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Erich Maria Remarque
Im NS-Staat wurden seine Bücher verboten und 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. 1939 emigrierte er in die …
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Schriftsteller und Bedeutung
Erich Maria Remarque (geboren am 22. Juni 1898 in Osnabrück als Erich Paul Remark, gestorben am 25. September 1970 in Locarno in der Schweiz) war ein deutscher Schriftsteller. Weltberühmt wurde er durch den 1929 als Buch erschienenen Antikriegsroman Im Westen nichts Neues, der bereits 1930 in Hollywood verfilmt wurde.
Seine Romane werden überwiegend als pazifistisch bezeichnet: Pazifismus ist die Haltung, Krieg und Gewalt abzulehnen und Frieden zu fördern. Remarque schilderte besonders die Grausamkeit des Krieges sowie Folgen von Krieg, Flucht, Verfolgung und gesellschaftlichen Umbrüchen für einzelne Menschen. Seine Werke werden bis heute weit verbreitet gelesen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden seine Bücher verboten und 1933 öffentlich verbrannt; 1938 verlor er die deutsche Staatsbürgerschaft. Er lebte später in der Schweiz und in den USA.
Den Künstlernamen Erich Maria Remarque verwendete er seit den frühen 1920er Jahren. „Maria“ wählte er ab November 1922 als Ausdruck seiner Verehrung für Rainer Maria Rilke und zum Andenken an seine Mutter Anna Maria. Nationalistische und nationalsozialistische Behauptungen, sein Geburtsname sei „Kramer“, er sei Jude oder habe nicht am Krieg teilgenommen, waren unzutreffend.
Kindheit, Krieg und erste Berufe
Remarque war das zweite von vier Kindern des Buchbinders Peter Franz Remark und Anna Maria Remark, geborene Stallknecht. Die Familie zog innerhalb Osnabrücks häufig um, um zunächst günstig vermietete Neubauwohnungen zu nutzen. Er besuchte Volksschulen und danach eine katholische Präparandenanstalt sowie ab 1915 das Königliche Volksschullehrer-Seminar in Osnabrück.
Im Ersten Weltkrieg wurde er am 21. November 1916 als Reserve-Rekrut eingezogen. Nach Ausbildung in Osnabrück und vermutlich im Munsterlager kam er im Juni 1917 an die Westfront nach Flandern. Dort erlebte er am 12. Juli einen Gasangriff. Am 31. Juli 1917 wurde er durch Granatsplitter an Arm und Bein sowie durch einen Halsschuss schwer verwundet. Er kam über ein Feldlazarett in das St. Vinzenz-Hospital in Duisburg. Seine Mutter starb im September 1917 an Darmkrebs. Remarque arbeitete während der Genesung in der Schreibstube des Hospitals, kehrte am 31. Oktober 1918 nach Osnabrück zurück und wurde am 5. Januar 1919 aus der Armee entlassen. Mitte November 1918 erhielt er unter unklaren Umständen das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Schon im Lazarett begann er einen ersten Roman über den Krieg. In seinem Tagebuch forderte er am 24. August 1918 einen „Kampf gegen die drohende Militarisierung der Jugend, gegen den Militarismus in jeder Form seiner Auswüchse.“ Biografen und Interpreten bewerten seine spätere Haltung meist als pazifistisch-antimilitaristisch, obwohl Remarque sich selbst in Interviews als „unpolitischer Mensch“ bezeichnete.
Nach bestandener Lehramtsprüfung im Juni 1919 unterrichtete er kurz als Volksschullehrer: ab 1. August 1919 in Lohne, ab Mai 1920 in Klein Berßen und ab August 1920 in Nahne. Am 20. November 1920 endete seine Lehrtätigkeit. Danach arbeitete er unter anderem als Verkäufer von Grabsteinen und Organist, dann als Zeitungsredakteur. Sein früher Roman Die Traumbude erschien 1920 noch unter dem Namen Erich Remark und war ein Misserfolg. Ab 1922 arbeitete er bei der Continental AG an der Werkszeitung Echo Continental, wurde 1923 Chefredakteur und schrieb dort unter anderem Texte zu den Comicfiguren Die Contibuben. Von 1925 bis 1928 war er für Sport im Bild tätig.
Im Westen nichts Neues und Verfolgung
Remarque begann Im Westen nichts Neues 1927. Nach einer Vorveröffentlichung vom 10. November bis 9. Dezember 1928 in der Vossischen Zeitung erschien das Buch am 29. Januar 1929 im Propyläen Verlag. Der Roman erzählt in Ich-Form aus der Sicht der erfundenen Hauptfigur Paul Bäumer vom Krieg. Remarque verwendete eigene Erfahrungen, vor allem aber Erzählungen verwundeter Soldaten aus dem Lazarett und auch erfundene Episoden.
Paul Bäumer ist nicht mit Remarque gleichzusetzen. Bäumer meldet sich als Kriegsfreiwilliger, Remarque wurde dagegen eingezogen. Remarque war nur von Mitte Juni bis Ende Juli 1917, also kaum sechs Wochen, im Frontgebiet; Bäumer nimmt im Roman mehrere Jahre am Krieg teil und fällt kurz vor Kriegsende. Dennoch trat der Verlag dem verbreiteten Eindruck, das Buch beruhe hauptsächlich auf Remarques eigenen Erlebnissen, aus Werbegründen nicht ernsthaft entgegen.
Der Roman und Lewis Milestones Hollywood-Verfilmung Im Westen nichts Neues von 1930 machten Remarque international bekannt. Für das Werk wurde er 1931 sowohl für den Literatur-Nobelpreis als auch für den Friedensnobelpreis nominiert. Der Deutsche Offizier Bund protestierte, weil der Roman aus seiner Sicht die deutsche Armee und ihre Soldaten verunglimpfe.
