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Französisch-österreichische Beziehungen
Die französisch-österreichischen Beziehungen gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück, wobei deren Geschichte sowohl von Konflikten als auch von …
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Überblick
Die französisch-österreichischen Beziehungen reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Sie wechselten mehrfach zwischen Rivalität, Krieg, Bündnissen und gegenseitiger Unterstützung. Besonders prägend waren der jahrhundertelange habsburgisch-französische Gegensatz, die Bündnisumkehr von 1756, die Napoleonischen Kriege, die beiden Weltkriege und Frankreichs Mitwirkung an der Wiederherstellung eines unabhängigen Österreich nach 1945.
Heute bilden die gemeinsame Mitgliedschaft in der Europäischen Union sowie enge wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und gesellschaftliche Kontakte die Grundlage guter Beziehungen. Die Heirat Marie-Antoinettes mit Ludwig XVI. gilt als bekanntes Symbol der historischen Annäherung beider Herrscherhäuser.
Von der Rivalität zum Bündnis
Die langjährige Rivalität begann nach dem Tod Karls des Kühnen 1477. Seine Tochter Maria von Burgund heiratete Maximilian I. von Habsburg. Sowohl Maximilian als auch der französische König Ludwig XI. beanspruchten das burgundische Erbe. Nach den burgundischen Erbfolgekriegen von 1477 bis 1482 und 1487 bis 1493 erhielt Maximilian im Frieden von Senlis 1493 den Großteil der burgundischen Territorien im Heiligen Römischen Reich.
Durch weitere dynastische Verbindungen vereinten die Habsburger Besitzungen in Burgund, Spanien, Italien und Übersee. Unter Karl V. fühlte sich Frankreich von habsburgischen Gebieten eingekreist. Daraus entstand der rund 240 Jahre dauernde habsburgisch-französische Gegensatz. Er reichte von den Italienischen Kriegen (1494–1559) über den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) bis zum Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714). Die Friedensschlüsse von Utrecht 1713 sowie Rastatt und Baden 1714 stärkten ein europäisches System des Mächtegleichgewichts.
Mitte des 18. Jahrhunderts führte der Aufstieg Preußens zu einer grundlegenden Bündnisumkehr, dem renversement des alliances. Österreich suchte nun die Nähe zum früheren Gegner Frankreich, während Frankreich mit England konkurrierte. Der erste Vertrag von Versailles vom 1. Mai 1756 war offiziell ein Defensivbündnis, richtete sich aber informell gegen Preußen. Im zweiten Vertrag vom 1. Mai 1757 versprach Frankreich Österreich 130.000 Mann und 12 Millionen Gulden. Der Siebenjährige Krieg endete 1763 ohne Rückgewinnung Schlesiens und Glatz'.
1770 festigte die Heirat Maria Antonias, einer Tochter Maria Theresias, mit dem späteren Ludwig XVI. das Bündnis und beendete den fast 300-jährigen Konflikt symbolisch. Während der Französischen Revolution verschlechterten sich die Beziehungen erneut. Nach der Pillnitzer Deklaration von 1791 erklärte Frankreich am 20. April 1792 den Krieg. Der Erste Koalitionskrieg endete 1797 mit dem Frieden von Campo Formio. Nach weiteren französischen Siegen bei Marengo und Hohenlinden sicherte der Frieden von Lunéville Frankreich die linksrheinischen Gebiete und bestätigte die durch den Revolutionsexport entstandenen Tochterrepubliken sowie das Königreich Etrurien.
Napoleon, Neuordnung Europas und Erster Weltkrieg
Nach Napoleons Kaiserkrönung im Dezember 1804 wurde das Kaisertum Österreich ausgerufen; Franz II. wurde als Franz I. Kaiser von Österreich. Im Dritten Koalitionskrieg unterlagen österreichische und russische Truppen 1805 bei Austerlitz. Der Frieden von Pressburg brachte Österreich große Gebietsverluste. Unter Napoleons Druck legte Franz II. die Krone des Heiligen Römischen Reiches nieder; 1806 entstand der Rheinbund und das Reich wurde endgültig aufgelöst.
1809 errang Österreich bei Aspern die erste Niederlage Napoleons auf einem Schlachtfeld, verlor aber die folgenden Kämpfe. Der Friede von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809 brachte weitere Gebietsverluste und eine Kriegskontribution. Zusammen mit den Kriegsausgaben trug dies 1811 zum österreichischen Staatsbankrott bei. 1810 heiratete Napoleon Marie Louise, die Tochter Franz' I.; das Bündnis zwang Österreich 1812 zur Teilnahme am Russlandfeldzug.
1813 verbündete sich Österreich wieder mit Russland und Preußen. Die Allianz besiegte Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig. Nach weiteren Kämpfen nahmen die Verbündeten am 31. März 1814 Paris ein; Napoleon dankte ab und wurde durch den Vertrag von Fontainebleau nach Elba verbannt. Der Wiener Kongress von September 1814 bis 9. Juni 1815 ordnete Europa neu und gab Österreich zahlreiche zuvor verlorene Gebiete zurück.
