Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Französisch-Nordafrika im Zweiten Weltkrieg
Nach dem deutschen Sieg über Frankreich im Juni 1940 gehörte Französisch-Nordafrika mit Algerien, Tunesien und Marokko zunächst zu Vichy-Frankreich.
Inhalt6 Abschnitte
Ausgangslage und französische Lager
Nach dem deutschen Sieg über Frankreich im Juni 1940 gehörten Algerien, Tunesien und Marokko zunächst zu Vichy-Frankreich. Das autoritäre Vichy-Regime unter Marschall Philippe Pétain kollaborierte mit Hitler, schaffte demokratische Rechte ab, zensierte die Presse, verfolgte Linke und Gewerkschaften und führte Rassegesetze nach dem Vorbild der Nürnberger Gesetze ein. Charles de Gaulle stellte sich dagegen: Aus seinem Londoner Exil rief er mit dem „Appell des 18. Juni“ dazu auf, den bewaffneten Kampf an der Seite der Alliierten fortzusetzen.
Am 8. November 1942 landeten die Alliierten während der Operation Torch gleichzeitig in Marokko, Oran und Algier. Angehörige der Résistance unter Führung des jungen José Aboulker unterstützten die Landung durch den Putsch vom 8. November gegen die französische Militärführung. Sie hofften neben dem militärischen Seitenwechsel auf die Wiederherstellung demokratischer Freiheiten, die Aufhebung der Diskriminierung von Juden und die Freilassung inhaftierter Widerstandskämpfer.
Admiral François Darlan, nach Pétain und Laval der dritthöchste Machthaber des Vichy-Regimes, und General Alphonse Juin wurden in Algier vorübergehend festgenommen, aber von der regimetreuen Garde mobile befreit. Algier kapitulierte noch am Abend. Darlan verzögerte jedoch den allgemeinen Waffenstillstand bis zum 10. November. Mit der deutschen Besetzung der bisher unbesetzten französischen Südzone am 11. November 1942 standen sich in Nordafrika schließlich zwei französische Lager unter den Generälen Henri Giraud und de Gaulle gegenüber.
Nachrichtendienst und militärischer Seitenwechsel
Der US-Diplomat Robert Murphy hatte während der amerikanischen Neutralität ein Handelsabkommen mit General Maxime Weygand ausgehandelt. Dadurch konnten zwölf als Vizekonsuln getarnte Agenten nach Französisch-Nordafrika entsandt werden. Einheimische Informanten lieferten ihnen wirtschaftliche und militärische Nachrichten. Colonel William Alfred Eddy baute in der ersten Jahreshälfte 1942 zusätzlich ein geheimes Funknetz entlang der nordafrikanischen Küste auf.
Murphy informierte die etwa 15.000 Europäer umfassende, gut organisierte Résistance nicht über die bevorstehende Landung, weil er die französische Kolonialverwaltung nicht schwächen wollte. Er setzte vor allem auf die Kooperation der Vichy-Generäle und forderte Juin am Morgen nach Beginn der Landung zum Seitenwechsel auf.
Darlan und Juin ließen die Kämpfe in Oran und Marokko dennoch mehrere Tage weitergehen. Erst unter massivem Druck des amerikanischen Generals Mark W. Clark trat der Waffenstillstand am 10. November in Oran und am 11. November in Marokko in Kraft. In Tunesien sollte General Barré zunächst Deutschen und Italienern die Macht übergeben und den alliierten Vormarsch verzögern. Erst am 12. November nahm das neu geschaffene Freiwilligenkorps Corps Francs d'Afrique (CFA) den Kampf gegen die Achsenmächte auf. Anschließend übertrug Darlan Giraud den Oberbefehl über die französischen Land- und Luftstreitkräfte in Nordafrika.
Fortbestehen des Vichy-Systems unter Darlan
Die Alliierten ließen Darlan trotz seines vorherigen Widerstands als Machthaber im befreiten Französisch-Nordafrika amtieren. US-Präsident Franklin D. Roosevelt und General Dwight D. Eisenhower bezeichneten dies als militärisch zweckmäßige Notlösung: Sie erwarteten, dadurch den Seitenwechsel der französischen Truppen zu erleichtern. De Gaulle und die Résistance lehnten diese Fortführung des Vichy-Regimes unter alliierter Kontrolle ab.
