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Fahrenheit 451 (1966)

Fahrenheit 451 ist ein britischer dystopischer Science-Fiction-Film des Regisseurs François Truffaut aus dem Jahr 1966. Er entstand nach dem gleichnamigen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Handlung
  3. 3. Entstehung und Veröffentlichung
  4. 4. Abweichungen vom Roman
  5. 5. Rezeption und Auszeichnungen
  6. 6. Musik, Synchronisation und Sonstiges

Überblick

Fahrenheit 451 ist ein britischer dystopischer Science-Fiction-Film von François Truffaut aus dem Jahr 1966. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ray Bradbury. Der Film dauert 109 Minuten, ist englischsprachig und wurde in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. Die Hauptrollen spielen Oskar Werner als Guy Montag, Julie Christie als Clarisse und Linda Montag sowie Cyril Cusack als Captain.

Der Titel bezeichnet eine Temperatur von etwa 233 °C, also 451 °F im angloamerikanischen Maßsystem. Nach Bradburys eigener, später oft als zu niedrig angesehener Angabe soll sich Papier bei dieser Temperatur ohne äußere Einwirkung entzünden. Inhaltlich geht es um eine Gesellschaft, in der Bücher verboten sind, weil sie angeblich Unglück, Zweifel und Konflikte erzeugen. Die Feuerwehr löscht dort keine Brände mehr, sondern sucht Bücher und verbrennt sie.

Handlung

Die Handlung spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft. Die Gesellschaft folgt dem Prinzip eines hedonistischen Glücksstrebens: Menschen sollen vor allem angenehm leben und nicht durch schwierige Gedanken belastet werden. Bücher gelten deshalb als gefährlich, weil sie Probleme, Konflikte und abweichende Ideen enthalten können. Sie sind gesetzlich verboten. Die Feuerwehr hat die Aufgabe, Bücher aufzuspüren und zu verbrennen. Da Gebäude feuerfest sind, löscht sie normalerweise keine Brände mehr; brennende Gebäude werden abgerissen, und die Bewohner ziehen in neue Wohnungen.

Guy Montag ist Feuerwehrmann und arbeitet seit zehn Jahren zufrieden in seinem Beruf. Er steht kurz vor einer Beförderung. Seine Frau Linda lebt scheinbar glücklich, vor allem durch Unterhaltungsmedien und Tabletten. Montag lernt auf dem Heimweg Clarisse kennen, eine Lehrerin, die nach einer Gesinnungsprüfung nicht mehr unterrichten darf, weil sie Bücher liebt und liest. Durch Clarisse wird Montag neugierig. Er nimmt heimlich Bücher von Einsätzen mit nach Hause und liest nachts darin.

Durch das Lesen beginnt Montag, seine Arbeit und das angeblich glückliche Leben der Gesellschaft infrage zu stellen. Das führt zu Konflikten mit Linda, die ihr bequemes Leben nicht aufgeben will. Clarisse gerät unter Beobachtung der Feuerwehr und muss untertauchen. Sie erzählt Montag, dass sie zu den „Buchmenschen“ fliehen will. Diese leben abseits der Gesellschaft in den Wäldern. Jeder von ihnen lernt ein Lieblingsbuch auswendig, damit es nicht vergessen wird.

Montag beschließt, seinen Beruf aufzugeben. Linda verrät ihn jedoch an die Feuerwehr. Sein letzter Einsatz führt zu seinem eigenen Haus, wo er gezwungen wird, seine Bücher zu verbrennen. Montag setzt die Wohnungseinrichtung in Brand, tötet den Captain mit dem Flammenwerfer und flieht. Schließlich findet er die Buchmenschen, bei denen auch Clarisse angekommen ist. Beide beginnen, Bücher auswendig zu lernen, um sie für die Zukunft zu bewahren. Der Film zeigt damit Bücher als Träger von Erinnerung, Wissen und Kultur.

Entstehung und Veröffentlichung

Fahrenheit 451 ist der einzige englischsprachige Kinofilm des französischen Regisseurs François Truffaut. Ein Grund dafür war, dass er die Produktion in Frankreich nicht finanzieren konnte und deshalb in den USA nach Unterstützung suchte. Gedreht wurde der Film in den britischen Pinewood Studios.

