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Ferat Koçak

Er war von 2021 bis 2025 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er gewann das Direktmandat im Wahlkreis …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person, Herkunft und beruflicher Weg
  2. 2. Politischer Aufstieg und Mandate
  3. 3. Rechtsextreme Anschläge und ihre Aufarbeitung
  4. 4. Politische Schwerpunkte und Kurdenpolitik
  5. 5. Positionen zum Nahostkonflikt und Organisationen

Person, Herkunft und beruflicher Weg

Ferat Ali Koçak (* 26. Mai 1979 in West-Berlin) ist ein deutscher Politiker der Partei Die Linke. Er gehörte von 2021 bis 2025 dem Berliner Abgeordnetenhaus an und ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann er den Wahlkreis Berlin-Neukölln direkt. Damit ist er der erste Politiker der Linken, der einen Bundestagswahlkreis außerhalb der ehemaligen DDR gewann.

Koçak wurde im damaligen West-Berliner Bezirk Kreuzberg als Sohn kurdisch-alevitischer Einwanderer geboren. Sein Vater war Gewerkschafter, seine Mutter Frauenrechtlerin. Koçak leistete seinen Zivildienst im Berliner Kurdistan Kultur- und Hilfsverein. Danach studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin und schloss als Diplom-Volkswirt ab.

Beruflich war er zunächst als Trainee und anschließend im Management der Allianz-Gruppe tätig. Später arbeitete er als Marketing Director mit dem Schwerpunkt Digitales Marketing an der Berlin International University of Applied Sciences, der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur und der Internationalen Berufsakademie. Danach war er Campaigner bei Campact. Koçak ist Atheist und lebt mit seiner jüdischen Lebenspartnerin im Süden Neuköllns.

Politischer Aufstieg und Mandate

Koçak wurde durch seine Eltern in linken kurdischen und türkischen Kreisen Berlins politisch geprägt. 2016 trat er in die Linkspartei ein. Als Grund nannte er das Erstarken rechter Gruppierungen, insbesondere der AfD, dem er gemeinsam mit Freunden entgegentreten wollte. Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016 kandidierte er im Wahlkreis Neukölln 6, verfehlte aber trotz eines verdoppelten Stimmenanteils seiner Partei den Einzug.

Bei der Wahl 2021 kandidierte er im Wahlkreis Neukölln 5 und zog über die Landesliste der Linken in das Berliner Abgeordnetenhaus ein. Bei der Wiederholungswahl 2023 erhielt er erneut ein Mandat. In seiner Fraktion war er Sprecher für antifaschistische Politik sowie für Flucht- und Klimapolitik. Er gehörte den Ausschüssen für Inneres, Sicherheit und Ordnung sowie für Umwelt- und Klimaschutz an, war stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verfassungsschutz und Beisitzer im Präsidium des Abgeordnetenhauses.

Bei der Bundestagswahl 2025 gewann Koçak im Wahlkreis Berlin-Neukölln mit 30,0 % der Erststimmen das Direktmandat. Ende April 2025 legte er deshalb sein Mandat im Abgeordnetenhaus nieder; Franziska Leschewitz rückte für ihn nach. In der 21. Legislaturperiode ist Koçak ordentliches Mitglied des Innenausschusses und Sprecher seiner Bundestagsfraktion für Antirassismus und Antifaschismus.

Rechtsextreme Anschläge und ihre Aufarbeitung

Koçaks Tätigkeit als linker Aktivist in Neukölln machte ihn wiederholt zum Ziel rechter Angriffe. Diese werden dem sogenannten Neukölln-Komplex zugerechnet, einer Serie rechtsextremer Anschläge im Süden Berlins gegen Politiker, Gewerkschafter, Menschen mit Migrationshintergrund und antifaschistische Aktivisten. Im Jahr 2018 wurde ein Brandanschlag auf das Haus seiner Familie in Süd-Neukölln verübt. Der Artikel zählt auch den bis heute unaufgeklärten Mord an Burak Bektaş zu diesem Zusammenhang.

Koçak setzt sich gemeinsam mit anderen Betroffenen für die Aufklärung der Anschläge ein. Dabei wurde bekannt, dass das Berliner Landeskriminalamt und der Verfassungsschutz darüber informiert waren, dass zwei bekannte Neuköllner Neonazis ihn in den Wochen vor dem Brandanschlag beobachtet und verfolgt hatten. Koçak behauptete daraufhin öffentlich, es gebe Verstrickungen zwischen der Neuköllner Neonazi-Szene und Berliner Sicherheitsbehörden.

