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Fahrenheit 9/11

Fahrenheit 9/11 ist ein Dokumentarfilm in Form einer Reportage des US-amerikanischen Produzenten Michael Moore. Er beleuchtet unter anderem die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und filmischer Ansatz
  2. 2. Inhalt und zentrale Kritikpunkte
  3. 3. Entstehung und Vertrieb
  4. 4. Veröffentlichung und Auszeichnungen
  5. 5. Gegenfilm und Fortsetzungen

Gegenstand und filmischer Ansatz

Fahrenheit 9/11 ist ein 2004 erschienener US-amerikanischer Dokumentarfilm in Form einer Reportage. Regie und Drehbuch stammen von Michael Moore. Der 122 Minuten lange Film ist auf Englisch und Arabisch gedreht und erhielt in Deutschland die Altersfreigabe FSK 12 sowie JMK 10. Sein erklärtes Ziel war, die Wiederwahl des republikanischen US-Präsidenten George W. Bush bei der US-Präsidentschaftswahl 2004 zu verhindern. Bush wurde dennoch erneut gewählt.

Der Film verbindet politische Analyse, Interviews, Archivmaterial und kritische Kommentare des Regisseurs. Im Mittelpunkt stehen die US-Politik nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die Geschäftsbeziehungen der Familie Bush zu arabischen Geschäftsleuten – insbesondere zur Familie Bin Laden –, die Vorbereitung und Begründung des Irakkriegs sowie dessen Folgen. Die im Film dargestellten Zusammenhänge werden dabei aus Moores kritischer Perspektive präsentiert; mehrere Aussagen, etwa über angeblichen Wahlbetrug oder behinderte Ermittlungen, sind als Vorwürfe beziehungsweise Behauptungen des Films zu verstehen.

Inhalt und zentrale Kritikpunkte

Der Film beginnt mit der Präsidentschaftswahl von 2000 in Florida. Moore stellt den Ausgang als Wahlbetrug dar, der Bush das Amt ermöglicht habe. Danach behandelt er Bushs Tätigkeiten während des Vietnamkriegs, seinen späteren Versuch, die Freundschaft zu James R. Bath zu verbergen, sowie seine erfolglosen Unternehmungen als Unternehmer. Auch Bushs häufige Urlaube und sein politisches Desinteresse als Präsident werden kritisch hervorgehoben.

Für die Darstellung des 11. September 2001 verwendet der Film besonders die Szene, in der Bush trotz der Nachricht von den beiden Flugzeugeinschlägen seinen Schulbesuch nicht abbricht, sondern den Kindern weiter „Mein kleines Zicklein“ vorliest. Außerdem thematisiert Moore die Ausreise des Bin-Laden-Clans trotz eines strikten Flugverbots und finanzielle Verbindungen zwischen Bush, der Familie Bin Laden und saudischen Investoren. Der Film nennt saudische Investitionen in den USA von 860 Mrd. US-Dollar, darunter 1,4 Mrd. US-Dollar an Zahlungen an die Bush-Familie und ihre Freunde.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die frühere Aufrüstung Saddam Husseins durch die USA in den 1980er Jahren. Moore vertritt die Auffassung, dass die drastische Aufrüstung zu großen Gewinnen für US-Rüstungskonzerne wie die Carlyle Group und Halliburton geführt habe. Zugleich kritisiert er, Bin Laden sei nach dem 11. September 2001 politisch weniger wichtig geworden und Ermittlungen seien möglicherweise behindert worden. Auch das US-Interesse an einer Öl-Pipeline in Afghanistan sowie Hamid Karzais Tätigkeit als Öl-Berater werden angesprochen.

Anschließend stellt der Film die Begründungen der USA für den Irakkrieg als fingierte Vorwände dar. Dazu gehören die behauptete Verbindung zwischen Irak und Al-Qaida, der angebliche Besitz von Massenvernichtungswaffen im Irak und das allgemeine Bedrohungsszenario einer überall möglichen Terrorgefahr. Der USA PATRIOT Act wird als Gesetz kritisiert, das eine vollständige Überwachung der US-Bevölkerung ermögliche.

Bei der Darstellung des Irakkriegs konzentriert sich Moore auf getötete Zivilisten, Folter und die Haltung junger Soldaten. Diese ziehen mit Musik in den Krieg und machen laut Film menschenwürdeverletzende Witze über Leichen. Dem stellt der Film die Rekrutierung junger Menschen in armen US-Vierteln unter dem Slogan „The army is an option“ gegenüber. Gezeigt wird außerdem eine patriotische Soldatenmutter, die später ihren Sohn verliert.

Weitere Themen sind die Beschimpfung von Kriegsgegnern, die Ausnutzung armer Menschen durch die Verantwortlichen des Krieges, deren Profitinteressen und die sehr kleine Zahl von Abgeordnetensöhnen, die im Irak dienen. Insgesamt soll dadurch die Sinnlosigkeit des Krieges deutlich werden. Am Ende vergleicht Moore den „Krieg gegen den Terror“ mit dem Ewigen Krieg in George Orwells Roman 1984. Beide würden in seiner Darstellung durch eine dauerhafte Bedrohung und die Verarmung der Bevölkerung dem Machterhalt dienen.

