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Ray Bradbury

Ray Douglas Bradbury (* 22. August 1920 in Waukegan, Illinois; † 5. Juni 2012 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Leben
  2. 2. Literarisches Werk
  3. 3. Arbeit für Film und Fernsehen
  4. 4. Auszeichnungen und Ehrungen
  5. 5. Erinnerung und weitere Würdigungen

Bedeutung und Leben

Ray Douglas Bradbury (* 22. August 1920 in Waukegan, Illinois; † 5. Juni 2012 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine wichtigsten literarischen Bereiche waren Science-Fiction, Horror und Phantastik. Besonders bekannt wurde er durch Die Mars-Chroniken und Fahrenheit 451, eine der prominentesten Dystopien des 20. Jahrhunderts. Eine Dystopie schildert eine bedrückende oder gefährliche Gesellschaftsordnung.

Bradbury war der Sohn von Leonard Spaulding Bradbury und der Schwedin Esther Marie Moberg. Seine Familie zog 1934 nach Los Angeles. Schon während der Schulzeit fiel sein Schreibtalent auf. 1937 trat er der „Los Angeles Science Fiction League“ und dem „Poetry Club“ bei. Nach seinem Abschluss an der Los Angeles High School veröffentlichte er 1938 in der Zeitschrift Imagination! seine erste Erzählung. Er las regelmäßig Bücher aus Bibliotheken und interessierte sich früh für Science-Fiction-Helden wie Flash Gordon und Buck Rogers. Nachdem seine Kurzgeschichten Erfolg hatten, arbeitete er als freier Schriftsteller und schrieb zunächst für Zeitungen und Zeitschriften.

1947 heiratete Bradbury Marguerite „Maggie“ McClure (1922–2003), mit der er vier Töchter bekam. Im selben Jahr erschien sein erstes Buch. Den literarischen Durchbruch brachte 1950 Die Mars-Chroniken. Das sozialkritische Werk behandelt die Kolonialisierung des Mars und spiegelt Ängste der US-Amerikaner in den 1950er Jahren. 1953 folgte sein berühmtester Roman Fahrenheit 451.

Bradbury wirkte außerdem an Spielfilmen und Fernsehserien mit. Dabei verwendete er teilweise die Pseudonyme William Elliott und Douglas Spaulding; weitere Pseudonyme waren Edward Banks, D. R. Banat, Leonard Douglas, Leonard Spaulding und Brett Sterling. Aufgrund seiner positiven Erfahrungen mit Büchern und Büchereien setzte er sich bis ins hohe Alter für öffentliche Bibliotheken ein, besonders für die Ventura County Public Libraries. Er unterstützte sie durch Fundraising-Veranstaltungen und Gespräche mit Kindern. Seine Grabstelle auf dem Westwood Village Memorial Park Cemetery in Los Angeles wählte er selbst aus. Der Grabstein trägt die Inschrift „Author of Fahrenheit 451“.

Literarisches Werk

Bradburys Werk umfasst Romane und zahlreiche Erzählbände. Zu seinen wichtigsten Romanen gehören The Martian Chronicles (1950; deutsch: Mars-Chroniken beziehungsweise Die Mars-Chroniken), Fahrenheit 451 (1953), Dandelion Wine (1957; deutsch: Löwenzahnwein), Something Wicked This Way Comes (1962; deutsch: Das Böse kommt auf leisen Sohlen) und The Halloween Tree (1972; deutsch: Halloween).

Spätere Romane sind Death Is a Lonely Business (1985; deutsch: Der Tod ist ein einsames Geschäft), A Graveyard for Lunatics: Another Tale of Two Cities (1988; deutsch: Friedhof für Verrückte) und Let’s All Kill Constance (2003; deutsch: Bringen wir Constance um!). Fahrenheit 451 erschien 1955 erstmals auf Deutsch in der Übersetzung von Fritz Güttinger; 2020 folgte eine Neuübersetzung von Peter Torberg.

Bradbury veröffentlichte außerdem viele Sammlungen von Kurzgeschichten. Bedeutende Beispiele sind The Illustrated Man (1951; deutsch: Der illustrierte Mann), The Golden Apples of the Sun (1953; deutsch unter anderem: Die goldenen Äpfel der Sonne), The October Country (1955; deutsch: Familientreffen), A Medicine for Melancholy (1958; deutsch: Medizin für Melancholie), The Machineries of Joy (1964; deutsch: Die Mechanismen der Freude) und I Sing the Body Electric! (1969; deutsch: Gesänge des Computers). Zu den späteren Sammlungen zählen Long After Midnight (1976), Dinosaur Tales (1983), The Toynbee Convector (1988), Quicker Than the Eye (1996), Driving Blind (1997) und The Cat’s Pajamas (2004). Damit reicht sein veröffentlichtes Werk von Zukunfts- und Marsgeschichten über unheimliche Erzählungen bis zu phantastischen Stoffen.

Arbeit für Film und Fernsehen

Zahlreiche Texte Bradburys wurden für Kino und Fernsehen bearbeitet. Bereits 1953 entstanden Panik in New York nach der Erzählung „The Fog Horn“ und Gefahr aus dem Weltall nach „The Meteor“. Für John Hustons Film Moby Dick (1956), der auf dem gleichnamigen Roman von Herman Melville beruht, schrieb Bradbury das Drehbuch.

