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Fahrenheit 11/9
Fahrenheit 11/9 ist ein politischer Dokumentarfilm des US-amerikanischen Filmemachers Michael Moore, der den unerwarteten Wahlsieg von Donald Trump am 9.
Inhalt6 Abschnitte
Film und zentrale Fragestellung
„Fahrenheit 11/9“ ist ein politischer Dokumentarfilm des US-amerikanischen Filmemachers Michael Moore aus dem Jahr 2018. Moore führte Regie, schrieb das Drehbuch und war an der Produktion beteiligt. Der englischsprachige Film ist 128 Minuten lang und in Deutschland ab FSK 12, in Österreich ab JMK 10 freigegeben.
Ausgangspunkt ist Donald Trumps unerwarteter Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl, der am 9. November 2016 verkündet wurde. Moore untersucht daran den Zustand der Demokratie in den USA. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen die Republikanische Partei, sondern auch gegen Vertreter und die Führung der Demokratischen Partei. Als mögliche Gegenkräfte stellt der Film solidarisch handelnde Beschäftigte, Schülerinnen und Schüler, junge Aktivisten sowie neue politische Kandidatinnen in den Mittelpunkt.
Der Film wurde am 6. September 2018 beim Toronto International Film Festival uraufgeführt. Weltweit spielte er 6,7 Millionen US-Dollar ein, eines der niedrigsten Einspielergebnisse in Moores Karriere.
Bedeutung des Titels
Der Titel verwendet die amerikanische Datumsnotation, in der zuerst der Monat und danach der Tag steht: „11/9“ bezeichnet daher den 9. November, den Tag, an dem 2016 Trumps Wahlsieg verkündet wurde.
Zugleich verweist der Titel auf Moores Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“ von 2004, dessen Zahlen für den 11. September 2001 und damit für die Terroranschläge dieses Tages stehen. Beide Titel spielen außerdem auf den dystopischen Roman „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury an.
Erklärung des Wahlsiegs und Kritik am politischen System
Zu Beginn sucht Moore nach Erklärungen für Trumps Wahlsieg, den er selbst vorhergesagt hatte. Er vertritt die These, Trump habe zunächst gar nicht wirklich kandidieren wollen und sei eher in den Wettbewerb um die republikanische Nominierung hineingeraten. Mit der Forderung nach einem Abzug amerikanischer Soldaten aus Afghanistan und dem Irak habe er die Demokraten in diesem Punkt politisch links überholt.
Nach Darstellung des Films unterschätzte das Establishment der Demokratischen Partei Trump und ignorierte zugleich die existenziellen Sorgen vieler Menschen. Moore wirft den demokratischen Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama vor, keine deutlich sozialere Politik als Ronald Reagan sowie die Präsidenten der Familie Bush betrieben zu haben. Außerdem seien die Zahl der Drohnenmorde und die Zahl der Verurteilungen von Whistleblowern nie höher gewesen als unter Obama.
Moore kritisiert auch das amerikanische Mehrheitswahlsystem. In den meisten Bundesstaaten erhält der Gewinner der Mehrheit der Stimmen alle Wahlmännerstimmen des betreffenden Staates. Dadurch kann eine Person Präsident werden, obwohl sie landesweit nicht die Mehrheit der abgegebenen Bürgerstimmen, den sogenannten „Popular Vote“, gewonnen hat.
Der Film zeigt zudem Konflikte innerhalb der Demokratischen Partei. Konkurrenzkandidatinnen treten erfolgreich gegen langjährige Kongressmitglieder an, die zuvor als kaum besiegbar galten. In einem mitgeschnittenen Gespräch bestätigt ein führender Demokrat einem verhinderten Kandidaten nach Darstellung des Films, dass die Parteiführung linksliberale Kandidaten verhindern wolle.
Der Historiker Timothy Snyder wird zu möglichen Parallelen zwischen der politischen Entwicklung in den USA und despotischen Regimen befragt. Der Film verbindet dabei Bilder von Adolf Hitler mit Reden Trumps.
Die Wasserkrise von Flint
Am Beispiel der Wasserversorgung in Moores Heimatstadt Flint soll gezeigt werden, dass für republikanische wie demokratische Verantwortliche wirtschaftliche Interessen wichtiger sein können als die Gesundheit der Bevölkerung. Der republikanische Gouverneur Rick Snyder ließ ab April 2014 statt des zuvor verwendeten sauberen Wassers aus dem Huron-See kontaminiertes Flusswasser in das Leitungsnetz einspeisen. Hintergrund war der geplante Bau einer neuen Pipeline. Moore behauptet, diese sei nicht notwendig gewesen und habe vor allem Investoren und Wahlkampfsponsoren Snyders genutzt.
Das Flusswasser enthielt eine hohe Bleikonzentration. Schon wenige Tage nach dem Wechsel der Wasserquelle erkrankten Einwohner. Die Kinderärztin Dr. Mona Hanna Attisha stellte erhöhte Bleiwerte bei Kindern fest. Stark erhöhte Ergebnisse von Bluttests seien auf Veranlassung des Gesundheitsamts nach unten verändert worden. Hinzu kam eine Belastung mit Legionellen, Bakterien, die die sogenannte Legionärskrankheit verursachen. Mehrere Menschen starben daran.