Die deutsche Erstaufführung des Films am 4. Dezember 1930 in Berlin wurde von nationalsozialistischen Schlägertrupps im Auftrag Joseph Goebbels' massiv gestört. Am 11. Dezember wurde der Film verboten; später durfte er zeitweise nur gekürzt gezeigt werden. Remarque hatte 1931 die Casa Monte Tabor in Porto Ronco am Lago Maggiore gekauft und machte sie 1932 zu seinem Hauptwohnsitz. In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 1933 verließ er Deutschland endgültig. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler wurden seine Bücher als „schädliches und unerwünschtes Schrifttum“ verboten und im Mai 1933 verbrannt. 1938 wurde er nach dem Reichsbürgergesetz ausgebürgert.
Seine Schwester Elfriede Scholz wurde 1943 nach einer Denunziation wegen Äußerungen gegen das NS-Regime vom Volksgerichtshof wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Remarque erfuhr davon erst im Juni 1946 und widmete ihr den Roman Der Funke Leben von 1952.
Exil, spätere Jahre und Werk
Seit 1939 lebte Remarque offiziell in den USA. Dort traf er zahlreiche emigrierte Schriftsteller und Filmschaffende und fand als Autor Anerkennung, auch weil seine Bücher auf Englisch erfolgreich waren. Im Exil schrieb er einen Roman, der 1941 auf Englisch als Flotsam und auf Deutsch als Liebe Deinen Nächsten erschien. 1947 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.
1948 kehrte er in die Schweiz zurück und wohnte wieder in Porto Ronco. In den folgenden zwölf Jahren hielt er sich ungefähr je zur Hälfte in Europa und den USA auf; bis 1960 überquerte er achtmal den Atlantik. Die 1938 verlorene deutsche Staatsangehörigkeit wollte er nach eigener Aussage nicht zurückerlangen. Für 1933 beschlagnahmtes Bankguthaben erhielt er nach einem Gerichtsurteil von Dezember 1961 Wiedergutmachung. 1967 wurde ihm in Porto Ronco das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland überreicht.
Zu seinen wichtigen Romanen gehören neben Im Westen nichts Neues Der Weg zurück (1931), Drei Kameraden (1938), Liebe deinen Nächsten (1941), Arc de Triomphe (1946), Der Funke Leben (1952), Zeit zu leben und Zeit zu sterben (1954), Der schwarze Obelisk (1956), Der Himmel kennt keine Günstlinge (1961) und Die Nacht von Lissabon (1962). Sein Bühnenwerk Die letzte Station wurde am 20. September 1956 am Renaissance-Theater Berlin uraufgeführt. Postum erschien 1971 Schatten im Paradies, eine vom Verlag stark bearbeitete und vom Autor nicht autorisierte Fassung seines letzten Romans; die spätere Ausgabe Das gelobte Land trägt den von ihm vorgesehenen Titel.
Viele Werke wurden verfilmt. Besonders Im Westen nichts Neues wurde 1930, 1979 und 2022 adaptiert. Weitere Beispiele sind The Road Back (1937) nach Der Weg zurück, Three Comrades (1938) nach Drei Kameraden und Zeit zu leben und Zeit zu sterben (1958), in dem Remarque selbst die Nebenrolle des Widerstandskämpfers Professor Pohlmann spielte.
Remarque war zweimal mit der Tänzerin Ilse Jutta Zambona verheiratet, von 1925 bis 1930 und von 1938 bis 1957. Die zweite Ehe erleichterte ihr die Einwanderung in die Schweiz und später das Asyl in den USA. 1958 heiratete er die Schauspielerin Paulette Goddard, mit der er bis zu seinem Tod im Tessin lebte. Er sammelte besonders impressionistische Gemälde, darunter Werke von Degas, van Gogh und Utrillo, und versuchte sich zwei Jahre lang am Kunsthandel.
Tod, Ehrungen und Erinnerung
Remarque starb im September 1970 an einem Aortenaneurysma und wurde auf dem Friedhof von Ronco sopra Ascona beigesetzt. Paulette Goddard übergab 1977 seinen schriftlichen Nachlass und seine Bibliothek an die New York University. Nach ihrem Tod 1990 wurde sie neben ihm bestattet; ein gemeinsames Grabmal verbindet die Gräber von Remarque, Goddard und ihrer Mutter Alta Goddard.
Zu Lebzeiten erhielt Remarque neben dem Eisernen Kreuz I. Klasse die Justus-Möser-Medaille der Stadt Osnabrück (1964), das Große Bundesverdienstkreuz (1967) und die Ehrenbürgerwürde von Ascona (1968). Nach seinem Tod wurden unter anderem die Erich Maria Remarque-Gesellschaft in Osnabrück (1986), der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück (1991), das Remarque Institute an der New York University (1995) und das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück (1996) gegründet. Seit 1999 trägt der Asteroid (10119) seinen Namen.
Das Friedenszentrum ist ein Museum mit Remarque-Archiv, das von Stadt und Universität Osnabrück gemeinsam betrieben wird. Seine Dauerausstellung heißt „Unabhängigkeit – Toleranz – Humor“. Die Remarque-Gesellschaft fördert nach ihrer Satzung humanistische Kultur, Kunst, Wissenschaft und Forschung durch die Pflege seines Erbes und organisiert Lesungen, Vorträge und Diskussionen.
Marcel Reich-Ranicki bewertete Remarques Prosa als weniger künstlerisch originell, aber handwerklich überzeugend und treffend für ihre Zeit. Wilhelm von Sternburg nannte ihn einen sehr genauen Beobachter seiner Zeit, einen radikalen Deuter der Politik und einen Menschenfreund auf Distanz.