Fahrenheit 451 wurde zweimal prominent verfilmt: 1966 unter der Regie von François Truffaut mit Oskar Werner, Julie Christie und Cyril Cusack sowie 2018 unter der Regie von Ramin Bahrani mit Michael B. Jordan, Michael Shannon und Sofia Boutella. Weitere Adaptionen waren Der Tätowierte (1969), die Miniserie Die Mars-Chroniken (1980), Das Böse kommt auf leisen Sohlen (1983), Ein Anzug für jede Gelegenheit (1998), A Sound of Thunder (2005) und Ray Bradbury’s Chrysalis (2008).

Eine besonders umfangreiche Fernsehumsetzung war Bradburys Gruselkabinett beziehungsweise The Ray Bradbury Theater. Die zwischen 1985 und 1992 in den USA und Kanada produzierte Serie umfasst 65 Episoden, beruht auf Bradburys Kurzgeschichten und entstand unter seiner Mitwirkung als Drehbuchautor. Für The Halloween Tree schrieb er außerdem das Drehbuch zu einem 1993 erschienenen Zeichentrickspezial.

Auszeichnungen und Ehrungen

Bradbury erhielt zahlreiche Literatur-, Science-Fiction-, Fantasy-, Horror- und Medienpreise. Frühe Anerkennung fand er mit Best American Short Story für The Big Black and White Game (1946) und dem O.-Henry-Preis für Homecoming (1947) sowie Powerhouse (1948). Für Fahrenheit 451 erhielt er den Hugo Award von 1954, der erst 2004 verliehen wurde, den Prometheus Award in der Hall-of-Fame-Kategorie (1984), den Retro Hugo Award als bester Roman (2004) und den Geffen Award in der Kategorie „Sf Book“ (2002).

Zu den Ehrungen für sein Gesamtwerk und seine Bedeutung als Autor zählen der World Fantasy Award für sein Lebenswerk (1977), der Gandalf Award als „Grand Master of Fantasy“ (1980), der SFWA Grand Master Award (1989), der Bram Stoker Award für das Lebenswerk (1988), die Aufnahme in die Science Fiction Hall of Fame (1999), die National Book Foundation Medal (2000), die Auszeichnung als World Horror Grandmaster (2001) und eine besondere Ehrung für sein Lebenswerk bei der Pulitzer-Preis-Verleihung 2007. 2008 folgten der Eaton Award für das Lebenswerk in der Science-Fiction und der Rhysling Grand Master Award.

Bradbury wurde 1963 für den Animationsfilm Icarus Montgolfier Wright für einen Oscar nominiert. 1994 erhielt er einen Emmy für das Drehbuch zu The Halloween Tree. 2002 wurde er mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt. Später wurden ihm mehrere Retro Hugo Awards zugesprochen, darunter Auszeichnungen als bester Fan-Autor und für Futuria Fantasia – 1940 als bestes Fanzine. King of the Gray Spaces beziehungsweise R Is for Rocket wurde als beste Kurzgeschichte ausgezeichnet.

Auch astronomische Orte tragen seinen Namen: Am 11. November 2000 wurde der Asteroid (9766) Bradbury nach ihm benannt, 2015 außerdem der Marskrater Bradbury.

Erinnerung und weitere Würdigungen

Am 22. August 2019, Bradburys 99. Geburtstag, wurde vor der Waukegan Public Library die Skulptur Fantastical Traveler aufgestellt. Das 3,5 Meter hohe Metallkunstwerk des Bildhauers Zachary Oxman (* 1968) zeigt einen jugendlichen Bradbury, der auf einer skelettierten Rakete reitet und in der linken Hand ein Buch schwingt. Die 125.000 Dollar teure Statue wurde durch Spenden finanziert; die Namen von Personen, die mehr als 500,00 Dollar spendeten, wurden eingraviert.

Die NASA würdigte Bradburys Werke über den Mars, indem sie die Landestelle des Mars Science Laboratory „Bradbury Landing“ nannte. In der Star-Trek-TNG-Episode „Die Damen Troi“ und im Film Star Trek Into Darkness wurde jeweils ein fiktives Sternenflottenraumschiff nach ihm benannt. Nach seinem Tod schlug ein Google-Mitarbeiter bei der IETF in Erinnerung an Fahrenheit 451 einen besonderen HTTP-Statuscode für Websites vor, die wegen Zensur nicht angezeigt werden dürfen: Error 451.

Eine filmische Dokumentation über ihn ist Omnibus: „Ray Bradbury – The Illustrated Man“ von David Wheatley aus dem Jahr 1980. Sie wurde am 24. Juli 1986 im NDR unter dem deutschen Titel Das Böse kommt auf leisen Sohlen ausgestrahlt.

Bradburys Wohnhaus in Los Angeles, in dem er von 1958 bis zu seinem Tod lebte und den größten Teil seines Werks schrieb, wurde 2014 für 1,7 Millionen Dollar vom Architekten Thom Mayne und dessen Frau gekauft und anschließend für einen Neubau abgerissen. Das Center for Ray Bradbury Studies hatte zugestimmt, und Bradburys Familie erhob keine Einwände; dennoch löste der Abriss empörte öffentliche Reaktionen aus. Mayne kündigte daraufhin an, die Titel von Bradburys Werken auf der neuen Umfassungsmauer des Grundstücks anzubringen.

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