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Campact

Als internetbasiertes Beteiligungsforum in Form eines eingetragenen Vereins richten sich Teilnehmer mit Protest-E-Mails gebündelt in Form von Online-Petitionen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Arbeitsweise
  2. 2. Themen und politische Einflussnahme
  3. 3. Beispiele für Kampagnen und Aktionen
  4. 4. Organisation, Finanzierung und Stiftung
  5. 5. Kontroversen und jüngere Aktivitäten

Aufgabe und Arbeitsweise

Campact ist ein 2004 in Verden (Aller) gegründeter deutscher eingetragener Verein mit Sitz in Berlin. Er organisiert Online-Kampagnen und bezeichnet sich selbst als Kampagnen-Organisation, mit der über 4,25 Millionen Menschen für progressive Politik eintreten und die Demokratie verteidigen. Die Organisation richtet gebündelte Protest-E-Mails und Online-Petitionen an politische Entscheidungsträger, politische Gremien oder Unternehmen. Damit soll bei anstehenden Entscheidungen öffentlicher und politischer Druck entstehen.

Campact orientierte sich anfangs an der US-Plattform MoveOn. Es ist ein internetbasiertes Beteiligungsforum: Menschen können über Appelle, Unterschriften, E-Mails und teilweise Aktionen vor Ort Einfluss nehmen. Campact nennt mehr als drei Millionen Personen, die an Kampagnen beteiligt sind. Seine politischen Positionen werden nicht allgemein genau festgelegt; kampagnenunabhängig positioniert es sich unter anderem zur Energiewende und ökologischen Landwirtschaft.

Themen und politische Einflussnahme

Zu den Prioritäten gehören der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen und die Stärkung demokratischer Teilhabe. Campact arbeitet bei Kampagnen häufig mit Fachorganisationen zusammen. Ein früherer Beraterkreis unterstützte Analysen und Positionen in der Gründungsphase, ist aber nicht mehr aktiv.

Campact ist im Lobbyregister für Interessenvertretung gegenüber Deutschem Bundestag und Bundesregierung eingetragen. Es wirkt auf Gesetzgebung ein, indem es Gutachten und Stellungnahmen an Fraktionen, Gruppen und Abgeordnete sendet. Anfang 2026 betraf dies 14 konkrete Regelungsvorhaben; mehr als zwei Dutzend Beschäftigte sind direkt mit Interessenvertretung betraut.

Kampagnen betrafen beispielsweise Transparenz bei Nebeneinkünften von Abgeordneten, Atomenergie, Klimaschutz, Gentechnik, Softwarepatente, Urheberrecht, Steuerflucht, Bahnprivatisierung, Netzneutralität, Fracking, Handelsabkommen wie TTIP, CETA und Mercosur, Rechte von Hebammen, Datenschutz, Geflüchtete, Hass im Netz und die AfD. Kampagnen verbinden meist Online-Unterschriften mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie Demonstrationen, Plakaten, Übergaben von Unterschriften oder Menschenketten.

Beispiele für Kampagnen und Aktionen

2005 setzte sich Campact mit Attac, BUND, Transparency International und Mehr Demokratie e. V. für die Offenlegung von Nebeneinkünften von Abgeordneten ein; Ende 2005 wurden schärfere Veröffentlichungsregeln erlassen. Ebenfalls 2005 richtete sich eine Kampagne gegen eine geplante EU-Richtlinie zu Softwarepatenten. Rund 5.000 Teilnehmende beteiligten sich an einer Online-Demonstration; am 5. Juli 2005 lehnte das Europäische Parlament die Richtlinie ab.

Ein langfristiger Schwerpunkt war die Anti-Atom-Arbeit, etwa die seit 2005 mit BUND und X-tausendmal quer organisierte Kampagne „.ausgestrahlt“. 2009 machte eine als Castor-Transport gestaltete Tour durch zwölf Großstädte auf die ungelöste Endlagerfrage aufmerksam. Zur Demonstration „Mal richtig abschalten“ am 5. September 2009 in Berlin nannten die Veranstalter über 50.000 Demonstrierende und 300 Traktoren.

2013 und 2014 mobilisierte Campact gegen TTIP und später auch gegen CETA. Für die Europawahl 2014 verteilten 24.000 aktive Freiwillige sechs Millionen Türhänger über Parteipositionen zu TTIP. Bei einer Berliner Demonstration gegen TTIP und CETA am 10. Oktober 2015 wurden 150.000 Teilnehmende von der Polizei und 250.000 von den Veranstaltern geschätzt. Weitere Beispiele sind die Europäische Bürgerinitiative für ein Glyphosat-Verbot 2017 mit über einer Million Unterschriften und die Mitgründung von HateAid 2018 zur Beratung und Unterstützung von Opfern von Online-Hass.

