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Ferner Osten (Föderationskreis)

Ferner Osten (Föderationskreis) · Inhaltsverzeichnis · Geographie · Geschichte · Bevölkerung · Klima, Flora und Fauna · Gliederung · Wirtschaft · Verkehr.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick, Lage und Verwaltung
  2. 2. Landschaft und Naturraum
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Bevölkerung und Siedlungen
  5. 5. Klima, Vegetation und Landwirtschaft
  6. 6. Wirtschaft und Verkehrswege

Überblick, Lage und Verwaltung

Der Föderationskreis Ferner Osten ist eine administrative Einheit der Russischen Föderation am Pazifik. Sein Verwaltungssitz ist Wladiwostok; als Vertreter wird Juri Trutnew genannt. Der Kreis ist nicht mit dem wesentlich kleineren Dalnewostotschny Kray zu verwechseln, der von 1926 bis 1938 innerhalb der RSFSR bestand.

Die Basisdaten nennen eine Fläche von 6.952.555 km² und 6.211.021 Einwohner im Jahr 2015; daraus ergibt sich eine sehr geringe Dichte von 0,9 Einwohnern je km². In der Gliederungstabelle wird die Gesamtfläche abweichend mit 6.991.200 km² angegeben. Mit knapp sieben Millionen km² umfasst der Föderationskreis etwa 40 % der Fläche Russlands und ist der größte der acht russischen Föderationskreise.

Zum Kreis gehören elf Föderationssubjekte: die Oblast Amur, die Republik Burjatien, die Jüdische Autonome Oblast, die Region Transbaikalien, die Region Kamtschatka, die Oblast Magadan, die Region Primorje, die Republik Sacha, die Oblast Sachalin, die Region Chabarowsk und der Autonome Kreis der Tschuktschen. Das mit Abstand größte dieser Gebiete ist die Republik Sacha mit 3.103.200 km².

Landschaft und Naturraum

Der Begriff „Ferner Osten“ bezeichnet die russische Pazifikregion, zu der unter anderem Sacha, die Jüdische Autonome Oblast und die Halbinsel Kamtschatka gehören. Im Osten liegen der Pazifik sowie Beringmeer und Ochotskisches Meer. Im Norden grenzt die Region an den Arktischen Ozean mit Ostsibirischer See und Laptewsee, im Süden an die Volksrepublik China, Japan und Nordkorea und im Westen an den Föderationskreis Sibirien.

Wichtige Inseln und Inselgruppen sind die Neusibirischen Inseln und die Wrangelinsel im Arktischen Ozean sowie die Kurilen, die Kommandeurinseln und Sachalin im Pazifik. Der Ferne Osten ist gebirgiger als das übrige asiatische Russland. Der Pobeda im Tscherskigebirge erreicht 3000 Meter, das Stanowoigebirge 2255 Meter und der Sichote-Alin nördlich von Wladiwostok über 1700 Meter. Im Sichote-Alin leben mehrere hundert Sibirische Tiger.

Besonders auffällig sind die Vulkane Kamtschatkas, von denen etwa 20 aktiv sind. Der Kljutschewskaja Sopka ist 4688 Meter hoch; ein weiteres Beispiel ist die Korjakskaja Sopka. Zu den großen Flüssen zählen die Lena, die große Teile Jakutiens entwässert und der drittlängste Fluss Russlands ist, sowie der Amur. Dieser ist der viertlängste Fluss Russlands und bildet zugleich einen Teil der Grenze zu China.

Historische Entwicklung

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts drangen russische Kolonisatoren entlang der sibirischen Flüsse zum Pazifik vor. Sie erreichten 1630 die Lena, gründeten 1632 Jakutsk und 1649 Ochotsk. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kontrollierte das Zarentum Russland einen etwa 300 Kilometer breiten Küstenstreifen am Pazifik. Im 18. Jahrhundert annektierte Russland Kamtschatka und die Anadyr-Halbinsel.