Die Krise traf eine relativ arme und überwiegend afroamerikanische Bevölkerung. Viele Einwohner konnten nicht wegziehen. Wer sauberes Wasser kaufen musste, hatte entsprechend weniger Geld für grundlegende Dinge wie Medikamente oder Windeln. Moore sieht deshalb auch eine rassistische und menschenrechtswidrige Dimension. Als besonders schockierend wird dargestellt, dass das örtliche Werk von General Motors wieder mit dem ursprünglichen sauberen Wasser versorgt wurde, während die Bevölkerung weiterhin betroffen war.
Moore kritisiert ebenfalls Obama. Dieser habe zwar finanzielle Hilfe zugesichert, sich aber auf die Seite derjenigen gestellt, die das Problem verharmlosten. Der Film zeigt zwei Szenen, in denen Obama um ein Glas Leitungswasser bittet. Moore kommentiert, Obama habe nur die Lippen an das Glas gesetzt und nicht wirklich getrunken.
Proteste und politische Hoffnung
Als Beispiel für die Macht solidarischen Handelns behandelt der Film den Lehrerstreik, der im März 2018 in West Virginia begann und auf Kentucky und Oklahoma übergriff. Die Lehrkräfte setzten den Streik gegen den Willen ihrer Gewerkschaftsführung fort. Sie beendeten ihn erst, nachdem auch für das übrige Schulpersonal und die Schulbusfahrer Lohnerhöhungen sowie mehr Geld für das Bildungswesen zugesagt worden waren.
Hoffnung verbindet Moore außerdem mit der jungen Generation. Nach dem Schulmassaker von Parkland organisierten Schülerinnen und Schüler über soziale Medien landesweite Massendemonstrationen, darunter den „March for Our Lives“. Der Film zeigt auch Medienauftritte junger Aktivisten. Diese Bewegung soll verdeutlichen, dass junge Menschen einen Politikwechsel zugunsten der Interessen der Mehrheit durchsetzen könnten.
Einordnung, Faktenprüfung und Reaktionen
Die Darstellung von Obamas Verhalten in Flint wurde von Faktenprüfern teilweise widersprochen. „The Dispatch Fact Check“ betonte, Obama habe sich nicht über die Wasserkrise oder ihre Opfer lustig gemacht. Vor seinem Nippen am Wasser habe er erklärt, dass Tausende Filter verteilt worden seien und diese bei richtiger Anwendung bis zu 99 % des Bleis entfernen könnten. Mit dem Satz „Now, I say that not to make light of the situation“ habe er ausdrücklich klargestellt, dass er die Situation nicht verharmlosen wolle. Nach dieser Bewertung sollte das Trinken zeigen, dass korrekt gefiltertes Wasser sicher sei; seine Aussagen über die Bleiaufnahme sollten Eltern hinsichtlich möglicher langfristiger Gesundheitsschäden beruhigen.
„FactCheck.org“ verwies darauf, dass Obama im Januar 2016 eine Notstandserklärung für Michigan unterzeichnete, durch die Bundesmittel zur Bewältigung der Krise bereitgestellt werden konnten. Im Dezember 2016 unterzeichnete er außerdem ein Gesetz über 170 Millionen US-Dollar für Städte und Gemeinden mit ähnlichen Trinkwassernotständen. Flint wurde ausdrücklich als Empfänger genannt und erhielt eine Zusage über 100 Millionen US-Dollar. Dennoch sei die Reaktion der US-Regierung kritisierbar, weil sie teilweise verspätet erfolgte und klare Zuständigkeiten fehlten. Die Behauptung, Obama habe die Krise zum Notstand erklärt, aber nie etwas zu ihrer Lösung unternommen, wurde als irreführend bewertet. Ob er sich insgesamt auf die Seite der Verharmloser stellte, bleibt dem Artikel zufolge umstritten.
Die deutschsprachige Kritik fiel unterschiedlich aus. Einige Rezensenten bezeichneten den Film als ungewöhnlich differenziert, reif und ambitioniert oder als zugleich deprimierend und unterhaltsam. Andere sahen eine vertane Chance, kritisierten Verschwörungstheorien, politischen Lagerkampf und den Alarmismus der Hitler-Analogie. Mehrfach wurde die Aufarbeitung der Wasserkrise von Flint als besonders starker Teil hervorgehoben; zugleich wurde bemängelt, dass Trump-Anhänger kaum selbst zu Wort kommen.
Michael Moore wurde 2019 für den Writers Guild of America Award in der Kategorie Bestes Drehbuch eines Dokumentarfilms nominiert. Bei der Goldenen Himbeere 2019 erhielt Donald Trump Auszeichnungen als Schlechtester Schauspieler sowie zusammen mit seiner „immer währenden Belanglosigkeit“ für die Schlechteste Filmpaarung; Kellyanne Conway wurde als Schlechteste Nebendarstellerin ausgezeichnet.