Darlan erklärte sich am 14. November 1942 „im Namen des abwesenden Marschalls“ zum „Hochkommissar von Frankreich in Afrika“. Er setzte vichyfreundliche Amtsträger ein und schuf einen Conseil Impérial, dem unter anderem Bergeret, Giraud, General Charles Noguès, Châtel und später Boisson angehörten. Am 13. November forderte er erfolglos die übrige Vichy-Flotte auf, sich ihm anzuschließen; am folgenden Tag kam Französisch-Westafrika unter seine Kontrolle.
Die Vereinbarung „Darlan-Clark“ unterstellte die französische Seite einer weitreichenden amerikanischen Kontrolle. Umgruppierungen französischer Streitkräfte bedurften der Genehmigung amerikanischer Befehlshaber. Helfer der alliierten Invasion sollten freigelassen werden. Die Alliierten waren von direkten und indirekten Steuern befreit, ihre Staatsbürger und Streitkräfte genossen Extraterritorialität, und wichtige Gebiete konnten zu alliierten Militärregionen erklärt werden.
Trotz des Seitenwechsels galten die Diskriminierungsgesetze weiter. Politische Gefangene blieben in Lagern im Süden Algeriens inhaftiert. Am Putsch beteiligte Offiziere verloren ihre Kommandos und kamen unter Hausarrest. Ein Rundschreiben Girauds vom 15. November 1942 schloss Juden aus Kampfeinheiten aus; sie wurden vor allem Pionier- und Erdarbeiten zugeteilt.
Gegen diese Politik protestierten de Gaulle und das Französische Nationalkomitee, die Mouvements unis de la Résistance, alliierte Journalisten, Gaullisten, Kommunisten und die jüdische Gemeinde. Sie verlangten je nach Gruppe eine demokratische Regierung, die Freilassung der Internierten, die Beseitigung der Diskriminierung und die gleichberechtigte Aufnahme jüdischer Soldaten in Kampfeinheiten.
Darlans Ermordung und Girauds Herrschaft
Am 24. Dezember 1942 erschoss der 20-jährige Freiwillige Fernand Bonnier de La Chapelle Admiral Darlan im Sommerpalais. Vier Bewaffnete des Französischen Afrikakorps hatten Bonnier für die Tat ausgelost; Pater Cordier hatte ihm vorher die Absolution erteilt. Bonnier wurde sofort festgenommen, am folgenden Tag zum Tode verurteilt und in großer Eile hingerichtet. Giraud setzte sich weder für eine Begnadigung noch für eine Strafumwandlung ein. Am 21. Dezember 1945 rehabilitierte das Appellationsgericht in Algier Bonnier posthum, weil sein Tatmotiv „im Interesse der Befreiung Frankreichs“ gelegen habe.
Die Alliierten machten deutlich, dass sie nur Giraud als Nachfolger Darlans unterstützen würden. Deshalb wurde er am 26. Dezember 1942 zum Hochkommissar ernannt und nannte sich „oberster ziviler und militärischer Chef“. Giraud hielt am Vichy-System und an seiner formalen Legitimation durch den „abwesenden Marschall“ fest. Am 30. Dezember ließ die Garde mobile zahlreiche Widerstandskämpfer verhaften und nach Laghouat bringen; Giraud rechtfertigte dies mit einem angeblichen Komplott gegen ihn.
Unter dem Slogan „ein einziger Zweck, der Sieg“ ordnete Giraud politische Veränderungen den militärischen Anstrengungen unter. Er ließ Pétains diskriminierende Gesetze bestehen, hielt jüdische Soldaten aus Kampfeinheiten fern und beließ politische Gefangene in den Lagern des Südens.