Im Süden traf die russische Expansion auf das chinesische Qing-Reich. Der Vertrag von Nertschinsk beendete 1689 die Grenzkonflikte und legte die Grenze am Stanowoigebirge fest. Nach dem Niedergang der chinesischen Macht wurde die Grenze 1858 an den Amur verlegt; 1859 trat China auch das Gebiet bis zum Pazifik ab. Wladiwostok entstand 1860. Sachalin und die Kurilen standen von 1854 bis 1875 unter gemeinsamer russisch-japanischer Verwaltung. 1875 erhielt Russland Sachalin, Japan die Kurilen.

Der Streit um die Vorherrschaft in Korea und das russische Engagement in der Mandschurei führten von Februar 1904 bis Herbst 1905 zum Russisch-Japanischen Krieg. Russland verlor und musste unter anderem die Südhälfte Sachalins abtreten. Nach der Oktoberrevolution wurde am 6. April 1920 die Fernöstliche Republik als Pufferstaat zwischen Sowjetrussland und Japan gegründet. Japanische und US-amerikanische Truppen unterstützten während der Sibirischen Intervention antikommunistische „weiße“ Truppen; Japan besetzte Wladiwostok und Teile der Pazifikküste. 1922 wurden die dortigen Republiken an die Sowjetunion angeschlossen.

Im Sowjetisch-Japanischen Krieg im August und September 1945 eroberten sowjetische Truppen unter anderem die Mandschurei, Korea, Südsachalin und die Kurilen. Japan beansprucht bis heute die vier südlichsten Kurileninseln. 1969 kam es wegen kleiner Inseln im Ussuri zu militärischen Zusammenstößen zwischen China und der Sowjetunion. 2004 wurde der Streit beigelegt: Russland trat zwei der letzten drei umstrittenen Inseln an China ab, die dritte wurde geteilt.

Im Kalten Krieg waren Wladiwostok und Petropawlowsk-Kamtschatski wichtige Stützpunkte der sowjetischen beziehungsweise russischen Pazifikflotte. Nach 1991 verlor die Region mehr als eine Million Einwohner und ganze Industriezweige. 2012 entstand ein Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens. Ein Regierungsprogramm vom 21. März 2013 sah bis 2025 Ausgaben von 321 Milliarden US-Dollar vor, um Wirtschaft, soziale Lage und Bevölkerungsentwicklung zu verbessern.

Bevölkerung und Siedlungen

Der Ferne Osten gehört zu den am dünnsten besiedelten Teilen Russlands. Die Bevölkerungszahl erreichte 1990 nach umfangreichen, teils unfreiwilligen Umsiedlungen mit etwas über acht Millionen ihren Höchststand. Zum 1. Januar 2014 lebten dort 6,227 Millionen Menschen, entsprechend 4,34 % der russischen Gesamtbevölkerung. Rund 76 % wohnten in Städten.

Etwa 95 % der Bevölkerung bestehen aus russischen oder ukrainischen Umsiedlern und ihren Nachfahren; viele kamen erst in der Sowjetzeit. Zu den indigenen Gruppen gehören die sogenannten „kleinen Völker“, darunter Korjaken und Niwchen, deren traditionelle Lebensweisen mit Fischfang und Jagd verbunden sind. Eine zahlenmäßig größere indigene Ethnie sind die Jakuten: 97 % von ihnen leben in der Republik Sacha, wo sie etwa die Hälfte der Bevölkerung stellen. Sacha ist das einzige Föderationssubjekt des Kreises, in dem ethnische Russen nicht die größte Volksgruppe bilden.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte die wirtschaftliche Krise besonders im Norden zu starker Abwanderung. Der Autonome Kreis der Tschuktschen verlor bis 2004 zwei Drittel seiner Einwohner, die Oblast Magadan mehr als die Hälfte; teilweise verschwanden ganze Siedlungen. Im Süden konnten Landwirtschaft, Verkehr und Handel den Niedergang der Industrie zumindest teilweise ausgleichen.

Die größten Städte waren 2014 Chabarowsk mit 607.216 und Wladiwostok mit 603.244 Einwohnern. Danach folgten Ulan-Ude mit 404.426, Tschita mit 324.444, Jakutsk mit 299.169 und Komsomolsk am Amur mit 253.030 Einwohnern.

Klima, Vegetation und Landwirtschaft

Das Klima reicht von kontinental bis gemäßigt. In Oimjakon liegt der Kältepol der nördlichen Halbkugel; im Fernen Osten wurden bis zu −71 °C gemessen. Die Winter sind kalt, aber trocken und sonnenreich. In der Republik Sacha bleiben die Flüsse während des sieben Monate langen Winters gefroren, ebenso die Küste des Arktischen Ozeans.

