Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Fiatgeld

Fiatgeld (auch englisch fiat money, aus dem lateinischen Wort fiat („Es geschehe! Es werde!“)) ist ein Wirtschaftsobjekt ohne inneren Wert, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Geldfunktionen, Vertrauen und Geldschöpfung
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Bewertungen und Kritik

Grundidee und Bedeutung

Fiatgeld ist ein Wirtschaftsobjekt ohne inneren Wert, das als Tauschmittel dient. Sein Wert wird nicht durch eine festgelegte Menge einer Ware wie Gold oder Silber abgesichert, sondern durch die Möglichkeit, es als gesetzliches Zahlungsmittel zu verwenden, und durch seine allgemeine Akzeptanz im Wirtschaftsverkehr. Das Gegenteil ist Warengeld, etwa Tabak, Reis, anderes Getreide, Gold oder Silber: Es besitzt neben seinem Tauschwert einen inneren Wert, der nicht von Regierungserlassen abhängt, solange damit bezahlt werden darf.

Seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1971 gibt es kein Währungssystem mehr, das den Wert einer Geldeinheit durch eine bestimmte Menge eines materiellen Wirtschaftsguts festlegt. Frühere Banknoten sicherten bei Eintausch bei der Zentralbank einen Gegenwert in bestimmten Waren zu; solche gedeckten Währungen wurden ersetzt. Fiatgeld dient heute weltweit als Währungsreserve. Seine Verwendung als gesetzliches Zahlungsmittel kann staatlich vorgeschrieben werden, doch die bloße gesetzliche Festlegung macht es noch nicht automatisch zu funktionierendem Geld. Entscheidend ist, dass Zahler und Empfänger es allgemein akzeptieren und Vertrauen in Wert und Kurs der Währung haben.

Geldfunktionen, Vertrauen und Geldschöpfung

Geld ist nützlich, wenn es drei Funktionen erfüllt: Es muss als Tauschmittel, als Sparmittel und als Wertmess- beziehungsweise Recheneinheit dienen können. Die Tauschmittelfunktion liegt vor, wenn Wirtschaftssubjekte das Geld allgemein als Zahlungsmittel anerkennen. Die Sparmittelfunktion setzt voraus, dass der Kaufkraftverlust – auch im Außenwert – gering bleibt und Vertrauen besteht, dass das Geld künftig weiterhin als Tauschmittel akzeptiert wird. Dieses Vertrauen in langfristige Wertstabilität und Kaufkraft hängt besonders von Erwartungen an die geldausgebende Institution ab, bei Fiatgeld meist an eine Zentralbank. Die Recheneinheitsfunktion ist stark von den beiden anderen Funktionen abhängig.

Fiatgeld darf nicht mit Kreditgeld gleichgesetzt werden. Kreditwährungen sind nur eine Teilmenge der Fiatwährungen. Nach der Kredittheorie ist Kreditgeld durch Geldschuld, Rückleistungsdruck oder verpfändete Sicherheiten gedeckt. Sinken bei der Kreditvergabe die Qualität der Sicherheiten, nimmt nach Friedrich August von Hayek die Neutralität des Geldes und damit auch sein Marktwert ab.

Theoretisch kann Fiatgeld in beliebiger Höhe geschöpft werden. Praktisch begrenzen Zentralbanken die Geldschöpfung durch Auflagen und Berechnungsmodelle. Die Geldmenge beeinflusst zudem die Inflation. Deren Begrenzung gehört zu den Aufgaben der herausgebenden Zentralbanken.

Historische Entwicklung

Die Geschichte des Fiatgelds ist mit Banknoten, ihrer Umtauschbarkeit in reale Werte und der jeweiligen Geldpolitik verbunden. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank entstand Fiatgeld erstmals um 800 unter Hien Tsun. Die EZB erklärte seit 2015/17 außerdem: „Modern economies, including the euro area, are based on fiat money.“

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts ließ König Gaichatu von Persien zusätzliches Papiergeld ausgeben, nachdem sein extravagantes Leben und eine Rinderpest die Staatskasse geleert hatten. Am 13. August 1294 ordnete er für die Nichtannahme des Geldes die Todesstrafe an. Das Experiment scheiterte nach zwei Monaten: Der Handel kam zum Erliegen, und auf den Basaren entstanden Unruhen. Gaichatu widerrief seine Proklamation und wurde kurz darauf ermordet.

Während der Französischen Revolution wurden Assignaten als Papiergeld in Umlauf gebracht. Der Nationalkonvent bedrohte am 8. September 1793 sowohl die Verweigerung von Zahlungen mit Assignaten als auch höhere Preise bei solchen Zahlungen mit Todesstrafe und Vermögenskonfiskation. Im Mai 1794 wurde auch die Nachfrage vor einem Geschäft, mit welchem Geld gezahlt werden solle, mit Todesstrafe bedroht. Dennoch verloren die Assignaten schnell an Wert. Territorialmandate ersetzten sie, doch als Napoleon Bonaparte 1803 den Franc einführte, waren beide Zahlungsmittel praktisch wertlos.

Die als Greenbacks bezeichneten United States Notes wurden erstmals im Amerikanischen Bürgerkrieg vom US-Finanzministerium ausgegeben. Ihr Nennwert war durch Kongressbeschluss auf etwas über 340 Millionen US-Dollar begrenzt. Anders als United States Gold Certificates konnten sie nicht auf Verlangen gegen Goldmünzen getauscht werden. Es folgten weitere Zeiträume, in denen die Eintauschbarkeit in Edelmetalle ausgesetzt wurde. Im 20. Jahrhundert wurden Fiatwährungen im Zusammenhang mit der Kredittheorie, Mindestreserve-Systemen und der Vergabe von Kreditgeld zur Regel.

