Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Felicitas Hillmann
Hillmann forscht und publiziert international kulturgeographisch zu den Themen Migration und sozialräumliche Entwicklung.
Inhalt6 Abschnitte
Person und wissenschaftliche Bedeutung
Felicitas Hillmann (* 27. Februar 1964 in Bonn) ist eine deutsche Geographin. Sie forscht und veröffentlicht international aus kultur- und sozialgeographischer Perspektive zu Migration und sozialräumlicher Entwicklung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Migration, Globalisierung und kulturelle Vielfalt Städte, Regionen, Arbeitsmärkte und gesellschaftliche Räume verändern.
Besondere Bedeutung haben ihre Arbeiten über die Migration von Frauen und Hochqualifizierten, migrantische Ökonomien, städtische Vielfalt sowie die Zusammenhänge zwischen Umweltwandel, Anpassung und Migration. Weitere Schwerpunkte sind international vergleichende Stadtforschung und urbane Transformation.
Ausbildung und berufliche Stationen
Hillmann wuchs in Frankfurt am Main auf. Sie studierte Geographie, Linguistik und Italianistik an der Universität Freiburg im Breisgau und an der Università per gli Studi Genua. 1995 promovierte sie an der Universität Freiburg bei Thomas Krings mit einer Arbeit über die Migration von Frauen nach Europa. Dafür erhielt sie den Nachwuchswissenschaftlerpreis der DSW. 2004 habilitierte sie sich an der FU Berlin mit der Schrift „Migration als räumliche Definitionsmacht? Beiträge zu einer neuen Geographie der Migration in Europa“.
Zu ihren wissenschaftlichen Stationen gehörten das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) von 1994 bis 2000 und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) im Jahr 2001. Von 2006 bis 2012 war sie Professorin für Humangeographie an der Universität Bremen. Außerdem war sie Gastprofessorin für Anthropogeographie an der FU Berlin und am Geographischen Institut der Universität zu Köln. Im Oktober 2019 arbeitete sie als Visiting Professor an der Universität La Sapienza in Rom; von 2020 bis 2021 war sie Gast am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung der Humboldt-Universität zu Berlin.
Von 2015 bis 2020 leitete Hillmann als gemeinsam berufene Professorin die Forschungsabteilung „Regenerierung von Städten“ am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner. Zugleich leitete sie an der TU Berlin das Fachgebiet „Transformation städtischer Räume im internationalen Kontext“. Seit 2021 leitet sie dort das FIS-Vernetzungsprojekt „Paradigmenwechsel“.
Forschung zu Migration, Umwelt und Wirtschaft
Zu Beginn untersuchte Hillmann die internationale Migration von Hochqualifizierten als Teil gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationsprozesse sowie einer veränderten internationalen Arbeitsteilung. Als eine der ersten Forscherinnen in Deutschland beschäftigte sie sich mit migrantischen Ökonomien, also den wirtschaftlichen Tätigkeiten und Unternehmen von Migrantinnen und Migranten, und mit deren geschlechtsspezifischen Unterschieden.
In einem von der Volkswagen-Stiftung finanzierten Projekt erforschte sie Umweltwandel und Migration in den Küstengebieten Ghanas und Indonesiens. Dabei untersuchte sie auch urbane Resilienz, also die Fähigkeit von Städten, Belastungen und Veränderungen zu bewältigen und sich daran anzupassen.
Mit dem Lehrbuch „Migration. Eine Einführung aus sozialgeographischer Perspektive“ legte sie eine Einführung vor, die Migration besonders in ihren räumlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen betrachtet. Ihre Forschung erschien außerdem in nationalen und internationalen Fachzeitschriften.
Städte, Globalisierung und kulturelle Vielfalt
In der international vergleichenden Stadtforschung untersucht Hillmann, wie sich Städte unter den Bedingungen der Globalisierung und zunehmenden Fragmentierung neu positionieren. Fragmentierung bezeichnet hier die stärkere Aufteilung städtischer Räume und Gesellschaften in unterschiedliche Teilbereiche. Sie fragt außerdem, wie Städte mit der durch Migration entstandenen Diversität umgehen und kulturelle Vielfalt für ihre Entwicklung nutzen.
Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellte sie mit Hendrikje Alpermann die Studie „Umgang der Städte mit kultureller Vielfalt. Fakten – Positionen – Strategien“. Gemeinsam mit Martin Düspohl und Ljudmila Belkin konzipierte sie mit Fördermitteln der Bundeszentrale für politische Bildung die Weiterbildungsreihe „Museen als Fenster in die neue Welt“.
Zusammen mit COMPAS an der Universität Oxford arbeitet sie zu kosmopolitischer Urbanität in kleineren Städten Großbritanniens und Deutschlands. Damit ist eine durch internationale Verbindungen und kulturelle Vielfalt geprägte städtische Lebensform gemeint. Regionale Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Berlin-Brandenburg und die urbane Transformation Genuas.
Wissenschaftliche Funktionen
Hillmann war von 2009 bis 2017 Mitglied des Kuratoriums des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB). Seit 2012 gehört sie dem Rat für Migration an; von 2017 bis 2019 war sie Vertrauensdozentin der Hans-Böckler-Stiftung. Sie ist Senior Chair des Arbeitskreises Geographische Migrationsforschung in der Deutschen Gesellschaft für Geographie.
Darüber hinaus wirkte sie in Beratungsgremien mehrerer Fachzeitschriften mit, darunter „Cosmopolitan Civil Societies: An Interdisciplinary Journal“, die US-amerikanische „Geographical Review“ und das „Indonesian Journal of Planning and Development“. Seit Oktober 2020 gehört sie dem Editorial Board der Fachzeitschrift „Glocalism“ an.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Ihre Veröffentlichungen bilden die Breite ihrer Forschung ab. „Jenseits der Kontinente – Migrationsstrategien von Frauen nach Europa“ erschien 1996 und ging aus ihrem frühen Schwerpunkt zur Migration von Frauen hervor. „Asian Migrants on European Labour Markets“ veröffentlichte sie 2005 mit Ernst Spaan und Ton van Naerssen. Ihre Habilitationsschrift erschien 2007 als „Migration als räumliche Definitionsmacht? Beiträge zu einer neuen Geographie der Migration in Europa“.
Mit Michael Windzio veröffentlichte sie 2008 „Migration und städtischer Raum. Chancen und Risiken der Segregation und der Integration“. Es folgten „Große Schiffe am Horizont und Fragmentierung zuhause. Stadtentwicklung in Genua“ (2011) und „Marginale Urbanität: Migrantisches Unternehmertum und Stadtentwicklung“ (2012). Das Lehrbuch „Migration. Eine Einführung aus sozialgeographischer Perspektive“ erschien 2016.
Ebenfalls 2016 gab sie mit Marie Pahl, Harald Sterly und Birte Rafflenbeul „Environmental Change, Adaptation and Migration – Bringing in the Region“ heraus. 2018 erschien mit Hendrikje Alpermann die Studie zum Umgang der Städte mit kultureller Vielfalt. Mit Ton van Naerssen und Ernst Spaan gab sie 2020 „Trajectories and Imaginaries: The Migrant Actor in Transnational Space“ heraus.