46 % des Gebietes sind bewaldet. Im Norden überwiegt borealer Nadelwald; der hohe Norden gehört zur Tundra mit niedrigen Sträuchern, Flechten und Moosen. Große Flächen besitzen Permafrostboden, also dauerhaft gefrorenen Untergrund. Dadurch sind Besiedlung und Bauen schwierig: Ein Quadratmeter Wohnfläche auf der Tschuktschen-Halbinsel ist ungefähr zehnmal aufwendiger zu errichten als in Wladiwostok. Ackerbau ist im Norden nur in wenigen geschützten Gebieten möglich; ansonsten dominiert dort die Forstwirtschaft.

Die landwirtschaftliche Anbaufläche umfasst 2,7 Millionen Hektar und damit etwa 2 % des Föderationskreises. Sie konzentriert sich am Chankasee und am Amur. Die Region Primorje liegt auf ähnlichen Breitengraden wie Sotschi und erhält 180 bis 200 Sonnentage im Jahr. Im Süden Primorjes wächst die Ussuri-Taiga, ein besonderer Mischwald aus Nadelbäumen und breitblättrigen Laubbäumen.

Wirtschaft und Verkehrswege

Die Wirtschaft stützt sich stark auf Rohstoffe. In Sacha werden Gold und Diamanten gefördert, auf Sachalin Erdöl und Erdgas. Die dortigen Vorkommen werden auf 700 Millionen Tonnen Öl und 2500 Milliarden Kubikmeter Gas geschätzt. Primorje besitzt Zinn und Grafit, die Jüdische Autonome Oblast Eisen- und Manganerz.

Seit 1990 gingen etwa 90 % der Schwerindustrie verloren, darunter große Teile der Rüstungs-, Papier- und Fischverarbeitungsindustrie. Der Ferne Osten erwirtschaftet nur 5,6 % des russischen Bruttoinlandsprodukts. Wichtige verbliebene Branchen sind Bergbau und Goldförderung, Elektroindustrie, Fischerei, Forstwirtschaft, Buntmetallurgie und Schiffbau. Auch Landwirtschaft, Rentier- und Pelztierzucht spielen eine Rolle. Der Kreis arbeitet wirtschaftlich eng mit China, Japan sowie Süd- und Nordkorea zusammen. Wichtigste Handelspartner sind China und Japan, gefolgt von Taiwan und Vietnam. China liefert insbesondere Nahrungsmittel, Japan vor allem Gebrauchtwagen und andere technische Güter.

Auf Sachalin wird mit „Sachalin 2“ ein großes integriertes Öl- und Gasprojekt verwirklicht. Die 2000 gegründete Sakhalin Energy Investment Company stand zunächst unter Führung von Shell; Mitsui und Mitsubishi waren beteiligt. 2007 übernahm Gazprom die Mehrheitsbeteiligung.

Die wichtigsten internationalen Flughäfen befinden sich in Wladiwostok und Chabarowsk; von dort bestehen unter anderem Direktverbindungen nach Tokio, Seoul und Peking. Durch den Süden verläuft die Transsibirische Eisenbahn mit Abzweigungen nach China und zur Pazifikküste. Ausbauprojekte betrafen unter anderem eine Verbindung zwischen Chabarowsk und Sachalin, die Fortsetzung der Strecke von der Baikal-Amur-Magistrale nach Jakutsk und eine Nordsibirische Eisenbahn von Nadym nach Jakutsk.

Wladiwostok besitzt einen ganzjährig befahrbaren, eisfrei gehaltenen Hafen. Etwa 80 Kilometer östlich liegen Nachodka und Wostotschny, die größten Handelshäfen des russischen Fernen Ostens. Ein Containertransport von dort nach Skandinavien dauert per Schiff etwa 40 Tage, per Eisenbahn rund 12 Tage. Am 15. Juli 2022 wurde die erste Hochgeschwindigkeitsautobahn des Föderationskreises eröffnet; sie verbindet mehrere Bundesstraßen und wichtige regionale Standorte.

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