1933 entband US-Präsident Franklin D. Roosevelt die US-Zentralbank von der Pflicht, von Bürgern eingereichte US-Dollar-Noten in Goldmünzen einzulösen. Privater Goldbesitz von mehr als 100 US-Dollar wurde verboten und mit bis zu zehn Jahren Gefängnis sowie Beschlagnahme des Goldes bestraft. Das 1944 eingeführte Bretton-Woods-System brach 1973 zusammen, nachdem der Nixon-Schock die fixe Eintauschbarkeit von US-Dollar in Gold beendet hatte und die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtung zur Goldeinlösung gegenüber Mitgliedsstaaten nicht mehr nachkamen.

Mit der Einführung des Euro 1999 gaben die Zentralbanken der teilnehmenden Länder ihr Währungsmonopol an die EZB ab. Daraus entstanden unter anderem Konflikte über den Leitzins, zu dem die Währung emittiert wird: Länder mit geringerer Kreditwürdigkeit befürworteten niedrigere Zinsen, um leichter Kredite aufzunehmen; Länder mit höherer Kreditwürdigkeit lehnten dies aus Sorge vor höherer Inflation ab.

Bewertungen und Kritik

Johann Wolfgang von Goethe griff die Erfahrung mit den französischen Assignaten in Faust II auf. Dort überzeugen Faust und Mephisto den Kaiser, einen „Zettel“ zu unterzeichnen, der tausend Kronen wert wird. Das über Nacht vervielfältigte Geld löst eine Hochkonjunktur aus, wird aber durch Inflation wieder entwertet. Literaturwissenschaftler und der frühere Bundesbankpräsident Jens Weidmann sehen darin eine Darstellung von Wertschöpfung „aus dem Nichts“, die der Alchemie ähnelt.

Weidmann betont, dass die Unabhängigkeit der Zentralbank für Geldwertstabilität notwendig sei. Weil Notenbanken potenziell unbegrenzt Geld schaffen könnten, müsse glaubwürdig gesichert werden, dass Geld knapp und damit werthaltig bleibe. Die Unabhängigkeit sei kein Selbstzweck, sondern solle ermöglichen, dass Geldpolitik den Geldwert stabil hält.

Heiner Flassbeck hebt dagegen hervor, dass „Geld aus dem Nichts“ durch Zentralbank oder Bankensystem nötig sein könne. Wenn Haushalte 15 oder 20 Prozent ihres erzielten Einkommens nicht ausgeben, würden vorhandene Produktionskapazitäten nicht mehr ausgelastet und Unternehmen hätten weniger Anreiz zu investieren. Eine geeignete Geldpolitik könne diese krisenanfällige Tendenz einer Marktwirtschaft in einer Papiergeldwirtschaft prinzipiell überwinden.

Weiterlesen

Latein Verben ; Perfekt- stamm · 2. Person Singular Perfekt Konjunktiv Aktiv, du habest geliebt, amāv-, -eri- ; Perfekt- stamm · 3. Person Plural Plusquamperfekt Indikativ … Bretton-Woods-System Als Bretton-Woods-System wird die nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene internationale Währungsordnung mit Wechselkursbandbreiten bezeichnet, … Ware Für Vertrauensangelegenheiten wie „wahr“, „Ware“, „Wert“, „Wart“, „Wirt“, „Wirtschaft“ verbindet eine begrifflich gemeinsame Etymologie zur Wortfamilie. Die … Geld Geldfunktionen · Geld hat Zahlungsmittelfunktion: Unter einem Tausch- oder Zahlungsmittel versteht man ein Objekt oder auch ein erwerbbares Recht, das ein Käufer … Schöpfungsgeschichte (Priesterschrift) Als Schöpfungsgeschichte der Priesterschrift wird die Erzählung bezeichnet, mit der die Bibel beginnt (Genesis 1,1–2,3(4a)). Geldfunktion Geldfunktionen sind in der Volkswirtschaftslehre und speziell in der Geldtheorie Merkmale, die ein Vermögenswert erfüllen muss, um als Geld eingestuft … Kredittheorie Kredittheorie ist in der Volkswirtschaftslehre ein Sammelbegriff für mehrere, nebeneinander stehende, sich ganz oder teilweise gegenseitig widersprechende … Friedrich August von Hayek Seine Arbeiten zur Preistheorie, d. h., wie Preise Informationen übertragen und ökonomische Tätigkeiten steuern, werden als sein wichtigster Beitrag zur … Geldschöpfung Als Geldschöpfung wird in der Bankbetriebslehre und Volkswirtschaftslehre die Schaffung neuen Geldes bezeichnet. Buch- oder Giralgeld wird von privaten, … Geldmenge Unter Geldmenge versteht man den Geldbestand einer Volkswirtschaft einer bestimmten Bindungsdauer, der sich in Händen von Nichtbanken befindet. Inflation die Geldmenge zunimmt (Geldschöpfung), · die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, oder · die reale Produktion (das Handelsvolumen) sinkt. Geldpolitik Als Geldpolitik (auch Geldmarktpolitik) bezeichnet man zusammenfassend alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die eine Zentralbank ergreift, um ihre Ziele …