WeAct ist seit 2015 Campacts Petitionsplattform. Dort können Bürgerinnen und Bürger, teils unter Pseudonym, Petitionen an Politik oder Unternehmen richten. Laut Selbstbeschreibung werden rechtspopulistische und demokratiefeindliche Forderungen nicht unterstützt. Die Petition für eine Grundrechtsverwirkung von Björn Höcke nach Artikel 18 GG erreichte 2023/24 knapp 1,7 Millionen Unterschriften und ist laut Artikel die bislang größte Petition Deutschlands.

Organisation, Finanzierung und Stiftung

Campact wird von einem vierköpfigen geschäftsführenden Vorstand geleitet, der zwölf Vollmitgliedern berichtet. In der Infobox werden für 2024 124 Beschäftigte und ein Umsatz von 24,63 Mio. Euro genannt. 2023 gab Campact 109 fest angestellte Mitarbeitende an, entsprechend 87 Vollzeitstellen; hinzu kamen studentische Hilfskräfte, Praktikanten und FSJler. Das Budget lag 2011 bei rund zwei Millionen Euro und 2018 bei 10,1 Mio. Euro.

Anfangs erhielt der Verein private Fördermittel, darunter 2009 von European Climate Foundation, Bewegungsstiftung, Stiftung GEKKO, Stiftung „bridge“ und Hans-Böckler-Stiftung. Seit 2011 finanziert er sich nach eigener Angabe ausschließlich aus Spenden und Förderbeiträgen. Aus dem Bundeshaushalt erhielt Campact e. V. keine Zuwendungen, wie der Parlamentarische Staatssekretär Florian Toncar am 11. September 2023 mitteilte. 2025 untersagte das Landgericht Hamburg die Behauptung, Campact sei staatlich finanziert.

2019 verlor Campact e. V. die Gemeinnützigkeit. Das Finanzamt begründete dies damit, dass der Verein überwiegend allgemeinpolitisch tätig gewesen sei und Kampagnen zu Themen geführt habe, die keinem gemeinnützigen Zweck der Abgabenordnung zugeordnet werden könnten. Dadurch entstand eine Nachzahlung zuvor erlassener Schenkungssteuer von etwa 300.000 Euro. Ebenfalls 2019 gründete Campact die Demokratie-Stiftung Campact. Sie kann Spendenbescheinigungen ausstellen, Zustiftungen und testamentarische Zuwendungen annehmen sowie Projekte außerhalb des Vereins fördern. Campact veröffentlicht jährlich einen Transparenzbericht und beteiligt sich an der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

Kontroversen und jüngere Aktivitäten

Kritik richtet sich vor allem gegen die langfristige Wirksamkeit stark öffentlichkeitsorientierter Online-Kampagnen und gegen geringe reale Aktionen. Hanna Poddig beschreibt Campact in der Klimabewegung als umstritten. Attac Deutschland kritisiert, Campact nutze zwar fachliches Wissen von Partnern, respektiere aber deren demokratische Entscheidungsprozesse häufig nicht und könne ihnen Tempo sowie Arbeitsweise aufzwingen. Außerdem könne die Konzentration auf Themen mit hohem Konsenspotenzial langfristige alternative Politik aus dem Blick rücken.

2015 forderte der CDU-Politiker Joachim Pfeiffer eine Prüfung der Gemeinnützigkeit, weil Campact tagespolitische Kampagnen betreibe. taz und Neues Deutschland stellten dies in Zusammenhang mit Campacts Kritik an TTIP; Campact sprach von einem Versuch, Kritiker mundtot zu machen. Die Gemeinnützigkeit wurde später tatsächlich aberkannt.

Zur Bundestagswahl 2025 riet Campact davon ab, kleine Parteien zu wählen, weil dies indirekt Union und AfD nutzen könne. Vertreter der Tierschutzpartei und von Volt kritisierten dies als schädlich für langfristige Veränderungen beziehungsweise für den demokratischen Wettbewerb. 2024 spendete Campact mehrere Hunderttausend Euro an SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, um die AfD bei Landtagswahlen kleinzuhalten. Für Sachsen-Anhalt initiierte es 2026 eine mit 620.000 Euro geplante Kampagne zum strategischen Wählen zugunsten von SPD und Grünen; FDP und BSW werden nicht unterstützt.

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