In einem Strafprozess wurde Koçak erst nach einem Einspruch als Nebenkläger zugelassen. Die angeklagten Neonazis Thilo P. und Sebastian T. wurden im Dezember 2022 wegen mangelnder Beweise vom Vorwurf der Beihilfe zur Brandstiftung freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft ging dagegen in Berufung. Der Berufungsprozess vor dem Berliner Landgericht begann im September 2024 und behandelte auch mögliche Verbindungen zwischen Sicherheitsbehörden, Justiz und rechtsextremer Szene. Der Staatsanwalt aus dem ersten Verfahren wurde abgezogen. Im Dezember 2024 erhielten die Angeklagten Haftstrafen von drei Jahren und sechs Monaten beziehungsweise zwei Jahren und zehn Monaten. Das Kammergericht verwarf die Revision im August; damit wurde das Urteil rechtskräftig.

Politische Schwerpunkte und Kurdenpolitik

Koçaks wichtigste Themen sind Antirassismus, Antifaschismus und Klimagerechtigkeit. Er fordert insbesondere eine lückenlose Aufklärung möglicher rechter Verstrickungen in den Berliner Sicherheitsbehörden. Er bezeichnet sich selbst als „Bewegungslinker“, also als Politiker, der parlamentarische Arbeit mit der Tätigkeit gesellschaftlicher Bewegungen verbindet.

In der Klimapolitik tritt Koçak für eine Verbindung antirassistischer, antifaschistischer und ökologischer Anliegen ein. Er sprach unter anderem bei Kundgebungen von Fridays for Future und Ende Gelände.

Seit seinem Studium engagiert er sich außerdem in kurdischen Verbänden. Er kritisierte wiederholt die türkische Regierung wegen ihres Vorgehens gegen kurdische Gruppen und Unabhängigkeitsbestrebungen, auch im Nordirak. Im Oktober 2024 besuchte er ein kurdisches Kulturzentrum in Berlin-Reinickendorf und wurde dort Zeuge eines versuchten Brandanschlags. Niemand wurde verletzt, obwohl sich bis zu 40 Personen in den Räumen aufhielten. Koçaks Besuch erfolgte nach einer polizeilichen Durchsuchung am Vortag, bei der der Ko-Vorsitzende Hüseyin Yılmaz und eine weitere Person vorläufig festgenommen worden waren. Koçak und der Vereinsvorstand vermuteten türkische Nationalisten als Täter; im Artikel wird dies nicht als nachgewiesen dargestellt. Nach der Razzia kritisierte Koçak das deutsche PKK-Verbot und warf der deutschen Politik vor, es für ein willkürliches Vorgehen gegen kurdische Vereine und Aktivistinnen zu nutzen.

Positionen zum Nahostkonflikt und Organisationen

Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 erklärte Koçak, Terror sei „durch nichts zu rechtfertigen“. Zugleich kritisierte er den folgenden Krieg und bezeichnete ihn als „Israels brutale[n] Angriff mit zehntausenden Toten“, der „noch viel weniger“ zu rechtfertigen sei. Nach eigenen Angaben steht er „an der Seite des Völkerrechts und der Menschenrechte“.

Der Tagesspiegel berichtete von engen Kontakten Koçaks zu propalästinensischen Aktivisten. Er meldete Demonstrationen an, bei denen es zu antisemitischen Vorfällen kam. Koçak lehnt nach eigener Aussage islamistische Positionen ab, erklärte „Natürlich sind wir gegen Antisemitismus“ und verurteilte einen Brandanschlag auf eine proisraelische Bar in Neukölln. Beiträge zum Nahostkonflikt veröffentlichte er gemeinsam mit der russischen Propagandaplattform Red. Bei der Einordnung von Antisemitismus orientiert er sich an der Jerusalemer Erklärung zu Antisemitismus. Der Tagesspiegel kritisierte 2024, dass er als Beobachter von Palästina-Demonstrationen eher angebliche Polizeigewalt als israelfeindliche Äußerungen beanstande.

Im Februar 2025 lud Koçak den britischen Politiker Jeremy Corbyn zu einer Wahlkampfveranstaltung ein. Corbyn steht wegen einer Verharmlosung der Hamas in der Kritik. Nach öffentlicher Kritik wurde die Veranstaltung abgesagt. Nach Einschätzung von Zeit Online trugen Koçaks Positionen zum Nahostkonflikt und sein Haustürwahlkampf zu seinem Direktwahlerfolg bei.

Koçak ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Er sitzt im Vorstand der Linken Medienakademie. Darüber hinaus unterstützt er zahlreiche antirassistische, linke, kurdische und klimapolitische Initiativen und Gruppen. Er ist Mitbegründer der polizeikritischen Struktur Ihr seid keine Sicherheit und der Initiative Kein Generalverdacht.

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