Die Premiere fand am 15. September 1966 in Paris statt. Ab dem folgenden Tag lief der Film in britischen Kinos. Truffaut bevorzugte die synchronisierte französische Fassung, weil er deren Dialoge für flüssiger hielt als die englischen. In der Bundesrepublik Deutschland startete der Film am 23. Dezember 1966 im Kino. Im deutschen Fernsehen wurde er erstmals am 3. Februar 1973 in der ARD gezeigt.

Abweichungen vom Roman

Der Film übernimmt die Grundidee des Romans, verändert aber viele Figuren und Handlungselemente. Clarisse ist im Buch ein junges Mädchen, im Film eine Lehrerin. Im Film entkommt sie der Feuerwehr und trifft Montag am Ende wieder; im Roman stirbt sie bei einem Autounfall. Montags Frau heißt im Film Linda, im Roman Mildred, genannt Millie.

Einige wichtige Figuren und Motive des Romans fehlen im Film. Der ehemalige Literaturprofessor Faber, der Montag im Roman als Mentor über ein Funkgerät im Ohr unterstützt, kommt nicht vor. Auch der mechanische Hund der Feuerwehr, vor dem Montag große Angst hat, existiert im Film nicht. Der Captain bleibt im Film namenlos; im Roman heißt er Beatty und ist ein Sergeant. Im Buch verachtet Beatty Bücher, ist aber zugleich literarisch gebildet und kann viele Werke zitieren. Im Film wird vor allem seine Bücherfeindlichkeit gezeigt.

Auch der Schluss unterscheidet sich deutlich. Im Roman wird Montags Heimatstadt in einem Krieg zerstört, den der Film nur andeutet. Danach wandern die Buchmenschen zurück, um Überlebenden beim Neubeginn zu helfen. Im Film bleibt die Stadt bestehen, und die Buchmenschen rezitieren die auswendig gelernten Bücher. Montag lernt im Film Erzählungen von Edgar Allan Poe; außerdem zitiert er am Ende aus der Offenbarung Kapitel 22: „Und auf beiden Seiten des Stromes stand ein Baum des Lebens, der trug zwölfmal Früchte und brachte seine Früchte alle Monate; und die Blätter des Baumes dienten zur Heilung der Völker.“

Rezeption und Auszeichnungen

Die Kritiken bewerteten den Film unterschiedlich. Das Lexikon des internationalen Films sah ihn als Geschichte eines Außenseiters, der sich von Anpassung und Trägheit befreit, und als Hommage an die Literatur und die abendländische Kultur. Andere Stimmen betonten, Truffaut habe von Bradbury vor allem die Grundidee der „bücherlosen Gesellschaft“ übernommen, aber weniger eine düstere Zukunftswelt geschaffen. Der Evangelische Film-Beobachter nannte den Film intelligent gemacht, aber thematisch wenig überzeugend, weil ihm politisches oder gesellschaftliches Engagement fehle.

Der Film erhielt Nominierungen für den britischen British Film Academy Award, für den US-amerikanischen Hugo Award und bei den Filmfestspielen von Venedig.

Musik, Synchronisation und Sonstiges

Die Filmmusik stammt von Bernard Herrmann. In späteren Veröffentlichungen erschienen Suiten aus dem Soundtrack, unter anderem auf Bernard Herrmann – Great Film Music von London/Decca aus dem Jahr 1996, eingespielt vom National Philharmonic Orchestra unter Herrmanns Leitung, sowie auf Fahrenheit 451 von Varèse Sarabande aus dem Jahr 1995, digital neu eingespielt vom Seattle Symphony Orchestra unter Joel McNeely.

Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Berliner Synchron GmbH. Die Dialoge schrieb M. Z. Thomas, die Regie führte Klaus von Wahl. Oskar Werner sprach Guy Montag in der deutschen Version selbst; Julie Christie wurde als Clarisse und Linda Montag von Margot Leonard synchronisiert.

Zu den erwähnten Einzelheiten der Produktion gehört, dass die moderne Hängebahn im Film die 1960 bei Châteauneuf-sur-Loire nahe Orléans errichtete SAFEGE-Teststrecke war. Außerdem wird berichtet, dass der Film das Ende der Freundschaft zwischen Truffaut und Werner bedeutete, weil beide ein sehr unterschiedliches Verständnis der Rolle hatten. 2018 entstand für das US-amerikanische Fernsehen eine Neuverfilmung von Fahrenheit 451 mit Michael B. Jordan, Michael Shannon und Sofia Boutella.

Lernvideos zu Fahrenheit 451 (1966)

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