Entstehung und Vertrieb

Der Titel Fahrenheit 9/11 lehnt sich an Ray Bradburys Roman Fahrenheit 451 und François Truffauts gleichnamige Verfilmung an. Moore erklärte die Bedeutung als „die Temperatur, bei der die Freiheit brennt“ („the temperature where freedom burns“). Bradbury kritisierte, dass sein Titel ohne vorherige Anfrage verwendet und nur durch den Austausch der Zahlen verändert worden sei. Er bezeichnete Moore deshalb in einem Interview grob beleidigend als „dämlichen Drecksack“.

Der Vertrieb in den USA und Kanada musste zunächst durch schwierige Verhandlungen gesichert werden. Disney, der Mutterkonzern der Produktionsfirma Miramax, untersagte ursprünglich den Vertrieb, weil der Film zu politisch sei. Die Miramax-Leiter Bob und Harvey Weinstein kauften die Rechte daraufhin als Privatpersonen und organisierten einen alternativen Vertrieb.

Moore hatte den Film ausdrücklich mit dem Ziel gedreht, Bushs Wiederwahl am 2. November 2004 zu verhindern. Dafür verzichtete er auf die Möglichkeit, nach Bowling for Columbine erneut einen Oscar zu gewinnen: Nach den damaligen Regeln durften nominierte Filme vor der Nominierung nicht im Fernsehen gezeigt werden, Moore wollte Fahrenheit 9/11 jedoch noch vor der Wahl im Fernsehen ausstrahlen.

Veröffentlichung und Auszeichnungen

Die Premiere fand am 17. Mai 2004 beim Filmfestival in Cannes statt. Der Film wurde dort enthusiastisch aufgenommen und mit der Goldenen Palme als bester Film ausgezeichnet. Auch der Verband der internationalen Filmkritiker wählte ihn zum besten Film des Hauptwettbewerbs.

Die deutsche Free-TV-Erstausstrahlung erfolgte am 1. November 2004 zur Hauptsendezeit auf ProSieben. Sie erreichte 6,73 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 20,5 Prozent. Mit Einnahmen von fast 222,5 Mio. US-Dollar bei Produktionskosten von 6 Mio. US-Dollar gilt Fahrenheit 9/11 laut Artikel bis heute als kommerziell erfolgreichster Dokumentarfilm.

Weitere Auszeichnungen waren 2005 der Preis der Broadcast Film Critics Association als bester Dokumentarfilm und der People’s Choice Award für die beste Dokumentation. Bei der Goldenen Himbeere 2005 wurden George W. Bush als schlechtester Schauspieler, George W. Bush zusammen mit entweder Condoleezza Rice oder seiner zahmen Ziege als schlechteste Filmpaarung, Donald Rumsfeld als schlechtester Nebendarsteller und Britney Spears als schlechteste Nebendarstellerin ausgezeichnet. In den im Artikel genannten Bewertungsdaten erreicht der Film bei Rotten Tomatoes 82 Prozent und bei Metacritic 67/100.

Gegenfilm und Fortsetzungen

FahrenHYPE 9/11 erschien 2004 als Reaktion auf Fahrenheit 9/11. Der Film sollte Moore ungenaue Recherche und Manipulation nachweisen. Filmkritiker Christopher Null kritisierte jedoch, dass die Filmemacher zwar viele Argumente gegen Moore vorbrächten, diese aber nicht belegen könnten. Nach seiner Einschätzung richteten sich viele Argumente sogar gegen die Macher selbst, deren wesentliches Ziel die Rechtfertigung der Politik George Bushs sei.

Auch Roger Ebert kritisierte Moore teilweise, wollte sich aber nicht mit der politischen Haltung der FahrenHYPE-Macher identifizieren. Er warf ihnen vor, kein überzeugendes Argument gegen Moore zu liefern und stattdessen eine Diffamierungskampagne gegen dessen „linke Gesinnung“ zu betreiben. Besonders dem Filmemacher Morris schrieb Ebert die Verfolgung absurder Verschwörungstheorien zu, nach denen Deutschland, Frankreich und Russland vom Irak bestochen worden seien.

Unter dem Titel Fahrenheit 9/11 ½ plante Moore eine Fortsetzung, die 2007 fertiggestellt werden sollte. Im Mittelpunkt sollte der US-Krieg gegen den Irak stehen; Harvey Weinstein sollte eng mit Moore zusammenarbeiten. Moore begründete die Notwendigkeit des Projekts nach der Präsidentschaftswahl 2004 damit, dass 51 Prozent der US-Amerikaner nicht ausreichend informiert worden seien und der Film sie aufklären solle. 2018 erschien Fahrenheit 11/9, ein weiterer Film Moores über die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

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