Die Revolution von 1848 in Frankreich wirkte auch auf Österreich, wo der Umsturz jedoch scheiterte und der Neoabsolutismus folgte. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 entstand das Deutsche Kaiserreich. In den folgenden Jahrzehnten bildeten sich zwei gegnerische Bündnisblöcke: Österreich-Ungarn stand im Zweibund von 1878 mit Deutschland, später erweitert um Italien und Rumänien. Frankreich verband sich ab 1894 mit Russland, 1904 mit England; 1907 folgte das Bündnis zwischen Russland und England.
Nach dem Attentat von Sarajevo begann am 28. Juli 1914 mit Österreich-Ungarns Kriegserklärung an Serbien der Erste Weltkrieg. Frankreich brach am 10. August 1914 die diplomatischen Beziehungen zu Österreich-Ungarn ab. Österreichisch-ungarische Truppen unterstützten Deutschland an der Westfront in Frankreich und Belgien. Der Krieg endete für Österreich-Ungarn mit dem Waffenstillstand von Villa Giusti am 3. November 1918; am 8. November folgte der Waffenstillstand von Compiègne.
Zwischenkriegszeit, Besatzung und Staatsvertrag
Der 1920 in Kraft getretene Vertrag von Saint-Germain besiegelte das Ende Österreich-Ungarns und verbot Österreich den Anschluss an Deutschland. Frankreich unterstützte einen unabhängigen österreichischen Staat, um einen neuen großen deutschen Machtblock zu verhindern. Zugleich lehnte es eine Restauration der Habsburger ab: Der Grundsatz lautete „Weder Anschluss noch Habsburg!“. Wirtschaftlich besaß Frankreich erhebliche Beteiligungen an österreichischen Banken und Industriebetrieben. Hilfe wurde teilweise an politische Bedingungen geknüpft, etwa 1931 an den Verzicht auf eine deutsch-österreichische Zollunion.
Nach der Ausschaltung des österreichischen Parlaments 1933 versuchte Frankreich erfolglos, durch die Zurückhaltung von Hilfszahlungen eine Rückkehr zur Demokratie zu erzwingen. Ab 1934 verbesserten sich die diplomatischen Beziehungen zunächst, weil der österreichische Ständestaat ebenfalls die Unabhängigkeit von Deutschland sichern wollte. Das Juli-Abkommen von 1936 mit dem Deutschen Reich führte jedoch zur Entfremdung. Als der „Anschluss“ am 13. März 1938 vollzogen wurde, beschränkten sich Frankreich und Großbritannien auf Protestnoten; Frankreich akzeptierte ihn am 2. April 1938.
Österreichische Exilanten konnten sich in Frankreich kulturell und politisch betätigen. Vereinigungen und Zeitungen betrieben antinationalsozialistische Aufklärung; nach der Teilung Frankreichs organisierten Exilanten den Widerstand aus Südfrankreich weiter. 1942 wurden ihre Einheiten ein anerkannter Bestandteil der Nationalen Front Frankreichs. Die Moskauer Erklärung von 1943 sah erneut einen unabhängigen österreichischen Staat vor, verlangte aber einen österreichischen Eigenbeitrag zur Befreiung.
Nach dem Sieg über das Deutsche Reich 1945 übernahm Frankreich Nordtirol, Vorarlberg und ein Viertel Wiens als Besatzungszone. Es trat als Befreier auf, förderte Kulturinitiativen und unterstützte die staatliche Unabhängigkeit. Die Wahlen vom 25. November 1945 und die Anerkennung der Regierung Figl im Dezember schufen noch vor 1946 eine funktionsfähige Regierung.
Bei den Verhandlungen über den Staatsvertrag vermittelte Frankreich unter anderem mit dem Cherrièreplan im Streit zwischen Österreich und der Sowjetunion über finanzielle Abgeltungen und den Erdölbereich. Es verlangte zunächst politische und militärische Garantien und sorgte sich zugleich vor einem strategischen Vakuum nach dem Truppenabzug. Frankreich trug besonders zur Wahrung der Einheit Österreichs bei. Mit dem Staatsvertrag von 1955 erhielt Österreich Souveränität und Unabhängigkeit zurück und entschied sich als souveräner Staat für Neutralität. Seitdem gelten die bilateralen Beziehungen als gut.
Handel, Unternehmen und Institutionen
Vor Österreichs EU-Beitritt bestand gegenüber Frankreich traditionell ein österreichisches Handelsbilanzdefizit; die einzige Ausnahme war 1952. Besonders in den späten 1970er-Jahren nahm der bilaterale Handel stark zu. Nach dem EU-Beitritt 1995 intensivierten sich die Beziehungen weiter: Von 1995 bis 2015 hat sich das Außenhandelsvolumen mehr als verdoppelt. 2015 war Frankreich die fünftwichtigste Destination österreichischer Warenexporte und der siebentwichtigste Partner bei Warenimporten.