Alliierter Reformdruck und Aufstieg de Gaulles
Da zwei rivalisierende französische Machtzentren bestanden, drängten die Alliierten Giraud und de Gaulle zur Zusammenarbeit. Auf der Casablanca-Konferenz 1943 trafen Roosevelt und Churchill beide Generäle; ein Handschlag verdeckte ihre grundlegenden Gegensätze nicht. Giraud erwartete aufgrund seines höheren militärischen Rangs de Gaulles Unterordnung. De Gaulle wollte nur auf Augenhöhe über eine Regierung verhandeln, die republikanische Gesetze wiederherstellen, Widerstandskämpfer freilassen und vichytreue Amtsträger entfernen konnte. Die USA bevorzugten zunächst Giraud, während die alliierte Presse zunehmenden Druck für eine Demokratisierung ausübte.
Roosevelt entsandte Jean Monnet als politischen Berater zu Giraud. Monnet überzeugte ihn, mit den Anordnungen vom 18. März 1943 demokratische Institutionen teilweise wiederherzustellen. Die Reform blieb unvollständig: Das Crémieux-Dekret, das den Juden Algeriens die französische Staatsbürgerschaft garantierte, blieb außer Kraft, und Juden durften weiterhin nicht in Kampfeinheiten dienen.
Gleichzeitig wuchs de Gaulles Ansehen. Seine Freien Französischen Streitkräfte unter Marie-Pierre Kœnig und Leclerc nahmen nach ihrem Vormarsch nach Norden an der Befreiung von Tunis teil. Etwa die Hälfte des Französischen Afrikakorps und zahlreiche Soldaten aus Girauds Armee wechselten zu ihnen. De Gaulle verband das Freie Frankreich, nun „Kämpfendes Frankreich“, enger mit der Résistance im besetzten Mutterland. Der von Jean Moulin einberufene Conseil National de la Résistance erklärte am 15. Mai 1943, das französische Volk fordere eine provisorische Regierung unter de Gaulles Präsidentschaft, während Giraud Militärchef werden solle.
Gemeinsames Befreiungskomitee und Entscheidung des Machtkampfs
Giraud lud de Gaulle schließlich nach Algier ein, wo dieser am 30. Mai 1943 eintraf. De Gaulle verlangte eine „wahre Regierung“ und die Ablösung vichytreuer Territorialherrscher. Schon am folgenden Tag erreichte er ohne Girauds Wissen den Rücktritt Marcel Peyroutons, eines ehemaligen Ministers Pétains, den Giraud zum Generalgouverneur Algeriens ernannt hatte. Giraud antwortete am 2. Juni mit der Berufung von Admiral Émile Muselier und André Labarthe, zwei Gegnern de Gaulles, auf Schlüsselpositionen.
Am 3. Juni 1943 entstand das Comité Français de la Libération Nationale (CFLN), eine französische Regierung mit Giraud und de Gaulle als Co-Präsidenten. Ihm gehörten die gaullistischen Kommissare André Philip für Inneres und René Massigli für Äußeres sowie die giraudistischen Kommissare Jean Monnet für Bewaffnung und General Alphonse Georges als Staatskommissar an. General Catroux koordinierte das Komitee.
De Gaulle setzte anschließend den Austausch aller Territorialchefs durch: General Gabriel Puaux wurde Generalresident in Marokko, General Georges Catroux Generalgouverneur in Algerien, Jean Helleu übernahm die Levante-Territorien und General Charles Mast Tunesien. Am 22. Oktober 1943 wurde das Décret Crémieux wieder in Kraft gesetzt, wodurch die Juden Algeriens erneut gleichberechtigte französische Staatsbürger wurden.
De Gaulle setzte sich damit nach wenigen Monaten gegen Giraud durch. Entscheidend war neben seiner politischen Strategie die Unterstützung durch Vertreter der Résistance, der Parteien und der Gewerkschaften des Mutterlandes. Seine Autorität wurde später in der Konsultativversammlung legitimiert. Der Artikel weist allerdings selbst auf eine unzureichende Beleglage und grundsätzlichen Überarbeitungsbedarf hin; einzelne Darstellungen sind daher als nicht hinreichend abgesichert gekennzeichnet.