französisch. Polen ist seit 1997 Beobachter der Organisation internationale de la Francophonie; zudem gibt es über 170 Städtepartnerschaften. Frankreich unterhält eine Botschaft in Warschau und ein Generalkonsulat in Krakau, Polen eine Botschaft in Paris und ein Generalkonsulat in Lyon.

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