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Faraday Future
Faraday Future ist ein im Jahr 2014 gegründetes amerikanisch-chinesisches Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Gardena, das mit dem Ziel der Herstellung …
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Unternehmen und Entwicklung
Faraday Future Inc. ist ein 2014 gegründetes amerikanisch-chinesisches Automobilunternehmen mit Sitz in Gardena, Kalifornien. Ziel des Unternehmens ist die Herstellung von Elektrofahrzeugen. CEO ist Carsten Breitfeld; im Dezember 2018 beschäftigte das Unternehmen circa 475 Personen. Als Gründer gilt nach The Guardian der chinesische Geschäftsmann Jia Yueting. Die Firma wurde am 8. Mai 2014 als „Faraday&Future Inc.“ ins kalifornische Amtsregister eingetragen.
Die Unternehmensentwicklung war mehrfach von Finanzierungsproblemen geprägt. Pläne für sieben Modelle und eigene Fabriken in Nevada sowie Vallejo wurden zunächst stark reduziert; zeitweise stand vor allem der FF 91 im Mittelpunkt. Jia Yueting hatte lange maßgebliche Entscheidungsbefugnisse und wurde ab November/Dezember 2017 offiziell Chef. Ende August 2019 trat er als leitender Geschäftsführer zurück; Anfang September 2019 wurde der frühere BMW-Manager Carsten Breitfeld CEO. Yueting wurde Chief Product & User Officer.
Finanzierung und Börsengang
Eine ursprünglich geplante Fabrik nördlich von Las Vegas sollte 1 Mrd. US-Dollar kosten und mit einer steuerlichen Förderung Nevadas von 335 Mio. Dollar verbunden sein. Weil notwendige Baumeilensteine wegen Liquiditätsmangels nicht erreicht wurden, stockte die Finanzierung; Ende 2016 wurde der Bau unterbrochen und im Juli 2017 endgültig gestoppt.
2018 erhielt Faraday Future nach Angaben des Artikels zunächst 800 Mio. US-Dollar aus einer Investition, die insgesamt 2 Mrd. US-Dollar betragen sollte. Der Investor Evergrande Health sollte dafür 45 % an einem Joint Venture erhalten. Wegen eines Streits über eine vorzeitige Auszahlung weiterer Mittel kam es zu einem Schiedsverfahren in Hongkong. Im Dezember 2018 wurde bekanntgegeben, dass Evergrande auf die verbleibenden 1,2 Mrd. US-Dollar verzichtet und seine Beteiligung von 45 % auf 32 % reduziert.
Jia Yueting beantragte im Herbst 2019 in Delaware eine Finanzsanierung nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts; sie wurde im Juni 2020 finalisiert. Seine Anteile an Faraday Future wurden Teil der Insolvenzmasse. Damit sollten seine privaten Finanzprobleme von denen des Unternehmens getrennt werden. Am 28. Januar 2021 wurde ein SPAC-Merger mit Property Solutions Acquisition Corp. angekündigt. Nach der Fusion sollte Faraday Future unter dem Kürzel „FFIE“ an der Nasdaq gehandelt werden. Die Transaktion wurde mit etwa 3,4 Mrd. US-Dollar, genauer wohl 3,3696 Mrd. US-Dollar, bewertet und sollte rund 1 Mrd. US-Dollar Finanzierung sichern. Wegen verspätet eingereichter Zahlen zum dritten Quartal 2021 erhielt das Unternehmen eine Rüge der Nasdaq.
Produktion, Partner und Personal
Statt des aufgegebenen Nevada-Projekts pachtete Faraday Future ab 2017 ein seit 2001 leerstehendes, etwa 300.000 m² großes ehemaliges Pirelli-Gelände in Hanford, Kalifornien. Es sollte Platz für 1.300 Arbeitsplätze in drei Schichten bieten. Sanierung und Vorbereitung begannen im August 2017; 2018 wurde die Ausrüstung für die Elektroautoproduktion installiert. Im Spätsommer 2019 stellte das Unternehmen außerdem ein Fahrzeugtestlabor für die Weiterentwicklung des FF 91 vor.
Für die Fertigung des FF 91 wurde der südkoreanische Auftragsfertiger Myoung Shin beauftragt. Im Dezember 2020 nahm Faraday Future nach Angaben von Insidern eine Niederlassung in Zhuhai in der chinesischen Provinz Guangdong in Betrieb. Sie sollte unter anderem an Produktions- und Testeinrichtungen, Software, intelligentem In-Car-Equipment und dem Vertrieb von Elektro- und Hybridfahrzeugen arbeiten. Zudem gab es Gespräche mit Geely über eine Kooperation bei Technologie- und Ingenieurleistungen.
Die Mitarbeiterzahl stieg von 1.000 im Januar 2016 auf 1.400 im Januar 2017, sank später jedoch stark. LeEco war zeitweilig Finanzpartner. Im März 2020 vereinbarte Faraday Future eine Partnerschaft mit US Hybrid Corporation, die Komponenten des Elektroantriebssystems für mittelschwere und schwere Shuttlebusse sowie Container-Trucks nutzen wollte.
Fahrzeugkonzept und FF 91
Faraday Future plant eine modulare Fahrzeugplattform. Daraus sollen Fahrzeuge verschiedener Größen, Längen, Radstände und Reichweiten abgeleitet werden können. Je nach Ausführung sind bis zu vier Antriebsmotoren vorgesehen.
Als Konzeptstudie zeigte das Unternehmen im Januar 2016 auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas den einsitzigen Sportwagen FF Zero1. Für ihn wurden über 730 kW Spitzenleistung und 320 km/h Höchstgeschwindigkeit genannt; ein Produktionstermin wurde nicht angekündigt.
Der FF 91 wurde im Januar 2017 auf der CES in Las Vegas als erstes Serienentwicklungsfahrzeug vorgestellt. Er ist als Connected Car konzipiert, also als Fahrzeug mit moderner Telematik und digitaler Vernetzung. Geplant waren 300 Exemplare der „Alliance Edition“; innerhalb von 36 Stunden nach der Präsentation wurden 64.124 Reservierungen verzeichnet. Im August 2018 entstand das erste Vorserienfahrzeug. Der FF 91 soll 770 kW Spitzenleistung haben, in 2,27 Sekunden von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (97 km/h) beschleunigen und mit einer 142-kWh-Batterie 613 km Reichweite erreichen. Der genannte Preis beträgt 249.000 US-Dollar.
Rennsport und Kritik
Seit der Saison 2016/17 lieferte Faraday Future Motoren und Inverter für Dragon Racing in der FIA-Formel-E-Meisterschaft und war in dieser Saison Titelsponsor des Teams. Beim Pikes-Peak-Bergrennen 2017 unterbot der FF 91 in der Kategorie der Serienproduktionswagen die Zeit des Vorjahressiegers Tesla Model S P90D um mehr als zwanzig Sekunden.
Kritik richtete sich vor allem gegen die Finanzierung und die Zweifel, ob die Fahrzeugproduktion tatsächlich verwirklicht werden könne. Nevadas Finanzminister Dan Schwartz bezeichnete das Finanzierungsmodell als „Ponzi scheme“ und verglich es mit Bernard Madoff. Ende 2016 wurde außerdem über unbezahlte Rechnungen an Zulieferer und den Weggang leitender Angestellter berichtet. Im Februar 2017 musste Faraday Future seine finanziellen Planungen deutlich einschränken.