Bis etwa 2000 überwogen meist die französischen Lieferungen nach Österreich. Danach stiegen die österreichischen Exporte stark, während die Importe ungefähr auf gleichem Niveau blieben. 2015 erreichte Österreich einen Handelsbilanzüberschuss von etwa 2.284 Millionen Euro. Bei Dienstleistungen standen österreichischen Exporten von rund 1.190 Millionen Euro Importe von ungefähr 1.000 Millionen Euro gegenüber. 2016 dürften die Warenexporte nach Frankreich erstmals 6 Milliarden Euro überschritten haben.
Wichtige Handelsbereiche sind auf beiden Seiten Maschinen und Anlagen, Kraftfahrzeuge, Kunststoffe, elektrische Maschinen und Apparate sowie Pharmazeutika. Österreich exportiert außerdem Eisen, Stahl und daraus gefertigte Waren sowie Lebensmittel wie Back- und Zuckerwaren, Fruchtsäfte und Energy Drinks. In Österreich sind vor allem französische Großkonzerne tätig; über 300 französische Unternehmen mit mehr als 17.000 Beschäftigten werden genannt. Österreichische Unternehmen in Frankreich sind häufig kleine und mittlere Betriebe sowie Marktführer in Nischen. Das Elsass und der Raum Straßburg spielen wegen ihrer geografischen und kulturellen Nähe eine besondere Rolle.
2015 lagen die österreichischen Direktinvestitionen in Frankreich bei rund 3.737 Millionen Euro und sicherten etwa 9.000 Arbeitsplätze. Französische Direktinvestitionen in Österreich betrugen 3.133 Millionen Euro und standen für ungefähr 10.000 Arbeitsplätze.
Unterstützt wird der Austausch durch die Außenhandelsstellen der Wirtschaftskammer in Paris und Straßburg, die Französisch-Österreichische Handelskammer mit rund 300 Mitgliedern, Ubifrance, die Austrian Business Agency und die Österreich Werbung. Das Österreichisch-Französische Zentrum organisiert internationale Konferenzen, Kolloquien und Seminare und fördert den politischen Dialog.
Kultur, Sprache, Bildung und gesellschaftlicher Austausch
Die kulturellen Beziehungen umfassen Auftritte französischer Künstler, Musiker und Intellektueller, Sprachvermittlung, Forschungskooperationen und ein breites Vereinsleben. Französisch ist in Österreich nach Englisch die am häufigsten erlernte Fremdsprache. Frankreich ist nach Spanien und vor den Vereinigten Staaten das zweitwichtigste Zielland österreichischer Studierender.
Grundlage der institutionalisierten Kultur- und Bildungsbeziehungen ist das Kulturabkommen vom 15. März 1947. Es sah Gastlektorate an Universitäten, den Austausch von Professoren und Studierenden sowie die gegenseitige Anerkennung von Diplomen vor. Das Wiener Kulturinstitut wurde am 10. November 1947 eröffnet. Das heutige Institut Français Autriche unterrichtet Französisch als Fremdsprache, vermittelt zeitgenössische französische Kultur, fördert kulturellen Austausch und wissenschaftlich-universitäre Zusammenarbeit und informiert über Frankreich. Zu seinem Angebot gehören Sprachkurse, Prüfungen, Lesungen, Konzerte, Vorträge und eine Mediathek. Wiederkehrende Veranstaltungen sind das „Festival du Film Francophone“, der „Literatursalon im Palais“, die „Fête de la FrancOFFonie“ und die österreichische Ausgabe der „Fête de la Musique“.
Das Wissenschaftlich-Technische Abkommen von 1968 erweiterte die Zusammenarbeit. Seit den 1970er- und besonders den 1980er-Jahren entstanden mehr Universitätspartnerschaften. Seit 1997 besteht das Projektförderungsprogramm Amadée. Multilaterale Programme wie Erasmus, Lingua, Socrates und später Erasmus+ ergänzten die bilateralen Beziehungen. Hinzu kommen gemeinsame Masterprogramme österreichischer und französischer Universitäten.
Das Lycée Français de Vienne wurde am 11. Mai 1946 eröffnet. Abkommen regelten seine Bildungsaufgaben und das Verhältnis von österreichischer Matura und französischem Baccalauréat; maßgeblich ist der Vertrag vom 27. Jänner 1983.
Österreich besitzt seit 2006 Beobachterstatus in der Internationalen Organisation der Frankophonie. Diese fördert französische Sprache, kulturelle und sprachliche Vielfalt, Frieden, Demokratie, Menschenrechte, Bildung, Forschung und nachhaltige Entwicklung. Daneben gibt es in Österreich rund 50 französische Vereine und Initiativen, darunter politische, kulturelle und sportliche Zusammenschlüsse. Das Österreichisch-Französische Zentrum für Annäherung in Europa dient dem internationalen Austausch; das 1991 gegründete Bruno Kreisky Forum fördert ebenfalls Gespräche über Politik, Wissenschaft und weitere gesellschaftliche Themen.